Messung nährt Zweifel an Tempo 30

Was bringt Tempo 30? In Bezug auf die Umwelt: nicht viel. Beispiel Leipziger Straße - seit Versuchsstart im April wurde der EU-Grenzwert nur in einem Monat unterschritten, für die Verkehrsverwaltung steht deshalb fest: „Am Standort des Messbusses kann der NO2-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht mehr eingehalten werden.“
Auch eine Checkpoint-Analyse einzelner Tage im Stundenverlauf auf Basis der Senatsdaten für Stickstoffdioxid lässt an der unmittelbaren Wirksamkeit des Tempolimits zweifeln. Ein Vergleich: Am 9.12., einem verkaufsoffenen Sonntag mit relativ viel Verkehr, wurde an 23 Stunden der Grenzwert unterschritten (Ausnahme: 17 Uhr mit 40 µg/m³)Am Sonntag, den 16.12. (kein Einkaufsverkehr) wurde der Grenzwerte dagegen nur an 14 Stunden unterschritten, abends und nachts lagen die Werte deutlich darüber.
Besonders interessant ist die Analyse des 13. Oktobers – an diesem Tag zogen fast eine Viertelmillion Teilnehmer der „Unteilbar“-Demo durch die Leipziger Straße, am frühen Nachmittag war da für Autos kein Platz. Der umweltpolitische Verlauf der Veranstaltung, gemessen in NO2 µg/m³: 14 Uhr: 77 / 15 Uhr: 30 / 16 Uhr: 28 / 17 Uhr 66 / 18 Uhr 103. Die µg/m³-Delle ist klar zu erkennen. Aber: Die Werte sanken komplett ohne Verkehr nicht signifikant unter die zeitgleichen Werte des verkaufsoffenen Sonntag 9.12., und sie lagen sogar weitaus höher als die zeitgleichen Werte vom Sonnabend darauf (20.10.). Vorläufiges Fazit: Entweder die Messstation ist kaputt – oder die automatische „Wenn-dann“-Rechnung geht nicht auf. (Q: luftdaten.berlin.de, Antwort Staatssekretär Tidow auf Anfrage MdA Kohlmeier)