Mitarbeiter des Bodenpersonals sind weiter in Kurzarbeit
Während deutschlandweit Flughafen-Personal gesucht wird, haben BER-Beschäftigte angeblich immer noch zu wenig zu tun – obwohl die Sommerferien vor der Tür stehen. Von Nina Breher und Sinan Reçber
Berliner wissen: Ferienzeit ist BER-Schlagzeilenzeit! Weil kurzzeitig Düsseldorfer und Frankfurter Flughafen-Schlangen in die bundesdeutschen Schlagzeilen drängelten, entglitten Berliner Passagiere ungewohnt still in ihre Urlaube – von Lappalien wie Menschenmassen, geschlossenen Toiletten und unverständlichen Schildern mal abgesehen (Jan Süselbeck/Twitter). Der gestrige Tag begann aber endlich wieder mit einem Software-Fehler: Bei der Deutschen Flugsicherung in Frankfurt ging ein Update schief. In Berlin fielen zwei Flüge aus, wie viele sich verspäteten, blieb offen.
Ebenso offen ist, ob der gestrige Beschluss der Bundesregierung, Flughafen-Personallücken mit ausländischen Hilfskräften zu stopfen, die Lage am BER verbessern wird – trotz langer Schlangen. Denn während händeringend Personal für deutsche Flughäfen gesucht wird, ist am BER noch Bodenpersonal in Kurzarbeit: Betroffen sind knapp 200 Mitarbeiter des Flughafendienstleisters Wisag, die meisten davon im Bereich Passagierabfertigung (ja, da, wo die langen Schlangen sind, s.o.). Das teilte eine Sprecherin dem Checkpoint auf Nachfrage mit.
Personalengpässe an Flughäfen, aber Kurzarbeit am BER – wie passt das zusammen? Dahinter steckt, na klar, die Berliner Flughafengesellschaft (FBB): Laut der Wisag verzögert sich eine Lizenz-Ausschreibung der FBB, es gebe eine „bedauerlicherweise erhebliche Verzögerung“. Bevor die durch sei, könne man keine neuen Aufträge annehmen und habe keine Arbeit für die Mitarbeiter. Heißt: Personal verharrt in (vom Staat finanzierter) Kurzarbeit, weil der Dienstleister wartet, dass die FBB die neue Ausschreibung über die Bühne bringt (und auch, weil die Auslastung „noch nicht beim Vorkrisenniveau liegt“, betont die Wisag).
Theoretisch könnte der Dienstleister sein Personal verleihen – an andere Firmen, die am BER dieselben Aufgaben erledigen. Bisher habe es aber „keine Anfragen von Wettbewerbern“ dieser Art gegeben, sagte die Sprecherin. Ist also die Personaldecke am BER am Ende gar nicht so dünn? „Bisher – so unsere Einschätzung – kommen alle am BER tätigen Unternehmen soweit ganz gut durch.“ Am fehlenden Personal liegt’s laut Wisag also nicht; Gewerkschaftssekretär Enrico Rümcker sieht das natürlich anders, berichtet Thorsten Metzner. Gut wäre das aber. Auch, weil die ersten aus dem Ausland angeworbenen Beschäftigten sowieso erst in acht Wochen mit der Arbeit beginnen könnten, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport am Mittwoch erklärte. Auch bis die FBB die Lizenz-Ausschreibung abgeschlossen hat, werde es wohl noch einige Wochen dauern. Kurz: Bis sich die Personalsituation ändert, sind die Berliner Sommerferien eh‘ vorbei.