Die Berliner*innen der Woche
Ein Ex-Bürgermeister kann glänzen (nein, nicht Müller), ebenso ein Twitter-Account aus dem Rathaus (nein, nicht das Rote) und die Bundeswehr geht leer aus. Von Lorenz Maroldt
Und damit kommen wir unmittelbar zur Checkpoint-Ehrung der „Berlinerinnen und Berliner der Woche“ in den Kategorien Bronze, Silber, Gold und Blech.
Bronze hat sich, das wird Sie jetzt nicht mehr überraschen, unser Multiregierender Bundestagsbürgermeister verdient – beeindruckt haben die Jury auch seine Worte zur Würdigung eines seiner Vorgänger (und sein Schweigen zum Wirken seiner designierten Nachfolgerin), mehr dazu gleich. Die Medaillenübergabe findet traditionellerweise in der Ringbahn statt.
Durchgesetzt hat sich Müller gegen die sechs ausgebüxten Reinickendorfer Wasserbüffel, die es bis in die SZ geschafft hatten, und gegen den Bürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel – der setzt sich am 22. November zwischen 14 und 15.30 Uhr unter dem Motto „Bei Anruf Bürgermeister“ an ein Telefon mit der Nummer 902 97 23 00: Ohne Voranmeldung kann hierjede und jeder anrufen und dem Rathauschef die Meinung geigen (wenn nicht gerade Michael Müller die Leitung besetzt).
Silber bekommt in dieser Woche der unbekannte Betreiber (die Betreiberin?) des Twitter-Accounts „Rathaus Neukölln“ – seit 2013 schlägt’s hier jede Stunde ein: „zwölve? zeit fürn bier! bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm“ oder „kiek ma, hier, viere! wow wow wow wow“ und auch „fünve, können se nich uffpassen? pling pling pling pling pling“. Gestern um 20 Uhr hieß es hier: „achte werd ick verkoofen! impf impf impf impf impf impf impf impf.“ Also, wenn irgendwer mal wieder schräg an der Uhr gedreht hat (siehe oben) – einfach auf „rh_neukoellln“ gehen.
Gold geht in dieser Woche (Trommelwirbel, Überraschung!) … an Eberhard Diepgen – der Ex-Regierende (übrigens der erste Urberliner in diesem Amt) feiert heute im Schloss Friedrichfelde seinen 80. Geburtstag. Die Laudatio auf den Berliner CDU-Ehrenvorsitzenden hält für uns Michael Müller – bitte sehr:
„Eberhard Diepgen hat sich unschätzbare Verdienste um die Wiedervereinigung Berlins erworben. Er kümmerte sich nach dem Fall der Mauer von 1991 bis 2001 um die Geschicke seiner wiedervereinten Mutterstadt. Mit Augenmaß, Geduld und gleichwohl Energie machte er sich an die Aussöhnung zwischen Ost und West, an die Vorbereitungen auf die Rolle Berlins als Bundeshauptstadt, an die Ertüchtigung des Wirtschaftsstandorts in einer Welt der Globalisierung, an den Erhalt der Kulturstadt und den Ausbau der Wissenschaftsmetropole Berlin. Es gab keinen Masterplan in der Schublade für die Wiedervereinigung einer jahrzehntelang getrennten Millionenstadt. Mit Beharrlichkeit und Willen zum Ausgleich leitete er über ein Jahrzehnt die „Werkstatt der Einheit“ – wie er Berlin selbst nannte – und schuf damit die Grundlagen für ein neues Jahrhundert. Berlin schuldet Eberhard Diepgen großen Dank und wünscht ihm alles Gute zum Geburtstag, vor allen Dingen Gesundheit, Erfüllung in der Ausübung der zahlreichen Ehrenämter sowie Freude im Kreis der Familie.“
Für heute hält das Checkpoint-Protokoll fest: Nicht alles, was Michael Müller sagt, stimmt – das aber schon.
Um Blech balgen sich die Berliner auch diesmal wie sonst nur zu Silvester um die Pfannkuchen (die anderswo Berliner heißen). Nominiert waren:
+ Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, das 500.000 Euro, die der Senat für Bürgerbeteiligungen angeboten hatte, nicht in Anspruch nahm, weil das Bezirksamt einfach keine Bürgerbeteiligungen organsierte (im Gegensatz zu anderen Bezirken). „Somit gab es keinen Anlass die Gelder zu verwenden“, sagt die Bürgermeisterin. Logo.
+ Die Hausverwaltung in Pankow, die ihre Mieter in der Metzer Straße 22 seit vier Jahren mit einem Gerüst zur Straßen- und zur Hofseite von der Berliner Außenwelt trennt – den Bewohnern steht das fünfte Weihnachtsfest hinter Gittern bevor.
+ Die Bundeswehr, die mit der Sensibilität eines Knobelbechers ausgerechnet am 9. November einen „dynamischen Start in den Tank Tuesday“ wünschte – Twitter-Hashtag: #PanzerHurra“.
+ Das Bezirksamt Mitte, das die Anmelder der Ausstellung „Menschen – im Fadenkreuz des rechten Terrors“ behandelte wie das Rindvieh eine lästige Fliege. Trostversuch einer Mitarbeiterin: „Wenn Sie so lange hier gearbeitet haben wie ich, wundern Sie sich über gar nichts mehr.“
Die Blechberliner der Woche sind nach dem unbestechlichen Urteil der Checkpoint-Jury aber die „Berlin Partner“: Die fröhlich-naive Begeisterung, mit der die teils vom Senat finanzierten Wirtschaftswerber für Investitionen, Expansionen und Exkursionen in die Sklaventreiber-Paradiese Dubai und Doha mobilisieren, passt zur rot-grün-roten Mindestlohnmetropole Berlin genauso gut wie eine Ernennung von Tamim bin Hamad Al Thani und Muhammad bin Raschid Al Maktum zu Queer-Beauftragten des DGB.