die aktuelle Uhrzeit wird Ihnen heute präsentiert von RKI-Chef Lothar Wieler: „Es ist fünf nach zwölf.“ Und falls Sie sich fragen, wer da an der Uhr gedreht hat: Laut RKI sind es die 30 Prozent Ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich bisher nicht haben impfen lassen. Die 7-Tage-Inzidenz bei Neuinfektionen pro 100.000 EW erreichte in Berlin gestern jedenfalls mit 279 einen neuen Höchststand (registrierte Infizierte in Berlin zurzeit insgesamt: mehr als 20.000).
Während sich die einen die Haare raufen, werden sie bei den anderen wachsen (falls sie nicht selbst zu Schere greifen): Von Montag an gilt in Berlin die 2G-Regel – Zutritt zu Friseuren, Fitnessstudios und vielen weiteren öffentlichen Räumen (u.a. Kneipen und Kultur, aber nicht im Einzelhandel) haben dann nur noch immunisierte Genesene oder Geimpfte (offizielle Liste hier). Jedenfalls theoretisch. Das BA Schöneberg-Tempelhof teilt uns hier für alle Bezirke mit: „Eine flächendeckende Kontrolle ist nicht leistbar.“ Negative Testergebnisse reichen jetzt zwar nicht mehr (Ausnahmen weiter unten), aber von Montag an sind sie immerhin wieder kostenlos.
Jedenfalls theoretisch. Das BA Schöneberg-Tempelhof teilt uns hier für alle Bezirke mit: „Eine flächendeckende Kontrolle ist nicht leistbar.“ Negative Testergebnisse reichen jetzt zwar nicht mehr (Ausnahmen weiter unten), aber von Montag an sind sie immerhin wieder kostenlos.
Auch die Gesundheitsämter haben längst die Kontrolle verloren – so blinkt in vielen Schulen weiter die grüne Ampel, obwohl hier die Zahl der Corona-infizierten Kinder (positive PCR-Tests: 2719) und Beschäftigten (317) doppelt so hoch ist wie vor einer Woche. Aber die Lichtzeichenanlage funktioniert nur per Handbetrieb, und die Ämter haben leider den Schraubenschlüssel verlegt. Susanne Vieth-Entus hat sich die Situation an den Schulen genau angeschaut – ihren Bericht mit den Daten aus allen Bezirken und den betroffenen Lerngruppen finden Sie hier.
Minderjährige sind von der 2G-Regel übrigens ausgenommen, wenn Sie einen Schülerausweis vorzeigen. Personen, die nachweisbar aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, müssen ein tagesaktuelles Testergebnis vorlegen.
Senat und Bezirke kommen also mit den Kontrollen nicht hinterher (siehe oben) – aber wie ernst nimmt es die Gastronomie mit dem Blick auf den Anti-Corona-Nachweis? Wir haben in dieser Woche mit ihrer Hilfe eine Positivliste (!) erstellt: 311 Bars, Cafés und Restaurants stehen inzwischen darauf – hier werden die Gäste erst gecheckt, dann bedient (zur Sicherheit aller). Unser einzigartiges Innovation-Team um Hendrik Lehmann (eben noch ausgezeichnet mit dem Medienpreis Luft- und Raumfahrt 2021 für die großartige 3D-Darstellung des BER-Destasters) hat aus den Daten flugs eine interaktive Karte gebaut. Hier unter diesem Link können Sie nachschauen, wo der Filter an der Tür funktioniert.
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Wenn es um die Corona-Impfung geht, reden sich alle die Köppe heiß. Da ist es an der Zeit, sich abzukühlen. Hierbei helfen Fakten zum Thema Impfen. Der PKV-Verband hat deshalb die wichtigsten Fakten zur Corona-Impfung zusammengestellt - aufbereitet von der unabhängigen und gemeinnützigen „Stiftung Gesundheitswissen“. www.pkv.de/impfos
Auch im Capital-Club am Gendarmenmarkt (leider geschlossene Gesellschaft) wurde gestern genau hingeschaut, bevor Marion Uhrig-Lammersen und Sten Martenson ihr neues Buch „MdB a.D. – Kurioses und Ernstes aus dem Abgeordnetenleben“ vorstellten (dazu demnächst hier mehr). Mit dabei war auch ein Neuparlamentarier: Michael Müller. Mit Respekt sprach er von seiner beginnenden Bundestagskarriere, verglichen mit der „Kleinkunstbühne Berlin“ (Hallo?!?). Den Dank für sein Kommen quittierte Müller mit der scherzhaften Bemerkung, er habe ja gerade Zeit. Tatsächlich ist er sein Berliner Abgeordnetenhausmandat gerade losgeworden (mit der Neukonstituierung am 4.11). Bleiben ihm zurzeit folgende Ämter, Aufgaben und Mandate:
+ Regierender Bürgermeister von Berlin
+ Senator für Wissenschaft und Forschung
+ Stellvertretender Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz
+ Bundesratsmitglied
+ Mitglied im Bundesratsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten
+ Bundestagsabgeordneter
+ Aufsichtsratsvorsitzender der Charité
+ Stiftungsratsmitglied des Herzzentrums
+ Kuratoriumsmitglied von FU, HU, TU, TFH, HTW, HWR und ASH (Vorsitz)
Puh… was für ein Programm! Da haben wir natürlich volles Verständnis, dass Michael Müller es einfach nicht schafft, für unseren Ringbahn-Podcast mit Ann-Kathrin Hipp in der S-Bahn auch nur einmal rund um Berlin zu fahren. Schade, wir hätten sogar extra in Tempelhof gehalten!
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Mal leicht, mal schwer, aber immer humorvoll – die Tragikkomödie Zuhause von Constanze Behrends erzählt episodenhaft Geschichten verschiedener Charaktere, die aus ihrem Alltag katapultiert werden. Zurückgeworfen auf sich selbst und mit der Frage konfrontiert: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr arbeite?
Premiere am 19. November im Heimathafen Neukölln
Und damit kommen wir unmittelbar zur Checkpoint-Ehrung der „Berlinerinnen und Berliner der Woche“ in den Kategorien Bronze, Silber, Gold und Blech.
Bronze hat sich, das wird Sie jetzt nicht mehr überraschen, unser Multiregierender Bundestagsbürgermeister verdient – beeindruckt haben die Jury auch seine Worte zur Würdigung eines seiner Vorgänger (und sein Schweigen zum Wirken seiner designierten Nachfolgerin), mehr dazu gleich. Die Medaillenübergabe findet traditionellerweise in der Ringbahn statt.
Durchgesetzt hat sich Müller gegen die sechs ausgebüxten Reinickendorfer Wasserbüffel, die es bis in die SZ geschafft hatten, und gegen den Bürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel – der setzt sich am 22. November zwischen 14 und 15.30 Uhr unter dem Motto „Bei Anruf Bürgermeister“ an ein Telefon mit der Nummer 902 97 23 00: Ohne Voranmeldung kann hierjede und jeder anrufen und dem Rathauschef die Meinung geigen (wenn nicht gerade Michael Müller die Leitung besetzt).
Silber bekommt in dieser Woche der unbekannte Betreiber (die Betreiberin?) des Twitter-Accounts „Rathaus Neukölln“ – seit 2013 schlägt’s hier jede Stunde ein: „zwölve? zeit fürn bier! bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm bäm“ oder „kiek ma, hier, viere! wow wow wow wow“ und auch „fünve, können se nich uffpassen? pling pling pling pling pling“. Gestern um 20 Uhr hieß es hier: „achte werd ick verkoofen! impf impf impf impf impf impf impf impf.“ Also, wenn irgendwer mal wieder schräg an der Uhr gedreht hat (siehe oben) – einfach auf „rh_neukoellln“ gehen.
Gold geht in dieser Woche (Trommelwirbel, Überraschung!) … an Eberhard Diepgen – der Ex-Regierende (übrigens der erste Urberliner in diesem Amt) feiert heute im Schloss Friedrichfelde seinen 80. Geburtstag. Die Laudatio auf den Berliner CDU-Ehrenvorsitzenden hält für uns Michael Müller – bitte sehr:
„Eberhard Diepgen hat sich unschätzbare Verdienste um die Wiedervereinigung Berlins erworben. Er kümmerte sich nach dem Fall der Mauer von 1991 bis 2001 um die Geschicke seiner wiedervereinten Mutterstadt. Mit Augenmaß, Geduld und gleichwohl Energie machte er sich an die Aussöhnung zwischen Ost und West, an die Vorbereitungen auf die Rolle Berlins als Bundeshauptstadt, an die Ertüchtigung des Wirtschaftsstandorts in einer Welt der Globalisierung, an den Erhalt der Kulturstadt und den Ausbau der Wissenschaftsmetropole Berlin. Es gab keinen Masterplan in der Schublade für die Wiedervereinigung einer jahrzehntelang getrennten Millionenstadt. Mit Beharrlichkeit und Willen zum Ausgleich leitete er über ein Jahrzehnt die „Werkstatt der Einheit“ – wie er Berlin selbst nannte – und schuf damit die Grundlagen für ein neues Jahrhundert. Berlin schuldet Eberhard Diepgen großen Dank und wünscht ihm alles Gute zum Geburtstag, vor allen Dingen Gesundheit, Erfüllung in der Ausübung der zahlreichen Ehrenämter sowie Freude im Kreis der Familie.“
Für heute hält das Checkpoint-Protokoll fest: Nicht alles, was Michael Müller sagt, stimmt – das aber schon.
Um Blech balgen sich die Berliner auch diesmal wie sonst nur zu Silvester um die Pfannkuchen (die anderswo Berliner heißen). Nominiert waren:
+ Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, das 500.000 Euro, die der Senat für Bürgerbeteiligungen angeboten hatte, nicht in Anspruch nahm, weil das Bezirksamt einfach keine Bürgerbeteiligungen organsierte (im Gegensatz zu anderen Bezirken). „Somit gab es keinen Anlass die Gelder zu verwenden“, sagt die Bürgermeisterin. Logo.
+ Die Hausverwaltung in Pankow, die ihre Mieter in der Metzer Straße 22 seit vier Jahren mit einem Gerüst zur Straßen- und zur Hofseite von der Berliner Außenwelt trennt – den Bewohnern steht das fünfte Weihnachtsfest hinter Gittern bevor.
+ Die Bundeswehr, die mit der Sensibilität eines Knobelbechers ausgerechnet am 9. November einen „dynamischen Start in den Tank Tuesday“ wünschte – Twitter-Hashtag: #PanzerHurra“.
+ Das Bezirksamt Mitte, das die Anmelder der Ausstellung „Menschen – im Fadenkreuz des rechten Terrors“ behandelte wie das Rindvieh eine lästige Fliege. Trostversuch einer Mitarbeiterin: „Wenn Sie so lange hier gearbeitet haben wie ich, wundern Sie sich über gar nichts mehr.“
Die Blechberliner der Woche sind nach dem unbestechlichen Urteil der Checkpoint-Jury aber die „Berlin Partner“: Die fröhlich-naive Begeisterung, mit der die teils vom Senat finanzierten Wirtschaftswerber für Investitionen, Expansionen und Exkursionen in die Sklaventreiber-Paradiese Dubai und Doha mobilisieren, passt zur rot-grün-roten Mindestlohnmetropole Berlin genauso gut wie eine Ernennung von Tamim bin Hamad Al Thani und Muhammad bin Raschid Al Maktum zu Queer-Beauftragten des DGB.
Telegramm
Und hier weitere Kurzmeldungen:
+++ 60 CDU-Mitglieder hatten in Charlottenburg-Wilmersdorf plötzliche dieselbe Idee: Sie traten aus der Partei aus. +++ Die Zwischenergebnisse beim beliebten Koalitionssport „Olympiabewerbung“: Die SPD sagt „ja“, die Linke sagt „nein“, die Grünen sagen „jein“: +++ Am Mittwoch streiken die Beschäftigten von Ordnungs- und Bürgerämtern – Berlinkenner wissen: Sie merken davon so gut wie nichts (siehe oben). +++ Neues vom verschwunden „Oskar“: Ein erfahrener Spürhund hat die Fährte des Terriers in Prenzlauer Berg erschnüffelt – eine neue Hütte sucht er da allerdings vergebens. +++ Am BER werden ab Dezember beide Start- und Landebahnen benutzt – für die Anwohner ist das eine krachende Nachricht. +++
Wochniks Wochenende
Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.
48h Berlin
Samtagmorgen – Wer derzeit in den Veranstaltungskalendern Berlins stöbert, kommt am Begriff des Vorglühens kaum vorbei – fast könnte man meinen, die Glühweinvorräte der Stadt verheißten einen heißen Winter. Was allerdings gleichzeitig wieder bedrohlich glüht, ist der Inzidenz-Ticker. Große Veranstaltungen sind besser zu meiden, empfiehlt aktuell das RKI – Veranstalter planen die kommende Zeit daher mit Vorsicht; Veranstaltungskalender sind „offene Baustellen“. Komische Metapher, zugegeben, aber irgendwie muss ja die Überleitung zum eigentlichen Thema klappen: Am Bahnhof Südkreuz in Tempelhof-Schöneberg entsteht nämlich ein „generationsübergreifendes, interkulturelles und gemeinschaftliches Wohnprojekt“, initiiert von der Schwulenberatung Berlin. Und dieses hat heute eben Tag der offenen Baustelle: Von 11 bis 15 Uhr gibt es Führungen durch die nicht barrerefreie Baustelle mit heißem Tee, Kaffee und Kuchen (je 50 Cent).
Samstagmittag – Leerer, noch unbelebter Räume hat sich auch die aus Portugal stammende Künstlerin Cristina Ferreira-Szwarc angenommen. Die letzten acht Jahre verbrachte sie in Polen, wo sie eine bestimmte Art des Gemeinschaftsraums kennengelernt hat: Die „Świetlica“ ist ein Multifunktionsraum von flüchtiger Identität, die Ferreira-Szwarc in Fotografien festgehalten hat. Basal möbliert und offensichtlich für Menschen gemacht, aber ohne Menschen im Bild, stellen sie pure Potenzialität für Gemeinschaftlichkeit dar. Darüber nachdenken, was Raum als Bedingung fürs Leben eigentlich bedeutet, muss man heute nicht alleine: Die Finissage im KVOST (Leipziger Straße 47, Eingang Jerusalemer Straße) wird mit einer Performance von Agnes Kucharska & Alexis Zielińska sowie einem Konzert von Kirstine Elisa Kjeldsen begangen.
Samstagabend – Ebenfalls pures Potenzial ist bekanntlich die leere Seite Papier – von offenen Baustellen, kulturellen Räumen mit den absurdesten Gemeinschaftsaktivitäten bis hin zu Käseplaneten und interstellaren Reisen – auf dem Papier können ganze Welten entstehen. Auch im Haus des Papiers geht es um die Möglichkeiten des geduldigsten aller Medien. Und zwar, da bekanntlich das Medium die Botschaft selbst ist, nicht um Literatur, sondern um das skulpturale Arbeiten mit Papier. Die Hamburger Zeichnerin, Bildhauerin und Druckgrafikerin Jana Schumacher spricht um 18 Uhr beim Artist Talk mit ihrem Partner Drew Matott über die Kunst des Papierschöpfens und stellt das „Peace Paper Project“ vor, eine internationale Community-Arts-Initiative, die traditionelle Papierherstellung als Vehikel für soziales Engagement und gemeinschaftlichen Aktivismus einsetzt. 18 Uhr in der Seydelstraße 30, Eintritt: 15/ erm. 8,50 Euro.
Sonntagmorgen – Apropos Potenzialität: Erste Voraussetzung für uns, überhaupt irgendein Mögliches in ein Aktuelles zu überführen, ist der Körper. Als „Wunderwerk raffinierter Systeme, die auf Gleichgewicht, Heilung und Verbindung ausgerichtet sind“, soll er in der Rotunde des Alten Museums neu erfahren werden. Und das mithilfe des Neurowissenschaftlers und Autors Tobias Esch, der Asienwissenschaftlerin Mona Schrempf, des Sheng-Virtuosen Wu Wei und des Multiinstrumentalisten Niko Meinhold. Ab 11 Uhr, Eintritt 18/ erm. 10 Euro (inkl. Eintritt ins Alte Museum).
Sonntagmittag – Bei so viel Möglichkeit kommt verständlicher Weise Unrast auf: So heißt einer der wichtigsten Romane der polnischen Literatur-Noblepreisträgerin Olga Tokarczuk. Und ebenso heißt nun das deutsch-polnische Literaturforum Berlin. Die Unrast beginnt heute um 17 Uhr im Maschinenhaus der Kulturbrauerei (Knaackstr. 97) – und mit ihr fünf Tage der Auseinandersetzung mit polnischer Exilliteratur, Übersetzungsfragen und der Berliner Perspektive auf das nahe Nachbarland im Osten (5 Euro).
Sonntagabend – Dass das leere Blatt Papier nicht unbedingt Literatur werden muss, haben wir ja bereits festgestellt. Beim Wiener Komponisten Werner Dafeldecker versetzt das wenige bisschen Graphit, das er aufs Papier setzt, ganze Räume in Schwingung. Mit zweien seiner Kompositionen für kleine Besetzungen klingt das Wochehendeende aus – der Komponist selbst ist dabei am Kontrabass zu bewundern. 19 Uhr im Liebig12 (Liebigstraße 12).
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„‚Komm! ins Offene, Freund!‘, rief Chantal, die Sau von Nebenan, in der Frühe mir neulich zu. ‚Die Mauern stehn, Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen!‘ Langeweile gehört nicht dazu, wenn sich Chantals nächtliche Zeilen in den Tag Wege bahnen. Ein Garten, erklärte sie, sei nur dann ein guter, wenn er auch bei schlechtem Wetter strahle. Der in Branitz, vom Fürsten von Pückler, übertreffe darin alle. ‚Wohlauf‘, rief ich zur Antwort ihr entgegen, ‚der Nachttau bleibt nicht lang auf unsren Wegen liegen. Muss nur noch die schläfrigen Glieder etwas dehnen und biegen. Sofort losgehen kann es. Wir sind schließlich nichts; was wir suchen, ist alles!‘ Vielleicht deucht Ihnen bereits: Wir wandelten auf Hölderlins Wegen. Der Dichter mochte das Spazieren und wir spazieren mit Vorliebe im Regen. Das empfehle ich, dass man sich vom Wetter nichts lasse verhunzen. Und mich empfehle ich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Wer das Lastenrad bereits für das Ende der Fahnenstange in Sachen Fahrradtrends und -utopien hält, sollte einen Blick in die „Easy Rider Road Show“ werfen. Die beweist, dass die Revolution, anders als Marx glaubte, keiner Lokomotiven bedarf – zwei Räder und Muskelkraft genügen. Christine Van den Berg (Abo) hat schon mal reingeschaut.
Apropos Fahrrad: Berlins Südwesten droht der Verkehrsinfarkt – wieso fahren nicht mehr Pendler:innen Rad? Boris Buchholz sprach mit zwei Experten.
Auch Jörg Leopold (Abo) sprach mit einer Zweirad-Expertin: 20.000 Kilometer, schätzt Lisa Brennbauer, ist sie in diesem Jahr bereits auf dem Rennrad gefahren – einige wenige davon bedeuteten Olympiagold.
Jasmina Hostert wuchs in Sarajevo auf. Im Bosnienkrieg wurde sie angeschossen, verlor ihren rechten Arm. Den Bundestagswahlkampf hat sie hochschwanger bestritten. Joana Nietfeld (Abo) hat sie porträtiert.
Wochenrätsel
Einigen Wasserbüffeln wurde es zu langweilig in ihrem Gehege im Tegeler Forst, in der Nacht zu Dienstag büxten sie kurzerhand aus. Wo wurden die Tiere nach vierstündigem Spaziergang wieder eingefangen?
a) Auf der Hermsdorfer Kurfürstenstraße, flanierend
b) Am Strandbad Lübars, planschend
c) Kurz vor dem S-Bhf Waidmanslust, abenteuerlustig
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenEncore
Der Checkpoint-Beitrag zum heutigen Weltnettigkeitstag wird Ihnen präsentiert von unserer Kolumnistin Pascale Hugues:
„Ich betrete nichtsahnend eine Drogerie und steuere die Regale im hinteren Teil an. Zwei Verkäuferinnen unterhalten sich. Plötzlich versperrt mir eine von ihnen den Weg und ruft: „Hey, Sie da! Was machen Sie da?“ Ich zucke erschrocken zusammen. Was habe ich falsch gemacht? Die Verkäuferin weist mit dem Kinn auf einen Stapel Plastikkörbe. Sie wirft mir einen vernichtenden Blick zu, sagt aber kein Wort. Es dauert einen Moment, bis mir klar wird, dass ich vergessen habe, einen der Körbe zu nehmen, an denen sich die Zahl der Kunden misst. Ich hole mein Versäumnis nach. Kein „danke“. Nicht einmal ein anerkennendes Nicken für meinen Gehorsam. Nichts. Ich explodiere: ‚Sagen Sie mal, können Sie nicht in einem anderen Ton mit mir sprechen? Ich hab‘ doch nichts verbrochen! Einfach unerträglich, dieser Ton in Berlin! Nirgendwo anders gibt es das!‘ Ich drehe mich um, setze meinen Weg mit Korb fort und höre, wie hinter mir eine Verkäuferin verdutzt zu der anderen sagt: ‚Wat hat se denn... Die Brandenburger sind doch noch viel schlimmer als wir!‘“
Neuberliner nicken mit ihren Köpfen, Berlinspezialisten mosern: „Dit heißt‚ schlimmer als wie wir!‘“ Jawoll, so isses.
Warum Pascal Hugues Berlin trotzdem immer noch liebt, können Sie hier lesen.
Mit viel Berlinliebe hat heute als Rechercheurin Lotte Buschenhagen die Höhen und Tiefen der Stadt ausgelotet. Lionel Kreglinger war nicht nur für die Produktion zuständig, sondern wird künftig hopefully auch in der Checkpoint-Band den Takt angeben. Montagfrüh begrüßt Sie hier Anke Myrrhe, der ich aus guten Gründen, die heute niemanden etwas angehen, noch einige Flaschen unseres neuen Checkpoint-Weins „Berlino Veritas“ in weiß und rot schulde – sie wird Ihnen dann sicher mehr dazu erzählen. Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende – bis dahin,