Neue Details zur Berliner Wahl: Probleme traten in mehr Wahllokalen auf als bisher bekannt

Eine Computer-Simulation ergab jetzt, dass die „unzumutbaren Schlangen und Wartezeiten“ mehr als elf Prozent aller Wahllokale betrafen. Von Christian Latz und Julius Betschka

Neue Details zur Berliner Wahl: Probleme traten in mehr Wahllokalen auf als bisher bekannt
Zahlreiche Wählerinnen und Wähler warten im September 2021 im Stadtteil Prenzlauer Berg in einer langen Schlange vor einem Wahllokal, das in einer Grundschule untergebracht ist. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Und damit zurück in den Berliner Alltag, wo es bekanntlich nicht einmal gelingt, eine Wahl pannenfrei abzuhalten. Nun gibt es neue Details zum Wahlchaos: Die ewig langen Schlangen bildeten sich an dem Tag wohl vor viel mehr Wahllokalen als bisher bekannt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Besucherstrom-Simulation, die die Kommission zur Aufarbeitung der Pannen-Wahl in Auftrag gegeben hat. Schon wenn 400 Wähler auf ein Lokal mit nur zwei Kabinen treffen, kommt es demnach „im Verlauf des Wahltages über mehrere Stunden hinweg zu Schlangenbildung und Wartezeiten von bis zu 1 ½ Stunden“, schreibt die Kommission in ihrem Abschlussbericht. Und das dürfte sehr oft der Fall gewesen sein.

So kamen zu 1470 von 2256 Wahllokalen, also 65 Prozent, am Wahltag mehr als 400 Personen zur Stimmabgabe. Mit Ausnahme eines Bezirks standen in den Standorten bei Öffnung im Durchschnitt weniger als drei Kabinen bereit. Macht frei nach Adam Riese: Sehr viel Chaos. „Die Probleme unzumutbarer Schlangen und Wartezeiten vor den Berliner Wahllokalen waren keine Einzelfälle und können auch nicht begrenzt werden auf die gut elf Prozent aller Berliner Wahllokale, in denen die Wahlhandlung erst nach 18:30 Uhr beendet werden konnte“, resümiert die Kommission in ihrem Abschlussbericht. Wie viele es genau waren, soll jetzt mit einer Simulation für jedes einzelne Wahllokal herausgefunden werden. Darauf warten wir gespannt.