„Sprüche, die das Kleben schrieb“: Kuriose Broschüre vom Fraunhofer-Institut wiederentdeckt
Wer sich beruflich mit „Klebtechnik und Oberflächen“ beschäftigt, braucht offenbar ein kreatives Ventil. Anders ist diese Spruchsammlung von 2010 kaum zu erklären. Von Margarethe Gallersdörfer und Lorenz Maroldt
Ein herrliches Fundstück aus den neunziger Jahren weist den Weg zum Ursprung des Klimaklebens: Aus unerfindlichen Gründen veröffentlichte damals das Fraunhofer-Institut eine 32-seitige Broschüre mit dem Titel „Sprüche, die das Kleben schrieb – von Freunden für Freunde des Klebens“. Der Clou (Sie ahnen es sicher schon): In penetranter Konsequenz wird dem Wort „Leben“ an vorderster Stelle ein „K“ angeklebt. Und das liest sich dann, in weiser Voraussicht, zum Beispiel bei Christian Morgenstern (* 1871) so:
„Blödem Volke unverständlich,
treiben wir des Klebens Spiel.
Gerade das, was unabwendlich,
fruchtet unserm Spott als Ziel.“
Hier einige weitere bekannte Sprüche – mit kleiner Änderung zu großer Wirkung:
„Freu dich des Klebens, es ist schon später als du denkst.“
„Ist der Ruf erst ruiniert, klebt es sich ganz ungeniert.“
„Kleben heißt kämpfen.“
„Wir kleben über unsere Verhältnisse, aber noch lange nicht standesgemäß.“
„Der Mensch ist, ich gesteh es euch, ein böses Klebewesen.“
„Nicht für die Schule, fürs Kleben lernen wir.“
„Morgen können wir’s nicht mehr, darum lasst uns heute kleben.“
„Das Kleben ein Kampf.“
Ok, kommen wir zurück ins Hier und Jetzt, wo Gerichte übers Kleben befinden.
Mit dem Kleben davonkommen, das gelingt den wenigsten. Und dass der Klebende recht hat, kommt selten vor. „Du musst dein Kleben ändern“, das meint nicht nur Rilke, sondern auch so mancher Richter. Einem Aktivisten, der gegen die Polizei vor Gericht zog, weil sie ihn mit einem Schmerzgriff von der Straße holte, wurde jetzt beschieden: „Es irrt der Mensch, solang er klebt.“ Sein Eilantrag blieb erfolglos.