Schwitzende Server

Bei der digitalen Lernplattform ging nichts beim Schulstart nach den Ferien. Der Senat meint den Grund nun zu kennen: exponentielles Wachstum. Von Anke Myrrhe.

Schwitzende Server
Foto: imago images/Fotostand

Aber was war eigentlich das Problem? Das wollte der FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf in einer Anfrage an die Bildungsverwaltung wissen (Nr. 18/26058). Und erfuhr, dass der Lernraum in den vergangenen drei Monaten (neben regelmäßigen unbemerkten Updates) drei Mal gewartet wurde, am 18. Dezember (90 Minuten), am 9. Januar (5 Minuten) – und am 3. Januar 2021, dem Sonntag vor Schulbeginn 16 Stunden lang: von 14 Uhr bis zum nächsten Morgen, 6 Uhr. Dieses Wartungsfenster sei ab dem 30. Dezember 2020 „über den Lernraum angekündigt“ worden, teilte Bildungsstaatsekretärin Beate Stoffers mit. Nur lagen da vermutlich alle keksselig auf der Couch.
 
Derweil arbeitete der neue Dienstleister schwitzend daran, die Serverleistung zu erhöhen. „Die Umsetzung der konzipierten Optimierungen im Produktivsystem war erst nach Abschluss der Tests im Testsystem möglich und konnte daher erst am 3. Januar 2021 erfolgen“, schreibt Stoffers. „Die starke Nutzung am 4. Januar 2021 erzeugte eine exponentiell steigende Last auf das System, die durch drei kurzfristig durch das Zuse-Institut Berlin bereitgestellte Hochleistungsrechner aufgefangen werden konnte.“ Seit dem 5. Januar 2021 stehe der Lernraum stabil bereit, „es arbeiteten rund 64.000 Nutzerinnen und Nutzer pro Tag damit“. Und haben hoffentlich schon etwas über Exponentialfunktionen gelernt. (Kann virusbedingt auch nicht schaden.)