Deutschland verpasst sein Medaillenziel – aber ist das überhaupt ein Problem?
Wir bleiben bei Olympia und richten unseren Blick auf den Medaillenspiegel. Gestern gab es neben Gold im Vierer-Kajak der Männer auch die Silbermedaille für den Kajak-Vierer der Frauen um die Berlinerin Pauline Jagsch. Mit Blick auf das Nationen-Ranking steht Deutschland allerdings noch immer nur auf einem mageren zehnten Platz mit bislang 22 Medaillen, darunter neun goldene. Schon drei Tage vor dem Ende der Spiele ist klar: Team Deutschland verfehlt sein Ziel, mindestens wieder 37-mal Edelmetall wie in Tokio zu gewinnen.
Schon geistert die Debatte los, das schwache Abschneiden sei Ergebnis eines Landes im Niedergang. Wer kein Gold gewinnt, kann auch sonst nichts reißen. Zu Leistung sei in Deutschland ohnehin niemand mehr bereit. Und klar, wenn's schon bei den Bundesjugendspielen keine Ehrenurkunde mehr gibt, wo soll da noch der Hunger nach Erfolg herkommen. Nur ist das wirklich so? Vielleicht hat eine Karriere als Spitzensportler in einer der vielen olympischen Nischensportarten heutzutage auch einfach kaum noch einen Reiz. Sport wird ja weiterhin getrieben. Nur wer will sich dabei schon über die Tartanbahn quälen? Erst recht, wenn der finanzielle Anreiz in vielen der kleineren Sportarten im Vergleich zur Schinderei überschaubar ist.
Dass andere Nationen im Medaillenspiegel besser abschneiden, liegt nicht zuletzt daran, dass dort auch mehr Geld in den Leistungssport investiert wird. Aber ist es das auch wert? Was hat die Gesellschaft tatsächlich von ein paar Medaillen mehr oder weniger, als seien sie noch Ausdruck eines überlegenen Systems wie zu Zeiten des Kalten Kriegs? Vielleicht ist eine Verschiebung von Investitionen und Prioritäten gar nicht so verkehrt. Oder was denken Sie?
Während Sie noch überlegen, steht unser Song des Tages heute ganz oben auf dem Siegertreppchen: „Gold“ von Spandau Ballet. Die ganze Checkpoint-Playlist auf Spotify finden Sie hier.