Große Mehrzahl privater Anzeigen landet bei der Bußgeldstelle im Papierkorb
Berlin fabriziert zu viele Knöllchen direkt für die Tonne: Von allen Verkehrsdelikten, die Bürger melden, haben nur 22% ein Verfahren zur Folge. Von Stefan Jacobs
Die mehr als 20.000 seit Jahresbeginn verjährten Raser-Bußgelder (CP von gestern) sind nur eines von mehreren Symptomen für den Zustand, in dem sich die Bußgeldstelle der Berliner Polizei befindet. Ein weiteres sind die erwarteten Einnahmen von nur 67 Mio. Euro, die weit unter den Vorjahressummen liegen. Das muss man erst mal hinkriegen, nachdem im vergangenen Jahr viele Bußgelder teils mehr als verdoppelt worden sind. Und noch ein Symptom: Aus knapp 72.000 zwischen Januar 2021 und September 2022 eingegangenen privaten Anzeigen (größtenteils wegen Falschparkern) wurden laut Polizei nur 15.439 Verfahren. 78 Prozent landeten also im Papierkorb. Sollte der aktuellste Erhebungs-Monat für die Zahlen als Indikator für den Trend taugen: Im September wurden 92 Prozent der privaten Anzeigen weggeworfen.