Kohlemangel in Berlin bedroht Mieter ohne Heizungen: „Viele zerlegen Holzregale, um Heizmaterial einzulagern“

Leere Kohlenkeller und lange Wartelisten bei den Händlern. Wer auf Kohle-Briketts angewiesen ist, zittert vor dem Winter. Denn die Alternativen sind rar. Von Nina Breher

Kohlemangel in Berlin bedroht Mieter ohne Heizungen: „Viele zerlegen Holzregale, um Heizmaterial einzulagern“
Gut befeuerte Kohle-Öfen - im kommenden Winter wohl eher die Ausnahme. Foto: Imago/Shotshop

In einigen Berliner Altbauten rauchen derzeit Köpfe statt Schornsteine. Die Heizsaison ist da, aber die Kohlenkeller leer. Briketts sind Mangelware. Mehrere Kohleverkäufer berichten am Checkpoint-Telefon, keine mehr vorrätig zu haben. Von verzweifelten Anrufern, Neukundenstopps und langen Wartelisten ist die Rede. Anja Stenzel, Mieterin im Graefekiez, steht seit Anfang August auf einer Warteliste. „Der Händler kann nicht sagen, ob ich diesen Winter Kohlen bekommen werde.“ Sie will nun mit deutlich teureren Holz-Briketts überbrücken und hofft, bald Kohlen zu erhalten, „weil wir versuchen wollen, das finanziell im Rahmen zu halten“.

Das Problem hat sich angebahnt. Viele, die auch eine Gasheizung haben, kauften im Sommer Kohle, um Heizkosten zu sparen (AFP via ZDF). Für die 5000 bis 6000 Berliner Haushalte, die ausschließlich einen Kohleofen haben, ist die neue Konkurrenz ein Problem. Hinzu kommt: Eine der zwei Fabriken in Deutschland, die Briketts herstellen, hat die Produktion infolge des Kohle-Ausstiegsgesetzes eingestellt. Mieter*innen mit Ofen und Händler*innen ohne Ware fühlen sich vergessen. Notfalls, sagt Stenzel, könne sie eine elektrische Heizung verwenden (wovon der Senat abrät) oder Holz-Briketts kaufen. Beide Optionen seien aber sehr teuer. Nicht alle ihrer Nachbarn – ebenfalls noch ohne Briketts – könnten sich das leisten. Einige würden neuerdings Holz auf den Kreuzberger Straßen sammeln, um damit zu heizen. „Wenn ein altes Holzregal auf der Straße steht, wird es zerkleinert und im Keller gelagert.“