Technobabble meets Molekularküche
Was zum Teufel ist ein Kryooptischer Doppelmesstisch mit zwei integrierten Closed-Cycle Kryostaten, geeignet für die konfokale Mikroskopie und Spektroskopie von Quantenemittern (Quantenpunkten, NV-Zentren in Diamant, o.ä.) bei kryogegen Temperaturen? Das hatten wir hier am Sonnabend gefragt (und für eine verständliche Dekryption einen Checkpott ausgelobt) – die TU sucht per Ausschreibung so ein Ding. Hier ein Erklärungsversuch, der uns sehr plausibel erscheint:
„Liebe Checkpoint-Redaktion, an dieser Stelle bin ich gern behilflich... Die Angelegenheit ist ein kleinwenig peinlich: hier handelt es sich um einen Tippfehler der TU Berlin!
Ausgeschrieben ist tatsächlich ein ‚kryooptischer Doppel-Esstisch‘. Wer sich noch an die Zeiten erinnert, in denen mit wildfremden und ungetesteten Menschen maskenlos in geschlossenen Räumen über mehrere Stunden hinweg gemeinsam gegessen wurde, weiß natürlich um die Notwendigkeit des kryooptischen Esstisches: Seit avancierte Küchenbrigaden der Molekularküche Seeteufel in Möhrenform und -konsistenz zaubern und mittels Punktbrenner und Pacojet verschiedene Temperaturzonen innerhalb eines einzigen Rehfiletwürfels realisieren konnten, ist die Spektroskopie vom Fine-dining-Esstisch nicht mehr wegdenkbar und wird Kryostase schlichtweg benötigt, um dem Teller die Form und Frische zu bewahren, während die Weinbegleitung erläutert wird.
Ferran Adriàs Ausruf ‚Was für ein Quantenemitter!‘ bei der Verkostung eines heißgefrorenen viereckigen Eies ist legendär. Und schließlich empfahl sich erfahrenen Gourmets schon immer die Zuhilfenahme eines Taschenmikroskops, da die wachsende Anzahl von Menüschritten Auswirkungen auf den Umfang der einzelnen Gänge hatte. Tatsächlich neu in der Konzeption der TU Berlin ist jedoch die Pandemie-gerechte Realisierung eines Doppel-Esstisches mit zwei getrennten Kryostat-Kreisläufen. Dies ist aus epidemiologischer Sicht sehr zu begrüßen, wenngleich es auch mit einem erhöhten Energieverbrauch einher gehen wird.
Glauben Sie keinen Einsendungen, die anderes behaupten, dies sind dann bestimmt alternative Fakten. Mit lächelnden Grüßen und anhaltendem Dank an alle Beteiligten für den durchhaltenden Checkpoint, Jan-Gunnar Franke.“