Wenn Frauen sich „verpissen" sollen – Straßenhass in Neukölln
Sonntagabend in Neukölln, das erste richtige Sommerwochenende geht zu Ende. Ich fahre mit dem Rad vom Körnerpark zurück nach Kreuzberg. An der Kreuzung Thomasstraße/Hermannstraße bleibe ich stehen und warte. Ein weißer Transporter biegt von der Hermannstraße erst rechts ab, will aber dann doch geradeaus weiterfahren. Weil ich den beiden Männern bei ihrem ungelenken Schlenker „im Weg“ stehe, brüllt der Beifahrer mich an: „Du blöde Fotze, verpiss dich!“ Er wiederholt das mehrfach, ich bin erst perplex, dann wütend. Ob er sie noch alle hat, schreie ich zurück, nicht ohne die leise Angst, dass der Fahrer Gas geben und mich einfach überfahren könnte.
Ich habe keine Kamera am Rad, das Kennzeichen habe ich mir auch nicht gemerkt, nächstes Mal. Denn das wird es sicherlich geben, ich und viele meiner Freundinnen und Bekannten haben ähnliche Situationen schon häufig erlebt. Das zeigen auch die vielen Reaktionen auf Twitter. Viele Männer (und einige Frauen) sagen: Das ist einfach der Hass auf Radfahrer. Für mich fühlt es sich anders an, wenn Beleidigungen wie Fotze, Hure, Schlampe oder Nutte fallen: wie Frauenhass.