Weinlyrik, im Abgang mit stimulierender Salzigkeit
Ich bin ja großer Fan der Weinlyrik, deshalb begleiten wir heute zum Schluss mal den Kollegen Stephan Reinhardt von der „FAZ“ nach Burg Layen in Rümelsheim, wo ihm Caroline Diel, die Tochter des einst mächtigen Schlossherrn Armin Diel, in ihrer Küche 40 Weine auf den Tisch gestellt hat. Der Text, der sich mit solcherart Antrieb im Blut einen unwiderstehlichen Weg ins Blatt bahnte, ist zwar bereits fast zehn Tage alt, aber zehn Tage sind kein Alter für einen Text dieser Güteklasse, im Gegenteil: Er reift mit jedem Lesen, ein Genuss der Extraklasse…
„Wohl nie zuvor waren ihre Weine klarer, reduzierter, feiner, lebendiger und angenehmer zu trinken als jetzt. Unaufgeregt sind sie, dafür aber dienlich und seriös. Dienlich? Es geht diesen Weinen nicht um sich selbst. Sie wollen vielmehr Speisebegleiter sein, in aller dafür gebotenen Ruhe und innerer Kraft, die auch dann nicht nachlässt, wenn ein gebratener Zander, ein Hummer oder ein geschmortes Reh des Weges kommt.“
Und weiter:
„Ob ich hier aber schon mal ein derart vielschichtiges „Großes Gewächs“ wie den 2017er Riesling Burgberg GG verkostet habe, wage ich zu bezweifeln. Bis Mai dieses Jahres ist dieser ab September erhältliche Wein auf der Hefe gelegen und hat hier immense Komplexität gewonnen: gebrochenes Gestein, Kräuter und reife Aprikosen im Bukett kündigen einen dichten, dabei aber feinen, kristallinen und hocheleganten Riesling an, dessen Purismus und stimulierende Salzigkeit das Dorsheimer Quarzit-Terroir exemplarisch zum Ausdruck bringt. Das ist kein Riesling für Anfänger, sondern einer fürs deutsch-französische Staatsbankett.“