Durchgecheckt

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Xenia Rabe-Lehmann bewirtschaftet seit 20 Jahren einen Schrebergarten in Wilmersdorf, seit 2014 führt sie den Blog „berlingarten“.

Frau Rabe-Lehmann, am Sonntag ist Tag des Gartens, schon heute der internationale „Jäte-deinen-Garten-Tag“. Was gilt es beim Unkraut zu beachten?

Ich wusste gar nicht, dass es den gibt, aber es gibt ja auch einen Tag des Nacktgärtnerns. In England heißt es, man soll nie an einem Unkraut vorbeigehen, dann wird daraus auch kein großer Akt. Passender wäre also ein „Jäte-deinen-Garten-Jahr“. Übrigens nennt man Unkraut heutzutage politisch korrekt „unerwünschten Bewuchs“. Denn manche Leute wünschen sich vielleicht eine Wiese mit Löwenzahn und schätzen Giersch als eine Art Blattsalat.

In der Pandemie sehnen sich viele Menschen nach Grün. Schlangen vor Gartencentern, Landpartien, jahrelange Wartelisten für Schrebergärten. Spüren Sie den Boom auch?

Die Zugriffszahlen auf meinen Blog sind stark gestiegen, vor allem Tipps und Tricks sind gefragt. Rund um meinen Schrebergarten sehe ich so viele Menschen wie noch nie. Viele haben ihre Gärten nur selten bewirtschaftet, jetzt sind sogar Jugendliche in den Kolonien zu sehen. In meinem Umkreis berichten viele, dass sie sich im Homeoffice viel weniger bewegen und sich nach der Natur sehnen. Bei vielen sind Urlaubsträume geplatzt, da wird jetzt Zeit und Budget in den Garten investiert. 

Welche Trends beobachten Sie?

Es wird weniger auf Hochglanz und mehr auf den eigenen Lebens- und Genussstil geachtet. Der Trend geht wieder zum Küchengarten, auch im Zuge der bewussteren Ernährung. Gerade Jüngere begeistern sich dafür, die wollen Obst und Gemüse anbauen. In den Sozialen Medien gibt es sogar Anzucht-Challenges, wo zum Beispiel täglich Fotos von Tomatensetzlingen gepostet werden. Ganz wichtig ist auch das ökologische Gärtnern. Es werden bewusst Pflanzen angebaut, die Mensch, Tier und Natur zu Gute kommen.

Viele BerlinerInnen haben nur einen Balkon. Zu welcher Aussaat raten Sie auf begrenztem Raum?

Es kommt auf die Mischung an. Auf Balkonen sollte man den vertikalen Raum nutzen, da gibt es tolle Pflanzsysteme, um die Wände zu beranken – zum Beispiel mit rankenden Erdbeeren oder kleinen Kürbissen. Für Bienen sind blühende Kräuter wie Salbei oder Thymian super, in etwas größeren Töpfen gelingen auch Tomaten, kleine Heidel- und Himbeeren. Bei den Blumen sind Verbenen, Margeriten oder Glockenblumen dankbar.

Ein letzter Tipp für Menschen ohne den berühmten grünen Daumen?

Es ist wie mit Sprachen: entscheidend ist die Motivation. Auch mit einem beigen Daumen gelingen Storchschnabelsorten und Katzenminze immer – und Gräser! Die sind vielfältiger als man denkt und sehen auch im Winter super aus.