Drei Monate ist es her, da sagte Michael Müller (SPD) in der Senatspressekonferenz: „Es kann nicht sein, dass eine Veranstaltung beispielsweise in Berlin-Zehlendorf verboten wird, aber 100 Meter weiter in Brandenburg könnte sie stattfinden.“ Ab Montag wird genau das der Fall sein, dann gilt in der Mark die sogenannte Umgangsverordnung. Sie löst die Eindämmungsverordnung ab und erklärt die Pandemie quasi für beendet.
Öffentliche und private Veranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern sind draußen und drinnen wieder erlaubt, Konzerte und Gottesdienste mit Massen möglich. Während sich in Berlin höchstens Angehörige zweier Haushalte treffen dürfen, wurde jenseits der Landesgrenze die Kontaktbeschränkung aufgehoben. Auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen darf ab Montag wieder unbegrenzt besucht werden, dann aber mit Maske.
„Für das öffentliche Leben in Brandenburg gelten ab jetzt nicht mehr generelle Verbote mit einigen Ausnahmen, sondern die grundsätzliche Erlaubnis mit nur noch sehr wenigen Einschränkungen“, sagte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU).
Die unterschiedlichen Regeln könnten auch für Berlins Wirtschaft zum Problem werden. Während der Sauna-Besuch in Berlin verboten bleibt, können die Saunen jenseits der Stadtgrenze wieder öffnen. Die Betreiber in der Stadt sind deshalb zunehmend ungeduldig.
Ob sich die Brandenburger vorab mit ihren Nachbarn abgestimmt haben, war nicht zu erfahren. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte dem Checkpoint: „Dienstag werden wir uns im Senat über eine mögliche Weiterentwicklung unserer Eindämmungsverordnung austauschen. Dabei werden wir die Beschlüsse in Brandenburg berücksichtigen.“ In Berlin stieg am Freitag die Zahl der bestätigten Neuinfizierten innerhalb von 24 Stunden um 87 – der größte Zuwachs seit dem 23. April.
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Zum Saisonabschluss spielen die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Kirill Petrenko zwei der berühmtesten Werke der Musikgeschichte für Kammerensemble:
Die Streicherserenade von Antonín Dvořák und die „Gran Partita“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Hören Sie das Konzert heute ab 20 Uhr live auf rbbKultur. Mehr unter: rbbkultur.de
Derweil nimmt in Bus, Bahn und Tram offenbar die Bereitschaft zum Tragen einer Maske ab. Das geht aus Zahlen hervor, die die BVG wöchentlich erhebt. Demnach liegt der Tagesdurchschnitt noch bei 78 Prozent. „Der Rückgang ist nicht dramatisch, aber seit der Senat einige Corona-Maßnahmen gelockert hat, beobachten wir eine leichte Tendenz in diese Richtung“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken dem rbb. Wer ohne Mund-Nase-Schutz den ÖPNV nutzt, begeht zwar eine Ordnungswidrigkeit, doch kontrolliert oder geahndet werden, soll diese nach dem Willen des Senats explizit nicht.
Nicht die einzige Absurdität in diesen Tagen, wie ein Besuch in der Schöneberger Kiezkneipe „Otto Schrupke“ am Donnerstag zeigte: Darten und Kickern ist verboten, am Spielautomaten Geld verlieren aber erlaubt. Das geöffnete Fenster wurde Punkt 22 Uhr geschlossen, Vorschrift ist Vorschrift – Aerosole hin oder her. „Ich fühle mich aktuell mehr als Polizist, denn als Wirt“, sagte der Kellner entschuldigend.
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Zurück nach Brandenburg. Da dürfen ab heute Saunen wieder einheizen – in Berlin gilt dagegen weiter Schwitz-Verbot. „Wir finden es absurd, dass ausgerechnet wir nun die letzten Mohikaner sind, sozusagen Staatsfeind Nummer 1“, sagt Sandra Wollgast vom Saunabad in der Rykestraße. Gemeinsam mit anderen Sauna-Betreibern hat sie an Gesundheitssenatorin Kalayci geschrieben. Und wie war das mit den 100 Metern, von denen der Regierende sprach? Ein kleine Google-Maps-Recherche entlang der brandenburgisch-berlinerischen Demarkationslinie:
- Von Zehlendorf sind es 1000 Meter zu „Veronika Roesler Sonnenstudio“ in Teltow, dort gibt es „zwei kleine Saunen“, die nun wieder in Betrieb gehen.
- 700 Meter sind es von der Neuköllner-Stadtgrenze bis zum „iFitnessClub“ in Schönefeld, wo heute eine Sauna eingeheizt wird.
- In 550 Meter Metern erreicht man von Reinickendorf das „Vitadeum“ in Glienicke, wo es drei 80-Grad-Saunen gibt.
- Die nach CP-Recherche am dichtesten an der Stadtgrenze gelegene Sauna ist die Sauna Banja in Schöneiche. Die russischen Holzfeuer-Saunen (80 bis 120 Grad) sind nur 350 Meter vor den Toren Berlins.
Immerhin, 100 Meter von der Stadtgrenze haben wir keine Sauna gefunden. Michael Müller gefällt das.
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Wie erlebt man Berlin als Schwarze Frau? Was kann man tun, um rassistische Strukturen aufzubrechen? Und sollten wir mit Rechten reden? Darüber spricht Redakteurin Ann-Kathrin Hipp in der neuen Folge des „Tagesspiegel Checkpoint“-Podcasts mit der Dokumentarfilmerin und Autorin Mo Asumang. Jetzt hören auf Tagesspiegel.de, Spotify und Apple Podcasts.
Telegramm
Vanessa H. wollte nur mal eben mit ihrem kleinen Sohn Reiswaffeln und Tampons in der Rossmann-Filiale am Tauentzien besorgen, doch die Kassiererin akzeptierte ihre EC-Karte nicht. Eine Schwarze mit deutschem Namen? Für die Verkäuferin undenkbar. Es kommt zum Streit und auch einer der alarmierten Polizisten fragt H. erst einmal, ob sie die deutsche Sprache beherrsche. Nun wird gegen die Kassiererin und den Beamten ermittelt. Auch ohne Untersuchung ein weiterer bitterer Fall von Alltagsrassismus.
Derweil verteidigt Innensenator Andreas Geisel (SPD) das Antidiskriminierungsgesetz. Im Magazin „Cicero“ sagte er: „Die Kritiker sind meist ältere weiße Männer, die behaupten, das sei nicht notwendig. Ja, sie werden ja auch nicht diskriminiert.“ In Berlin würden 1,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben, deren tägliche Erlebnisse müsse man ernst nehmen. Geisel weiter: „Die Polizei ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Aus Sicht der Betroffenen ist es leider so, dass man häufiger von der Polizei kontrolliert wird, wenn man anders aussieht."
Mit dem Thema Alltagsrassismus in Berlin beschäftigt sich auch CP-Kollegin Ann-Kathrin Hipp in der vierten Folge ihres Ringbahn-Podcasts. Zu Gast dieses Mal die Autorin und Dokumentarfilmerin Mo Asumang (die heute übrigens Geburtstag hat: Happy Birthday!). Jetzt auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de.
Clan-Chef Arafat Abou-Chaker wurde wegen Körperverletzung zu knapp 15.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Der 44-Jährige bleibt aber ein Fall für die Justiz. Im August folgt der nächste Prozess gegen ihn.
Ist das Kunst oder kann das weg? Geht es nach R2G ist die Frage für Berlins Clubs entschieden. Sie sollen künftig als Kulturstätten anerkannt und damit besser vor Mietsteigerungen und Verdrängung geschützt werden.
Das geht aus einem Antrag von SPD, Grünen und Linken hervor, der dem Checkpoint vorliegt. Darin heißt es: „Clubs sind schützenswert, wenn sie einen regelmäßigen Spielbetrieb und ein anerkanntes künstlerisches Profil aufweisen, das durch kuratiertes Programm, musikästhetischen Anspruch und ein raumgestalterisches Konzept gekennzeichnet ist.“ Der Senat wird aufgefordert, das Clubkataster auszuweiten, Lärmschutzfonds zu stärken und Vorschläge zur Novellierung der Bauordnung vorzulegen.
Grünen-MdA Georg Kössler reicht das noch nicht, er will eine Teilfinanzierung der laufenden Kosten bis zum Ende der verordneten Schließungen durch den Bund: „Dieser Schritt ist für die Clubmetropole Berlin überfällig. Angesichts der andauernden Corona-Pandemie brauchen Clubs mehr Anerkennung.“
Giraffen-Content I: Wenn schon kaum einer Maske trägt, dann wenigstens die Giraffe: Das 45.000-Lego-Werk am Sony Center hat jetzt vorbildlich Mund-Nasenschutz. Beweisfoto hier.
Giraffen-Content II: Nach Bärin Hertha und den Panda-Zwillingen Pit und Paule gibt es jetzt einen neuen Baby-Star im Tierpark: Rothschild-Giraffen-Nachwuchs. Der Kleine (2 Meter und 60 Kilo bei Geburt!) soll am Dienstag erstmals Besuchern präsentiert werden. Für den Starfaktor fehlt jetzt nur noch ein Name.
Spinnen-Content I: Der Frankfurter Spinnenforscher Peter Jäger hat fünf Arten einer neuen Gattung von Riesenkrabbenspinnen auf Madagaskar nach der Klimaaktivistin Greta Thunberg benannt. Die „Thunberga greta“ ist die 400. Art, die Jäger entdeckte, zuvor benannte er bereits einen Vielbeiner nach David Bowie. Dazu Obelix: „Die spinnen, die Spinnenforscher.“ (Q. „Welt“)
Seepferdchen-Content I: Rund 15.000 DrittklässlerInnen haben wegen der Corona-Pandemie ihre Seepferdchen-Prüfung noch nicht ablegen können. Mehrere Berliner Schwimmvereine, der Landessportbund und die Schulverwaltung bieten deshalb 4800 kostenfreie Schwimmkurse und Prüfungen in den Sommerferien an.
Schlechte Nachricht für Radfahrer und Fußgänger: Die Polizei beendet am Sonntag ihre zweiwöchige Schwerpunktkontrolle gegen Raser. Die vorläufige Bilanz: 20.000 Temposünder wurden bei 570.000 kontrollierten Fahrzeugen erwischt. Bisherige Antispitzenreiter: Auf der A100 wurde ein Mann mit 187 statt 80 km/h erwischt, auf der Müllerstraße raste einer mit 89 statt der erlaubten 30 Stundenkilometer. Anzeige ist raus!
Gute Nachricht für Radfahrer und Fußgänger: Die Polizei will von Montag bis Freitag verstärkt Fehler bei Abbiegevorgängen und Missachtung von Rotlicht kontrollieren, außerdem sollen Schulwege und Radstreifen vor Falschparkern geschützt werden. Aber warum eigentlich nur für fünf Tage?
Die Berliner CDU fühlt sich neuerdings berufen, Verkehrsprobleme lösen zu wollen und offenbart dabei ein hauseigenes Sexismusproblem. „Berliner Pendler: Täglich 320.000 Mal rein und raus. Und kein bisschen Spaß beim Verkehr“, twittere die Partei in Altherrenmanier (CP von gestern). Doch selbst unter den männlichen Abgeordneten (28 von 31!) kommt das nicht gut an. „Auch berechtigte Kritik an der Koalition darf ein gewisses Niveau nicht unterschreiten“, sagte der frühere Gesundheitssenator Mario Czaja. Thorsten Schatz, Mitarbeiter von Landeschef Kai Wegner, verteidigt den Spruch: „Wir haben gesagt, dass wir frecher, mutiger und auch mal provokant über unsere Inhalte ins Gespräch kommen werden. Das scheint uns zu gelingen.“ Ganz nach dem Motto: Lieber schlechte Presse, als keine Presse.
193 neue barrierefreie Toiletten soll Berlin bis Ende des Jahres bekommen. So steht es im R2G-Toilettenvertrag. Ob es zu Verzögerungen kommt, wollte CDU-MdA Andreas Statzkowski jetzt wissen. Zwar wird bisher planmäßig aufgebaut, aber: „Wegen der Maßnahmen im Zusammenhang mit der Eindämmung der Corona-Pandemie kann es jedoch zu verlängerten Produktionszeiten kommen, so dass sich der Aufbau einiger für Ende 2020 geplanter Toilettenanlagen in das Jahr 2021 verschieben könnte.“ Großes Geschäft.
Durchgecheckt
Xenia Rabe-Lehmann bewirtschaftet seit 20 Jahren einen Schrebergarten in Wilmersdorf, seit 2014 führt sie den Blog „berlingarten“.
Frau Rabe-Lehmann, am Sonntag ist Tag des Gartens, schon heute der internationale „Jäte-deinen-Garten-Tag“. Was gilt es beim Unkraut zu beachten?
Ich wusste gar nicht, dass es den gibt, aber es gibt ja auch einen Tag des Nacktgärtnerns. In England heißt es, man soll nie an einem Unkraut vorbeigehen, dann wird daraus auch kein großer Akt. Passender wäre also ein „Jäte-deinen-Garten-Jahr“. Übrigens nennt man Unkraut heutzutage politisch korrekt „unerwünschten Bewuchs“. Denn manche Leute wünschen sich vielleicht eine Wiese mit Löwenzahn und schätzen Giersch als eine Art Blattsalat.
In der Pandemie sehnen sich viele Menschen nach Grün. Schlangen vor Gartencentern, Landpartien, jahrelange Wartelisten für Schrebergärten. Spüren Sie den Boom auch?
Die Zugriffszahlen auf meinen Blog sind stark gestiegen, vor allem Tipps und Tricks sind gefragt. Rund um meinen Schrebergarten sehe ich so viele Menschen wie noch nie. Viele haben ihre Gärten nur selten bewirtschaftet, jetzt sind sogar Jugendliche in den Kolonien zu sehen. In meinem Umkreis berichten viele, dass sie sich im Homeoffice viel weniger bewegen und sich nach der Natur sehnen. Bei vielen sind Urlaubsträume geplatzt, da wird jetzt Zeit und Budget in den Garten investiert.
Welche Trends beobachten Sie?
Es wird weniger auf Hochglanz und mehr auf den eigenen Lebens- und Genussstil geachtet. Der Trend geht wieder zum Küchengarten, auch im Zuge der bewussteren Ernährung. Gerade Jüngere begeistern sich dafür, die wollen Obst und Gemüse anbauen. In den Sozialen Medien gibt es sogar Anzucht-Challenges, wo zum Beispiel täglich Fotos von Tomatensetzlingen gepostet werden. Ganz wichtig ist auch das ökologische Gärtnern. Es werden bewusst Pflanzen angebaut, die Mensch, Tier und Natur zu Gute kommen.
Viele BerlinerInnen haben nur einen Balkon. Zu welcher Aussaat raten Sie auf begrenztem Raum?
Es kommt auf die Mischung an. Auf Balkonen sollte man den vertikalen Raum nutzen, da gibt es tolle Pflanzsysteme, um die Wände zu beranken – zum Beispiel mit rankenden Erdbeeren oder kleinen Kürbissen. Für Bienen sind blühende Kräuter wie Salbei oder Thymian super, in etwas größeren Töpfen gelingen auch Tomaten, kleine Heidel- und Himbeeren. Bei den Blumen sind Verbenen, Margeriten oder Glockenblumen dankbar.
Ein letzter Tipp für Menschen ohne den berühmten grünen Daumen?
Es ist wie mit Sprachen: entscheidend ist die Motivation. Auch mit einem beigen Daumen gelingen Storchschnabelsorten und Katzenminze immer – und Gräser! Die sind vielfältiger als man denkt und sehen auch im Winter super aus.
Wochniks Wochenende
Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.
48h Berlin
Samstagmorgen – Dass der vielerorten zelebrierte Anschein wiedergekehrter Normalität trügt, erkennt leicht, wer einen Blick jenseits der Festung Europa wirft. Während bei uns das Gefühl der Entspannung einsetzt, trifft auch Corona die, denen es schon zuvor schlechter ging, noch immer am stärksten. Um das Thema Caring (Fürsorge) dreht sich das Programm der „New Alphabet School“ am HKW. In verschiedenen Formaten, online und vor Ort im HKW, werden ab 10 Uhr Möglichkeiten kollektiven Lebens und Handelns jenseits von bestehenden Gefügen gesucht, in denen die systemische Benachteiligung vieler zum Nutzen weniger aufgehoben wird.
Samstagmittag – Schaufensterbummel haben mit der Romantik ihrer Anfangszeiten schon lange wenig zu tun. Hin und wieder gibt es aber dennoch interessante Einblicke, wie an dem des Art-Lab (Perleberger Straße 60, Moabit). „Where Have All the Jasmines Gone?“ heißt das Projekt, in dessen (Schaufenster-)Rahmen die Künstler:innen Farah Hazim & Wissam Sader ihre Klanginstallation „Points d’Orgue“ aufgebaut haben. Erinnerungen an Menschen und Landschaften aus dem Mittleren Osten werden von 16 bis 19 Uhr durch die Scheibe übertragen.
Samstagabend – Endlich laufen die Freiluftkinos wieder und der Andrang ist angesichts des begrenzten Platzangebots riesig. Viele Filme sind schon ausverkauft. Im Freiluftkino an der Hasenheide gibt es am Samstagabend aber noch Karten für die britische Gangster-Komödie „The Gentleman“ (Beginn: 21.45). In dem Film von Regie-Veteran Guy Ritchie spielt ein All-Star-Ensemble um Hugh Grant, Matthew McConaughey und Colin Farrell groß auf. Am Sonntag läuft hier dann die Beatles-Hommage „Yesterday“. Tickets gibt es wegen der Hygiene-Vorschriften vorerst nur online. Das Freiluftkino Rehberge in Wedding zeigt am Sonntag ab 21.30 „Lara“ mit Corinna Harfouch – den viel erwarteten zweiten Film von „Oh Boy“-Regisseur Jan Ole Gerster. Auch hier gibt es Karten nur online.
Sonntagmorgen – Weniger hartes Pflaster als Trostpflaster bieten der Park Babelsberg und die Grünanlagen um Sanssouci. Für alle, die der Gegenwart bei den bis auf Weiteres aufgeschobenen Musikfestspielen Potsdam entgehen wollten, werden hier und heute nämlich Wandelkonzerte mit Abstand veranstaltet, die zum aus der Zeit Fallen und Lustwandeln einladen.
Sonntagmittag – Eric Meiers ortsspezifische Ausstellung „Goodbye Deutschland“ auf der zum Kunstraum gewordenen Barke „MS Heimatland“, wirkt, als könne sie jederzeit ablegen, tut es aber nicht. Meier, 1989 noch gerade so in der DDR geboren, verknüpft Autobiografisches mit soziopolitischer Reflexion und befasst sich aktuell mit der (Un-)Willkommenskultur der Biernation. 100 Bierkrüge hat er auf 700°C erhitzt und so zum sprichwörtlichen Einknicken gebracht – jegliches Versprechen das einem intakten Krug innewohnt, ist somit unhaltbar geworden. Galerie Hosek Contemporary auf der „MS Heimatland“, Spree, Fischerinsel in Mitte. Hier der genaue Standort des Bootes.
Sonntagabend – Die Marathon Performances des US-Kollektivs Bang on a Can sind durch zahlreiche Brüche mit Konventionen des klassischen Musikbetriebs längst ein Stück Musikgeschichte. Ihre längsten nonstop-Aufführungen dauerten über 20 Stunden, während der das Publikum jederzeit kommen und gehen konnte. Die heutige Onlineausgabe dauert sechs Stunden, umfasst Werke von unter anderem Carla Kihlstedt, Alvin Curran, Helena Tulve, Frederic Rzewski, Paula Matthusen und Terry Riley und beginnt um 21 Uhr hiesiger Zeit.
In einer ersten Version dieses Artikels hatten wir berichtet, dass im Arte-Sommer-Kino am Kulturforum am Samstagabend „Berlin Alexanderplatz“ liefe. Das stimmt nicht. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.
Mein Wochenende mit
Maike Rosa Vogel ist Musikerin. Bei der „Bardenale“ in der ufaFabrik treten neben ihr Sebastian Krämer, Die Zöllner, Toni Mahoni, Die Ukulelenprediger, Reema, The Incredible Herrengedeck und Lüül auf. Foto: Promo
„Mein neues Album, das eigentlich Anfang Mai verschickt werden sollte, ist diese Woche mit sechswöchiger Verspätung endlich aus dem Presswerk gekommen. Ich werde den ganzen Vormittag damit verbringen, Vorbestellungen zu verpacken und zu verschicken. Nachmittags packe ich meine Gitarre und fahre zum Gelände der ufaFabrik. Dort geben wir heute auf dem „Bardenale“-Festival ein Live-Stream-Konzert. Gesendet wird das ab 18 Uhr. Erstmal ist Soundcheck, da werden vor allen Dingen technische Fragen geklärt. Die meisten Menschen, die Musik machen, haben so oft auf der Bühne gestanden, dass sie über bestimmte Dinge gar nicht mehr nachdenken müssen. Aber für uns alle ist dieses Streaminggeschäft eine neue Angelegenheit, auch für die Menschen an der Technik. Auch wenn wir unser Publikum nicht sehen können, ich freu mich sehr aufs Konzert! Am Sonntag bummeln wir oft zum Boxhagener Platz. Das beste Café Berlins ist um die Ecke, nämlich das La Tienda del Barrio in der Niederbarnimstraße 10. Es ist klitzeklein, aber egal, was man bestellt, es schmeckt besser als irgendwo sonst. Bummeln kann man auch gut in der Gärtnerstraße, da sind schöne kleine Geschäfte, wie das Dollyrocker, die Küchenliebe oder das Frieda Hain. Wenn das Wetter schön bleibt, fahren wir anschließend vielleicht mit Freunden und der S-Bahn in den Grunewald, da gibt es viele Orte, die wir mögen, zum Beispiel den großen Sandberg, oder das Ökowerk am Teufelssee. Wald ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, der macht zum Glück auch nie Coronapause."
Leseempfehlungen
Georg Wilhem Friedrich Hegel formulierte vor ziemlich genau 200 Jahren eine Antwort an all jene, die von den Philosoph:innen ihrer Zeit schnelle Antworten auf drängende Probleme fordern: Die Eule der Minerva beginnt erst bei Anbruch der Dämmerung ihren Flug. Soll heißen: Tagsüber ereignet sich die Weltgeschichte, nachts denken wir darüber nach und schreiben. Die Erkenntnis kommt so immer im Nachhinein – Jacques Derrida würde sagen, zu spät. Wäre es anders, hätte vielleicht auch Hegel selbst seinerzeit bessere Antworten auf die grassierende Cholera gehabt, die ihn letztlich das Leben kostete. Aus gegebenem Pandemie-Anlass, ein Aufsatz über Hegels Berlinzeit und ihr jähes Ende von Karl Heinz Götze in der Zeitschrift Merkur, der sich streckenweise liest, als wäre der Autor selbst dabei gewesen.
Und wen kümmert's? Sascha Verlan und Almut Schnerring haben sich des Kümmerns, der Sorge, Fürsorge und Pflege in einem 160-seitigen literarischen Destillat angenommen, und zwar mit einem besonderen Fokus auf die Verteilung von Pflegeaufgaben unter den Geschlechtern. These: „Nur wenn Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern gerecht aufgeteilt wird, haben alle Menschen gleichermaßen die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, politisch und wirtschaftlich, in Kultur und Wissenschaft, beruflich und privat, auf allen Ebenen und Hierarchiestufen.“ Equal Care – über Fürsorge und Gesellschaft, Verbrecher Verlag, 16 Euro
Wochenrätsel
Von wem stammt der im Checkpoint zitierte Wortwechsel aus der Kategorie „Verschörungstheorien“: „Eurer Ego soll in eine Cloud hochgeladen werden, die Leitung in euren Körper wird gelegt durch eine Impfung und die darin enthaltene Nanotechnologie stellt die Verbindung her zur Cloud!” – „lol als ob mein Ego in die Cloud passt”?
a) Attila Hildmann / Jan Böhmermann
b) Xavier Naidoo / Jan Böhmermann
c) Attila Hildmann / Shahak Shapira
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Einen Nachtrag zur CDU-Verkehrswende aus dem Checkpoint von gestern übernimmt die Schwarmintelligenz: Aufmerksame Twitterer haben nämlich bemerkt, dass das neue Logo der Berliner CDU frappierende Parallelen zum Logo eines der größten Anbieter von Sexfilmen im Netz, nämlich Pornhub, aufweist. Wäre vielleicht niemandem aufgefallen, wenn nicht die #aufgehtsberlin-Kampagne mit eben diesem Logo und dem Spruch beworben würde: „Berliner Pendler: 320.000 Mal rein und raus. Und kein bisschen Spaß beim Verkehr“. Ein Sprecher soll das Ganze übrigens als Fake News bezeichnet haben, schreibt Jan Heidtmann in der „SZ“.
Wir wünschen ein anregendes Wochenende.