„Honeckers Pfarrer“ Uwe Holmer gestorben

Versöhnung war ihm wichtiger als Vergeltung. Obwohl sieben seiner zehn Kinder in der DDR kein Abitur machen durften, weil sie aus einem christlichen Haushalt stammten, nahm Uwe Holmer nach der friedlichen Revolution den Staatschef des untergehenden Landes bei sich auf. Zwischen dem 30. Januar bis zum 3. April 1990 gewährte der Theologe dem langjährigen SED-Chef Erich Honecker und seiner ebenso verhassten Frau und DDR-Bildungsministerin Margot in seinem Pfarrhaus in Lobetal bei Berlin ein Kirchenasyl.

Die DDR-Regierung hatte zuvor erklärt, sie sehe sonst keine Möglichkeit für den Schutz des aus dem Bonzendorf Wandlitz vertriebenen Funktionärs-Ehepaars. Später kamen die Honeckers in die Obhut der noch in Deutschland stationierten Sowjetarmee, flohen nach Moskau, wurden nach einer Anklage wegen der Mauertoten in Berlin in Untersuchungshaft genommen, erwirkten die Aufhebung des Haftbefehls aufgrund einer Krebserkrankung und siedelten schließlich 1993 nach Chile über.

Als „Honeckers Pfarrer“ wurde Uwe Holmer weltweit berühmt, aber auch immer wieder angefeindet. Nun ist er im Alter von 94 Jahren gestorben, wie das Diakoniewerk im mecklenburgischen Serrahn mitteilte. Bis zum Schluss blieb er von seiner Geste überzeugt: „Ja, ich würde es wieder tun.“