Toiletten sind ungerecht

Apropos Lernen: Linken-Abgeordnete Katalin Gennburg ist da einer Sache auf der Spur, die zum Himmel stinkt. „Wildpinkeln vs. umsonst pinkeln. Toilettengerechtigkeit in Berlin!“ lautet der Titel einer bislang unveröffentlichten Anfrage (Drucksache 19 / 17 265), die alles einlöst, was Sie nun vermutlich erwarten. Gennburg findet es unfair, dass Menschen mit Penis kostenlose Pissoirs bekommen, während der Rest fürs Pinkeln bezahlen muss. Kleiner Auszug:

Frage Gennburg:
„Wie viele Fälle des sogenannten ‚Wildpinkelns‘ sind dem Senat innerhalb der letzten dreißig Jahre in Berlin bekannt? / In wie vielen Fällen fand eine Verfolgung des ‚Wildpinkelns‘ als Ordnungswidrigkeit statt (bitte nach Geschlecht und Jahr auflisten)?“

Antwort der Umweltverwaltung:
„Da es keine Rechtsgrundlage für die Verpflichtung zur statistischen Erfassung von sogenanntem Wildpinkeln nach § 118 Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) gibt, liegt dem Senat auch keine entsprechende Statistik vor. Zudem dürfen personenbezogene Unterlagen für die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten nach dem Datenschutzgesetz nicht 30 Jahre archiviert werden.“

Das läuft ja ... weiter geht’s:

Frage:
„Auf welche Daten wird sich bei der Annahme, dass ‚[...] das Phänomen des Wildpinkelns nur von denjenigen Benutzergruppen ausgeht, die für die Benutzung des Stehpissoirs in Betracht kommen [...]‘ bezogen?“

Antwort:
„Auf die Frage, aus welchen Gründen das Phänomen des Wildpinkelns von denjenigen Benutzergruppen ausgeht, die für die Benutzung des Stehpissoirs in Betracht kommen, also ganz überwiegend bei männlichen Mitmenschen zu beobachten ist, werden unterschiedliche Erklärungsansätze vorgebracht. So wird etwa auf die größere Bereitschaft von Männern zum Urinieren in Gemeinschaft (‚Sozialpinkeln‘), das größere Maß an Enthemmung infolge der stärker ausgeprägten Neigung zu Alkoholkonsum auch in der Öffentlichkeit, auf das Problem des plötzlichen Harndrangs bei Männern u.a. als Folge einer vergrößerten Prostata oder auch auf die Erziehung verwiesen, wonach das Urinieren im Stehen, im Freien und in Gesellschaft bei Jungen und Männern eher als sozial adäquat vermittelt wird als bei Mädchen und Frauen.“

Wir fassen zusammen: Als Belohnung für das sozial inadäquate Verhalten des Wildpinkelns erhält der gemeine Mann also ein kostenloses Pissoir, während die Frau wie immer zahlend anstehen muss.

Mit diesem Penis-Paradoxon lasse ich Sie nun allein, habe aber noch folgende Info für Sie: „Im Berliner Stadtgebiet befinden sich 107 Berliner Toiletten, die aufgrund des vorgenannten Kriteriums über ein zusätzliches kostenloses Pissoir verfügen.“ Machen Sie damit, was Sie wollen.

So viel zu den drängendsten Problemen dieser Stadt.

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