Ein Wochenende mit Pflaumenkuchen, Hölderlin und Kunst um Altbau
Auch in dieser Woche ist Stadtleben-Autorin Stefanie Golla vertretungsweise Ihr Wochenend-Guide. Es geht in den Untergrund, nach Lichtenrade und in den Wald:
Samstagmorgen – Pflaumenkuchen backen! Den können Sie später entweder mit in die Wuhlheide oder nach Brandenburg nehmen, falls Sie unserem Wildschwein Kevin in die Uckermark folgen möchten (siehe „Mein Wochenende mit“). Während das Backpflaumenaroma durch die Wohnung zieht, bleibt Zeit, sich Plätze für eine archäologische Führung mit Claudia Melisch auf dem Petriplatz in Mitte zu sichern. Sie ist Grabungsleiterin auf dem zukünftigen Standort des House of One, dessen Grundsteinlegung sich coronabedingt ins kommende Frühjahr verzögert. Glück für Sie, denn dadurch können an diesem Wochenende die Fundamente der ehemaligen St. Petrikirche, die 1964 gesprengt wurde, erkundet werden. Führungen werden heute und morgen um 10, 12 und 14 Uhr angeboten (heute zusätzlich um 16 Uhr), eine spontane Anmeldung via petriplatz@email.de oder 0177-273 61 45 ist noch möglich.
Samstagmittag – Raus an den Wannsee. Aber nicht ins Strandbad, das hat seine Saison letztes Wochenende leider schon beendet, sondern auf die Wiesen vor der Villa des Literarischen Colloqiums. Sonnenbeschienen verwandeln dort die Chöre der Sing-Akademie Berlin den Hang über dem Wannsee zur offenen Klangbühne. Wohl nicht ganz zufällig haben die „Silenced Choires“ Brahms’ Schicksalslied für ihr Programm ausgewählt, außerdem „metapraktische Stücke“ des griechischen Komponisten Jani Christou. GegenwartsdichterInnen wie Jean-René Lasalle und Monika Rinck sowie Hausgäste des LCB und Mitglieder der arabisch-deutschen Literaturkollektive „Unsichtbare Stadt“ lesen dazu Hölderlin. Tickets für verschiedene Zeitfenster gibt es für 12, bzw. 8 Euro hier. Ab 17 Uhr wird das Programm zudem kostenfrei online gestreamt.
Samstagabend – Derart beschwingt ist der Weg nicht allzu weit an den Lichtenrader Dorfteich, wo bis Sonntag ein Wein- und Winzermarkt dazu einlädt, unter besonderen Bedingungen dem Rebensaft zu frönen. 15 Winzer, Weinbauern und Weinhändler aus verschiedenen deutschen Regionen nehmen teil, daneben wird es eine Kunsthandwerksmeile geben. Auf eine Bühne wird in diesem Jahr verzichtet, dafür hat sich ein Schmied angekündigt, der Ihnen zu einem selbsthergestellten Hufeisen verhilft. Auf Abstand wird geachtet, auch eine Maske sollten Sie dabei haben. S-Bhf Schichauweg oder S-Bhf Lichtenrade, Sa 12-22, Sonntag 12-20 Uhr
Sonntagmorgen – Bei einer schönen Tasse Kaffee – und einem Stück Pflaumenkuchen – lässt sich der Vormittag entspannt auf diversen Rundgängen vor dem Rechner verbringen, denn der Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr primär im Digitalen statt. So können nicht nur der Flughafen TXL und das alte Wasserwerk Tegel erkundet werden, sondern auch ein Hochbunker in Köln oder das Olympische Dorf in München.
Sonntagmittag – Wer sich doch noch in Bewegung setzen möchte, findet im FEZ in der Wuhlheide allerhand Anregungen für nachhaltiges Leben und Wirtschaften auf dem Mitwelt-Festival (Straße zum FEZ 2, S-Bhf Wuhlheide, Sa 12-20 Uhr, So 12-18 Uhr, Tagestickets kosten 5 Euro und sollten online gebucht werden). Und dann ist ja auch noch Art Week. Unter Coronabedingungen muss man besser planen als sonst und sich über die Art Week Website anmelden, was nicht immer gut funktioniert (Tipp: Man kann es auch über die Websites der Institutionen versuchen). Kollegin Birgit Rieger weiß, was ohne Anmeldung funktioniert: Der freie Kurator Gilles Neiens knüpft mit seinem Projekt „Reshuffle the Cards“ an die weit verbreiteten Wohnungsausstellungen an, die in den 90er Jahren in Berlin meist wild und lustig waren. Zehn KünstlerInnen, darunter Edouard Baribeaud, Agnes Scherer und Paul Hutchinson, teilen sich bis Sonntag einen Altbau in Schöneberg für eine Gruppenausstellung in der Kyffhäuserstraße 10 (13-19 Uhr).
Sonntagabend – Arvo Pärt gilt als Pop-Star unter den zeitgenössischen Komponisten und setzt dabei auf ganz einfache musikalische Mittel. Zum 85. Geburtstag des estnischen Komponisten versucht ein Kinofilm, die Essenz seiner Musik zu ergründen. Im Kino Krokodil in Prenzlauer Berg (Greifenhagener Straße 32) ist „Das Arvo Pärt Gefühl“ um 17 Uhr zu sehen (OmU) – ein Plot ganz ohne Drama und Konflikte, aber nicht ohne Höhepunkte.