Das Wochenende der Frauen
Samstagmorgen – Der internationale Frauentag, der eigentlich erst morgen ist, profitiert gewissermaßen vom Wochenende, auf das er fällt – so lässt er sich nämlich auf zwei Tage ausdehnen. Er beginnt noch unauffällig mit einem Essen in Schöneberg: Unter dem Motto „It’s Women’s Rights Time“ wird bei Über den Tellerrand (Roßbachstraße 6, S-Bhf Julius-Leber Brücke) ab 11 Uhr gebruncht, wobei vor allem der Austausch mit geladenen Frauenrechtlerinnen auf der Speisekarte steht und damit Sättigung, Information, und Inspiration. Anmeldung hier.
Samstagmittag – Ein Tipp aus dem Tagesspiegel-Newsletter „Berliner Kunst“: Die Londoner Fotografin Yumna Al-Arashi findet, dass sich die Darstellung von Frauen in Bildern dringend ändern muss. Um nicht nur leere Forderungen in den Raum zu stellen, macht sie selbst vor, wie es geht, und zwar mit letzter Konsequenz, denn sie fotografiert nicht nur so, wie sie es richtig findet, sie fotografiert vor allem auch sich selbst ohne Netz und doppelten Boden: nackt, stark, selbstbewusst. Die Galerie Anahita Contemporary zeigt bis 19. März ihre Bilder. Sa 11-15 Uhr, Di-Fr 14-18 Uhr, Schlüterstraße 14, S-Bhf Savignyplatz
Samstagabend – Wer gut vorgeglüht in den Frauentag kommen möchte, hat die Qual der Wahl. In der Taz Kantine in Mitte (Friedrichstraße 21) geht das schon ab 18 Uhr mit Taz-Chefin Katrin Gottschalk sowie Komödiantin Enissa Amani, Autorin Jacinta Nandi und stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender Klara Geywitz sowie Beatboxerin Lisaholic und DJ Ak-Rap. Eintritt: 5 Euro Basis, 10 Euro „politischer Preis“. In der Bar Myśliwska in Kreuzberg (Schlesische Straße 35) werden ab 22.30 Uhr nur noch Songs aufgelegt, die von Frauen handeln und im Tresor gibt es eine eigens dem Frauentag gewidmete Clubnacht.
Sonntagmorgen – Und wie ist dem morgendlichen Vorglühkater am besten zu begegnen? Wer den schweren Kopf und schmerzenden Restkörper einer meditativen Yoga-Session unterzieht, sollte ihn schon bald sanft schnurren hören. Bei Future Moves im Studio Chérie Neukölln (Hobrechtstraße 66, U-Bhf Hermannplatz) gibt es anlässlich des Frauentages neben dem sportlichen Workout im Lauf des Tages Vorträge, Diskussionen, Workshops, Tanz und mehr auf zwei Etagen von 11 bis 19 Uhr.
Sonntagmittag – Während die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit – Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ heute endet, nehmen sich Künstlerinnen 2020 der Problematik in ihrer heutigen Form an, machen sich selbst und Kolleginnen in der Welt, die sich nicht ohne Weiteres selbst öffentlich zeigen können, mit Performances und Impulsbeiträgen vor der Alten Nationalgalerie (Museumsinsel) sichtbar. Die Grundfrage der Demo „Kommen Frauen nur ins Museum, wenn sie nackt sind?“ ist eigentlich keine Provokation, sondern erschreckend sachlich. Der Anteil von Künstlerinnen in den Ausstellungen der Nationalgalerie soll nämlich unter einem Prozent liegen. In der Schausammlung des Hamburger Bahnhofs, also selbst bei zeitgenössischer Kunst, bei mageren 16,7 Prozent. Wer das zum Davonfahren findet, kann dies alternativ bei der „feministischen Frauen*Fahrrad Demo“ Purple Ride (Start um 12 Uhr am Mariannenplatz) tun. Oder sich ab 11.30 Uhr demonstrativ picknickend direkt vor das Kanzlerinnenamt setzen, wo Pflege-Arbeiterinnen ihre oft nur symbolisch bezahlte Arbeit symbolisch niederlegen, um Kaffee und Cocktails zu schlürfen.
Sonntagabend – Zum Wochenendeende erheben schließlich Frauen aus dem Pop-Universum ihre Stimmen bei der elften Auflage des Poetry-, Theorie- und Spiel-Formats „Ich brauche eine Genie“ in der Kantine am Berghain. Ab 19.30 Uhr ist Musik von Adi Amati (Afropunk & Soul) und Oxy Music (Indiepunk) zu hören, Faulenza präsentiert bei einer Leseperformance ihr neues Liederbuch „Reclaim the Stage“ und Mia-Sängerin Mieze Katz liest zusammen mit dem Übersetzer Torsten Gross aus Debbie Harrys Autobiografie „Face it“. 8/ 10 Euro, 19.30 Uhr, Kantine am Berghain, Am Wriezener Bahnhof, S-Bhf Ostbahnhof