Schlingensiefs Witwe informiert über den Stand beim Operndorf
Ein Operndorf in Burkina Faso – Christoph Schlingensiefs Idee hat viele begeistert. Am Sonntag erzählt Aino Laberenz wie's läuft – zehn Jahre nach seinem Tod. Von Thomas Wochnik
Foto: Florian Schuh/dpa
Samstagmorgen – Wenn man wieder mal irgendwo mit Valentinskater aufgewacht ist und nicht mehr weiß, was man gestern wem aufgetischt hat und welchem Werbeversprechen man selbst aufgesessen ist, wenn es also sowieso aussichtslos ist, die Lügengebäude aufrecht zu erhalten, ist es wieder Zeit für Wahrheit. Und die liegt bekanntlich im Wein, den es wiederum in der Cocktailbar WildeMathilde nach französischer Art schon zum Frühstück gibt – dazu Törtchen und andere Süßigkeiten aus der hauseigenen Patisserie, umkränzt von pinkem Plüsch, Glitter und dem ein oder anderen Drag-Damenbart. Ab 10 Uhr in der Rathausstraße 23, U-Bhf Klosterstraße, Ticket für zwei 47,20 Euro
Samstagmittag – Der Wahrheit auf der Spur ist auch die Meisterschüler-Ausstellung „True Stories“ der Klassen Ute Mahler und Ingo Taubhorn von der Ostkreuzschule für Fotografie. Was auch immer die Bilder selbst erzählen, die alljährliche Show gilt längst als eine der wichtigsten Sondierungsmöglichkeiten zur aktuellen Entwicklung in der Fotografie Berlins. Um 16 Uhr gibt Professorin Ute Mahler eine Führung und um 18 Uhr diskutiert beim „Fotografischen Quartett“ Ingo Taubhorn mit Gästen, von 13 bis 20 Uhr im Festsaal Kreuzberg (Am Flutgraben 2, S-Bhf Treptower Park). Wer sein Date von gestern noch heute an der Backe hat, kann dort ein fotografisches Erinnerungsstück an den Tag erstehen und zugleich den künstlerischen Nachwuchs fördern.
Samstagabend – Ästhetik kommt vom altgriechischen Aisthesis (αἴσθησις), der sinnlichen Wahrnehmung im Allgemeinen und ist, neben der Ethik, nichts weniger als eine der beiden Grundsäulen der Philosophie. Wer das weiß, den durchfährt jedesmal ein Schauer, wenn andere sagen, sie fänden etwas „ästhetisch“, aber das nur nebenbei. Gar nicht nebenbei, sondern über Jahre hinweg und mehr oder weniger systematisch, haben sich Wahlberliner David Moss (experimenteller Stimmakrobat), Ayben und Volkan T error (beide türkischer Hip Hop) mit der „Ästhetik des Widerstands“ (nach Peter Weiss' gleichnamigem Roman) befasst und bieten ein Rap-Remixe des Originaltextes in deutscher, türkischer und englischer Sprache ab 20 Uhr im Hamburger Bahnhof (Invalidenstraße 50-51, U-Bhf Hauptbahnhof) dar. Eintritt 14/10 Euro
Sonntagmorgen – Wim Wenders, Patti Smith, Horst Köhler und viele andere haben sich von Christoph Schlingensiefs Idee eines Operndorfs in Burkina Faso begeistern lassen. Seit seinem Tod 2010 wird das Projekt von seiner Witwe Aino Laberenz weitergeführt und eben sie gibt ab 11 Uhr im Podiumsgespräch mit Ingeborg Wiensowski am Deutschen Theater (Schumannstraße 13A, U-Bhf Oranienburger Tor) sowie mit einer multimedialen Präsentation Einblick in zehn Jahre Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der Dinge vor Ort. Eintritt 12 Euro
Sonntagmittag – Der Salon ist Musikhistorikerinnen ein Begriff, der weit mehr umfasst als das, was Möbelhauskataloge nahelegen. Das im Hinterkopf, muss man den Schöneweider Industriesalon schon aus Freude über ungewöhnliche Wortverbindungen öfter erwähnen. Um 15 Uhr gibt die Komponistin und Saxophonistin Luise Volkmann mit ihrem dreizehnköpfigen, sommerlich klingenden Ensemble Été Large dort ein Konzert, das als zeitgenössisch-jazzige Hommage an die Musik der 68er sowie als persönliche Reflexion einer Vater-Tochter-Beziehung, ebenfalls radikal verbindungsfreudiges Mitdenken voraussetzt. Reinbeckstraße 9, S-Bhf Schöneweide
Sonntagabend – Wer sich am Abend radikal solidarisch mit nichtkommerziellen, der Stadt Leben einhauchenden Kulturmacherinnen und Verfechtern alternativer Lebensentwürfe fühlt, wird sich ab 18 Uhr im Haus Bethanien am Mariannenplatz entfalten können. Da steigt nämlich eine (ungewöhnliche Wortverbindung in Sicht!) linke Gala. Nochmal: eine linke Gala. Es geht um Solidarität mit bedrohten (und schon verdrängten) linksalternativen Hausprojekten und Pfeilern der Stadtgesellschaft wie Potse, Liebig34, Drugstore, Lause, Køpi, Friedel54 und anderen. U-Bhf Kottbusser Tor