Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin bringt Musik in die ganze Stadt
Corona verhindert noch immer viele Konzerte. Das DSO bietet nun Kammermusik auf der Straße. Und Filmfans fahren nach Tempelhof. Von Stefanie Golla
Auch wenn sein Konterfei was anderes verheißt: Kollege Wochnik weilt im wohlverdienten Urlaub, weshalb an dieser Stelle in den kommenden Wochen Stadtleben-Autorin Stefanie Golla übernimmt. Los geht’s:
Samstagmorgen – Die Club- und Musikszene liegt weiterhin weitgehend brach – aus guten Gründen, und doch existenzbedrohend für viele. „Berlin braucht Musik!“ konstatiert auch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) und schwärmt daher heute in kleinen Ensembles aus, um Kammermusik auf die Straßen Berlins zu bringen. Fast wäre die 2. Auflage der Überraschungskonzerte des DSO wetterbedingt ausgefallen, aber dann fand man unter der Piazza der Mall of Berlin Platz, um regengeschützt musizieren zu können. Los geht es dort um 11.30 Uhr mit Dvořák-Ensembles, danach geht es weiter mit dem Zehlendorfer Bläseroktett am Haus der Kulturen der Welt (12.30 Uhr), den Abschluss macht ein Streichquintett am Kollwitzplatz (19.30 Uhr). Die 11 Pop-Up-Konzerte können als „Tour de la musique“ absolviert oder einfach im Vorbeigehen genossen werden – diese Musik ist nämlich für alle. Infos hier.
Samstagmittag – Derart beschwingt, lohnt ein Abstecher in die Charlottenburger Suarezstraße, wo trotz Corona die 19. Antikmeile zum Vintage-Shopping einlädt. Sogar größer denn je, denn um ausreichend Abstand wahren zu können, wurde die Meile zwischen Kantstraße und Kaiserdamm auf ganze acht Meter verbreitert (hoffentlich haben alle AnwohnerInnen ihre Autos umgeparkt…), auch die Stände stehen weiter auseinander als sonst. Für Abstand sorgen sicher auch die Regenschirme, die Sie brauchen werden, um trockenen Fußes die exklusiven Vintage-Stücke zu begutachten. Bitte nicht wundern, sollten Ihnen Rockabillies oder gar Königin Luise begegnen: Der Antikmarkt gilt dem Citywest-Publikum seit Jahren als Ausgehmeile – stilecht, versteht sich. Neben 35 Antiquitäten- und Designgeschäften, nehmen rund 100 GasthändlerInnen teil, darunter einige, die zur Designbörse Berlin in Moabit ausgestellt hätten. Da diese coronabedingt ausfällt, ist die Antikmeile in diesem Jahr um etliche Vintagemöbel reicher – und das bei freiem Eintritt. U-Bhf Sophie-Charlotte-Platz, 12-20 Uhr
Samstagabend – Den Wandel durch die Zeiten können Sie am Abend in der Philharmonie fortsetzen, wo das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit Anne Schwanewilms (Sopran) zum Saisonauftakt „Vorgefühle und Vergangenes“ zum Besten gibt. Das Konzert im Rahmen des Musikfest Berlin vereint Werke von Johann Sebastian Bach, Anton Webern, Alfred Schnittke und Alban Berg, am Pult steht RSB-Chefdirigent Vladimir Jurowski. 19 Uhr, Herbert-von-Karajan-Straße 1 (Mitte), Tickets (20-59 Euro) gibt es an der Abendkasse (bitte ausreichend Zeit einplanen).
Sonntagmorgen – mit Mirabellen. Die kirschgroße „Gelbe Zwetschge“ sieht super süß aus, bleibt aber lange sauer, bevor sie im Spätsommer, also jetzt, doch noch ziemlich lecker wird. Genuss-Kollegin Susanne Leimstoll empfiehlt: am besten frisch genießen, oder einfach und schnell als Galette kredenzen – und liefert das Rezept samt Karamellknusper gleich mit. Reife Früchte bekommen Sie zum Beispiel in Neumanns Erntegarten in Potsdam (Am Heineberg 2). Auf Nachfrage bestätigt Ostbauer Gerhard Neumann: Es gibt noch welche. Vor allem aber werden gerade die „richtigen“ Pflaumen reif. In ca. 10 Tagen rechnet er mit so viel Spätpflaumen, dass er sie gar nicht alle verkaufen kann. Soziale Einrichtungen, auch Kitas und Schulen, können sich gern melden und gratis ernten kommen. Geöffnet ist Mi-So 10-18 Uhr, alle Infos hier.
Sonntagmittag mit Patti Smith und Fräulein Brehm in der Amerika Gedenkbibliothek verbringen: Von dieser Woche an ist sonntags wieder Programm am Blücherplatz 1 – buchstäblich, denn vieles findet draußen auf der Wiese vor der AGB statt, so lange das Wetter mitspielt. Zum Auftakt gibt es Familienyoga, zum Ausklang einen Presseclub für alle zum Thema „Zukunft Erde: im Kreislauf wirtschaften – geht das?“. Der Eintritt ist frei, für einige Formate aber eine Anmeldung nötig. Ein Platz im Readers Corner aber ist immer frei.
Sonntagabend – Bevor am Montag wieder – ganz realer – Alltag einkehrt, haben Sie zum Wochenendeende (um im Wochnik’schen Duktus zu bleiben) noch die Möglichkeit, sich in virtuelle Realitäten zu begeben: Bis zum 12. September können FilmenthusiastenInnen im Flughafen Tempelhof an der Virtual-Reality-Sektion der Filmfestspiele von Venedig teilnehmen, die dieses Jahr komplett digital und dezentral in 14 Städten auf drei Kontinenten stattfindet. Berlin ist die einzige Stadt Deutschlands, die die 44 Virtual-Reality-Erfahrungen, darunter 31 Weltpremieren, zeigt – wenn das mal kein Grund ist, sich Mundschutz und VR-Brille aufzusetzen. Tickets für ein einstündiges Zeit(reise)fenster für die „Venice VR Expanded“ gibt es für 15 Euro hier – oder bei uns, denn wir verlosen 5x2 Freikarten. Geöffnet tgl. 10-20 Uhr, U-Bhf Platz der Luftbrücke, Eingang Werner-Loebermann-Weg