Verlängertes Wochenende, Frauen in der Kunst und ein wenig was in die Magengrube
Samstagmorgen – Ein Tiergartenspaziergang führt heute über Hansaplatz und die Akademie der Künste am Hanseatenweg. Der Architekt hinter U-Bahnhof und Akademiekomplex, Werner Düttmann, würde heute hundert Jahre alt, was die AdK mit einer Ausstellung im Foyerbereich feiert. Wer das Gebäude nur von Veranstaltungen im mit Kupfer überdachten Studio oder dem Ausstellungsraum kennt, weiß vermutlich nicht, wie weit sich der Komplex mit Atelier- und Arbeitsräumen, Werkstätten, großem Wohnbereich, vielen, kleinen Höfen und mehr erstreckt – und das, dank Düttmanns Architektur, nahezu unmerklich. Für alle, die stattdessen in Mitte promenieren, empfiehlt sich das Streifen der Volksbühne. Die feiert den Hundertfünfzigsten von Rosa Luxemburg mit einer Plakatausstellung im Pavillon des Hauses, der dafür nicht betreten werden muss: Von außen sind 28 Arbeiten von Künstler:innen aus Athen zu sehen, die sich mit der 1919 von rechtsradikalen Militärs gefolterten und ermordeten KPD-Mitgründerin auseinandersetzten.
Samstagmittag – Mal wieder zu vitaminreich gefrühstückt, jetzt vollkommen hibbelig vor lauter Vitalität durch die Straßen rasend, nicht wissend, was mit sich anstellen? In den Neuköllner Kindlstuben hat man sich des Problems angenommen und einen Spätzle- und Schnitzel-Notdienst für alle eingerichtet, die nach dem Gefühl lechzen, einen Stein vom Herzen fallen zu spüren – direkt in die darunter befindliche Magengrube. Es gibt Spätzle mit Speck, vegetarische Spätzle, Spätzle mit Roter Beete, Rosenkohl oder Spinat (alles um 10 Euro), Ungarisches Gulasch (14 Euro) und natürlich Wiener Schnitzel (18,50 Euro). Für Selbstabholer:innen, ab 20 Euro Bestellwert auch mit Lieferung. Mi-So, 17.30-21.30 Uhr.
Samstagabend – Wer kleine Kinder gerne mit Zeichentrickfilmen auf die Schlafenszeit einstimmt, weiß, dass die Kleinen ziemlich schnell begreifen, dass der Episodenvorrat bei Streamingdiensten nahezu unerschöpflich ist und „nur noch eine Folge mehr“ immer geht. Ersparen kann man sich das Gefeilsche um den elterlichen Feierabend mit dem Spatzenkino. Das hier gebotene Programm endet einfach von allein nach etwas über einer halben Stunde. Mehr gibt es nicht, höhere Gewalt, gute Nacht.
Sonntagmorgen – Noch vor einhundert Jahren standen die Zeichen für eine eines Tages große Radiokunst gut. Künstler:innen und Denker:innen spekulierten noch über die Möglichkeiten des neuen Mediums und vieles, was in der Anfangszeit des Rundfunks ausgestrahlt wurde, war von höchst experimentellem Charakter. Walter Ruttmann und Orson Welles sorgten für Aufsehen, Bertolt Brecht, Walter Benjamin und viele andere sahen sich zu langen Abhandlungen veranlasst, ein verheißungsvolles Radiozeitalter schien der Menschheit bevorzustehen. Bis in die heutige durch und durch normierte Radiolandschaft hat sich davon nur wenig gehalten. Eine Ausnahme bildet das Papiripar-Festival, das in diesem Jahr als rund um die Uhr sendendes Experimental-Radio voller akustischer Kuriositäten stattfindet.
Sonntagmittag – Wer Berlin generell als zu laut empfindet und auf kuriose Geräuschkulissen eher gereizt reagiert, stöpsle sie doch einfach aus. Und die beruhigende Stimme freundlicher Audioguides ein: Zahlreiche geführte Spaziergänge durch Berliner Bezirke, Kieze, Gegenden und Themen, wie das Leben in der DDR oder die queere Hauptstadtkultur, inspirieren zum Verlassen eingetretener Pfade.
Sonntagabend und Montag – Morgen ist Internationaler Frauentag. Wer anständig reinfeiern möchte, bestelle sich heute noch Cocktails nach Hause, z.B. bei schnapsfahrer.de, dem Lieferdienst der famosen Neuköllner Tier-Bar. Apropos Frauentag: Künstler:innen sind nicht selten Vorreiter:innen gesellschaftlicher Debatten, so auch in punkto Feminismus. Will man aber über die begehrtesten Künstler:innen aus Deutschland reden, kann man sich das Gendern fast sparen, so sehr hängt der Kunstmarkt hinterher. Unter den aktuellen Top Dreißig befindet sich mit Rosemarie Trockel genau eine Frau. Mit einer künstlerischen Performance um 14 Uhr auf dem Vorplatz der Gemäldegalerie wollen daher überwiegend Berliner Künstlerinnen für einen Fair Share, also angemessenen Marktanteil plädieren – nach eigener Aussage so, dass die Schau auch mit dem gebotenen Abstand zu sehen sein wird. Um Frauen der Kunstgeschichte geht es bei den digitalen und telefonischen Führungen des Deutschen Historischen Museums, und das ab 10 Uhr – für alle also, die es mit den Cocktails am Vorabend nicht übertrieben haben.