So kommen Sie an Weihnachtsbäume in Bio-Qualität
Wohin? Wie groß? Woher? Die Tannenbaum-Fragen werden immer drängender. Wir verraten Ihnen, wo Sie einen kaufen – oder gleich selbst schlagen können. Von Stefanie Golla.
Foto: Patrick Pleul
Während Kollege Wochnik bei Smörrebröd und Kierkegaard seinen Urlaub von Berlin genießt, teilt in dieser Woche Stefanie Golla an dieser Stelle ihre Wochenendhighlights mit Ihnen. Es geht in die Zukunft – und nach Brandenburg, und daher zuerst ins Domberger Brot-Werk nach Moabit, wo Florian Domberger, gebürtiger Augsburger, mit wenigen Mehlsorten und fast ohne Hefe saftige Sauerteigbrote und Brötchen unters Berliner Volk mischt. Kuchen gibt es auch. Und Dampfnudeln! Zu finden in der Essener Straße 11 (U-Bhf Turmstraße, Sa 8–13 Uhr, Mo 15–18.30 Uhr, Di–Do 8–18.30 Uhr, Fr 8–18 Uhr).
Samstagmorgen – Derart gestärkt kann das Wochenende im Futurium am Alexanderufer 2 in Mitte beginnen. Der kantige Glaskubus zwischen Hauptbahnhof und Bildungsministerium zeigt schon heute, was morgen Wirklichkeit werden könnte und lädt ein, darüber nachzudenken, wie wir zukünftig zusammenleben wollen (Eintritt frei). Die Ausstellung bewegt sich in den Denkräumen Natur, Mensch und Technik und kann interaktiv entdeckt werden. Die Visionen von Roboter-Menschen, begrünten Hochhäusern, gemeinschaftlichen Ökonomien und künstlicher Intelligenz können anschließend beim gemeinsamen Mittagessen im Futurium-Restaurant bei einer Portion grüner Lasagne mit gerösteten Insekten weitergesponnen werden. Sa–So 10–18 Uhr, Mo/Mi/Fr 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr
Samstagmittag – Wie aus Vergangenheit Zukunft wurde, zeigt das Madonnentreffen in der Gemäldegalerie, die Sie vom Futurium aus in ca. 30 Minuten nach einem Spaziergang durch den Tiergarten erreichen. Bilder des italienischen Renaissancemalers Raffael waren 1830, also zu der Zeit, als die ersten Museen in Berlin gegründet wurden, sehr angesagt. Die Kabinettausstellung versammelt mehrere Madonnenbilder des Meisters, fünf davon stammen aus der Gemäldegalerie, außerdem ist die noch nie ausgeliehene „Madonna mit den Nelken“ aus der National Portrait Gallery in London zu sehen. Kulturforum, Sa–So 11-18 Uhr, Di-Fr 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Eintritt: 20 Euro
Samstagabend – Auf dem Heimweg lohnt ein Schlenker ins Willy Brandt Haus in der Wilhelmstraße 140, der Sie nach den Stippvisiten in Zukunft und Vergangenheit in der Gegenwart ankommen lässt: Bis zum 2. Februar werden hier nämlich die Fotos des Sony World Photography Awards gezeigt. Die Bilder des Gewinners Federico Borella etwa erzählen von den Selbstmorden indischer Bauern, die dem Klimawandel nichts entgegenzusetzen haben. Leichtere Themen sind: Dutzende von Schwänen, die sich auf einem See in China in Herzform formieren. Deutsche Schwimmbäder mit einer Drohne fotografiert. Oder tolle Porträts, wie das eines schicken Dandys vor Mustertapete. Di-So 12-18 Uhr, Eintritt frei, Ausweis erforderlich
Mehr Kunst-Tipps hat meine Kollegin Birgit Rieger für Sie – im kostenlosen Tagesspiegel-Newsletter „Berliner Kunst“.
Sonntagmorgen bei Stolle und Schrippe die immer drängenderen Tannenbaum-Fragen klären: Wohin? Wie groß? Woher? Zumindest bei letzterer können wir helfen: In Friedrichshain verkauft Kieztanne aus dem Sauerland importierte Bäume in Bio-Qualität. Liebauer Straße 22, S/U-Bhf Warschauer Straße, Sa 11-17 Uhr, So 12–17 Uhr
Wer lieber selber die Axt schwingen will: Auf dem Biohof am Jakobsweg in Steinhöfel (Landkreis Oder-Spree, ca. 1,5 Stunden Autofahrt von Berlin entfernt) können dieses Wochenende Weihnachtsbäume selber geschlagen werden. Zur Belohnung warten Stockbrot und Punsch am Lagerfeuer. Wer noch eine Weihnachtsgans braucht, ist hier ebenfalls richtig. Fürs Navi: Ausbau Schönfelder Weg 1, 15518 Steinhöfel
Mehr Infos und Adressen für Bio-Tannen finden Sie bei robinwood.de
Sonntagmittag – Etwas weiter nördlich, im Forstbotanischen Garten Eberswalde, wird es dieses Wochenende noch mystischer als sonst in Brandenburg, wenn mit Feuerzauber, Waldlichtgang und Tänzen die WaldWeihnacht zelebriert wird. Klassisch ist hier nur der Glühwein, den obligatorischen Budenzauber werden Sie nicht finden. Anreise am besten mit der S2 über Bernau und dem RE3 bis Eberswalde – wegen der (nicht vorhandenen) Parkplätze. Und des Glühweins. Außerdem: Warm anziehen! Am Zainhammer 5, 16225 Eberswalde, Eintritt: 3 Euro
Weitere Adressen für die Berlin-Flucht finden Sie im kostenlosen Tagesspiegel-Newsletter „Berliner Draussen“.
Sonntagabend – Zurück in Berlin, erklimmt das Deutsche Symphonieorchester um 20 Uhr in der Philharmonie unter seinem jungen Chefdirigenten Robin Ticciati den Gipfel von Bruckners Schaffen: die monumentale Achte – mit über 80 Minuten Spieldauer die gewaltigste Symphonie ihrer Zeit. „Dazu erklingt als toller Kontrast der zweite Satz aus dem Symphonie-Projekt des US-Amerikaners Elliott Carter, aus existenzieller Dunkelheit schwingt sich dieser Abend empor in höchste Höhen“, schreibt mir Kultur-Kollege Ulrich Amling. Schönes Motto für dieses dritte Adventswochenende, also noch schnell letzte Karten sichern.