Aus dichten Wolken fällt hin und wieder Regen, heute bei max. 5 °C, morgen etwas milder bei 8 °C

Bundestagsverwaltung blockiert Ausbau des S21-TunnelsDatenschutzbeauftragte hält Diesel-Kennzeichenerfassung für rechtswidrigInterview mit Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft

während kurz vor dem 3. Advent im Erdgeschoss des KaDeWe die Kunden in langen Schlangen geduldig vor dicken Kordeln auf Einlass in die Luxusshops warten wie anderswo sonst nur die Touristen vorm Berghain, hat sich unser Reporter Jonas Bickelmann auf den Weg in einen Charlottenburger Park gemacht, um einen Mann zu treffen, der hier draußen lebt, in der Kälte. Nennen wir ihn Micha, er will nicht erkannt werden, das gibt nur wieder Probleme, und auch der Name des Parks bleibt unter uns. Die Anwohner kennen Micha, er stört sie nicht, er ist unauffällig und will das auch bleiben. Doch Micha soll weg, das Ordnungsamt war schon da und hat ihn aufgefordert, seinen Platz zu räumen. Das ist nun mal eine geschützte Grünanlage, sagt der zuständige Stadtrat Arne Herz, das geht so nicht. Ein Anwohner hatte uns geschrieben, die Nachbarn wollen Micha helfen: „Es wäre toll, ihn einfach in Ruhe zu lassen. Wir kümmern uns gerne um alles andere. Er bekommt von uns Zuspruch, Lebensmittel und Kleidung, insbesondere wegen seiner netten Art.“

Menschen wie Micha gibt es viele in der Stadt – und immer mehr Menschen wollen ihnen helfen. So wie Meret Nägele und ihre Freunde, deren Weihnachtsinitiative wir hier auch in diesem Jahr wieder vorgestellt haben (CP von gestern). Ihr Vater Frank, Staatssekretär in der Senatskanzlei, twitterte gestern stolz: „Eine tolle Aktion meiner Tochter. Helft und teilt das bitte. Und: Danke, lieber Checkpoint, fürs Werben.“

Wir weisen hier gerne auch auf andere Initiativen hin, die Unterstützung suchen – und sammeln auch selbst für unsere Spendenaktion „Menschen helfen“, mit der wir soziale Projekte in der Stadt unterstützen.

Telegramm

Wir haben einen großartigen Nahverkehr“, sagte Michael Müller gestern bei der Verabschiedung von BVG-Chefin Sigrid Nikutta (wechselt am 1.1. zur Bahn). Der Regierende Bürgermeister meinte wohl sicher nicht die roten Zahlen, die künftig statt der Zielorte auf den Displays von Bussen und Bahnen stehen – denn darauf steuert die BVG zu. Müller meinte auch sicher nicht den ausgelaugten Fuhrpark, die gestreckten Fahrpläne, die vollen Busse, in die sich künftig noch eine Millionen Fahrgäste mehr quetschen müssen, wenn der Verkehr nach Plan Günther gewendet ist und das letzte Auto im Technikmuseum verschwindet. Aber was meinte Müller dann?

Mit der S-Bahn dürfte der Regierende die BVG auch nicht verwechselt haben, die hat ihre ganz eigenen Probleme – und ein ganz besonderes: Die Bundestagsverwaltung blockiert den Ausbau des Tunnels der S21 zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz. Das Ergebnis: Es wird teurer, es dauert länger – und der Umweg löst heimlich den Bären als Symbol auf Berlins Wappen ab.

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Schenken Sie Meisterwerke des zeitgenössischen Tanzes

Nach der britischen Rambert Dance Company, die im März 2020 im Haus der Berliner Festspiele gastiert, wird im April 2020 die belgische Kompanie Rosas um Anne Teresa De Keersmaeker Wiederaufnahmen ihrer wegweisenden Stücke „Rain“ (live mit dem Ictus Ensemble) und „Achterland“ zeigen.

Auf den Straßen sieht es kaum anders aus. Das Dieselfahrverbot scheitert nicht nur in der Leipziger Straße am Schildermissmanagement der Institutionen (CP von gestern) – die Verkehrsverwaltung teilt dazu dem Checkpoint mit: „Es liegt kein bearbeitungsfähiger Antrag vor, daher keine Anordnung.“ Logo.

Auch mit den Kontrollen sieht’s eher duster aus – Berlins Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk hält eine permanente Kennzeichenerfassung alter Diesel für „klar rechtswidrig“. Zulässig sind demnach nur Stichproben – wenn Sie also demnächst einen Platten haben, wissen Sie wenigstens, warum (Pfffff…).

Und noch eins für heute – neu in Berlin: eine Straße, die zu kaputt für eine Radarfalle ist. Die „Morgenpost“ zitiert aus der Kapitulationserklärung der Polizei, auf der Friedrich-Engels-Straße in Pankow das Tempolimit von 10 km/h zu checken: Eine „spürbare Erhöhung der Normenakzeptanz“ kann die Behörde „bei mehr als 5200 Straßenkilometern in Berlin faktisch nicht erzeugen“ – und für eine „beweissichere Anwendung“ mobiler Blitzgeräte sind die „baulichen Gegebenheiten“, insbesondere wegen des schlechten Zustands des Grünstreifens und Gehwegs, „nicht ausreichend“. Checkpoint-Diagnose: Morbus Berlin – da kann man wohl nichts machen.

Den Beitrag zum Betriebsstörungsbingo liefert heute Matthias Tang aus dem ICE von Berlin Richtung Köln: „Die Abfahrt unseres Zuges verzögert sich um circa zehn Minuten, weil wir Feierabend haben. Das neue Zugteam befindet sich in einem verspäteten Zug. Sie können eine rauchen gehen, aber entfernen Sie sich nicht zu weit vom Zug. Es kann jederzeit weitergehen.“ So wie hier auch übrigens.

Als die christdemokratische Welt noch in Ordnung war, ging das konservative CDU-Mitglied Sonntagvormittag in die Kirche und lauschte dem Pastor. Heutzutage ruft die CDU gemeinsam mit der „Werte-Union“ in die Tegeler „Seeterrassen“, um Hans-Georg Maaßen anzuhimmeln (15.12., 10 Uhr) – ist offenbar so eine Art Ersatzgottesdienst für eine Ersatzreligion.

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Semele
Nur noch am 15. / 18. / 21. / 29. Dez

»Barrie Kosky inszeniert die barocke Oper zwischen Tragik und Komik …«. [Deutschlandfunk]
Semele gehört weltweit zu Händels beliebtesten Werken. Hinter der Musik verbirgt sich eines der aufregendsten Familiendramen der Antike: das Drama rund um das Königshaus von Theben.
komische-oper-berlin.de/semele

Wo kann und sollte Berlin in den nächsten 10 Jahren noch zulegen?“, fragt das DIW und lädt ein zur Podiumsdiskussion (20.12., 11 Uhr) – angeblich sind die zehn Jahre in 90 Minuten zu erledigen (dabei reicht die Fantasie ja nicht mal für 10 Meter Görli). Dürfte neuer deutscher Rekord sein.

Zum Mietendeckelzoff: Die IHK wehrt sich gegen ihre Kritiker – in vier Vollversammlungen, bei allen Präsidiumssitzungen, in diversen Ausschusssitzungen und bei einer branchenübergreifenden, repräsentativen Umfrage habe es ein eindeutiges Meinungsbild gegeben. Das Präsidium verstehe das als Auftrag, gegen den Mietendeckel Stellung zu beziehen. Die Neutralitätspflicht sieht die IHK nicht verletzt: „Wir dürfen die Politik des Senats kritisieren, wenn sie Interessen der Wirtschaft entgegensteht.“ Aber „gegen den Mietenwahnsinn“, sagt die IHK, ist sie auch.

Wie Wohnen bezahlbar bleibt, ist auch das Thema des „Phoenix-Bürgerabends“, den wir am 29.1. gemeinsam mit dem TV-Sender veranstalten. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, melden Sie sich bitte per Mail an unter wirmuessenreden@phoenix.de oder telefonisch unter 030/20267120.

Ein Blick in die Kleinanzeigen – unter dem Suchbegriff „Gänse“ finden wir heute zweierlei:

1) „Weihnachtsgänse aus dem Sauerbruch, 12 € pro Kilo“ (01628893224).

2) „Gänsehaut-Feeling-Massage“ (53795954).

Und an was denken Sie jetzt bei der nächsten Massage / beim Weihnachtsessen?

Auf die Schnelle:

Degewo kauft der „Deutsche Wohnen“ 2142 Wohnungen ab.

Staatssekretärin Chebli verschenkt an ihrer alten Schule „Rumpelröschen“.

Der BER-Untersuchungssauschuss bleibt auf dem Weg zum BER im Stau stecken.

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Heute gibt es wieder Preisgewinne im Doppelpack: 
Ergattern Sie heute einen von zwei Conrads Herbst-Winter-Collection-Gutscheinen oder eine Nacht im Baumhaus (bis zu 5 Pers.) in der Geheimen Welt von Turisede.  
Am Adventssonntag gibt es ein AVM FRITZ! Mesh Set zu erspielen. Bonne Chance!

Hinweis: Die Meldung „Überraschung: 21 Monate Knast für Eierdieb – der Vorbestrafte Rafal S. stahl 49 Ü-Eier“ist kein Fall für „Mathe mit dem Checkpoint“, sondern für die „Schlechte Witze Kasse“: Da kamen neben 27 polizeilichen Eintragungen auch noch ein paar Fausthiebe und ein Autoaufbruch mit Diebstahl auf die Rechnung.

Altgriechisch, Selbstverteidigung, Töpfern: Mein Kollege Lars Spannagel hat eine Woche lang Kurse an Berlins Volkshochschulen besucht und jeden Tag etwas Neues gelernt. Seine Reportage lesen Sie heute im Tagesspiegel auf unseren Seiten „Mehr Berlin“. Und unter Checkpoint-Lesern verlosen wir eines der Werke, die bei dem Selbstversuch entstanden sind: die Kaltnadelradierung eines Tiefsee-Anglerfischs, signiert vom Künstler, limitierte Auflage (1/5) – Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.

Nachtrag zur Meldung „Die Schokoladenseite von Gaby Bischoff“ (CP von gestern) – die EU-Abgeordnete der SPD schreibt: „Mit Verwunderung habe ich Ihren heutigen Kommentar im Checkpoint zur Kenntnis genommen.“ Beigefügt ist eine Liste von neun öffentlich zugänglichen Veranstaltungen, die sie seit August besucht hat, darunter u.a. ein „Europäisches Frühstück bei Stullen und Kaffee im Kurt-Schumacher-Haus“ sowie ein „Europäisches Feierabend-Aperitivo bei Rotwein und Kräckern im Restaurant Lawrence“. Außerdem empfiehlt Gaby Bischoff den Jahresrückblick auf ihrer „gerade etablierten Website“ – dort findet sich übrigens auch der Anmeldebogen zur Brüsseler Schokoladenfahrt.

Durch­gecheckt

Durchgecheckt

Benjamin Jendro ist Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei.

Messerstiche, Bisswunden, Übergriffe an Silvester – mit welchem Gefühl gehen Ihre Kollegen momentan in den Einsatz?

Jeder Polizist, speziell in der Hauptstadt, weiß, dass er potenziell bei jedem Einsatz verletzt werden kann. Allein in Berlin gibt es jeden Tag 19 Angriffe auf unsere Kolleginnen und Kollegen. Das ist nicht immer der hinterlistige Messerangriff wie in München, aber faktisch kann sich niemand so vorbereiten, dass er einen Angriff komplett ausschließen kann. Jede Fahrzeugkontrolle, jede häusliche Gewalt oder Ruhestörung kann eskalieren, weil sie nie wissen, was im Kopf eines anderen Menschen passiert und ob er nicht gerade mit dem Golfschläger hinter der Tür wartet. Polizisten sind insofern verstärkt gefährdet, weil sie im Regelfall im Einsatz auf Menschen treffen, die als Gegenüber nicht unbedingt Polizei haben wollen. Natürlich wissen die Kräfte, dass sie nicht auf Freude treffen, wenn sie durch die Rigaer Straße fahren oder an Silvester im Steinmetzkiez Leute kontrollieren, die vor allem da sind, weil sie randalieren und Polizisten verletzten wollen. Eine Vielzahl an Beleidigungen, Widerständen oder tätlichen Angriffen können sie aber vorher nicht absehen, sie können sie jederzeit und überall in dieser Stadt treffen, wohlgemerkt bei allen Altersgruppen und in allen sozialen Umfeldern.

Wie steht die Polizei zu einem Böllerverbot am Silvesterabend?

Ein Böllerverbot für die ganze Stadt zu fordern ist anmaßend, weil es nie im Leben kontrollierbar wäre. Die Einrichtung von zwei weiteren Knallverbotszonen neben dem Brandenburger Tor ist aber ein guter Ansatz, der auch nicht unbedingt mehr Personaleinsatz fordert. Aufgrund der Ereignisse im Steinmetzkiez an Silvester und Halloween war dort im letzten Jahr ohnehin schon eine Einsatzhundertschaft. Jetzt haben die Kollegen im Rahmen der Gefahrenabwehr eben auch die Chance, nicht erst tätig zu werden, wenn man Raketen auf sie feuert. Grundsätzlich ist es jetzt schon eine Straftat, Feuerwerk auf Menschen zu schießen, weshalb wir mittelmäßig optimistisch sind, dass sich alle daran halten werden. Natürlich kann es auch zur Eskalation in einer anderen Seitenstraße kommen. Wir werden uns das anschauen, es in den nächsten Jahren weiter anpassen und eventuell auch auf andere Orte ausweiten.

Warum gibt es zu Silvester überhaupt so viele Übegriffe?

Warum gibt es so viele am 1. Mai? Warum schicken Sie an diesen Tagen mehr Journalisten auf die Straße? Es sind zu diesen Anlässen besonders viele Menschen auf der Straße, und dementsprechend prallen unterschiedliche Charaktere, Interessen und Denkweisen aufeinander. Dass an Silvester zudem nicht wenig Alkohol konsumiert wird und mit gefährlichen Substanzen (Feuerwerk) hantiert werden darf, leistet sein Übriges. Darüber hinaus kommt es speziell an Silvester, aber auch schon an den Weihnachtstagen, zu viel mehr körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Menschen, die sich persönlich kennen (Familie, mutmaßliche Freunde etc.). Warum das so ist, überlasse ich Ihrer Phantasie. Aber es ist sicher interessant, dass Kontrahenten bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt oder Körperverletzungen bei Eintreffen der Polizei ganz gern wieder zusammenwachsen.

Mangelt es an politischem Rückhalt?

Es ist schon so, dass sich unsere Kolleginnen und Kollegen bei vielen politischen Entscheidungen nach dem Sinn und der wahren Intention fragen, z.B. beim Antidiskriminierungsgesetz. Zumal andere Sachen, wie die Erhöhung von Abgeordnetendiäten, immer recht schnell gehen. Darüber hinaus haben wir in der Berliner Politik ein eher polizeikritisches Grunddenken, Stichwort Polizeigewalt, wo bei den Kollegen stets der Eindruck entsteht, dass jegliches polizeiliches Handeln von vorneherein negativ gesehen und dementsprechend genau beäugt wird. So manche Äußerung im Innenausschuss oder anderen Gremien lässt aber Zweifel offen, ob hier eine neutrale Ausgangsposition und Unbefangenheit vorliegt. Gibt es einen rechten Kollegen – natürlich gibt es welche unter 25.000 Beschäftigten – wird sofort von rechten Strukturen gesprochen, generalisiert. Begeht einer Straftaten, wird er auch nicht als Einzelfall gesehen. Gleichzeitig ist es nach Angriffen auf Polizisten in vielen Teilen der Berliner Politik recht ruhig. Das hinterlässt Spuren und man darf auch eines nie vergessen: Polizeiarbeit in der Hauptstadt ist extrem politisch geprägt und letztlich ist es die Politik, die die Musik bestimmt, nach der die Kollegen auf der Straße tanzen. Sie aber haben auf der Straße Kontakt zum Menschen, der seinen fehlenden Respekt, sein fehlendes Vertrauen in Politik und seinen Frust über Probleme in unserem Land dann an jemandem auslässt, der für ihn als Symbol des Staates greifbar ist.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Während Kollege Wochnik bei Smörrebröd und Kierkegaard seinen Urlaub von Berlin genießt, teilt in dieser Woche Stefanie Golla an dieser Stelle ihre Wochenendhighlights mit Ihnen. Es geht in die Zukunft – und nach Brandenburg, und daher zuerst ins Domberger Brot-Werk nach Moabit, wo Florian Domberger, gebürtiger Augsburger, mit wenigen Mehlsorten und fast ohne Hefe saftige Sauerteigbrote und Brötchen unters Berliner Volk mischt. Kuchen gibt es auch. Und Dampfnudeln! Zu finden in der Essener Straße 11 (U-Bhf Turmstraße, Sa 8–13 Uhr, Mo 15–18.30 Uhr, Di–Do 8–18.30 Uhr, Fr 8–18 Uhr).

Samstagmorgen – Derart gestärkt kann das Wochenende im Futurium am Alexanderufer 2 in Mitte beginnen. Der kantige Glaskubus zwischen Hauptbahnhof und Bildungsministerium zeigt schon heute, was morgen Wirklichkeit werden könnte und lädt ein, darüber nachzudenken, wie wir zukünftig zusammenleben wollen (Eintritt frei). Die Ausstellung bewegt sich in den Denkräumen Natur, Mensch und Technik und kann interaktiv entdeckt werden. Die Visionen von Roboter-Menschen, begrünten Hochhäusern, gemeinschaftlichen Ökonomien und künstlicher Intelligenz können anschließend beim gemeinsamen Mittagessen im Futurium-Restaurant bei einer Portion grüner Lasagne mit gerösteten Insekten weitergesponnen werden. Sa–So 10–18 Uhr, Mo/Mi/Fr 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr

Samstagmittag – Wie aus Vergangenheit Zukunft wurde, zeigt das Madonnentreffen in der Gemäldegalerie, die Sie vom Futurium aus in ca. 30 Minuten nach einem Spaziergang durch den Tiergarten erreichen. Bilder des italienischen Renaissancemalers Raffael waren 1830, also zu der Zeit, als die ersten Museen in Berlin gegründet wurden, sehr angesagt. Die Kabinettausstellung versammelt mehrere Madonnenbilder des Meisters, fünf davon stammen aus der Gemäldegalerie, außerdem ist die noch nie ausgeliehene „Madonna mit den Nelken“ aus der National Portrait Gallery in London zu sehen. Kulturforum, Sa–So 11-18 Uhr, Di-Fr 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Eintritt: 20 Euro

Samstagabend – Auf dem Heimweg lohnt ein Schlenker ins Willy Brandt Haus in der Wilhelmstraße 140, der Sie nach den Stippvisiten in Zukunft und Vergangenheit in der Gegenwart ankommen lässt: Bis zum 2. Februar werden hier nämlich die Fotos des Sony World Photography Awards gezeigt. Die Bilder des Gewinners Federico Borella etwa erzählen von den Selbstmorden indischer Bauern, die dem Klimawandel nichts entgegenzusetzen haben. Leichtere Themen sind: Dutzende von Schwänen, die sich auf einem See in China in Herzform formieren. Deutsche Schwimmbäder mit einer Drohne fotografiert. Oder tolle Porträts, wie das eines schicken Dandys vor Mustertapete. Di-So 12-18 Uhr, Eintritt frei, Ausweis erforderlich

Mehr Kunst-Tipps hat meine Kollegin Birgit Rieger für Sie – im kostenlosen Tagesspiegel-Newsletter „Berliner Kunst“.

Sonntagmorgen
bei Stolle und Schrippe die immer drängenderen Tannenbaum-Fragen klären: Wohin? Wie groß? Woher? Zumindest bei letzterer können wir helfen: In Friedrichshain verkauft Kieztanne aus dem Sauerland importierte Bäume in Bio-Qualität. Liebauer Straße 22, S/U-Bhf Warschauer Straße, Sa 11-17 Uhr, So 12–17 Uhr

Wer lieber selber die Axt schwingen will: Auf dem Biohof am Jakobsweg in Steinhöfel (Landkreis Oder-Spree, ca. 1,5 Stunden Autofahrt von Berlin entfernt) können dieses Wochenende Weihnachtsbäume selber geschlagen werden. Zur Belohnung warten Stockbrot und Punsch am Lagerfeuer. Wer noch eine Weihnachtsgans braucht, ist hier ebenfalls richtig. Fürs Navi: Ausbau Schönfelder Weg 1, 15518 Steinhöfel

Mehr Infos und Adressen für Bio-Tannen finden Sie bei robinwood.de

Sonntagmittag – Etwas weiter nördlich, im Forstbotanischen Garten Eberswalde, wird es dieses Wochenende noch mystischer als sonst in Brandenburg, wenn mit Feuerzauber, Waldlichtgang und Tänzen die WaldWeihnacht zelebriert wird. Klassisch ist hier nur der Glühwein, den obligatorischen Budenzauber werden Sie nicht finden. Anreise am besten mit der S2 über Bernau und dem RE3 bis Eberswalde – wegen der (nicht vorhandenen) Parkplätze. Und des Glühweins. Außerdem: Warm anziehen! Am Zainhammer 5, 16225 Eberswalde, Eintritt: 3 Euro

Weitere Adressen für die Berlin-Flucht finden Sie im kostenlosen Tagesspiegel-Newsletter „Berliner Draussen“.

Sonntagabend – Zurück in Berlin, erklimmt das Deutsche Symphonieorchester um 20 Uhr in der Philharmonie unter seinem jungen Chefdirigenten Robin Ticciati den Gipfel von Bruckners Schaffen: die monumentale Achte – mit über 80 Minuten Spieldauer die gewaltigste Symphonie ihrer Zeit. „Dazu erklingt als toller Kontrast der zweite Satz aus dem Symphonie-Projekt des US-Amerikaners Elliott Carter, aus existenzieller Dunkelheit schwingt sich dieser Abend empor in höchste Höhen“, schreibt mir Kultur-Kollege Ulrich Amling. Schönes Motto für dieses dritte Adventswochenende, also noch schnell letzte Karten sichern.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Burkhard Götze, stummfilmbegeisterter Leiter und Dirigent des Metropolis Orchesters Berlin mit Verbindungen nach Brandenburg / Foto: Daniel Wandke

„Ich wohne in Pankow, nahe am Park, was mir manchmal schon etwas zu ländlich ist. Im Herzen bin ich Charlottenburger, aber was man mittlerweile mit Berlin verbindet, findet man meiner Meinung nach am ehesten in Neukölln und Friedrichshain. Ich gehe zum Beispiel gern ins Bottega N.6, ein unprätentiöser Italiener in der Richardstraße mit sehr leckerem Essen. Dieses Wochenende muss ich jedoch dringend einige Lieder von Chansonnier Sebastian Krämer für ein Streichorchester einrichten, denn ich begleite ihn und sein Programm im Januar in der Bar Jeder Vernunft als Dirigent. Außerdem treiben mich die neuen Projekte des Metropolis Orchesters Berlin um. Das von mir vor knapp drei Jahren gegründete Stummfilmorchester wird im Februar einige ganz besondere Konzerte geben: Wir begleiten die restaurierte Filmfassung von „Das Cabinet des Dr. Caligari“ an dem Ort, wo der Film vor 100 Jahren gedreht wurde, in der ehemaligen Filmstadt Weißensee, heute Theater im Delphi. Wir sind Berlins erstes Kino-Orchester seit der Stummfilmzeit und stecken gerade viel Herzblut in unser Projekt, das bisher ohne Kulturförderung auskommen muss. Am Sonntagabend freue ich mich auf das Mahler Chamber Orchestra im Kammermusiksaal der Philharmonie, mit dem großartigen Holger Groschopp als Solist am Klavier, bevor in der nächsten Woche die Proben für die Weihnachtskonzerte der Brandenburger Symphoniker beginnen, denen ich als Posaunist angehöre.“

Lese­empfehlungen

Botschafterin eines historischen Berlins: Durch „Babylon Berlin“ wurde sie weltweit zum Gesicht der „Neuen Frau“ der 20er. Privat gibt Liv Lisa Fries das Gegenbild zu ihrer Figur Charlotte Ritter, schreibt Tagesspiegel-Kollegin Gunda Bartels im Porträt über die Schauspielerin „mit dem unverblümte Körpergefühl der analogen Ära“.

Durchbruch beim Klimaschutz? Als „Mondmission der EU“ bezeichnet Ursula von der Leyen den „Green Deal“, den die EU-Kommissionspräsidentin diese Woche in Brüssel vorstellte und der bis 2050 Klimaneutralität in der EU schaffen soll. Nötig sei dafür nicht weniger als ein kompletter Umbau von Industrie, Energieversorgung, Verkehr und Landwirtschaft. Klingt abstrakt, betrifft aber uns alle. Was der „Green Deal“ konkret bedeutet, auch für die Verbraucher, erklärt Tagesspiegel-Kollege Markus Grabitz hier.

Noch weiter in die Zukunft schaut Jim VandeHei, Mitbegründer des US-Mediendienstes Axios. Der Amerikaner erklärt im Interview mit dem Handelsblatt, warum er seinen Mitarbeitern das Twittern verbietet und warum „Journalismus auf fast klinische Weise faktenbasiert sein“ sollte. Was das für die Zukunft des Journalismus bedeuten könnte, können Sie hier nachlesen.

Wochen­rätsel

Auf welche Namen wurden vergangenen Montag die Berliner Zwillings-Pandabärchen getauft?

a) Yin („Schattenseite des Berges“) und Yang („Sonnige Uferseite des Flusses“).

b) Meng Xiang („Ersehnter Traum“) und Meng Yuan („Erfüllter Traum“). 

c) Dàxióng („Großer Bär“) und Xiaoxióng („Kleiner Bär“).

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

Jetzt mitmachen

Encore

Tage bis Weihnachten: 10. Tage bis zur großen Abschiedssause von Tristan Otto: 42. Der T-Rex aus dem Naturkundemuseum zieht nämlich im nächsten Jahr definitiv weiter nach Kopenhagen. Über drei Millionen BesucherInnen hat Tristan bisher in Berlin begeistert und am letzten Januarwochenende können die BerlinerInnen ihr Saurierwissen noch einmal im Dino-Quiz testen, bevor alle 300 Knochen eingesammelt und gen Norden verschickt werden – bei freiem Eintritt. Den können Sie ganzjährig haben, denn hinter unserem „Türchen Berlin“ verbergen sich heute zehn Familientickets fürs Naturkundemuseum (ein Jahr lang gültig für zwei Erwachsene und bis zu 3 Kinder), damit Sie ganz lässig an der Schlange vorbeigehen können. Wer möchte, schreibe bitte eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de, ausgelost wird am Montag. By the way: Das Naturkundemuseum vergibt auch Insektenpatenschaften – wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht...

Wir wünschen Ihnen ein erlebnisreiches Wochenenende, am Montag begrüßt Sie hier Stefan Jacobs.

Bis dahin, alles Gute

Ihr Lorenz Maroldt
Ihre Stefanie Golla