Technoides Berlin, Natur mit Kindern und Musik
Samstagmorgen – Die Osterferien enden, als wären sie gar nicht gewesen, so wenig unterscheidet sich für viele die Ferienzeit im Lockdown von der des Home-Schooling. In einer immergleich durch die Finger rinnenden Zeit, ohne sinnlich stimulierende Reisen, aber auch Theaterbesuche, Konzerte und Gruppenerlebnisse, muss man sich schon der eigenen Kreativität bedienen, um die Erinnerung etwas zu strukturieren. Ein einfaches Mittel dazu liefert die mediale Trickkiste mit der analogen Fotografie. Hype hin oder her, man erinnere sich nur mal daran, wie Ferienzeiten vor der massenhaften Verbreitung der Handy-Kamera mit dem Gang zum Fotolabor endeten. Erst Tage später bekam man die Abzüge in die Hand, deren Anblick die schon in Vergessenheit zu geraten drohenden Augenblicke wiederbelebte. Der zeitliche Abstand zwischen dem Auslösen des Verschlusses und dem späteren Anblick des Bildes kann kleine erinnerungspsychologische Wunder vollbringen, die mit digitaler Technik einfach nicht möglich sind. Die hat dafür andere Vorteile. Eines der besten Fotolabore der Stadt heißt übrigens Viertelvoracht und liegt in der Pappelallee 7/8.
Samstagmittag – Apropos Technik: Wem die Zerstreuung durch heimische Unterhaltungsapparate nicht genügt, zerstreue sich ab 14 Uhr in der Galerie Eight Rooms. Die öffnet ihre acht Räume für eine Gruppenausstellung von zehn aufstrebenden Medienkünstler:innen. Ganz dem üblichen Medienkunst-Dogma folgend, entwickeln sie für ihre Arbeiten jeweils eigene, neue Technologien, mit denen sie Reflexionen auf die Stadt Berlin anstellen. Die Ausstellung läuft bis 24. April in der Köpenicker Straße 55. Die Anmeldung für einen Zeitslot erfolgt über facebook oder per E-Mail an eight.rooms.berlin@gmail.com.
Samstagabend – Zum Tagesausklang kommen wieder friedlich stimmende Klänge von Bach, Brahms und Schubert dank der digitalen Revolution, sprich, per Stream, aus Regensburg in hiesige Wohnzimmer. Die vielfach ausgezeichnete armenische Pianistin Liana Mkrtchyan bietet sie in den Räumen der Klavierbauer Butz & Ulrich dar. Und da dem Programm keinerlei kuratorisches Konzept zugrunde liegt, ist davon auszugehen, dass sie spielt, was sie besonders gern und folglich besonders gut spielt.
Sonntagmorgen – Es gibt viele Möglichkeiten, Kindern die Wichtigkeit und Zerbrechlichkeit der Natur zu vermitteln. Aber kaum eine dürfte so erfolgversprechend sein, wie sie selbst Hand an Pflanzen legen und eine liebevolle Beziehung zu ihnen entwickeln zu lassen. Zufällig ist gerade noch Anpflanz- und Umtopf-Saison – die beste Zeit also, um den Balkon zu begrünen, Gemüse zu pflanzen, Zimmerpflanzen aus ihren zu klein gewordenen Behältern zu befreien und in größere umzusetzen, die Wurzeln zu inspizieren, zu reinigen und zu beschneiden. Um in der nächsten Zeit die Früchte der Zuwendung und eine innige Beziehung zum Grün gedeihen zu sehen.
Sonntagmittag – Von der Verletzlichkeit zur Widerständigkeit: Die Zionskirche im Prenzlauer Berg war durch den dort wirkenden Dietrich Bonheoffer in den 1930er Jahren eine bedeutende Adresse des antifaschistischen Widerstands. Auch zur DDR-Zeit diente sie Widerständler:innen und Friedensaktivist:innen als Zufluchtsort. Heute, und noch bis zum 25. April, thematisiert die Ausstellung Points of Resistance künstlerische Strategien des Widerstands in ihren Räumen, die Formen wie Videokunst, (Plakat-)Druck, Malerei und Skulptur abdeckt und solche Künstler:innen wie Günther Uecker, Mariana Vassileva oder Bill Viola umfasst. Zionskirchplatz, 13 – 18 Uhr
Sonntagabend – Einer der wichtigeren Einflüsse auf Bill Violas schaffen war übrigens der US-Komponist und Schönberg-Schüler John Cage, der vor allem für einige Konzeptstücke und den darin besonders freien Umgang mit Geräuschen aus der Umwelt bekannt ist. Eine Partitur aus seiner radikalsten Phase ist das Konzert für Klavier und Orchester von 1958, bei dem jede Aufführung anders klingt als die vorangegangene. Das Ensemble Musikfabrik führt es zum Wochenendeende um 18 Uhr neben Werken von Dai Fujikura und James Tenney auf.