Blitz und Donner machen Leselaune – Leipziger Buchmesse
Samstagmorgen – Eine Woche vor der geplanten Wiedereröffnung der Berliner Außengastronomie am 21. Mai erleichtert uns das Wetter das Warten: Laut Wetterbericht soll es eine Woche lang einfach durchregnen. Zum Wochenendauftakt legt Zeus, oder wer auch immer für die Planung verantwortlich zeichnet, noch einen dröhnenden Gewittersoundtrack auf und befeuert die Leselaune mit Blitzen. Passenderweise bietet die Leipziger Buchmesse anlässlich der baldigen Preisverleihung literarisches Programm. Heute um 11.05 Uhr nehmen sich Andrea Gerk und Christian Rabhansl im Gespräch im Deutschlandfunk Kultur der Finalist:innen aus der Rubrik Sachbuch und Essayistik an. Darunter etwa der Titel Menschwerdung eines Affen, in dem Heike Behrend die Kolonialgeschichte bearbeitet oder Freiheitsgrade, in dem der Rechtsprofessor Christoph Möllers durchaus kritisch mit den Freiheitsbegriffen liberaler Politik umgeht – passend, in einer Zeit, in der der Ruf nach Freiheit mitunter absurde Ausmaße annimmt.
Samstagmittag – Einschub in Sachen „Bildung, die niemand braucht“: Heute vor 175 Jahren beobachtete der englische Astronom Francis Baily von Roxburghshire aus erstmals das sogenannte Perlschnurphänomen: ein Leuchten der Täler des Mondes kurz vor und nach einer totalen Sonnenfinsternis, verursacht durch das an der ungleichmäßig gekrümmten Mondoberfläche sich ungleichmäßig krümmende Sonnenlicht. Da wir davon am heutigen Tag genau nichts haben, wie wäre es mit dem Leuchtpixelphänomen moderner Bildschirme und Projektoren? Ein Zusammenschluss von Berliner Indie-Kinos ermöglicht authentisches Kinofeeling daheim – inklusive Ticket zu 3,99 Euro pro Film oder für 5 Euro pro Monat im Jahresabo – mit einer kuratierten Auswahl von bis zu 20 Filmen aus Arthouse- und Indie-Produktionen. Um 18 Uhr ist heute der Film Und Morgen die Ganze Welt von Julia von Heinz zu sehen – mit anschließendem Gespräch mit der Autorin und Regisseurin. Kurz vor dem Lockdown war der Film in den Kinos angelaufen, der Publikums- und Kritikerbeifall zur persönlichen Antifa-Millieustudie, die dieser Film bietet, war groß. Corona ließ ihn aber jäh verhallen.
Samstagabend – Will man sich am Samstagabend schon mal auf das eines Tages zurückkehrende Musikprogramm einstimmen, empfiehlt sich der Blick ins Programm des XJazz-Festivals, das natürlich online stattfindet und heute ab 20.50 Uhr mit Studnitzky und Katharina Ernst zwei Ausnahmesolist:innen die Bühne überlässt, die den Begriff Jazz anregend weit auslegen. Tickets gibt es ab 8,56 Euro.
Sonntagmorgen – Etwas unglücklich fällt das Timing des Internationalen Museumstages aus, nur wenige Tage vor dem voraussichtlichen Ende der Notbremse am 19. Mai. Das heutige Programm der staatlichen Museen zu Berlin ist daher digital und umfasst Live-Führungen, 360°-Rundgänge, Gespräche mit Künstler:innen und Workshops. Das Dokumentationszentrum zur NS-Zwangsarbeit etwa gibt um 11 und 14 Uhr interaktive Zoom-Workshops zur Recherchearbeit im Zentrum und beleuchtet, wie Unternehmen in der NS-Zeit Zwangsarbeiter:innen ausbeuteten, von ihnen profitierten und wie die Nachfahren noch heute mit der Geschichte umgehen. Die Teilnahme ist frei, der Anmeldeschluss am Samstag.
Sonntagmittag – Apropos NS-Zeit: Seit bald zwei Wochen läuft ein Vermittlungsexperiment von BR und SWR auf Instagram: Unter dem Account @ichbinsophiescholl postet eine in die heutige mediale Gegenwart übertragene Sophie Scholl, gespielt von Schauspielerin Luna Wedler, mehrmals täglich kurze, mit dem Handy aufgezeichnete Selfie-Clips aus ihrem Alltag. Die Ereignisse und Aussagen beruhen auf historischen Materialien der echten Sophie Scholl und zeichnen die letzten zehn Lebensmonate der am 22. Februar 1943 von den Nazis ermordeten Studentin nach. Bis zum 22. Februar kommenden Jahres, für den die letzte Story geplant ist, soll die Geschichte der Widerstandskämpferin so nacherlebbar gemacht werden.
Sonntagabend – Der Wilmersdorfer Dirk Lausch ist Schausprecher, der Weißenseer Thomas Jäkel Improvisationsschauspieler. Heute Abend liest Lausch klangvoll Kurztexte, die Jäkel nicht kennt. Jäkels Aufgabe: das Vorgelesene aufnehmen und spontan weiterspinnen, ad absurdum führen und, wie es ihm beliebt, weiterdrehen. Lesung trifft Impro ist eine Art Lesung mit Improvistaionstheater, und zwar interaktiv: Die von Lausch zu lesenden Texte stammen vom Publikum. Wer seinen Beitrag vorgetragen hören möchte, schicke dazu Kurzgeschichten, Gedichte, kuriose Einkaufszettel oder sonstige Erzeugnisse aus eigener Feder bis 17 Uhr per E-Mail. Um das Chaosmoment zu maximieren, darf das Publikum dem Schauspieler Zurufe und Regieanweisungen via Zoom und Youtube-Chat in Echtzeit zuwerfen.