Klettern, Kunst, Klangobjekte: So können Sie das Wochenende in Berlin genießen
Die Sau rauslassen am Klettergerüst, trödeln, Kunst erwerben, eine Schau übers Stillleben besuchen – oder Neue Musik hören, die der Nachwuchs macht. Unsere Tipps. Von Thomas Wochnik
Aussenaufnahme mit Faultier in Anoha, dem Kindermuseum des Jüdischen Museums am Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1 in Berlin Kreuzberg. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Samstagmorgen – Der frühe Wurm… trödelt heute am Arkonaplatz. Hier ist von 8 bis 10 Uhr Flohmarkt und, wie mittlerweile auch die Spätaufsteher:innen wissen, ist die Wiederverwendung von Gebrauchtem statt Neukaufs noch immer eine der besten Definitionen von Nachhaltigkeit.
Samstagmittag – Es gibt übrigens mindestens zwei Typen von Trödel-Trödler:innen: Das sind zum einen die, die mit einem bestimmten Ziel vor Augen zum Trödel kommen, auf der Suche nach dem einen Schatz. Möglicherweise gehen sie schon seit Jahren immer wieder über Flohmärkte und kaufen nie etwas, bis sie ihr Ziel erreichen. Man kann durchaus darüber streiten, ob das noch echte Trödler:innen sind. Zum anderen sind da die Gertrude Steins des assoziativen Spaziergangs, die mit gleichschwebender Aufmerksamkeit alles mehr oder minder gleichgültig wahrnehmen und denen hin und wieder doch das ein oder andere im Blick hängenbleibt. Derart gleichmütige Wahrnehmung ist auch beste Voraussetzung zum Besuch der Installation und Performance „In / Still Life“ von Janine Eisenächer & Andrei Cucu. Gegenstände und Alltagsmaterialien, Field Recordings, elektroakustische Klangobjekte, Mikrofone und Looper sowie ausgewählte Textfragmente und einzelne Passagen aus – da ist sie wieder – Gertrude Steins „Tender Buttons“ bilden einen Kosmos, in dem man ab 18 Uhr im Errant Sound (Rungestraße 20) gleichförmig schweben kann.
Samstagabend – Schwierig, in diesen Zeiten Konzertempfehlungen zu machen. Zum einen ist es ohnehin problematisch, die Bildung von Menschenansammlungen zu befördern – aber gut, wir müssen hier auf die Hygienekonzepte der Veranstalter vertrauen. Zum anderen aber gibt es wegen der begrenzten Auslastung von Spielstätten weit weniger Karten pro Veranstaltung. So auch für den heutigen Abend in der Deutschen Oper. Zu sehen und hören ist hier der „Antikrist“ (sic!) des dänischen Komponisten Rued Langgaard, inszeniert von Ersan Mondtag. Bei Redaktionsschluss gibt es noch Karten für die letzten drei Aufführungen um je 20 Uhr heute, kommenden Mittwoch und Freitag. Einmalig dagegen, schon wegen des unwiederholbaren Improvisationsanteils, ist das Konzert der Hybrid Dudes im b-Flat Jazzclub – der Band des italienischen Bassisten Carmelo Leotta.
Sonntagmorgen – Heute ist Museumssonntag, das heißt: Der Eintritt in eine ganze Menge Berliner Museen ist heute frei. Und: Alle, wirklich alle über die Museumssontags-Homepage buchbaren Zeitfenstertickets sind schon vergeben, das heißt: Demnächst beginnt das Rennen um Tickets für den 6. März. Wer das unbefriedigend findet, gehe doch zum Kunstmarkt auf der Museumsinsel (11 bis 17 Uhr) und nehme, im Gegensatz zu all den Museumsbesucher:innen, etwas Kunst mit nach Hause.
Sonntagmittag – Dass das Kindermuseum des Jüdischen Museums, ANOHA, eine der besten Indoor-Stätten der Stadt ist, um Kindern auch bei schlechtem Wetter Auslauf zu gewähren und nebenbei etwas Bildung zu verpassen, dürfte sich herumgesprochen haben. Schön, wenn man als Eltern entspannt zeitunglesend danebensitzen kann, während der Nachwuchs klettert, rutscht, bastelt. Wen dabei hin und wieder das Verlangen erfasst, sich selbst an Rutsche und Klettergerüst gehen zu lassen, ohne dabei auf Kinder Rücksicht nehmen zu müssen, hat heute Gelegenheit: Um 14.45 Uhr sind Kinder verboten. ANOHA für Erwachsene kostet 6 / 3 Euro. Kinder haften nicht für ihre Eltern.
Sonntagabend – Jugend spielt Neue Musik, und zwar von Matthias Kaul, Charlotte Seither, Lutz Glandien, Frederic Rzewski und Babette Koblenz. Das ist nicht nur eine Gelegenheit, selten aufgeführtes Repertoire live zu hören, sondern auch eine, um dem musikalischen Nachwuchs genau den Motivationsschub zu verpassen, der in Zeiten von Lockdowns und scharenweiser Umschulungen Musikschaffender in neue Berufe fehlt. 12 Euro kosten die Tickets für das Landesjugendensemble Neue Musik Berlin unter Dirigent Jobst Liebrecht. 20 Uhr, Werner-Otto-Saal im Konzerthaus am Gendarmenmarkt.