Ost und West und der Blick fürs Detail: So können Sie das Wochenende in Berlin verbringen
Einen feministischen Filmklassiker neu entdecken, eine Fotoausstellung besuchen – oder doch lieber eine Schau, die Klangstücke zeigt? Unsere ausgewählten Tipps. Von Thomas Wochnik
Im Deutschen Historischen Museum findet am Samstag (10 – 18 Uhr) ein Sonderverkauf von Katalogen, Magazinen und Themenheften statt. Foto: John MacDougall/AFP
Samstagmorgen – Wer sich am Wochenende nicht zwischen Kulturprogramm und in dahingefläzter Durchhängemanier verbrachter Unzeit entscheiden kann, tut eben beides. Gleich zum Wochenendanfang bietet Momentum Worldwide im Kunstquartier Bethanien (13 – 19 Uhr, Mariannenplatz 2) eine Schau mit 18 internationalen Künstlerinnen. In der Lietzenburger Straße 45 zeigen mit acht Sound Studies Studierende ihre tönenden Arbeiten (10 – 18 Uhr). Und für alle, die von einem Kunststreifzug nicht ohne handfeste Beute nach Hause kommen wollen, findet im Deutschen Historischen Museum ein Sonderverkauf (10 – 18 Uhr) von Katalogen, Magazinen und Themenheften statt. Danach kann man sich dann guten Gewissens dahingefläzt durchhängen lassen und über die Eindrücke nachdenken.
Oder Samstagnachmittag vom Sofa aus weitermachen und den Film Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers von Helke Sander schauen. Oder besser: schauen lassen – so ist es fein, das hat man sich schließlich verdient. Statt den feministischen „Westklassiker“ nämlich selber zu sehen, übernehmen das die vier „Ostfrauen“ Marlies Schmidt, Erika Stürmer-Alex, Karla Woisnitza und Moderatorin Susanne Altmann. Außerdem denken sie dabei über das Verhältnis kreativer Frauen in Ost und West nach. Ab 17 Uhr im Livestream aus der nGbK. Das Ganze findet übrigens im Rahmen der aktuellen Ausstellung Hosen haben Röcke an statt, in der Originalarbeiten der Künstlerinnengruppe Erfurt aus den Jahren 1984 – 1994 zu sehen sind.
Samstagabend – Apropos Film: Mit dem richtigen Soundtrack im Ohr kann das eigene Leben schon mal zu einem werden – und hoffentlich nicht zum falschen! Filmmusik-Motive aus der Feder von Ennio Morricone, wie etwa „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Zwei Glorreiche Halunken“, verheißen tendenziell wenig Gutes. Es sei denn, man sitzt in einem bequemen Theatersessel mit 100 Solistinnen der „Milàno Festival Opera“ vor sich auf der Bühne, dirigiert von Mario Seco und Marcin Wolniewski. 20 Uhr im Theater am Potsdamer Platz, Tickets ab etwa 60 Euro. Ebenso audiovisuell, aber deutlich kleiner gehalten und zeitgenössisch dissonant: Das Duo Vetter & Rueß (Klavier und Gitarre) mit abstrakten Visuals von Micha Otto. Ebenfalls um 20 Uhr, im Sowieso (Weisestraße 24).
Sonntagmorgen – Nach dem großen Rundumschlag des Vortags schenken wir doch dem Detail einmal Beachtung. Zum Glück muss man auch das nicht suchenden Blickes selbst tun, denn Fotograf Fred Koch hat schon zu Zeiten der Weimarer Republik genau das getan und Detailaufnahmen von Pflanzen, Kristallen, Korallen und Insekten angefertigt. Was nach wissenschaftlicher Dokumentationsarbeit klingt, sieht mitnichten danach aus: Jedem Bild wohnt ein subjektiver Blick inne, der geschickt mit Licht und Schatten, Rahmen und Proportion spielt. Zu sehen ist das Werk des Vertreters der Neuen Sachlichkeit von 11 bis 18 Uhr in der Alfred Ehrhardt Stiftung.
Sonntagmittag – Spricht man von zeitbasierten Künsten, sind in der Regel keine Bilder und Skulpturen gemeint. Dass auch unbewegliche Dinge Dauern erfahren, vergisst man dabei schnell. So beendet beispielsweise eine Reihe von Objekten der Künstlerin Thea Djordjadze heute den Zustand des Ausgestelltseins, um, bis zur nächsten Schau, wieder ins Magazin zu wandern. Vier Monate dauerte die Ausstellung im Gropius Bau / Schliemann Saal nun an, letzte Gelegenheit, sie zu sehen, gibt es von 10 bis 19 Uhr.
Sonntagabend – Ebenfalls zwischen dem Skulptural-Beständigen und den echten zeitbasierten Künsten, nämlich Schauspiel und Tanz, bewegt sich der brasilianische Künstler Thiago Rosa. In der Reihe „Porträt“ des Ballhaus Naunynstraße kommt er der Aufforderung des Theaters nach, sich selbst und seine Kunst vorzustellen. Aufhänger seiner Performance ist die generationsübergreifende Weitergabe von Erinnerungen, die hier auch Kolonialgeschichte ist, und der erinnernde Körper. Den eigenen kann man anschließend hoffentlich gut kulturell gesättigt zu Bett bringen.