viele deutschen Zeitungen (u.a. FAZ, Welt, FR, Tagesspiegel) gedenken heute auf ihren Titelseiten der Opfer des rassistisch motivierten Mordanschlags in Hanau vor einem Jahr, die Redaktion des Berliner Senders FluxFM unterbricht um 17.30 Uhr das Programm, um ihre Namen zu verlesen (und ruft andere Sender dazu auf, das auch zu tun):
Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov.
Dem menschenverachtenden Hass der Rechtsextremisten, ihren klammheimlichen Unterstützern, den Vertuschern, Relativierern, Ignoranten und Spaltern der Gesellschaft müssen wir jeden Tag entgegen treten – laut und entschieden. Es geht auch um unsere Freundinnen und Freunde, die ganz konkret und ständig bedroht sind. Ihnen allen gehört unsere unbedingte Unterstützung: Seite an Seite, von Mensch zu Mensch. Jederzeit.
Zu den anderen Themen des Tages.
Zwei Drittel derjenigen, die gestern an unserer Checkpoint-Umfrage teilgenommen haben, fühlen sich gut über die Corona-Impfstoffe informiert – und der von Astrazeneca ist, nach allem was bekannt ist, besser sein oberflächlicher Ruf. Dennoch bleibt er liegen, aus unterschiedlichen Gründen.
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci erwägt sogar, die versprochene Impfstoff-Wahlfreiheit einzuschränken („war vielleicht ein Fehler“). In einer E-Mail der Verwaltung an die Kassenärztliche Vereinigung (liegt dem Checkpoint vor) heißt es: In den Berliner Zentren Arena, Messe, Erika-Heß-Stadion und Velodrom, in denen mit Biontech und Moderna geimpft wird, seien nur „impfberechtigte Personen mit einem Alter über 80 Jahre“ einzulassen. Und weiter:
„Impfwillige Personen, die keine Impfberechtigung für den in dem jeweiligen CIZ verwendeten Impfstoff haben, ist der Zutritt grundsätzlich zu verwehren.“ Wer jünger als 80 ist, soll nur noch Astrazeneca erhalten – das Vakzin wird im Ex-Flughafen Tegel verabreicht.
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Der Regierende Bürgermeister droht Astrazeneca-Verweigerern sogar mit drastischen Folgen: Er würde sie am liebsten ans Ende der Impflisten verbannen. Anke Myrrhe und Julius Betschka von Team Checkpoint haben Michael Müller gestern im Roten Rathaus für den Tagesspiegel interviewt – er sagte u.a.:
+ „Ich werde nicht zulassen, dass Zehntausende Impfdosen in unseren Schränken lagern, wenn sich gleichzeitig Millionen Menschen bundesweit sofort damit immunisieren lassen würden.“
+ „Wer den Impfstoff nicht will, der hat seine Chance vertan.“
+ „Ich würde mich sofort mit Astrazeneca impfen lassen.“
Pankows Bürgermeister Sören Benn (Linke) kommentierte die gestern vorab veröffentlichten Passagen aus dem Interview so: „Der Ton des beleidigten Gönners nervt und ist deplatziert. Dennoch richtig, dann erstmal jene zu impfen, die wollen und besonderen Risiken ausgesetzt sind.“

Ex-Finanzsenator Ulrich Nußbaum (heute beamteter Fischhändler im Wirtschaftsministerium) ist mal wieder beleidigt: In einem internen Schreiben an seinen Staatssekretärskollegen Björn Böhning (Ex-Chef der Senatskanzlei) beschwert er sich offiziell bei dem „lieben Björn“ über die Einleitung zum Lieferketten-Referentenwurf, die „nicht mit mir konsentiert worden ist“. Einer Veröffentlichung des Gesetzentwurfs gebe er nicht sein Einverständnis: „Ich widerspreche Ihrem Vorgehen ausdrücklich.“
Der knapp zweiseitige Brief, der per nachrichtlicher Weiterleitung an Helge Braun den „lieben Björn“ auch gleich noch im Kanzleramt anschwärzt,endet mit den Worten: „Ich darf vor diesem Hintergrund nochmals nachdrücklich mein Befremden über ihr Vorgehen zum Ausdruck bringen.“ In Berlin dürften sich etliche Menschen, die mit Nußbaum das Missvergnügen hatten, leicht vergnügt denken: „Ganz unsererseits.“
Wir kommen zu unserer Reihe „Theorie und Praxis“ (auch geeignet für das politische Ratespiel „Dichtung und Wahrheit“):
Theorie: „Gute Arbeit heißt für uns, dass gerechte und existenzsichernde Löhne gezahlt werden. Werkverträge, befristete Arbeitsverträge, Minijobs und Leiharbeit müssen die Ausnahme sein, weswegen wir auf die konsequente Vermeidung dieser Arbeitsmodelle und den Abbau prekärer Beschäftigungen hinarbeiten.“ (Aus dem SPD-Wahlprogramm von Franziska Giffey für ihre Kandidatur als Spitzenkandidatin bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus).
Praxis: „Der SPD-Landesverband Berlin sucht im Zeitraum ab sofort bis zum 31.10.2021 für die bevorstehenden Wahlkämpfe einen Mitarbeiter (m/w/d) für das Büro der Spitzenkandidatin. Die Stelle ist befristet im Rahmen des Wahlkampfes. Die Wochenarbeitszeit beträgt 39 Stunden (die Bereitschaft zur flexiblen Ausgestaltung der Arbeitszeiten wird erwartet). Die Probezeit beträgt einen Monat.“ (Aus der SPD-Ausschreibung eines Jobs bei Franziska Giffey für ihre Kandidatur als Spitzenkandidatin bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus).
Berliner Schnuppen
Telegramm
Gestern Abend setzte der „Perseverance Rover“ auf dem Mars auf – aber das Wettrennen mit Bernie Sanders hat die Nasa verloren (hier zu sehen).
Unbestätigten Gerüchten zufolge plant die SPD – inspiriert von der geglückten Landung – jetzt auch die Verlängerung der U7 über den BER hinaus bis zum roten Planeten (die Grünen wissen noch nicht so genau). Das Social-Media-Team der BVG kommentierte das Ereignis jedenfalls schon mal live – hier ein paar Ausschnitte:
„Wichtig für Charlottenburger: Ein MARS-Rover darf herumstehen, wo er will. Ein LAND Rover nicht.“
„Der Mars hat nur ein Drittel der Anziehungskraft der Erde, das entspricht ungefähr dem Verhältnis von Hamburg zu Berlin.“
„In Sachen Dichte hat der Mars den geringsten Wert aller terrestrischen Planeten. Den höchsten hat übrigens Neukölln.“
„Die Daten des Rovers kommen mit 7 Minuten Verzögerung bei uns an – oder wie wir sagen: pünktlich.“
„Wichtige Regel: Fahrzeug auf Mars: Fortschritt / Mars in Fahrzeug: Arschtritt.“
„‚Unbemanntes Fahrzeug‘. Unsere Busfahrerinnen lachen immer noch.“
„Der Rover soll nach Spuren von Leben suchen und danach zurückkehren. Also nichts anderes als ein Sonntagsausflug in Tarifbereich C.“
„Bis der Mars als Wohnort infrage kommt, könnten noch Jahrzehnte vergehen. Forscher erwarten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Wedding.“
Geradezu geerdet wirkt dagegen das Ziel einer neuen Berliner Initiative: Per Volksentscheid will sie „die größte autoreduzierte Zone der Welt“ schaffen (was angesichts der kosmischen Ansprüche dieser Stadt schon ein wenig enttäuschend ist) – u.a. sollen pro Person nur noch zwölf private Autofahrten im Jahr erlaubt sein. Mit anderen Worten: In Prenzlauer Berg gehen die Kinder künftig nur noch einmal im Monat in die Schule.
Wenn ich die Halbjahreszeugnisse der Kinder und Jugendlichen aus dem erweiterten Freundeskreis richtig verstehe, hatte die Berliner Lehrerschaft zuletzt wenigstens einmal so richtig Spaß: beim Auswürfeln der Noten. Die Heiterkeit setzte sich fort in den Familien, wo sie über Einser, Zweier, Dreier und Vierer in Fächern, die in den vergangenen Monaten überhaupt nicht unterrichtet wurden (z.B. Sport, Musik und Religion) herzlich und manchmal auch ironisch lachten.
Das ändert allerdings nichts am Respekt für all diejenigen, die unter widrigsten Umständen versucht haben, so etwas Ähnliches wie geregelten Unterricht aufrecht zu erhalten. Die Behauptung, die Kids hätten nicht mehr gelernt, als sich die Hände zu waschen und dass Ihre Eltern noch schlechter in Mathe sind als sie selbst, ist dennoch ein schöner Gag.
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Seit einer Woche frieren Charlottenburger Gewobag-Mieter (Nehringstraße 2) in ihren Wohnungen – ohne Heizung, ohne Information. Nicht einmal für einen Aushang reichte die Energie der landeseigenen Wohnungsgesellschaft. Der Checkpoint hat gestern nachgefragt, die Gewobag kündigte für heute den Austausch einer kaputten Pumpe an und gab ein heißes Versprechen: „Wir arbeiten mit Nachdruck daran, die Kommunikation mit unseren MieterInnen zu verbessern und ihnen in solchen Ausnahmefällen mehr Sicherheit zu geben.“ Wir halten weiter für Sie die Hand an der Heizung unter checkoint@tagesspiegel.de.
Und hier eine Suchmeldung: Angie Pohlers, verantwortliche Redakteurin unseres Berlinressorts, sammelt die seltenen Erfolgsgeschichten von Menschen, die es geschafft haben, eine Mietwohnung zu finden. Wie hat's funktioniert, auf welchen Wegen, mit welchen Tricks und vielleicht auch Notlügen und Schummeleien? Hat es zwei Jahre gedauert oder doch nur zwei Wochen? Welche Kompromisse mussten Sie eingehen? Wer darüber etwas erzählen mag: Bitte mit dem Betreff „Wohnung gefunden“ unter berlin@tagesspiegel.de melden – wir sind gespannt!
Eine 300 Kilogramm schwere Enttäuschung schleppte die Polizei aus einer Hellersdorfer Wohnung: Als sie den beschlagnahmten Riesentresor gestern knackte, war nur abgestandener Berliner Luft drin. Immerhin: Auf Dosen abgefüllt und als Souvenir verkauft bringt das pro Portion 1,99 Euro (hier zu bestellen).
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Wir alle wünschen uns, dass wir bald wieder mit Familie und Freunden schön essen gehen können. Mit dem Restaurant-Scheckheft setzen wir mit den beteiligten Restaurants auf bessere Zeiten. Jetzt im Tagesspiegel-Shop erhältlich.
Wir kommen zum Kurs „Mathe mit dem Checkpoint“, die Aufgabe heute: In der BVV Lichtenberg beschwerte sich die AfD darüber, dass der Bezirk Steuergelder für Pop-Up-Radwege (Höhe X) verschleudern würde. Die Anzahl der Pop-Up-Radwege in Lichtenberg beträgt 0. Frage: Wie viel atü (neuerdings, also seit 1978, in „bar Überdruck“ gemessen) hat die AfD Lichtenberg? Tipp: Mit einer einfachen Multiplikation (z.B. X mal 0) rumpeln Sie auf dem richtigen Lösungsweg. Ihre Antworten richten Sie bitte an die Geschäftsstelle der AfD, z.Hd. des Landesvorsitzenden Nicolaus Fest (der gestern seinen Abschied angekündigt hat).
Um festzustellen, dass die AfD einen politischen Platten hat, müssen Sie allerdings nicht bis nach Lichtenberg radeln – es reicht ein Blick zum Verwaltungsgericht: Der Auto-Experte der Abgeordnetenhausfraktion zog seine Klage gegen die Pop-ups zurück, das Verfahren ist eingestellt.
Noch ein bisschen AfD-Content gefällig? Ok, dann kommen wir mal zu den wichtigen Dingen des Lebens: In Neukölln will die fraktionslose Bezirksverordnete Anne Zielisch, die der AfD angehört, vom Bezirksamt wissen, wie oft die Wörter „Scheiße“ und „Arsch“ am Rednerpult geäußert bzw. gerügt wurden („bitte nach Parteizugehörigkeit aufführen“). Die Antwort steht aus (Bürgermeister Martin Hikel zählt vermutlich noch), aber hier schon mal die CP-Schnellanalyse: Solche Scheißfragen sind echt für‘n Arsch.
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Potsdam HEUTE – Lesen Sie den kostenlosen Newsletter von Chefredakteurin Sabine Schicketanz und ihrem Team der Potsdamer Neuesten Nachrichten. Montag bis Freitag ab 6 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach. Melden Sie sich hier an: potsdamheute.pnn.de
Die einen wollen Umleitungen loswerden, das Abgeordnetenhaus will welche einrichten: Nach dem Ausfall der Telefonanlage waren plötzlich alle weg – aber die Fernmeldestelle stellt sie wieder her (versprochen).
Der Streit zwischen Pfannkuchen und Berlinern geht in eine neue Runde – als Vorschlag zu Güte soll deshalb jetzt der Name „Frikadellen“ durchgesetzt werden (hier zu sehen). Checkpoint-Analyse: das sind eindeutig Buletten.
Hurra, Freitag! Und heute Abend lassen wir es in unserer Lieblingsbar endlich mal wieder so richtig krach… Ach ne, sorry, nur kurz weggenickt und ein bisschen geträumt. Hm, wie sehr ich das vermisse: die Gesprächsfetzen aus der Tiefe des Raums, den Sound des Barkeepers beim Mixen und Servieren der Drinks, das Hineinwehen der Nacht durch die kurz geöffnete Tür, die Trompete eines Jazzy Tunes… Da bleibt als Alternative zurzeit nur die Website „I Miss My Bar“. Hier kann sich jeder sein akustisches Barfeeling selbst zusammenmischen. Und wenn’s am Nebentisch zu laut wird oder der Regen zu stark ans Fenster prasselt: Einfach mit den Reglern etwas runter. Ihren Lieblingsdrink können Sie vorher bei einer Berliner Bar ihres Vertrauens bestellen – zum Beispiel in der Galander Bar, die Jana Weiss getestet hat, oder bei Günter Windhorst (dessen Bar in der Dorotheenstraße das Checkpoint-Test-Siegel trägt) – Cheers!
Zitat
„Keinesfalls könnte ich Delegierte, die Bedenken bezüglich ihrer Gesundheit haben, ruhigen Gewissens darum bitten, zur KDV zu kommen, um mich zu unterstützen.“
Der langjährige SPD-Abgeordnete Frank Jahnke aus Charlottenburg-Wilmersdorf (vier Mal direkt gewählt) machte gestern per Schreiben an seine „lieben Genossinnen und Genossen“ unfreiwillig den Platz frei für Bürgermeister Reinhard Naumann, der gerne „den kleinen Müller“ machen möchte. Als erste Nachrückerin soll mit Unterstützung von Senatskanzleichef Christian Gaebler auch Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers eine Chance bekommen.
Tweet des Tages
Es lässt sich nicht mehr abstreiten, dass sich der Ton bei den Selbstgesprächen seit einiger Zeit deutlich verschärft hat.
Stadtleben
Abholen – Angeblich war dieses Restaurant früher mal ein Strandbad, jedenfalls deutet (fast) jede Kachel und Wandhalterung darauf hin. Ganz sicher sein kann man aber nicht, ob es sich bei der Vorgeschichte nicht nur um eine kleine Flunkerei handelt. Denn wo bitte soll das Becken gewesen sein? Da, wo jetzt die Tische und Stühle stehen? Egal, im Moment kann man sich eh nicht niederlassen in den Räumlichkeiten des Strandbads Mitte, sondern holt den Gemüseeintopf mit oder ohne Knacker (9/12 Euro) einfach ab, falls man an der Kachelbegutachtung interessiert ist, oder lässt sich die vegetarische Kohlroulade mit Karotten und Kartoffelpürree (15 Euro) nach Hause liefern, wenn man sich die Begutachtung lieber für die Zeit aufsparen will, in der man es sich im Strandbad auch wieder drinnen gemütlich machen kann. Strandbad Mitte, Kleine Hamburger Str. 16, S-Bhf Oranienburger Straße, Di-Fr 12 -14 & 18-20.30 Uhr, Sa 18-20.30 Uhr.
Das ganze Stadtleben gibt's mit Tagesspiegel-Plus-Abo.
Gedenken – Heute vor einem Jahr hat ein 43-jähriger Mann zehn Personen ermordet, aus rassistischen, verschwörungstheoretischen und frauenfeindlichen Motiven. Der Tatort war Hanau. Rechte Ideolog:innen gibt es aber auch in Berlin. Und Mitmenschen, die sich nach dem Attenat in Hanau erst recht nicht mehr sicher sind, an dem Ort, an dem sie zuhause sind, ohne Angst leben zu können. Gedenken in Zeiten der Pandemie ist nicht einfach. Einige suchen trotzdem Möglichkeiten, wie man würdig an die Opfer erinnern kann. Der Berliner Pianist Igor Levit zum Beispiel: Er streamt am Samstag um 14 Uhr ein Gedenkkonzert live aus Hanau. Die Mutter des getöteten Ferhat Unvar bittet außerdem darum, um 21:58 Uhr für 9 Minuten das Licht auszumachen. Um diese Uhrzeit begann das Attentat.
Anschauen I – Einige der Opfer des Attentats von Hanau waren kurdischer Herkunft. Ein Kurde, der seit einiger Zeit in Berlin lebt, ist Sartep Namiq: Ursprünglich aus dem Irak wohnte er eine zeitlang in der Geflüchtetenunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens. Angeregt von den vielfältigen Hoffnungen der anderen Neu-Berliner:innen, die dort untergekommen waren, entstand seine Idee zu einem Science-Fiction-Comicbuch, mit dem man sich auch ohne Worte über eine bessere Zukunft austauschen kann. Das Buch mit dem Titel „Temple of Refuge“ erscheint in wenigen Tagen bei der Egmont Comic Collection und kostet 10 Euro.
Anschauen II – Auch Roma waren unter den Opfern in Hanau vertreten. Der Künstler Damian le Bas, selbst aus einer Familie britischer Roma stammend, hat sich in seinen Collagen und Landkartenbearbeitungen intensiv mit dem „Gypsy“-Stereotyp auseinandergesetzt, das weiterhin zur Ausgrenzung vieler Menschen führt. Er hat auch die erste Roma Biennale ins Leben gerufen, die 2018 im Gorki Theater stattfand. Der Katalog „Gypsyland“ des Berliner Vereins RomaTrial e.V. dokumentiert das Lebenswerk von Damian le Bas und kann hier für 15 Euro bestellt werden.
Grübelstoff – Wenn Sie Ihre Hoffnungen für die Zukunft in einen Comic verwandeln würden, wie würde der aussehen?
Das Pandemie-Ding
Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Dinge zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: „Berliner Schnuppen“-Kreatrice Naomi Fearn und die kollektive Künstlerei.
„Jeden dritten Samstag ist Kunst- und Handwerks-Zoom. Alle schnappen sich was zum Basteln oder Reparieren und dann wird fünf bis sechs Stunden gewerkelt und unterhalten, von Sticken bis Buchbinden und Schreibmachinenkunst.“
Was ist Ihr Pandemie-Ding? Wir freuen uns über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
Verkehr – A10 (Nördlicher Berliner Ring): Ab 22 Uhr bis Montag um 5 Uhr ist der Teilabschnitt zwischen Mühlenbeck und Birkenwerder in beide Richtungen gesperrt. Eine Umleitungsstrecke ist eingerichtet.
Bahnhofstraße (Blankenburg/ Französisch-Buchholz): Von 8 Uhr bis Montagfrüh, 8 Uhr ist die Straße in beiden Richtungen zwischen Pankstraße und Rudelsburgstraße gesperrt (inkl. Fuß- und Radverkehr).
Buchberger Straße (Lichtenberg): Die Anbindung an die Frankfurter Allee ist von 18 Uhr bis Montagmorgen, 5 Uhr für den Autoverkehr unterbrochen, der Fuß und Radverkehr ist nicht betroffen.
Marzahn bis Friedrichshain: Am S-Bhf Ahrensfelde startet gegen 18 Uhr ein Fahrzeugkorso mit mehreren hundert Fahrzeugen. Die Route führt über Havemannstraße, Blumberger Damm, Landsberger Allee, Allee der Kosmonauten, Rhinstraße, Landsberger Allee, Weißenseer Weg, Möllendorffstraße und Frankfurter Allee zum Strausberger Platz. Bis ca. 22 Uhr ist mit Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen.
Karl-Marx-Straße (Neukölln): Zwischen Erkstraße und Schönstedtstraße kann es aufgrund einer Kundgebung mit mehreren hundert Teilnehmenden zwischen 16 und 20 Uhr zu Staus kommen.
Tiergarten – Mitte – Kreuzberg: Gegen 12 Uhr führt ein Fahrzeugkorso mit mehreren hundert Fahrzeugen von der Straße des 17. Juni (Höhe Sowjetisches Ehrenmal) über die Yitzhak-Rabin-Straße, Scheidemannstraße, Eberstraße, Potsdamer Straße, Leipziger Straße, Wilhelmstraße, Hallesches Ufer, Reichpietschufer, Von-der-Heydt-Straße, Klingelhöferstraße, Hofjägerallee, Großer Stern zurück über Hofjägerallee zur Klingelhöferstraße. Bis ca. 14.30 Uhr ist mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen.
Demonstration – Von 12 bis 14.30 fährt ein Autokorso der Taxigruppe Berlin mit etwa 500 Teilnehmenden vom Sowjetischen Ehrenmal in der Straße des 17. Juni zum Konrad-Adenauer-Haus in der Klingelhöfer Str. 8, um gegen die „PWefG-Novelle“ zu protestieren. Außerdem gibt es mehrere Gedenkveranstaltungen an das Attentat von Hanau vor einem Jahr, u.a. mit etwa 400 Teilnehmenden von 16 bis 20 Uhr auf dem Vorplatz des Rathaus Neukölln, in der Karl-Marx-Str. 83 im „Gedenken an die rassistischen Anschläge von Hanau“ und mit 200 angemeldeten Personen am Oranienplatz von 16 bis 21 Uhr unter dem Motto „Gedenken an den rechten Terroranschlags vom 19.2.2020 von Hanau“. Auch am Samstag zieht eine „Hanau-Gedenkdemonstration“ mit etwa 900 Teilnehmenden vom S-Bhf Hermannstraße zum Oranienplatz, im Zeitraum von 13 bis 21 Uhr. Außerdem führt ein „Schweigemarsch gegen Diskriminierung und für Menschenrechte“ mit ca. 1000 Teilnehmenden von 12.30 bis 16.30 Uhr vom Walter-Schreiber-Platz bis zum Potsdamer Platz. Am Sonntag versammeln sich etwa 100 Teilnehmende von 11 bis 17 Uhr am Schleidenplatz in Friedrichshain unter dem Motto „Solidarisch in der Krise. Nachbarn helfen sich“.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Mohamed Ayad, aka Tony D (38), Rapper / Barbara Fürtinger / Sascha Grammel (47), Comedian / Helene Hegemann (29), Autorin / Hansi Jochmann (68), Schauspielerin und Synchronsprecherin / Sigrid Kubaschk (52), „Alles Liebe zum Geburtstag für meinen Lieblingsmenschen“ / Steffi Kühnert (58), Schauspielerin / Minh-Khai Phan-Thi (47), Schauspielerin und Fernsehmoderatorin / Christiane Reiff (69), Schauspielerin / Frantz Scaber (37), „An der Weser, Unterweser, wirst du wieder sein, wie einst. Alles Gute, Lieber“ / Barbara Schnitzler (68), Theater- und Fernsehschauspielerin, „Herzlichen Glückwunsch, Mama, und bis heute Nachmittag zum Anstoßen, deine Pauline“ / Hans-Ulrich Unglert, „Er liebt die Rolling Stones, er steht hinter seiner Hertha, auch wenn sie schlecht spielen, seine Haare sind lockdownbedingt gerade etwas länger und am 19. Feb. wird er 68. Alles Liebe, Deine Dagmar“ / „Und für den Setzer 44 Grüße“
Sonnabend – Gunthara Behrendt (73), „Großartig, Herzlichste Glückwunsche, deine 3 Jungs mit Familien“ / Daniel Buchholz (53), Sprecher für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz der SPD-Fraktion im AGH / Julia Franck (51), Schriftstellerin / Urs Fischer (55), Cheftrainer von Union / Jan-Gunnar Franke, „Eine doppelte Portion Happy Birthday, gut gekühlt“ / Bernd Gasser (70), „70 Jahre prall gefüllt, jetzt geht es stolpernd mit Kopf und Herz ins neue Lebensjahrzehnt und endlich auch mit Lore Rosen züchten“ und „Dem Hesse vunn Dehäm alles Gudde zum Siebzigschde“ / Hubertus von der Goltz (80), Bildhauer / Henry Hübchen (74), Schauspieler und Regisseur / Julia Jentsch (43), Schauspielerin / Bernd Schlömer (50), für die FPD im AGH
Sonntag – Rainer Dornheim (80), Rechtsanwalt u. Notar a.D. aus City West, „Alles Gute zum Jubiläum lieber Vater, Mentor und Kumpel!“ / Walter Momper (76), ehem. Regierender Bürgermeister (1989-91), ehem. Präsident des AGH (2001-11) / Tobias Müller (42), Synchronsprecher und MC / Dagmar Roth-Behrendt (68), SPD-Politikerin, ehem. Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments (2004-07 und 2009-12) / Margarethe von Trotta (79), Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin / Tim-Christopher Zeelen (38), stellv. Vorsitzender der CDU-Fraktion im AGH
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Helene Kirsch, * 28. März 1933, Dipl.-Betriebswirtin / Bettina Wildt Schön, * 19. September 1926, Schauspielerin und Synchronsprecherin / Wolfgang Kühn-Severin, * 15. April 1960 / Christian Tretow, * 17. Juni 1953 / Marlene Zacharias, * 17. Dezember 1928
Stolperstein – Friedrich Weißler wurde am 28. April 1891 in Königshütte/ Chorzów geboren. Am 19. Februar 1937 ermordeten die Nationalsozialisten ihn in Sachsenhausen. In der Meiningenallee 7 im Westend erinnert ein Stolperstein an ihn.
Encore
Ein letztes Mal geht der Vorhang der Checkinale auf, heute flimmert Caroline Links „Pünktchen und Anton“ über die Leinwand – der Lieblingsfilm aus Kindertagen von Schauspielerin Jella Haase:
„Für mich ist der Film zeitlos. Ich kann mich immer wieder reinfallen lassen in die Geschichte und der Film, den ich schon mehr als zehnmal gesehen habe, macht mich immer wieder glücklich. Als Kind wollte ich immer wie Pünktchen sein. Jedes Kind braucht einen Anton und ein Pünktchen.“
Damit geht unser digitales Filmfestival zu Ende – im morgigen Checkpoint präsentieren wir Ihnen noch einmal alle Filme im Wettbewerb der Checkinale und dann zählt Ihr Urteil: Welcher Film wird mit dem „Goldenen Checkpott“ ausgezeichnet (hier zu sehen)?
In einem anderen Leben wären übrigens heute auf der Berlinale bei einer großen Gala die „Teddys“ für die besten queeren Filme vergeben worden – Nadine Lange verdrückt hier eine kleine Sehnsuchtsträne.
Thomas Lippold hat mit seinen exakten Recherchen wieder mal die Stadt unsicher gemacht, Teresa Roelcke erweckt auch heute trotz Corona viel Lust aufs Stadtleben, und Kathrin Maurer ist sehr früh aufgestanden, um alles schön einzutüten und abzuschicken. Morgen früh begleitet Sie hier Ann-Kathrin Hipp in ein hoffentlich herrliches Wochenende. Bis dahin,