nachdem tagsüber der CSD ein Zeichen für Vielfalt setzt und nebenbei einen Teil der Innenstadt autofrei macht – wenn auch kleiner als gewohnt –, könnte mit dem Einbruch der Nacht hier und da Werwolfsgeheul zu hören sein. Hinter dem mehr oder minder bewölkten Firmament steht in der Nacht zum Sonntag nämlich ein voller Mond. Damit Sie nichts verpassen, versorgt Sie der Wochenend-Checkpoint während der Sommerferien mit reichlich Freizeittipps rund um Berlin und Brandenburg.
Samstagmorgen – Beginnen wir mit dem Unscheinbaren: Das Doktorandennetzwerk der HU hat sich für seinen akademischen Stadtspaziergang den „touristisch unerschlossenen Süden Berlins“ auserkoren. Entlang der vier Kilometer langen Wanderstrecke ab S Tempelhof (Start um 10.30 Uhr) gibt es keinerlei Sehenswürdigkeiten, dafür reichlich randständige Facetten der Stadt mit ordentlich Diskussionspotenzial zu erkunden. Und Süßigkeiten: Zwei Zwischenstopps werden nämlich an Werksverkäufen von Kuchen- und Keksmanufakturen eingelegt, die hier als Wegproviant, beziehungsweise Hirnstimulanz dienen können. Zugegeben, Zucker kann auf den letzten Zentimetern einer Hausarbeit einen kurzzeitigen Konzentrationsboost bewirken, aber als Wegproviant ist er schon ein wenig Stulle.
Samstagmittag – Für detailverliebte Flaneusen und Flaneure, die an jeder Winzigkeit stehenbleiben möchten, können vier Kilometer Strecke seelisch durchaus hartes Pflaster bedeuten. Ganz auf die Details, genauer: auf die Zwischenräume von Pflastersteinen, haben es die zwei Künstler Thomas Nohr und Philipp Kill abgesehen und eine Ausstellung zum Thema in den Räumen der Kreativ-Initiative mit eigenem Radiosender, Beyond Limits (Seumestraße 2), eingerichtet. Nach dem regulären Ausstellungsbetrieb endet die Ausstellung heute mit einer kleinen Finissage von 19 bis 22 Uhr.
Samstagabend – Was wenige wissen: Kurz vor der Corona-Pandemie soll ein anderes Virus zu grassieren begonnen haben: Wer sich ansteckte, verlor die Fähigkeit, zu lügen. Um zu verhindern, dass es in Wirtschaft und Politik um sich griff, was einem Weltuntergang gleichgekommen wäre, soll die Kanzlerin einen Krisenstab in einem Bunker unter dem Potsdamer Platz anberaumt haben. 2019 eröffnete das Kabaretttheater Die Stachelschweine seine neue Saison mit diesem Programm, das schon nach kurzer Laufzeit in den coronabedingten Lockdown ging. Seit einigen Wochen läuft das Stück nun wieder, allerdings vollständig neu geschrieben und an die Gegenwart angepasst. Und unter neuem Titel: Frank Lüdeckes „Drei Lügen zu Viel“ ist politische Satire, Kabarett ohne Sketche und Gegenwartstheater zugleich. 20 Uhr im Europacenter, Tickets kosten ab 26 Euro.
Sonntagmorgen – Wer in der Nacht zum Sonntag den Vollmond sehen möchte, ist gut beraten, sich einen wolkenlosen Flecken außerhalb der Stadt zu suchen – zum Beispiel im Havelland. Warm genug sollte es allemal werden. Und wenn man schon mal da ist, kann man sich ab 8 Uhr seinen Kaffee an der alten Ziegelei in Rathenow (Theodor-Lessing-Straße 1) holen – hier öffnet dann nämlich ein Trödelmarkt, der gerade in den frühen Stunden reichlich Landhaus-Parafernalien, Familienerbstücke, Dachbodenfunde und lokales Handwerk feilbietet.
Anzeige
Zwei Tage in Ihrem Berlin!
Mit unserer Erlebe Deine Stadt: Hotelaktion können alle BerlinerInnen und BrandenburgerInnen sowie deren Freunde und Familien einen Kurzurlaub in Berlin verbringen. Genießen Sie vom 11. Juni bis 31. August 2021 zwei Tage in den schönsten Luxus- und First-Class-Hotels Berlins im Doppel-, Einzel,- oder Familienzimmer!
Jetzt hier buchen
Sonntagmittag – Wer dagegen in der Ostprignitz genächtigt hat oder den Tag gerne sportlich mit einer gut viereinhalbstündigen Radtour (ab Askanischer Platz oder ab Rathenow, die Strecke ist etwa gleich lang) beginnt, wird in Rheinsberg mit einer Richard-Deacon-Ausstellung belohnt. Die Show im Tucholsky Museum ist Kind einer seit dem Jahr 2000 andauernden Zusammenarbeit mit der AdK Berlin und behandelt unter dem Titel „On the Surface“ Keramikarbeiten des Turner-Preisträgers. „Oberfläche ist alles“, kommentiert der Künstler selbst, und lässt seine skulpturalen Arbeiten mit räumlicher Tiefe widersprechen.
Sonntagabend – Wer dagegen dem Wochenendeende an der Oberfläche flimmernden Wassers entgegensegeln will, bucht sich einen Törn mit Skipper ab Bad Saarow zum Scharmützelsee und lässt sich treiben. Auf der Zehn-Meter-Yacht mit gemütlichem Holzdeck gibt es neben Bier und Prosecco auch alkoholfreie Getränke „zu kleinen Preisen“ und die freie Platzwahl an Deck, in der Plicht (sprich: im Cockpit) und sogar am Steuer. Zwei Stunden (18 bis 20 Uhr) Segelspaß kosten 45/ 35 Euro, in der Bar Das betrunkene Piano kann man anschließend Seemanns*garn austauschen oder Wortscharmützel austragen. Die letzte Bahnverbindung nach Berlin geht um 22.37 Uhr, die Fahrt dauert gut eine Stunde.
Anzeige
Jetzt Jura NC-frei studieren
Der universitäre Studiengang Rechtswissenschaft an der BSP Business & Law School bereitet Sie auf den heutigen und zukünftigen Arbeitsmarkt vor. Jetzt noch für das Wintersemester bewerben.
Lernen Sie uns beim virtuellen Campus LIVE am 31.07.2021 kennen.
Alle Infos hier
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Kennen Sie Stand-Up-Paddeln? Ich muss gestehen, dass ich dieses Phänomen von Anfang an skeptisch beäugt habe. Erstens sieht es so aus, als hätte jemand ein Surfbrett des Segels beraubt und sich anschließend, notgedrungen, mit einem Paddel behelfen müssen. Ohne Segel bietet man selbst nun mit dem eigenen Körper eine Angriffsfläche für den Wind, was eher nachteilig ist. Außerdem empfinde ich das Liegen am Ufer im Allgemeinen als wesentlich angenehmer als das Stehen. Nun hat mich die gute Chantal, die werte Sau von nebenan, neulich auf eine Pizza bei Zola am Funkhaus Nalepastraße eingeladen. Es gab leider keine Trüffel, aber das nur am Rande. Gerade wollte ich meine Gedanken zu den vielen Paddler:innen, die dort vor dem Bullenbruch herumturnen, kundtun, als Chantal verkündete, dass sie für uns beide einen Anfängerkurs gebucht habe. Im StandUpClub, nur wenige Schritte weiter am Ufer. Überraschung! Nun ja. Wir machen demnächst noch den Fortgeschrittenenkurs. Das war meine Idee. Wer Wildschweine kategorisch für bloße Landtiere hält, hat uns noch nicht paddeln gesehen. Und da die bloße Anwesenheit von unsereins viele Menschen sofort zu Höchstleistungen anspornt, haben alle was davon – Chantal und ich, die Paddler:innen, die sich selbst übertreffen und das gut unterhaltene Publikum am Ufer. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Von der Pride zwischen Berlin und Istanbul berichtet Ebru Nihan Celkan (Abo). Dazu liefert Nadine Lange (Abo) das passende Begriffslexikon.
Während die Kontroverse um das Berliner Schloss und seine vielfältigen Beziehungen zur Geschichte wohl noch eine ganze Weile lang anhalten wird, kommentiert ein Feldwebel aus der Zeit Wilhelm II. seine Zeit im Schloss. Sigrid Kneist (Abo) hat seine Aufzeichnungen durchstöbert.
Zu fast gleicher Zeit machte sich auch der Dichter Christian Morgenstern Aufzeichnungen zu seinen Beobachtungen, allerdings im Wald von Birkenwerder, wo er einen Sanatoriums-Aufenthalt verbrachte. Hella Kaiser (Abo) berichtet aus seiner Zeit.
Haben Sie ein anregendes Wochenende. Cristina Marina war heute der frühe Vogel im Produktionsdienst, am Montag haut Lorenz Maroldt hier wieder für Sie in die Tasten.
