Heute früh um 5:31 Uhr war Sonnenwende – die Tage werden also ab sofort wieder kürzer, und wir müssen uns etwas beeilen im Programm. Beginnen wir mit einem schnellen Blick in die FAZ:
„Drei Jahrzehnte später ist es höchste Zeit, den Umzug endlich abzuschließen“, lesen wir da. Und nein, um das gleich klarzustellen: Es geht hier nicht um die letzten Kisten für den BER, sondern um die letzten Reste der Bundesregierung, die noch immer für viel Geld wenig effizient in Bonn abhängen. Kollege Reiner Burger fordert deshalb: „Auf nach Berlin!“ Burger ist übrigens seit 11 Jahren landespolitischer Korrespondent in NRW, und vor 30 Jahren hätte er für so einen Kommentar in einigen Bonner Kneipen noch Hausverbot bekommen.
Der Bundestag beschloss am 20. Juni 1991, dass Berlin Regierungs- und Parlamentssitz wird – und Bonn (immerhin) „Bundesstadt“. Wolfgang Schäuble, der damals mit einer fulminanten Rede den 18-Stimmen-Vorsprung für Berlin sicherte, erinnert sich: „Ich konnte jahrelang in Bonn gar nicht auftreten, an der Universität etwa.“ Die Stadt am Rhein wurde gut entschädigt – und der Doppelbetrieb verschlingt heute Jahr für Jahr Millionen. Sind 30 Jahre nicht jetzt wirklich mal genug? Was meinen Sie?

Frage für Berlin-Kenner (Fortgeschrittene): Wie schafft es die Bildungsverwaltung, dass es Beschwerden über notorisch auffällige Schulleitungen immer nur zum ersten Mal gibt? Ok, klingt ein bisschen knifflig, ist jedoch eigentlich ganz einfach (wenn auch kaum zu glauben, aber wahr): Frühere Akteneinträge werden so schnell wie möglich vernichtet (O-Ton: Die Aufbewahrungsfrist ist „so kurz wie möglich festzusetzen“). Einen rechtlichen Zwang dafür gibt es nicht – entgegen der Behauptung der Bildungsverwaltung (kleiner Tipp: Verwaltungsvorschriften immer ganz lesen, vor allem die selbst gemachten). Praktische Folge an einem aktuellen Beispiel: Im Fall einer heftig kritisierten Leiterin einer Marzahner Schule ist nirgendwo dokumentiert, dass es ähnliche Vorwürfe (u.a. „unorganisiert“, „unkoordiniert“, „überfordert“, „desinteressiert“) bereits seit Jahren gab – auch schon an ihrer früheren Schule. Mehr Transparenz hätte ihre Versetzung gefährdet.
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Im Wettrennen um die erste erfolgreiche Klage von Maskenlieferanten gegen das zahlungsunwillige Gesundheitsministerium (insg. ca. 70) erreichte die Berliner Traditionsfirma Rabofsky mit Hilfe des Rechtsanwaltsbüros „Partsch & Partner“ als erste das Ziel: In einem Zivilverfahren verurteilte das LG Bonn (schon wieder Bonn!) das Spahn-Ministerium zu einer Zahlung von 3.084.480 Euro (zum Vergleich: Die neue Villa des Ministers war nochmal gut eine Mio. teurer). Partsch spricht von einem „unwürdigen Verhalten“ des Ministeriums, das kleinere Unternehmen wirtschaftlich „ausbluten“ wolle, um die vom Rechnungshof bemängelte 12-fache Budgetüberschreitung zu kaschieren. Übrigens: Die Mehrwertsteuer für die importierten Masken, die das Ministerium bestellt, aber nicht bezahlt hatte, musste Rabofsky dem Staat schon längst überweisen.
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Im Osten ist die Planwirtschaft zurück: „Zu allen Verstößen im Straßenverkehr“ (also mit dem Auto, Fahrrad, Roller, Motorrad oder auch zu Fuß) strebt die Polizei in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick (Direktion 3) „die Fertigung von 113.076 Verkehrsordnungswidrigkeiten-Anzeigen“ an – so steht es jedenfalls im „Ziele und Maßnahmenplan 2021“, nicht 113.075 und nicht 113.077, nein: exakt 113.076 (hat sicher ein Absolvent des Kurses „Mathe mit dem Checkpoint“ ausgeklügelt). Und wie ist das zu schaffen? Na, durch Anreize! Vielleicht sollte jeder 50., der sich erwischen lässt, mit einem Orden für die Beihilfe zur „Bestarbeiter“-Ehrung belohnt werden.
Nach dem Film ist vor dem Film: Gestern ging die Sommer-Berlinale in den Open-Air-Kinos zu Ende, heute startet das Arte Sommerkino am Schloss Charlottenburg sein reguläres Programm – da sind einige Filmperlen im Projektor, mit denen sich die Leinwandsehnsucht der vergangenen Monate kurieren lassen. Und weil der Checkpoint als Medienpartner dabei ist, haben wir mit „Schnuppen“-Königin Naomi Fearn noch schnell einen Kino-Trailer gezaubert (hier können Sie ihn schon mal sehen) – als Sommerabend-Aperitif läuft er z.B. morgen (Dienstag) im Vorprogramm von „Ich bin dein Mensch“ (in Anwesenheit der Berlinale-Bären-prämierten Hauptdarstellerin Maren Eggert). Wir haben für Sie 3x2 Gratistickets zurückgelegt – wenn Sie an der Verlosung teilnehmen wollen, schreiben Sie uns bitte bis 12 Uhr eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de. Alle weiteren Infos zum Arte-Sommerkino gibt’s hier.
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Berliner Schnuppen
Telegramm
Cornelia Flader, Stadträtin in Treptow-Köpenick, hat nach ihrem CDU-Austritt vor einem Monat eine neue politische Heimat gefunden: Seit gestern ist sie Bezirksvorsitzende und BVV-Spitzenkandidatin der „Freien Wähler“ (und außerdem Wahlkreiskandidatin fürs Abgeordnetenhaus). In einem Statement bescheinigt Flader ihrer neuen Partei eine Portion Cleverness (was wohl zugleich als Kritik an ihrer alten Partei zu verstehen ist): „Die ‚Freien Wähler‘ haben erkannt, welches Potential in meiner Person vorhanden ist.“ Es kommentiert der Volksmund: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.
Aus der Reihe „Berlin, aber Schnauze“: Ein Obststand in Spandau, ein Kunde betrachtet die Kirschen und fragt: „Bekommen Sie auch noch bessere?“ Antwort des Verkäufers: „Klar, warten Se einfach noch een, zwee Jahre.“ (Q: „Berliner Liste“)
Aus einer Abmahnung eines Mitarbeiters der Lieferfirma „Flaschenpost“: „Mit Bedauern sehen wir uns gezwungen, Sie aus dem folgenden Grund abzumahnen: Am 15.06.2021 waren Sie zu einer Schicht um 14:00 Uhr eingeteilt. An diesem Tag sind Sie jedoch erst um 14:02 erschienen und waren damit 2 Minuten zu spät.“ Womit bewiesen wäre: Immerhin bis 2 zählen können Sie im Management. Aber menschlich gesehen sind da Flaschen am Werk (und zum Inhalt: korkt).
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21. Juni 2021: Fête de la Musique!
In Live-Streams wird ein vielfältiges und fröhliches Programm gezeigt, das direkt auf der Website angesehen werden kann. Dort gibt es auch die Möglichkeit, Orte und Künstler:innen finanziell zu unterstützen. Mit dabei sind u.a. Gretchen, Komische Oper, Friedrichstadtpalast, der Frannz Club uvm.
In diese Woche starten die Sommerferien – und wo immer Sie Ihren Urlaub verbringen, ob mit dem Sonnenschirm auf Balkonien, an fernen Küsten oder auf verschneiten Gebirgsketten, am weißen Südseestrand oder im Zelt unter Brandenburgischen Kiefern: Nehmen Sie uns mit! Wir würden gerne wissen: Wo lesen Sie in den nächsten Wochen den Checkpoint? Schicken Sie uns bitte ein Foto (am besten im Querformat) mit einem Satz zum Urlaubsort an checkpoint@tagesspiegel.de – wir freuen uns drauf!
Apropos Urlaub – die Meldung des Tages dazu lautet: „Schulen sollen sich nach Ferien weiter an Corona-Regeln halten“ – und das könnte neben der Maskenpflicht auch wieder Wechselunterricht bedeuten.
Wir kommen zu unserem kleinen Kurs „Deutsch für Deutsche“, heute: Was genau ist beim Lobby-Verhaltenskodex eigentlich zu verstehen untereinem „erheblichen Verstoß“, einem „unerheblichen Verstoß“ und einem „nicht unerheblichen Verstoß“? Hier die unmaskierte Antwort der Bundesregierung: „‚Nicht unerheblich‘ ist weniger als ‚erheblich‘ und mehr als ‚unerheblich‘.“ Und wieder was dazugelernt.
Post von Senatsrat a.D. Detlev Fricke – er möchte unsere Erinnerung an die vermeintliche Selbstkrönung Guido Westerwelles als FDP-Kanzlerkandidat korrigieren. Demnach kam die Idee (und der Antrag) vor 19 Jahren von Jürgen Möllemann, Westerwelle war dagegen (und zwar „dezidiert“). Und woher weiß Checkpoint-Leser Fricke das heute noch so genau? Er war als Parteitagspräsident dabei – und beendete damals die „turbulente Debatte“ (Antrag abgelehnt).
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Endlich wieder gemeinsam skaten. Aber sicher!
Für den 25. September 2021 ist der BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating terminiert. Dann werden Skater aller Leistungsklassen den Hauptstadt-Asphalt unter die Rollen nehmen, um gemeinsam ein lang ersehntes Sportlerfest zu feiern. Sei dabei!
Zur Anmeldung geht’s hier: www.skating.bmw-berlin-marathon.com
Nach dieser kleinen Geschichtsstunde zur jüngeren Vergangenheit schauen wir noch kurz ein bisschen weiter zurück, und zwar aufs Jahr 1902 – da wurde nämlich die „Schaumweinsteuer“ zur Finanzierung der Kriegsmarine eingeführt. Die Linkspartei beschloss jetzt auf ihrem Parteitag (Bericht hier) die Abschaffung dieser Kriegssauferei – und bescherte der B.Z. damit die schöne Schlagzeile „Linke wollen Champagner billiger machen!“ Fieser Trick – die Kommunisten versuchen es wirklich mit allen Mitteln. Es kommentiert Checkpoint-Gastautor Wladimir Iljitsch Lenin: „Ist nicht sofort ersichtlich, welche politischen oder sozialen Gruppen, Kräfte oder Größen bestimmte Vorschläge, Maßnahmen usw. vertreten, sollte man stets die Frage stellen: Wem nützt es?“
„Cui bono“ lautet auch der Titel einer tollen, sechsteiligen Podcast-Serie (Coproduktion von Studio Bummens, NDR, rbb und K2H) – geklärt wird darin die Frage „WTF happened to Ken Jebsen?“ Und falls Sie jetzt denken: „Das ist aber viel Ehre für einen Verschwörungsfanatiker!“, dann hören Sie einfach mal rein – ich wette, dass sie diesen Gedanken ganz schnell wieder vergessen.
Die Berliner AfD fordert ein „Aussteigerprogramm für kriminelle Clan-Angehörige“ – na, da kennt sie sich ja aus: Gegen ihre eigenen Abgeordneten (deutschlandweit) wird mehr als doppelt so oft ermittelt und geurteilt wie gegen die Parlamentarier anderer Parteien (u.a. wegen Betrug, Untreue, Meineid, Beleidigung, Steuerhinterziehung, sexuelle Nötigung, Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung und Volksverhetzung).
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Zitat
„Keine Experimente!“
Konrad Adenauer, 1957
„Wir müssen Schluss machen mit Experimenten!“
Kai Wegner, 2021
(Einen Bericht von Sabine Beikler zum CDU-Landesparteitag finden Sie hier.)
Tweet des Tages
Gentrifizierung im Prenzlauer Berg äußert sich auch dadurch, dass Bohrlöcher beim Auszug nicht mehr mit Zahnpasta, sondern mit Bio-Burrata aus Brandenburg gestopft werden.
Stadtleben
Neu in Charlottenburg – Ein Diner im Vogelkäfig mag nach abstrusem Fiebertraum anmuten – nicht aber in den Seitenstraßen des Kudamms: Drei Minuten abseits der Kadewe-Noblesse hat das 1987 Xigon seine Tore aufgestoßen. Unter hängenden Drahtkuppeln, weiten Bögen und dutzenden Lampions schlürfen Schickeria-Neugierige Austern und knabbern an gewaltigen Sushi-Platten, auf denen das Trockeneis nur so dampft (ab zwölf Euro) – dazu stehen vietnamesische Pho, Kokoscurry und grüner Seetang auf dem Menü. Zum Nachtisch gibt’s Rosenmousse und Ananasblattteee, bevor der Schaufenster-Flaniergang fortgesetzt wird: Ab nach Westen! 10-1 Uhr, Nürnberger Straße 46, U-Bhf Augsburger Straße
Mindestens ebenso mondän speist unsere Genussredaktion: Wer sich nach langer Szeneabstinenz nach Dinnernächten und Streetfood sehnt, klickt sich zu den Berliner Gastro-Terminen bis Anfang August – hier entlang.
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„Eine Runde Berlin“: Im Wahl-Jahr trifft „Tagesspiegel Checkpoint“-Redakteurin Ann-Kathrin Hipp Berlins Spitzenkandidat:innen zum Podcast-Interview in der Ringbahn. Diese Woche zu Gast: FDP-Mann Sebastian Czaja, der über Autos, Aktentaschen, das Tempelhofer Feld und Freiheit spricht. Jetzt auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de.
Schippern – Äquatorgleiche Gluthitze und sengende Tropensonne wollen mit flinkem Sprung ins nächste Nass entflohen werden. Praktisch, wenn das Wasser dabei stets mitzieht: Per Elektro-Badedampfer schippern temperaturgeplagte Skipper von den Inseln Treptows zu den löchrigen Zehen des Molecule Man und weiter bis zur Oberbaumbrücke – in bootseigener kalter Badewanne. Tagsüber geht es samt Sonnensegel auf Wasserpartie, nachts und bei herrlich-schmalziger Spreedämmerung dösen Erschöpfte bei schummrigem Neonlicht im Whirlpool. Ein Boot für zwei ist für satte 130 Euro zu haben, abgelegt wird in der Bulgarischen Straße. Zu fancy? Rustikale Tipi-Flöße können derweil in Alt-Köpenick entführt werden, um gen Müggelsee zu tuckern (fünf Personen/75 Euro) – Füße in die Wellen und Leinen los!
Heimkino – Die Lichter der Draußenberlinale sind offiziell erloschen. Wer lange Filmnächte dennoch nicht missen mag, baut sich mit Ventilator und feuchtem Laken ein Wohnzimmerkino – und sieht anderen beim Nichtstun zu: „Stillstehen“ folgt der labilen Julie (Natalia Belitski), die nicht studieren und nicht arbeiten mag, doch stattdessen Lamas klaut und Vorräte von Gummihandschuhen hegt. Als sie zwischen Klinikaufenthalten erfährt, dass ihr Erbe zur Neige geht, will sie um ihren Stillstand kämpfen: Erste Versuche begutachten Sie in diesem Trailer, seit Donnerstag ist der Streifen online zu leihen. Zugang gibt’s für zehn Euro – oder für umme: Wir verlosen fünf Filmcodes.
Noch dabei sein – Bis 1. Juli läuft das Festival „Women in Architecture“: Für Gleichberechtigung und Wertschätzung der Arbeit und Werke von Architektinnen, gegen das veraltete, männlich dominierte Bild des Berufs präsentieren sich über 30 Akteurinnen in mehr als 100 Veranstaltungen, darunter Ausstellungen, Filmreihen, Führungen, Symposien, Vorträge und Workshops. Checkpoint-Tipps aus dem umfangreichen Programm: Morgen wird unter dem Titel „Stadtmacherinnen“ über die Zukunft unserer Stadt, sinnvolle und zwingende Veränderungen im Zusammenhang mit Recyceln, Umwelt, Nachbarschaft und Urbanität diskutiert (18-20 Uhr, mit Voranmeldung im Metropolenhaus oder online). „Gender in the City: Wem gehört die Stadt?“ heißt eine Führung rund um den Potsdamer Platz: Wie hat sich der ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost und West entwickelt? Vorbei an Frauenstraßen, dem IBA-Frauenblock und Denkmälern (Mittwoch, 18-20 Uhr, 10 Euro). Alle Veranstaltungen finden Sie hier.
Grübelstoff – „Wem gehört die Stadt?“, fragt das „Women in Architecture“-Festival. Zeit für einen Blick in den Kiez: Welche Straßen in Ihrem Block sind nach Frauen getauft – und wer verbirgt sich hinter den Namen?
Das Pandemie-Ding
Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Dinge zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: León Wolfgang Schönau und die Wolke 7.
„Ich wohne in einem Dachgeschoss. Da ergibt sich der Blick zum Himmel täglich, stündlich, minütlich von selbst. Als es kürzlich so ordentlich stürmte, türmten sich Wolken in schnell vorüberziehender, aber immer imposanter Ostseeassoziation. Hier das Bild dazu.“
Was ist Ihr Pandemie-Ding? Wir freuen uns über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
Verkehr – Bergmannstraße (Kreuzberg): Sperrung zwischen Nostitzstraße und Zossener Straße in Richtung Südstern, Fuß- und Radverkehr frei (bis Ende Juni).
A114 (Pankow-Zubringer): Sperrung der Aus- und Auffahrt an der AS Pasewalker Straße in Richtung Dreieck Pankow (bis Ende September).
Alte Jakobstraße (Kreuzberg): Sperrung zwischen Franz-Künstler-Straße und Neuenburger Straße in Richtung Lindenstraße, Fußverkehr darf passieren (ca. eine Woche).
Bendlerbrücke (Tiergarten): Sperrung bis Ende August, Fuß-und Radverkehr frei.
Straße der Pariser Kommune (Friedrichshain): In Richtung Friedenstraße sind an der Kreuzungszufahrt Karl-Marx-Allee nur zwei Spuren befahrbar (bis Mitte Juli).
Blumberger Damm (Marzahn): An der Kreuzung Glambecker Ring/Mehrower Allee ist in beiden Richtungen nur je ein Fahrstreifen verfügbar, zudem ist das Linksabbiegen auf die Mehrower Allee derzeit nicht möglich (bis Anfang Juli).
Thorwaldsenstraße (Steglitz): Zwischen Feuerbachstraße und Poschingerstraße steht in Richtung Prellerweg nur eine Spur zur Verfügung (bis Dienstagabend).
A113 (Schönefeld-Zubringer): Nächtliche Sperrung stadtauswärts zwischen AS Adlershof und AS Schönefeld-Nord (21-5 Uhr, Auffahrten ab 20 Uhr).
BVG: Nach der ersten Phase der Gleisbauarbeiten auf der U6 zwischen S+U Tempelhof und U Alt-Mariendorf fährt die U-Bahn auf diesem Abschnitt bis Mitte August wieder nach Plan.
S-Bahn: Bis zum 9. August wird der Busersatzverkehr der S3 zwischen Erkner und Rahnsdorf auf den Bereich Erkner – Friedrichshagen erweitert.
Regionalverkehr: Bis zum 2. Juli kommt es zu häufigen Umleitungen der RB14 zwischen Berlin-Spandau und Flughafen BER – Terminal 1-2 über Berlin Jungfernheide – Berlin-Gesundbrunnen, die planmäßigen Zwischenhalte fallen aus (ab 22 Uhr). Bitte steigen Sie hier auf die S-Bahn um. Außerdem fährt die Linie an der Station Berlin Ostkreuz von Gleis 13, 14 ab und verkehrt zwischen den Bahnhöfen Nauen und Flughafen BER – Terminal 1-2 bis zu 18 Min. früher. Bis Freitag (je 5.15-19.15 Uhr) fallen zwischen Berlin Ostbahnhof und Erkner zudem die Züge des RE1 aus. Bitte steigen Sie hier auf die Linie S3 sowie deren Ersatzbusse um. Es kommt zu abweichenden Fahrzeiten des Ersatzverkehrs, weshalb sich der Anschluss an die Züge in Erkner bzw. Berlin Ostbahnhof verzögert – bitte planen Sie bis zu 60 Minuten mehr ein.
Demonstration – Anlässlich des „drohenden Verkaufs des Hauses Choriner Straße 12 an Investoren“ protestieren 500 Demonstrierende in der Choriner Straße in Prenzlauer Berg (14-23.59 Uhr). In der Rigaer Straße 83 kommen 200 Personen unter dem Motto „Hands Off Our Homes!“ zusammen – sie „musizieren gegen Mietensteigerung, Verdrängung und Räumung in unserer Nachbar*innenschaft“ (14-23 Uhr). Ebenfalls in der Rigaer Straße fordern weitere 200 Protestierende „Freiräume erhalten, Räumungen verhindern“ (15-23.59 Uhr). Zwei Blocks weiter demonstriert auch das „Selbsthilfeprojekt Panzerknacker e.V.“ unter dem Titel „Kreativität braucht Freiräume!“, es werden 150 Personen erwartet (18-21 Uhr, Kreutzigerstraße 22). „Für mehr bezahlbaren Wohnraum im innerstädtischen Bereich“ protestieren 150 Teilnehmende in der Voigtstraße 36 (15-23 Uhr). Unter dem Motto „Solidarity with Colombia & keine Rendite mit der Miete & für den Erhalt von Hausprojekten“ kommen 100 Personen in der Reinickendorfer Scharnweberstraße 29 zusammen (16-21 Uhr). Im Mauerpark hat das „Kollektiv Save Mauerpark“ eine „Aufklärung zu den vom Bezirksamt aufgestellten Parkregeln“ angemeldet, es werden 99 Demonstrierende erwartet (15-21 Uhr). Anlässlich des „21. Juni 2021“ hält der „VVN-BdA Köpenick“ eine „Gedenkkundgebung zur Erinnerung an die Opfer der Köpenicker Blutwoche“ am Denkmal der Blutwoche auf dem Platz des 23. April ab (16.45-19 Uhr, 75 Personen). „Es gibt ein Recht auf Zukunft!“ proklamiert der „LIFE e.V.“ auf dem Pariser Platz, hier sind 50 Teilnehmende angemeldet (10.45-11.45 Uhr). Im Weißenseer Weg 32 in Lichtenberg demonstrieren weitere 50 Protestierende mit einem „Warnstreik im Rahmen der Tarifauseinandersetzung im Kfz-Handwerk“ (11-12 Uhr, IG Metall).
Gericht – Der Prozess gegen Clanchef Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder wird fortgesetzt. Es geht um mutmaßliche Straftaten wie versuchte schwere räuberische Erpressung und Freiheitsberaubung zum Nachteil von Rapper Bushido, nachdem dieser die Geschäftsbeziehungen aufgelöst hatte. Nach rund zehnmonatiger Verhandlung soll die Ehefrau des Musikers als Zeugin befragt werden. Anna-Maria Ferchichi steht wie ihr Mann unter Polizeischutz (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 500).
Zu Gast im Kanzleramt ist der italienische Ministerpräsident Mario Draghi.
Universität – Raus aus der Schule und rein in die Online-Uni: Antworten auf brennende Fragen der Naturwissenschaft liefert die FU ab Ende Juli im diesjährigen Sommeruni-Programm. Zwei Wochen lang grübeln sich Schüler ab der 10. Klasse in Workshops die Köpfe heiß und lauschen einer Vorlesung nach der nächsten – unsere Favoriten: „Legehennen vor Knochenbrüchen schützen“, „Wie man mit Statistik lügt“ oder auch „Was bitteschön sind Quanten?“. Zur Anmeldung geht es unter diesem Link, den ganzen Kursplan finden Sie hier.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Annett Fleischer (42), Moderatorin und Schauspielerin / Elisabeth „Liz“ Mohn (80), Unternehmerin / Benjamin Patch (27), Spieler bei den Berlin Recycling Volleys / Helmut Scholz (67), Politiker (Die Linke), Mitglied des Europäischen Parlaments / Roman Simon (47), für die CDU im AGH / Nachträglich: „Liebe Elisabeth, seit unser gemeinsames Leben begann, war ich glücklich, durch das Leben mit einem Kind wie Dir bereichert zu sein. Es waren die wertvollsten 18 Jahre meines Lebens – auf Deine Abiturnote 1,0 bin ich auch etwas stolz. Möge Dein Leben weiterhin von Glück, Gemeinschaft und Gutem geprägt sein, aber auch weiterhin zum Wohl und Segen für Deine Umwelt werden. Deine Mama Bettina Behle“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Prof. Heribert Beissel, * 27. März 1933, Dirigent, Chorleiter und Hochschullehrer, Gründer und Leiter der Klassischen Philharmonie Bonn / Silvia Hube, * 13. März 1944 / Ingrid Koch, * 19. September 1948 / Eva Maria Riebesell, * 29. Dezember 1938 / Norbert Silbereisen, * 3. Februar 1951, verstorben am 5. Juni 2021
Stolperstein – Albert Lewitt (Jg. 1880) musste in der Metallverarbeitung Schöneweide Zwangsarbeit leisten. Am 17. März 1943 wurde der Juwelier nach Theresienstadt verschleppt – dort wurde er heute vor 77 Jahren ermordet. An seinem ehemaligen Wohnort in der Schöneberger Welserstraße 2 liegt zu seinem Gedenken ein Stolperstein.
Encore
Das Eigentor des Tages hat die UEFA geschossen: Weil der deutsche Teamkapitän Manuel Neuer als Zeichen der Solidarität zum „Pride Month“ bei den zwei bisherigen EM-Spielen Deutschlands eine Binde in Regenbogenfarben trug, ermittelte der europäische Fußballverband wegen eines möglichen Verstoßes gegen das politische Neutralitätsgebot. Dann fiel den Herrschaften offenbar wieder ein, dass sie ja selbst, versehen mit einem Regenbogensymbol, als UEFA erklärt hatten: „Proud that Euro 2020 will be a tournament for everyone“ – und so wurde das Tragen der Regenbogenbinde in die Kategorie „good cause“ eingestuft. Na gut, und weiter geht’s – am besten zum Spiel gegen die Ungarn mit einem Münchner Stadion beleuchtet in Regenbogenfarben. Es kommentiert der große deutsche Dichter Lothar Matthäus: „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“
Mitrecherchiert haben heute Alexander Fröhlich und Susanne Vieth-Entus, ums Stadtleben kümmerten sich Lotte Buschenhagen und Sophie Windhorst, die Frühproduktion hatte Cristina Marina in der Hand. Und morgen begrüßt Sie hier Robert Ide, der in seiner letzten Berlinale-Kolumne (hier zu lesen) von einem Sommernachtstraum auf Plastikstühlen schwärmt – und am liebsten noch gar nicht aufwachen mag (aber muss!). Bis dahin,
