Wir beginnen heute mit einer ĂŒberraschenden Nachricht: Das gesetzlich verankerte Recht auf einen Kita-Platz gilt â sogar in Berlin. Und der Senat kann sich nicht lĂ€nger billig freikaufen mit dem uneinlösbaren Angebot der Ăbernahme von Kosten privater organisierter Betreuung (die kaum aufzutreiben ist). Das Oberverwaltungsgericht entschied: Das Land Berlin ist verpflichtet, Antragstellern innerhalb von fĂŒnf Wochen einen wohnortnahen Platz nachzuweisen. Ausreden wie âfehlende KapazitĂ€ten, FachkrĂ€ftemangel und andere Schwierigkeiten entbinden nicht von der gesetzlichen Pflicht.â Das Urteil und die Folgen beschreibt hier meine Kollegin Susanne Vieth-Entus.
Unterdessen gefĂ€llt sich einer der groĂen Kita-TrĂ€ger Berlins als schlechtes Vorbild in Sachen dummes Zeug (grober Unfug wĂ€re ja noch ok gewesen): Weil es in Kirchheim am Neckar (5773 Einwohner) ein kleines Kinderhaus mit dem Namen Klex gibt, hat Klax (35 Einrichtungen, Umsatz: 30 Mio p/a) seine AnwĂ€lte losgeschickt: Wegen eines VerstoĂes gegen das Markengesetz (§ 14, Absatz 2, Ziffer 2) soll Klex seinen Namen Ă€ndern, BegrĂŒndung:
âDer Unterschied im Vokal (e statt a) ruft keinen fĂŒr die Verneinung einer Verwechslungsgefahr ausreichend unterschiedlichen klanglichen bzw. visuellen Unterschied hervor.â
HmâŠ. klanglicher Unterschied? Wir können es ja mal gemeinsam probieren â bitte deutlich sprechen, jetzt alle zusammen: âKlaxâ. Und nun zum Vergleich: âKlexâ. Nochmal: âKlaxâ â âKlexâ. TatsĂ€chlich: Oft genug gesagt, klingt es verwirrend. Da besteht ernsthaft die Gefahr, dass die Mama der schwĂ€bischen Prenzlauer-Berg-Familie morgens âKlaxâ sagt, der Papa aber âKlexâ versteht â und den kleinen Maximilian aus Versehen zur Kita nach Kirchheim am Neckar bringt (617 km ĂŒber die A9). Davon hat âKlexâ aber nichts, zudem die drohende Klage⊠und deswegen heiĂt âKlexâ jetzt âKlecksâ. Gleich viel besser, probieren Sie es mal: âKlexâ â âKlecksâ. Problem gelöst. War ja auch eigentlich nur ein Klacks. Dazu der Checkpoint-Bildungsratschlag: Vermeiden Sie Kitas, die ihren Kindern ein âaâ fĂŒr ein âeâ vormachen (und sie zu Querulanten erziehen). (Q: NDR)
Nicht nur die neue Digital-Staatsministerin Dorothee BĂ€r druckt gerne das Internet aus (CP von gestern) â der Senat ist da natĂŒrlich auch ganz vorne mit dabei, wie folgende Ausschreibung zeigt: Gesucht wird ein/e OberregierungsrĂ€tin/rat (A 14) zur âUmsetzung des E-Government-Gesetzes Berlinâ, es geht u.a. um die âAusarbeitung konzeptioneller Grundlagen zum GeschĂ€ftsprozessmanagement unter BerĂŒcksichtigung der Berliner IT-Strategie(n)â, dazu der Hinweis: âBewerbungen sind â ausschlieĂlich in Papierform â bis zum 30.03.2018 unter Angabe der Kennzahl 30/18 an die Senatsverwaltung fĂŒr Integration, Arbeit und Soziales â SE B 23 Bl; Oranienstr. 106; 10969 Berlin zu richten.â Bitte ausreichend frankieren und fĂŒr den DHL-Boten eine Kerze anzĂŒnden.
Dazu passend auch der Tweet von Netzpolitik-Expertin Anne Roth (@annalist) â die Mitarbeiterin von MdB Anke Domscheit-Berg schreibt: âWenn ich auf dem Bundestagsrechner einen Feedreader benutzen will ⊠setzt euch besser hin ... muss ich das per âSoftwareanforderungsformularâ beantragen. Muss ausgedruckt, von @anked unterschrieben und an IT-Service gefaxt werden. (Gerade spricht @DoroBaer zu Digitalisierung).â
Neues von der fĂŒhrungslos dahinstolpernden Verkehrslenkung (Berlins beliebteste Behörde): Im Juni 2007 hatte die BVV Steglitz-Zehlendorf die VLB per Beschluss um âeine sichere FĂŒhrung des Radverkehrs am âKranoldplatzâ gebeten. Und zack â schon 10 Jahre und neun Monate spĂ€ter gibtâs eine Antwort. Sensation. Allerdings ist leider gerade Stau, AntrĂ€ge aus der vergangenen Legislaturperiode (2011-2016) werden deshalb âbis auf Weiteresâ nicht bearbeitet, um notwendige Arbeitsressourcen in andere Bereiche investieren zu könnenâ (und das gelte, âder Logik entsprechendâ, auch fĂŒr Ă€ltere AntrĂ€ge). Logo! Checkpoint-Vermutung: Wahrscheinlich geht die Energie in die Suche nach einem neuen Chef. Das verzweifelte Bezirksamt bittet die BVV jedenfalls, den Antrag von damals âals erledigt anzusehenâ. (Mehr aus dem SĂŒdwesten Berlins gibtâs im âLeuteâ-Newsletter von Boris Buchholz).
Heute Abend haben wir im Tagesspiegel Besuch aus Kiew: Im Rahmen der Reihe âWelt im Wandelâ, die wir gemeinsam mit der Gesellschaft fĂŒr internationale Zusammenarbeit (GIZ) veranstalten, diskutiere ich mit Boxweltmeister und BĂŒrgermeister Vitali KlitschkoÂ ĂŒber das Thema âUkraine â Gefangen in der Krise?â AuĂerdem dabei: Elmar Brok, Mitglied im AuswĂ€rtigen Ausschuss des EU-Parlaments, und Sabine MĂŒller, GIZ-Landesdirektorin Ukraine. Schon kurz nach Bekanntgabe der Veranstaltung mussten wir wegen der vielen Anfragen die Anmeldeseite schlieĂen, aber der Checkpoint hat natĂŒrlich schnell noch auf zwei StĂŒhlchen ein Handtuch gelegt. Also: Wer mit an den Ring will, schickt bitte bis 12 Uhr eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de, die Teilnehmer werden benachrichtigt.
Telegramm
In Wedding wurden zwei Polizisten mit einer Mikrowelle beworfen â das kommt eher selten vor, aber generell nehmen Angriffe auf OrdnungshĂŒter zu (plus 8 %): Im vergangenen Jahr waren es 6759.
Die Wohnungsoffensive des Senats droht zu versanden: Die Zahl der Baugenehmigungen fĂŒr landeseigenen Unternehmen ging im vergangenen Jahr um ein Viertel zurĂŒck.
Das Abgeordnetenaus hat das Zweckentfremdungsverbot gelockert: Zweitwohnungen in Berlin dĂŒrfen kĂŒnftig bis zu 90 Tage im Jahr an FeriengĂ€ste vermietet werden â wenn es die einzige ist und der Vermieter keinen Erstwohnsitz in der Stadt hat. Auch Hauptwohnungen können Touristen angeboten werden, wenn dadurch âder Charakterâ nicht angetastet wird.
Michael MĂŒller legt nach: In einem Beitrag fĂŒr den Tagesspiegel fordert der Regierende BundesratsprĂ€sident den neuen Arbeitsminister Hubertus Heil auf, ein âsolidarisches Grundeinkommenâ einzufĂŒhren â genug Geld sei da, rechnet MĂŒller vor.
Ăberraschung! Unsere Lieblingsrolltreppe am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof (Ausgang Tagesspiegel) ist schon wieder kaputt (nein, wir waren es nicht!) â und der freundliche Maulwurf auf den Reparaturschildern ist auch wieder da, mit einer verwirrenden Auskunft: Unten kĂŒndigt er das Ende der Arbeiten fĂŒr den30.3.18 an, oben fĂŒr den 30.3.19. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.
Na da ist ja mal eine Nachricht: âInfomail: Wir werden wieder teurerâ â super, da mĂŒssen wir unbedingt hin. Worum gehtâs? Aha, das Restaurant Nobelhart & Schmutzig hat ein Problem und eine Idee: Am Wochenende ist der Laden brechend voll, am Wochenanfang bleiben PlĂ€tze frei â aber das Personal muss fĂŒnf Tage voll beschĂ€ftigt werden. Die Lösung: Vom 3. Mai an kostet Donnerstag, Freitag und Samstag das 10-GĂ€nge-MenĂŒ einschlieĂlich Brita-Tafelwasser 120 Euro, Dienstag und Mittwoch bleibtâs bei 95 Euro. Schade â ich habe immer nur am Montag Hunger.
Bei âneuköllner.netâ machen sie sich Gedanken ums Wetter: âWir haben das Gegenmittel: Hintersinnige, heitere und höchst interessante Botschaften, die auch bei Minusgraden Hirn und Herz erwĂ€rmen.â Schauen Sie mal rein.
Kennen Sie eigentlich alle Ihre Nachbarn? Falls nicht, wĂ€re das hier eine gute Gelegenheit: Auf der Website der nebenan.de-Stiftung können Sie ab sofort fĂŒr den 25. Mai kleine oder groĂe Nachbarschaftsfeste anmelden â und auch nachschauen, ob in Ihrer NĂ€he welche laufen.
BER Count Up â Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert LĂŒtke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurĂŒck blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht LĂŒtke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp ĂŒber detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
âDie Wildschweine gehören zu Berlin, ob es ihnen passt oder nicht.â
Stefan Taschner, Abgeordneter der GrĂŒnen, gestern im Parlament. CDU und FDP wollen das zunehmende Eindringen von immer mehr Tieren in Wohnbereiche durch den Einsatz von mehr StadtjĂ€gern verhindern, die Koalition nannte das âWildwestspielenâ und lehnte ab.
Tweet des Tages
âDer Regierende BĂŒrgermeister kommt verspĂ€tet zum Antrag fĂŒr den Untersuchungsausschuss BER. Mit VerspĂ€tung kennt er sich ja aus!â
Antwort d. Red.: Der Antrag wurde in die AusschĂŒsse verwiesen. R2G will auĂerdem noch die RechtmĂ€Ăigkeit des PrĂŒfungsauftrags klĂ€ren lassen.
Stadtleben
Essen und ein wenig in FrĂŒhlingsstimmung kommen: In der Königlichen Gartenakademie wird wie jeden Tag ein fĂŒrstliches FrĂŒhstĂŒck aufgetischt, danach geht es (noch bis April) weiter mit Schweizer Deftigkeiten â HĂŒttenzauber im MĂ€rz, das passt doch ganz gut zur derzeitigen Wetterlage. Am besten reservieren oder ab mittags spontan vorbeikommen in der AlsteinstraĂe 15a (U-Bhf Dahlem-Dorf, Di-Sa 10-19 Uhr, So 10-16 Uhr).
Neu in Prenzlauer Berg ist ĂŒbrigens das Arai (StraĂburger StraĂe 60), ein Ableger des Shiori in Mitte. Japanfans werden sich freuen â vorausgesetzt Sie mögen Qualle in Yuzusauce.
Trinken  Diese ganzen Neuigkeiten diskutieren Sie am besten bei einem gepflegten Glas Wein (deutsch oder französisch) vorm Kaminofen in der Rhinoçéros Bar in Prenzlauer Berg. Hier werden noch echte Platten aufgelegt, vorzugsweise Jazz und Soul. Haben wir den Kaminofen erwĂ€hnt? Rhinower StraĂe 3 (S-Bhf Schönhauser Allee), Mi-Sa ab 18 Uhr