wir starten am Samstag mit einem Überblick der aktuellen Nachrichten aus Berlin:
+++ In Kreuzberg startet ein riesiges Verkehrsexperiment: Der Bezirk macht den kompletten Graefekiez parkplatzfrei. In dem Viertel mit 20.000 Einwohnern will Friedrichshain-Kreuzberg alle Kfz-Parkplätze streichen. Kann das funktionieren? Nicht alle glauben daran.
+++ Protest gegen Firmenfeier: Die Poolparty von Lieferando findet ohne Fahrer statt. Zu einer Mitarbeiterfeier in einem Friedrichshainer Club lud der Lieferdienst nur Büroangestellte ein. Vor der Tür demonstrierten am Freitagabend Fahrer und Unterstützer.
+++ Wenn die Seele leidet: So kämpfen Geflüchtete aus der Ukraine mit psychischen Belastungen. Denn nur wenige Geflüchtete werden in Deutschland angemessen psychotherapeutisch versorgt. Expertinnen aus Berlin wollen das ändern – mit eigenen Initiativen und Forderungen an die Politik.
Auf tagesspiegel.de informieren wir Sie über alle wichtigen Entwicklungen rund um Berlin.
Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Möglich, dass Sie dieses Wochenende allerlei in Bewegungsunschärfen Verschwimmendes wahrnehmen – es könnten verwirrte Hedonist:innen auf dem Weg zum Fusion Festival sein, die das mit den Hangars falsch verstanden und sich Fluggerät gebastelt haben, es könnte Team Checkpoint beim VeloCity Radrennen sein, oder die Scharen Museumsgänger:innen, die möglichst viel aus dem Museumssonntag machen wollen. Lassen Sie sich in diesen turbulenten Tagen nicht aus der Ruhe bringen! Willkommen im Wochenende.
Samstagmorgen – Ein wenig Entschleunigung versprechen der Rückblick in Kindheitsträume vergangener Tage, Jahrmarktsatmosphäre, Kostüme aus der Requisite und der nostalgiegetränkte Klang der Drehorgel. Das 41. Internationale Drehorgelfest auf dem Ku‘damm erreicht schon um 11 Uhr seinen Höhepunkt mit einer Parade der Drehorgelspieler:innen aus über 10 Ländern, die den Platz zwischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Europacenter in „Berlins größtes Drehorgelkonzert“ verwandeln. Und wenn alle zugleich auf ihren unterschiedlich gestimmten Drehorgeln völlig verschiedene Weisen spielen, sollten auch Freunde zeitgenössisch mikrotonaler Clustermusik vollends auf ihre Kosten kommen – hier ist für alle was dabei. Eintritt frei.
Samstagmittag – Nach dem Einundvierzigsten ein Elftes: Die Elfte Tempelhofer Kunstausstellung heißt so, weil sie auf die zehnte folgt. Und da die zehnte zwischen den Lockdowns 2021 unter dem Motto „Was uns bewegt“ lief, setzt die elfte in diesen bewegteren Zeiten auf den Leitspruch „Vom Stand der Dinge“. Gewisse Widersprüchlichkeiten logischer Art sind dabei vollkommen schlüssig, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Tempelhofer Kunstschau handelt, und doch Tempelhof nicht gerade für Kunst bekannt ist. Zu Unrecht, wie eben diese Show von 13 bis 18 Uhr beweisen will. Und das jeden Di–So bis 21. August. Alt Mariendorf 43, Eintritt frei, nicht barrierefrei.
Anzeige
Authentisches Italien in seinen „schönsten Dörfern“
Beim Schlendern wandert der Blick entlang malerischer Steinhäuser. Aus einem Fenster dringt Musik. In den Borghi ticken die Uhren langsamer. Hier sind Traditionen noch lebendig, die Küche regional, das italienische Leben authentisch. Mehr als 300 „schönste Dörfer“ gehören zum Verband „I Borghi più Belli d'Italia“. www.italia.it/en
Sonntagabend – Alle Produktion erzeugt Abfall, zivilisatorischen Überschuss, den verfemten Teil, wie Philosoph Georges Bataille es nannte. Auch in der Kunst: Texte werden durch Kürzen besser, beim Bildhauen haut man den Überschuss weg und selbst die sterbende Schwingung einer Klaviersaite geht nicht verloren, sondern wechselt bloß die Form: aus kinetischer Energie wird wirres Rauschen der Teilchen, Wärme. Wie im Sport kommt nur das Beste durch. Outtakes nennt die Berliner Operngruppe „Novoflot“ die Überschüsse und begibt sich auf die Suche nach 350 Jahre alten Fragmenten und ganzen Arien, Chören, Sinfonien, Rezitativen des Opernerfinders Claudio Monteverdi, die auf der Strecke blieben – und setzt ihnen neue Kompositionen von Michael Wertmüller und Antonis Anissegos entgegen. Die Oper „#3 – Die Outtakes“ ist Finale einer Trilogie und um 21 Uhr im Sportforum (Weißenseer Weg 53) zu erleben. Karten kosten 15/10 Euro.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Neulich las ich unterm Baume. Ein Buch, versteht sich. Eine Böe wehte durch das Laub, auch darin las ich. Ein Vogel sang, ich lauschte. Einen Kolibri im Vorüberflug umarmte ich, war ganz entrückt, denn in Wahrheit, das wissen Sie, gibt es hier gar keinen Kolibri. Hier in Brandenburg. Eine Hummel wäre das wohl eher. Es sei denn, man liest ein gutes Buch und lässt sich tragen unter einen Baum, durch dessen Laub die Böe weht, in dem ein Vogel singt und im Vorüberflug ein Kolibri mich drückt. Fantasie nennen das die Fantasielosen. Ich nenne es inspirierte Wirklichkeit, Sie verstehen. In Potsdam gibt es davon zurzeit einiges zu sehen: Die Lit:Potsdam neigt sich Sonntag nämlich dem Ende. Gehen Sie hin, behende! Unterm Baum im Park der Villa Jacobs etwa weht die Böe. Und auch der Vogel wird sein Lied schon nicht verhunzen. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Wie viele Menschen das Partylife Berlins doch als Bedrohung für ihre Beziehung verstehen! Annett und Rico, deren Geschichte mit einem entschuldigungswürdigen Kuss auf einer Dorfparty vor 20 Jahren begann, gehören nicht zu ihnen. Hier entlang zu Robert Ides aktueller Liebeskolumne. (Abo)
Zur Einstimmung auf das durch die Stadt rasende VeloCity – und quasi auch aus der Kategorie Liebeskolumne – hier entlang Michael Wiedersichs Liebeserklärung an die Tour de France. (Abo)
Immer dreht sich in dieser Stadt alles um Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer… dabei hat Berlin bekanntlich mehr Brücken als Venedig – und entsprechend viel Wasserverkehr. Und ja, auch auf dem Wasser geschieht Wandel. Aber nicht genug, wenn es nach Luis Lindner geht, der daran arbeitet, die hiesige Schifffahrt dieselfrei zu machen. Was ihm dabei alles den Weg blockiert, hat Joana Nietfeld hier aufgeschrieben. (Abo)
Wochenrätsel
Gewonnen! Als Hornbrille tragender Jungreporter musste unser Checkpoint-Autor laut eigener Aussage schon mal Autogramme geben als…
a) Elvis Costello
b) Clark Kent
c) Wigald Boning
Tipp: Wer den Checkpoint letzte Woche aufmerksam las, weiß Bescheid!
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenDen Wochenend-Frühdienst hat heute heldinnenhaft Kathrin Maurer verrichtet, am Montag lesen Sie an dieser Stelle Lorenz Maroldt. Und bewahren Sie Ruhe! Aber nicht zu viel.