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Kommen wir zu den Irren und Wirren dieser wunderbaren Stadt: Was war nochmal Emotet? So hieß das Computervirus, das der Berliner Verwaltung vor Corona kräftig zusetzte. Neun Monate nach der Attacke auf die IT des Kammergerichts kann ein Großteil der 150 Richter weiter nur sehr eingeschränkt arbeiten. Kein Wunder. Was Tagesspiegel-Kollege Robert Kiesel zur IT-Struktur des Gerichts recherchiert hat, klingt wie ein digitaler Offenbarungseid: Das System, über das das Virus mutmaßlich eindringen konnte, basiert auf Microsofts Word 95 – Software, die Mitte der 1990er auf den Markt gekommen ist. Die vom Berliner IT-Dienstleistungszentrum bereitgestellten Rechner werden von den – nicht unbedingt als Digital Natives geltenden – Richtern als „Schreibmaschinen“ verspottet. Und die Mehrheit der Rechner am Kammergericht wird noch mit mit Windows 7 betrieben (Erstveröffentlichung: 2009).
Die meisten Mitarbeiter im Dezernat Informationstechnik in der ordentlichen Gerichtsbarkeit (IToG) sind übrigens keine ausgebildeten ITler – und wer sich neu auf eine Stelle bewirbt, schickt seine Bewerbung bitte per Post ein. Eine Rücksendung der Unterlagen erfolgt dann nach Beilegen eines „ausreichend frankierten Rückumschlags“. Hoffentlich liest hier keiner mit.
Weiter geht’s mit dem anderen Virus: Test, Test, Test… aber gezielt! Gesundheitsminister Jens Spahn hat den Vorstoß Bayerns kritisiert, kostenlose Corona-Tests für alle anzubieten. „Einfach nur viel zu testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend“, twitterte er. Es wiege die Menschen in falscher Sicherheit und erhöhe das Risiko falsch-positiver Ergebnisse. Auch Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte am Montag im Parlament erklärt, dass es kostenlose Tests für alle in Berlin erstmal nicht geben werde – Brandenburgs Gesundheitsministerin Nonnemacher äußerte sich ähnlich kritisch. Ein gut aufgelegter Michael Müller war am Abend dagegen kaum zu bremsen. In der Talkshow „Klamroths Konter“ auf n-tv sagte der Regierende Bürgermeister den eher unberlinischen Satz: „Wir werden sehr bald diesen bayerischen Weg einschlagen.“ Müller erklärte weiter: „Wenn ein Bundesland so anfängt, dann wird das eine Welle, die Tests werden günstiger und es wird für viele Menschen bald ganz unproblematisch, sich testen zu lassen.“ Eine Bewerbung als Wellenbrecher klingt anders.
Apropos Bewerbung: 2021 wählt Berlin einen neuen Regierenden – oder wird es eine Frau? Auch dazu musste der Amtsinhaber – der zurzeit kaum ein Interview auslässt und sichtlich Spaß am Bürgermeisterherbst hat – bei n-tv Stellung beziehen. „Wir sind in Berlin bislang gut durch die Pandemie gekommen und das ist die Bestätigung der eigenen Arbeit, die auch Freude macht“, sagte Müller. Lachend verschafft er sich Zeit, um zu beantworten: Hat er nochmal Lust? „Ja, natürlich… ist das so, wenn man etwas bewegen kann, will man weiter Politik machen. Ich fühle mich noch zu jung für die Rente.“ Es sei nun aber wichtig, was das Beste für Berlin und die SPD sei, sagte Müller. Aha – heißt? „Man muss wollen in der Politik, aber man muss auch im Team entscheiden, was geht.“ Soso. Moderator Louis Klamroth fasst zusammen: „Da haben sie mir jetzt sehr verklausuliert erklärt, dass sie Spitzenkandidat für den Bundestag werden und nicht nochmal als Regierender Bürgermeister antreten.“ Müller widerspricht nicht.
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Apropos Bewerbung: 2021 wählt Berlin einen neuen Regierenden – oder wird es eine Frau? Auch dazu musste der Amtsinhaber – der zurzeit kaum ein Interview auslässt und sichtlich Spaß am Bürgermeisterherbst hat – bei n-tv Stellung beziehen. „Wir sind in Berlin bislang gut durch die Pandemie gekommen und das ist die Bestätigung der eigenen Arbeit, die auch Freude macht“, sagte Müller. Lachend verschafft er sich Zeit, um zu beantworten: Hat er nochmal Lust? „Ja, natürlich… ist das so, wenn man etwas bewegen kann, will man weiter Politik machen. Ich fühle mich noch zu jung für die Rente.“ Es sei nun aber wichtig, was das Beste für Berlin und die SPD sei, sagte Müller. Aha – heißt? „Man muss wollen in der Politik, aber man muss auch im Team entscheiden, was geht.“ Soso. Moderator Louis Klamroth fasst zusammen: „Da haben sie mir jetzt sehr verklausuliert erklärt, dass sie Spitzenkandidat für den Bundestag werden und nicht nochmal als Regierender Bürgermeister antreten.“ Müller widerspricht nicht.
Wie sieht‘s sonst im Kampf um den Premiumplatz im Roten Rathaus aus? Bei den Kommunalwahlen in Paris am vergangenen Wochenende waren ja vier der fünf Kandidierenden weiblich, eine Frau – Amtsträgerin Anne Hidalgo – gewann vor zwei anderen Frauen. Hält Müller sich an alle Absprachen, soll für die SPD im kommenden Jahr ebenfalls eine Frau antreten: Franziska Giffey. Bei den Grünen wird noch ausgefochten, welche Frau die Führungsrolle übernehmen darf: Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Fraktionschefin Antje Kapek würden beide gern regieren, entschieden wird im Herbst. Bei den Linken ist dagegen ein Mann gesetzt: Kultursenator Klaus Lederer. Schattenregiermeister – weil Landesvorsitzender der stärksten Partei – ist zur Zeit aber ohnehin ein anderer: Kai Wegner. Der CDU-Chef radelt sich im Windschatten des Bundestrends für seine Spitzenkandidatur warm. Das macht selbstbewusst. Ob man auf Hilfe aus dem All warten müsse, um in Berlin sicher Rad fahren zu können, fragte seine Partei neulich internetfrech? Wir schauen lieber wieder nach Paris: Noch bemerkenswerter als die Kandidatinnenquote war das Velo-Programm, mit dem Anne Hidalgo ihre absolute Mehrheit gewann: Jede Pariser Straße soll einen Fahrradweg bekommen, jede Brücke einen geschützten Radweg. Dafür müssen laut „Forbes“ 72 Prozent aller Parkplätze am Straßenrand verschwinden. Und Hidalgo will die Lichterstadt verkiezen: Alles Notwendige soll sich maximal 15 Minuten entfernt befinden und möglichst zu Fuß erreichbar sein. Nun kann von diesen Maßnahmen jeder halten, was er will. Das Beispiel aber zeigt: Regieren wird aus Mut gemacht.

Alles, was er wollte, war eine Antwort: Wir hatten gestern über die vergeblichen Versuche von Checkpoint-Leser Tobias F. berichtet, Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) über Leerstand an der Friedrichstraße 112 und 114 zu informieren. Seine erste von fünf Mails hatte F. sehr freundlich mit den Worten begonnen: „Ich hoffe, ich bin mit meinem Anliegen bei Ihnen an der richtigen Adresse.“ War er nicht – darauf wies Stadtrat Gothe gestern die Checkpoint-Redaktion hin. Er sei „NICHT zuständig“ und habe die Mail „schon im Januar“ an die zuständige Stadträtin für Bürgerdienste, Ramona Reiser (Linke), weitergeleitet. Informiert wurde F. nie darüber, Reiser antwortete nicht, alle weiteren Mails wurden von Gothes Amt auch nicht beantwortet. Wir haben deshalb gestern (11.06 Uhr) eine Anfrage an Stadträtin Reiser geschickt und gestern (13.03 Uhr) kam die ausführliche Antwort – und Überraschung: F.s Anfrage hat längst etwas bewirkt. Reiser schreibt:
„Gewünschte Praxis ist, dass wir Bürger*innen nach der Eingabe von Hinweisen per Mail antworten, dass ihre Hinweise angekommen sind. Leider haben wir im konkreten Fall verpasst, Herrn F. eine solche Eingangsbestätigung zu erteilen. Das bedaure ich sehr.“ Und weiter: „Leider ist es uns jedoch nicht möglich detaillierte, aktuelle Sachstände aus laufenden Amtsverfahren an Bürger*innen rauszugeben, schon gar nicht, wenn Eigentümer*innen Rechtsmittel eingelegt haben und es um laufende Verfahren geht.“
Dann wird uns der aktuelle Sachstand aus dem laufenden Amtsverfahren mitgeteilt:
– „Für die Friedrichstraße 114 ist eine Leerstandsgenehmigung bis zum 26. November 2021 erteilt worden.“
– „Für die Friedrichstraße 112a liegt ein Antrag auf Erteilung eines Negativtests zur Klärung vor, ob überhaupt schützenswerter Wohnraum vorliegt und dieser dann entsprechend überhaupt nach dem ZwVbG zu ahnden ist. Die Prüfung dauert an.“
– „Für die Friedrichstraße 112b wurde eine Leerstandsgenehmigung abgelehnt. Aktuell läuft das Widerspruchsverfahren.“
…sind jetzt alle Amt, aber glücklich?
„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit Berliner AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien jede Woche eine Fortsetzungsgeschichte schaffen. Den Auftakt machte gestern Wladimir Kaminer (hier zu lesen). In dieser Ausgabe folgt Teil zwei.
Das verlorene Haus
Von Wladimir Kaminer und (heute) Thomas Kletschke
Das Haus gehörte natürlich zur Risikogruppe, schon über 100 Jahre alt und mit Vorerkrankungen, es wurde bereits im XIX. Jahrhundert... zu einem Treffpunkt der „Irgendwas-mit-Medien“-Bohème dieser Stadt. Die hing schon damals ganz entspannt vor den Türen des „Coloseums“ herum, ein Opium-Pfeifchen in der einen und ein Schultheiss in der anderen Hand – Spätis gab es damals ja noch nicht. Man tauschte Neuigkeiten aus, und vielleicht auch Ersatzteile für kaputte Wasserpfeifen. Die Vorstellungen in dem Prachtbau waren damals schon mehr Beiwerk. Jetzt, wo das Colosseum nicht mehr ist, werden sie in die Redaktionsstuben strömen, die Ärmel hochgekrempelt. Erst mal einen Nachruf schreiben...
Und jetzt sind Sie gefragt – Wie soll es weitergehen? Schicken Sie uns Ihre Fortsetzung (maximal 600 Zeichen) bis spätestens heute um 16 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de. Die beste Idee veröffentlichen wir morgen im Newsletter (kostenlose Anmeldung hier). Und die gesamte Geschichte (deren Ende wiederum Wladimir Kaminer am Freitag schreiben wird) lesen Sie am Wochenende im Tagesspiegel und auf Tagesspiegel.de.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Wirtschaftssenatorin Pop und der Regierende Bürgermeister hatten am Montag einen Videocall mit den Eigentümern. „Priorität hat die Rettung von Arbeitsplätzen und der Standorte“, sagte Pop. Sie war „vorsichtig optimistisch“, dass nicht alles geschlossen werde. Sollten tatsächlich sechs der elf Karstadt/Kaufhof-Filialen dichtmachen müssen, würden 1000 Menschen ihren Job verlieren – 70 Prozent davon sind Frauen.
Maske hoch, Polizei! Seit dem Wochenende kontrollieren Beamte die Maskenpflicht in Bus und Bahn. 16 Ordnungswidrigkeiten wurden seitdem angezeigt, hat Checkpoint-Kollege Felix Hackenbruch recherchiert. Sechzehn sind zum Beispiel zweimal acht oder vier mal vier. Jedenfalls sehr wenig. Dabei fährt laut Zahlen der BVG mittlerweile jeder Vierte in Bus und Bahn ohne Maske umher. Das sind bei täglich zwei Millionen Fahrgästen rund 500 000 Leute, denen die Pandemie mehrheitlich egal ist. Die zittern jetzt vor den Kontrollen.
Elon Musk will sich von einer läppischen Pandemie nicht aufhalten lassen und unbedingt den geplanten Produktionsstart seiner Giga Factory sichern. Weil schon im kommenden Jahr die ersten Autos vom Band rollen sollen, will Tesla den Rohbau schon vor dem Hauptgenehmigungsverfahren errichten. Hoffentlich kommen keine Ameisen oder sonstiges Urvieh dazwischen. Unser Brandenburg-Experte Thorsten Metzner hat die Details.
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64 Jahre alt, 18 Jahre im Bundestag und kein bisschen müde: Renate Künast will wieder ins Parlament. Die Grünen-Politikerin sitzt seit 2002 im Parlament und wird 2021 nochmal antreten. Die grünen MdB Lisa Paus, Stefan Gelbhaar und Canan Bayram wollen ihre Mandate ebenfalls verteidigen. Neu ins Parlament und gleich prominent auf die Landesliste möchte der Neuköllner Andreas Audretsch. Und welche Grüne will nun in Berlins eigentlich höchstes Haus: das Rathaus?
Eine brennende Spanplatte am Reichstagsgebäude hat in der Nacht zu Montag einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. 50 Einsatzkräfte wurden ins Regierungsviertel gerufen, trotz des Einsatzes von Brandbeschleuniger gab es schnell Entwarnung. Letztlich blieb vom Brand nur ein schwarzer Fleck. Später stellte sich eine Frau freiwillig – die Polizei geht nicht von einem politischen Motiv aus.
Vom großen Hai zum kleinen Fisch: Dass der schillernde Immobilienunternehmer Christoph Gröner (früher: CG-Gruppe) einmal in die zweite Kategorie fallen könnte, mag überraschend sein. Gröners Firma gehört mittlerweile zur „Consus Real Estate“ und die wurde jetzt vom noch größeren Immobilienriesen „ADO Properties“ geschluckt. So entsteht die viertgrößte börsennotierte Wohnimmobiliengesellschaft in Europa. Zu ihr gehören jetzt Berliner Prestigeprojekte wie der Steglitzer Kreisel, das Forum Pankow oder das Luxus-Wohnprojekt „Wilhelm“ nicht weit vom Brandenburger Tor. Und Christoph Gröner? Er soll mit „einem lukrativen Angebot“ herausgekauft werden. Große Haie, reiche Fische.
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Und hier ein Sonderangebot für superreiche Flossentiere (und alle, die sonst Lust haben): Für schmale 33 Millionen Euro bietet die russische Weltraumagentur Roskosmos nun Flüge für Weltraumtouristen zur ISS an. Ob es Rabattmarken für Ex-Bundeskanzler oder Raumanzüge von Brioni gibt, konnten wir auf die Schnelle nicht rausfinden.
Einen Abend vor der Eröffnung des neuen „The Haus“, Restaurant und Bar in der Kreuzberger Graefestraße 92, durfte Team Checkpoint zusammen mit zehn Leserinnen und Lesern gestern schon mal reinschauen, zur ersten offiziellen und coronakonformen Lesung von „Berlin in 100 Kapiteln, von denen nur 13 fertig wurden“ – BER-Zitate-Raten und Betriebsstörungsbingo inklusive (erstmals in der Bingo-Geschichte gewann jemand mit null Punkten). Schön war’s, wurde mir zugetragen.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Diesmal ist nicht das Coronavirus schuld: Wegen einer instabilen Ufermauer musste der legendäre Yaam-Club kürzlich innerhalb weniger Stunden sein Gebäude räumen. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg stuft eine Mauer entlang der Spree als einsturzgefährdet ein. Die Betreiber fürchten nun endgültig um ihre Existenz und werfen dem Bezirk vor, die Sanierung der Wand jahrelang verschleppt zu haben.
Manche mögen’s heiß: Australische Forscher haben 75 Millionen englischsprachige Tweets analysiert und herausgefunden, dass auf Twitter deutlich weniger herumgeschimpft wird, wenn es wärmer ist. Von sommerlicher Freundlichkeit habe ich leider noch nichts mitbekommen. Was mache ich falsch?
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Mich kotzt die Verlogenheit der Erwachsenen an!“
Das sagt Klima-Aktivistin Franziska Heinisch. Sie ist eine der neuen Radikalen, die Kollege Armin Lehmann vorstellt – heute im gedruckten Tagesspiegel und im E-Paper.
Tweet des Tages
Wie geht's eigentlich Philipp Amthor?
Stadtleben
Lesereise – Vom Fernweh geplagt? Macht nichts, denn wir nehmen Sie im Checkpoint jeden Tag mit auf eine Reise in Buchform. Heute mit einer Empfehlung von Suse Schröder, Mitarbeiterin der Friedrichshainer Kiezbuchhandlung Lesen und lesen lassen, die den neuen Roman von Richard Russo am liebsten an einem Strand weggeschmökert hätte: „‚Jenseits der Erwartungen‘ (2020, DuMont Verlag) spielt auf Martha´s Vineyard, einer Insel von Massachusetts, wo drei alte Freunde nach vier Jahrzehnten ein gemeinsames Wochenende verbringen. Teddy, Lincoln und Marlon verloren dort nach dem Studienabschluss die Frau, in die sie alle verliebt waren. Während gemeinsamer Ausflüge kommen sie sich langsam wieder näher. Das Rätsel um ihre Jugendliebe und die Reflektionen zu den gelebten Leben sind spannend und leichtfüßig erzählt.“
Die Rezension von Christoph Schröder im Tagesspiegel finden Sie hier – und wer jetzt schon überzeugt ist, kann bei uns bis 12 Uhr ein Exemplar gewinnen.
Uraub ganz nah – Das Buch passt wunderbar in die für einen Ausflug nach Kladow gepackte Badetasche. Dieser dörfiche Ortsteil am südöstlichsten Zipfel Spandaus liegt direkt am Wannsee. Am besten kommt man dort vom S-Bhf Wannsee aus, immer zur vollen Stunde, mit der BVG-Fähre hin, ein Fahrrad darf gern mit (Mo-Fr 6-21, Sa 7-21, So 10-21 Uhr). Die Fahrt übers Wasser bietet eine neuen Blickwinkel auf das Strandbad und die Wannsee-Villen. Zu Fuß ca. zehn Minuten vom Anleger entfernt, liegt der Gutspark Neukladow. Dort lässt es sich bei Kaffee und einem Stück Kuchen vom Gutshauscafé sehr gut lesen (Mo-So 11-17 Uhr). Wer sich danach abkühlen möchte, springt in den Groß Glienicker See, der ist in etwa 15 Minuten mit dem Fahrrad erreichbar.
Mehr Urlaubsideen vor der Haustür finden Sie täglich neu auf tagesspiegel.de.
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Wie erlebt man Berlin als Schwarze Frau? Was kann man tun, um rassistische Strukturen aufzubrechen? Und sollten wir mit Rechten reden? Darüber spricht Redakteurin Ann-Kathrin Hipp in der neuen Folge des „Tagesspiegel Checkpoint“-Podcasts mit der Dokumentarfilmerin und Autorin Mo Asumang. Jetzt hören auf Tagesspiegel.de, Spotify und Apple Podcasts.
Essen – Das Friedrichshainer Café Casero in der Neuen Bahnhofstraße 21 bietet süße und deftige Frühstücks- und Mittagsspeisen an. Süß ist zum Beispiel das „Frühstück Paris“ (3,90 Euro), bestehend aus einem Croissant, hausgemachter Marmelade, Butter und Obst. Richtig satt macht das herzhafte „Frühstück Istanbul“ (6,90 Euro) aus Rührei mit Knoblauchwurst, Tomaten, Paprika, Oliven, Hirtenkäse und einem Brotkorb. Mo+Mi-Fr 9-15 Uhr, Sa+So 9-14 Uhr, S-Bhf Ostkreuz

Trinkkultur unterstützen – Als Martin Schuffenhauerdie Filmkunstbar Fitzcarraldo 2004 in Kreuzberg eröffnete, verlieh er hauptsächlich DVDs. Heute sind es nur noch rund 30 am Tag, am meisten verdient er mit dem Verkauf von selbstgemixten Cocktails und Bier. Die restlichen 12.970 Filme, die sich derweil bis zur Decke stapeln, gehören zur Deko, ebenso wie die Blumengirlanden, die Diskokugel und die mit Silberspray besprühte Birken. Letztere stellen momentan den Abstand zwischen den Tischen sicher. Schon zur Eröffnung war ihm klar, dass das DVD-Geschäft endlich ist, weshalb er die Videothek auch als Bar konzipierte. Seine Stammkunden halten ihm auch nach dem Corona-Lockdown die Treue: „Das Publikum besteht aus Leuten jeden Alters, die angenehmsten, die du dir denken kannst“, sagt Schuffenhauer. Er freut sich, wenn die Musiker*innen ihrer Hausband, dem „Fitzcarraldo Rhythm Orchestra" wieder nach Deutschland einreisen dürfen. Dann ist ein Konzert auf der Terasse geplant. Mo-So 17-6 Uhr, Reichenberger Str. 133, U-Bhf Görlitzer Bahnhof
Das ganze Stadtleben – mit täglich neuen Ideen für den spontanen Urlaub vor der Haustür – gibt's mit Checkpoint-Abo.
Wieder hingehen – Die von Dr. Motte und Rave The Planet organisierte Ausstellung „We Did It With Love“ zeigt Relikte der Loveparade. Zu sehen sind sie im ehemaligen Garten des Tresors in Mitte. Der Eintritt ist frei. Leipzigerstraße 130, Mo-Sa 10-20 Uhr, S-Bhf Potsdamer Platz
Highlight in Charlottenburg ist derzeit eine Agave, die im Schlosspark zu blühen droht. Das Besondere daran: Die Agave mexicana treibt nur alle 40 bis 100 Jahr aus, und das am ehesten in den heißen und trockenen Regionen Mexikos und den USA. In Berlin gelang dieses florale Kunststück nun schon das zweite Mal innerhalb von zwei Jahren. Das muss an der berühmten Berliner Luft liegen.
Apropos Mexiko: Vor genau 500 Jahren markierte die Ermordung des Aztekenherrschers Moctezuma durch die spanischen Eroberer den Untergang des Aztekenreiches. In „Cortez The Killer“, einem seiner bekanntesten Songs, zeichnete Neil Young 1975 ein poetisches Bild des Verhängnisses. Mit den unheilverkündenden Versen „He came dancing across the waters / with his galleons and guns“ besingt er, nach einem epischen Gitarrenintro, mit altersloser Stimme den Antihelden Hernán Cortés. Schöner ist selten ein Massenmörder in die Musikgeschichte eingeführt worden. Youngs Album „Zuma“ mit „Cortez The Killer“ ist (wie alle Platten von ihm) kostenlos zu streamen unter https://neilyoungarchives.com/ . (Ein Tipp von Ticjekt-Kollege Jörg Wunder.)
Last-Minute-Diskussion – Um Protest 2020 geht es im heutigen taz-Talk. Der Journalist Peter Unfried spricht mit dem Autoren und Soziologen Armin Nassehi, der vor Kurzem sein Buch „Das große Nein“ herausgebracht: Was kann Protest? Und wie unterscheiden sich guter und böser Protest? Um diese Fragen geht es ab 18:30 Uhr im Livestream auf der taz-Homepage.
Exklusive Plätze gewinnen – Es ist Fashion Week und wie so vieles findet die Modemesse virtuell statt. Was 2021 von ihr in Berlin noch übrig bleibt, ist unklar, aber eine, die der Krise zum Trotz eine Live-Show auf die Beine gestellt hat, ist Modedesignerin Anja Gockel. Ihre Sommerkollektion „Asuka“ zeigt sie heute um 15 und 19 Uhr im Hotel Adlon. Zwar ohne Aftershowparty, aber dafür mit der richtigen Einstellung: „Take the hit as a gift“. Damit am Runway alles glatt läuft, bekommt jeder Gast eine von Gockels Communitymasken. „Asuka“ bedeutet übrigens so viel wie „der Duft von Morgen“ – eine süße Verheißung auf die wiedererwachende Kreativwirtschaft. Für die Show um 15 Uhr haben wir zwei Plätze für Checkpoint-LeserInnen organisiert, die wir bis 10.30 Uhr verlosen. Wer nicht dabei sein kann, findet die Show ab 19 Uhr hier im Stream.
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Masha Slawinski einen fabelhaften Dienstag!
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt's unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Von weitem sieht es so aus, als gäbe es auf dem Kleinen Wall (liegt hier in der Havel bei Spandau) mehr Wochenenddomizile als Quadratmeter: Das gesamte Nord-Ost-Ufer der winzigen Insel ist vollgepackt mit Lauben und Häuschen. Davor im Wasser bietet ein großes Schild „Frühstück“ an, doch der untere Teil („ab 10 Uhr geöffnet“) ist fett überklebt mit dem mit Hinweis: „Privatgrundstück – Betreten verboten“. Das Restaurant „Zur Liebesinsel“ empfängt schon lange keine Gäste mehr. Und selbst die kleine Schwanenfamilie heißt unser Floß (auszuleihen z.B. beiHuckleberrys) nicht gerade gastfreundlich an der Insel willkommen. Naturkundlich ist hier nicht viel los, sagt Wildtierexperte Derk Ehlert, auf den Dalben im Wasser rundherum allerdings schon: Es gibt Kormorane und allerlei Arten von Möwen, darunter ein Sturmmöwenpaar, das jedes Jahr aufs Neue hier brütet. Den Spitznamen „Liebesinsel“ haben dem Kleinen Wall allerdings nicht die paarungsfreudigen Tiere eingebracht, sondern ebensolche Soldaten, die sich um 1900 hierher zurückzogen. Ob es damals Frühstück gab? Checkpoint-Wertung: 1 von 5 Punkten.
Berlin heute
Verkehr – Mühlenstraße (Pankow): Aufgrund einer Gashavarie ist es bis auf Weiteres nicht möglich, nach rechts in die Breite Straße abzubiegen.
Hämmerlingstraße (Köpenick):In beiden Richtungen gesperrt zwischen Am Bahndamm und Seelenbinderstraße (bis Ende September), Fuß- und Radverkehr frei.
Kreuzung Lipaer Straße/ Holbeinstraße/ Augustastraße (Lichterfelde): Bis Anfang August wegen Leitungsarbeiten gesperrt, Fuß- und Radverkehr frei.
Grenzallee (Neukölln): Von ca. 9 Uhr an steht zwischen Neuköllnische Allee und Sonnenallee bis Ende Juli nur ein Fahrstreifen in jeder Richtung zur Verfügung.
Demonstration –In der Zeit von 9 bis 14 Uhr hat der uni-assist e.V. eine „Warnstreikversammlung“ mit ca. 50 Teilnehmenden auf dem Tempelhofer Feld angemeldet (Eingang Oderstraße, auf der Grillfläche). Der Verein prüft Studienbewerbungen aus aller Welt, die sich an deutsche Hochschulen richten. Mit „Klöckner-Masken“ demonstrieren ca. 30 Aktivisten der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ auf dem Pariser Platz „gegen europäische Agrarpolitik“ (9.30-11 Uhr). Am gleichen Ort plant der ALS-mobil e.V. eine Protestaktion, die „Menschen mit Intensivpflegebedarf vor der drohenden Unsichtbarkeit bewahren“ soll (12-18 Uhr, 50 Teilnehmende). Auf dem Bebelplatz regt sich außerdem Protest „gegen die anhaltenden Schließungen der Hochschulbibliotheken, insbesondere der juristischen Fakultät“ (12-14 Uhr, 30 Teilnehmende).
Gericht – Ein 23-Jähriger, der seinem Vater während einer Auseinandersetzung auf einem Laubengrundstück ein Messer in die Schläfe gerammt haben soll, muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten (9.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 217).
Heimuniversität – Zeit ist eine knappe Ressource, besonders im Homeoffice. In dem dreistündigen Onlineworkshop „Produktiv im Homeoffice” reflektieren Mitarbeitende und Forschende der Freien Universität ab 9 Uhr via Zoom über ihr eigenes Zeitmanagement und lernen dieses effektiver zu gestalten.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Martin Becker (59), Musiker, „Keyboarder bei Karat“ / Uwe Kliemann (71), ehem. Fußballspieler und -trainer / Sebastian Luding, „Die Veteranen der AIDA Crew senden herzliche Glückwünsche zum Jubeltag“ / Björn Seeling (52), „Checkpointer und Berlin-Redakteur – Alles Liebe vom Team!“ / Daniela Schulte (38), Schwimmerin und mehrfache Paralympics-Siegerin in der Startklasse S11 / Volker Zerbe (52), ehem. Handballspieler, Sportkoordinator bei den Füchsen Berlin / Hartmann von der Tann (77), Journalist, ehem. ARD-Chefredakteur
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Peter Bartsch, * 4. Juli 1948, Gründungsmitglied des FC Internationale Berlin / Jutta Ginzkey, * 27. Oktober 1941 / Klaus Lehmann, * 6. Januar 1946 / Katharina Meyer, * 23. Mai1921, langjährige Mitarbeiterin der Berliner Museumsinsel / Dipl.-Ing. Jörg Rathnow, * 25. Januar 1952, Architekt / Dieter E. Zimmer, * 24. November 1934, Übersetzer Autor, Journalist
Stolperstein – Ernestine Simson (Jg. 1888) lebte in der Lessingstraße 8-10 in Mitte. Heute vor 81 Jahren nahm Sie sich das Leben.
Encore
Immer im Einsatz: Innensenator Andreas Geisel diskutiert mittlerweile schon auf Facebook die Feinheiten des neuen Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG). Unter einem kritischen Post der Gewerkschaft der Polizei (GdP), stellt Geisel – privat – klar:
„Ich schlage vor, einfach mal das Gesetz zu lesen, über das hier so hergezogen wird. (…)
Etwas weniger Aufregung täte der Diskussion gut. Das LADG ist kein Gesetz gegen die Polizei. Es ist ein Gesetz gegen Diskriminierung. (…)
Idealerweise werden wir das Gesetz nicht brauchen, weil sich alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes an die Gesetze halten und ohne zu diskriminieren ihre Arbeit tun.“ (…)
Etwas weniger Aufregung täte gut – tja, diesen Satz sollten sie mal bei Ikea als Wandtattoo verkaufen.
In diesem Sinne: Starten sie unaufgeregt in den Tag. Morgen schreibt Ihnen hier Lorenz Maroldt wieder aus der schönsten Stadt, wo gibt.