heute erscheint eine Extra-Ausgabe des Amtsblatts (unsere Berliner Lieblingslektüre) – einziger Inhalt: die „Sechste Verordnung zur Änderung der SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“ („Aufgrund des § 32 Satz 1 und 2 in Verbindung mit § 28 Absatz 1 und § 28a Absatz 1…“ usw.) – zusammengefasst in einer Überschrift der Tagesspiegel-Berlinredaktion: „Fußpils, Schmökern, Haare schön“.
Was ab wann genau erlaubt ist und was nicht, haben Julius Betschka, Silvia Perdoni und Ingo Salmen für Sie zusammengefasst.
Zehn Tage vor der Teilöffnung der Schulen (22.2.) meldete sich gestern auch die zuweilen nur schwer zu erreichende Plattform „Lernraum“ mit einem „Service-Tweet“ zu Wort: „Aufgrund einer Wartung bei unserem Provider wird der Lernraum heute Abend ab 22 Uhr für ca. 10 Minuten nicht zur Verfügung stehen.“ Puh… hoffentlich wussten die betroffenen Schüler:innen mit der überraschend gewonnen Zeit an einem Freitagabend etwas Sinnvolles anzufangen.
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Apropos Schule, apropos Lernraum: Berlins Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk wirft der Bildungsverwaltung erhebliche Versäumnisse bei der Digitalisierung der Schulen während der Pandemie vor. Dem Checkpoint sagte Smoltczyk, sie habe im vergangenen Jahr mehrmals ihre Hilfe angeboten. Dies sei jedoch lange ignoriert worden. So nutzten Schulen heute digitale Dienste, die nicht datenschutzkonform sind: „Als dauerhafte Lösung ist das nicht hinnehmbar – dieser Zustand muss so schnell wie möglich beendet werden.“ Smoltczyk beklagt, dass sie nicht beziehungsweise erst sehr spät in die Entwicklung und die Beschaffung der Lernplattformen „Lernraum“ und „Itslearning“ eingebunden war.
Die Bildungsverwaltung widerspricht: „Es hat seit Sommer 2020 permanent Gespräche und Kontakte gegeben, sowohl auf Arbeitsebene als auch mit der Staatssekretärin.“ Auf die Checkpoint-Frage, welche an Schulen verwendeten digitalen Produkte nicht den datenschutzrechtlichen Bestimmungen entsprechen, antwortete Verwaltungssprecher Martin Klesmann so: „SenBJF hat der Datenschutzbeauftragten eine umfassende Zusammenstellung aller an Schulen eingesetzten Systeme (BBDI hatte dies auch so angefordert) übersandt, in der Hoffnung darauf, eine Whitelist zu erhalten. In einem fünfseitigen Antwortschreiben wurde dann erklärt, warum die BBDI uns keine Auskunft über die Datensicherheit geben kann und SenBJF selbst prüfen müsste.“
Tja, sieht so aus, als bräuchten beide Seiten da mal eine abhörsichere Leitung, um die Angelegenheit in aller Ruhe zu besprechen. (Mehr dazu am Sonntag im Tagesspiegel).
Und nochmal Schule: Der Verzicht auf die Präsenzpflicht ist zwar bei unserer Tochter Emma (16) gut angekommen – aber für andere wird die pragmatische Lösung zum Problem: LehrerInnen müssten sich wegen des gleichzeitigen Präsenz- und Distanzunterrichts jetzt eigentlich zweiteilen können. Wenn sie das doppelte Gehalt bekämen, wären manche dazu vielleicht sogar bereit.
Dass wir zurzeit nicht von Müller oder Merkel regiert werden, sondern vom Zufall und dem Konjunktiv II, zeigen die Schlagzeilen der vergangenen Tage und Wochen. So sagt unser Regiermeister (als MPK-Chef derzeit auch wichtigster Länderfürst): „Wir hätten im Oktober, November härter bleiben müssen auf unserem Weg.“ Und Franz Stahl, Bürgermeister von Tirschenreuth, dem alten und neuen Corona-Hotspot Nr.1 (Inzidenz 347), meint: „Man hätte viel früher mit Schnelltests an der Grenze beginnen müssen.“
Denn auch, wenn die Werte in Berlin (62) und deutschlandweit (67) langsam sinken, verbreiten sich bei uns die hoch ansteckenden Virus-Mutanten immer weiter – allein in den Berliner Landeskliniken wurden 109 Fälle der britischen Variante B117 festgestellt, und für das Spandauer Vivantes-Krankenhaus gilt seit gestern deswegen ein Aufnahmestopp (andere Kliniken dürfen ab sofort wieder planbare Operationen vornehmen, entschied das Verwaltungsgericht). Hätte sich das verhindern lassen? Es kommentiert Peer Steinbrück: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“
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Das bevorzugte Verkehrsmittel der diversen Virusvarianten ist das Flugzeug. Zwar gelten die Maschinen selbst bisher als relativ sicher in Bezug auf Neuinfektionen („Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung scheint eher gering zu sein“, erklärte gestern das RKI auf Checkpoint-Anfrage, und Lufthansa-Sprecher Helmut Tolksdorf teilte uns mit: „Es ist uns bislang kein Fall bekannt, bei dem Fluggäste sich nachgewiesenermaßen an Bord eines Fluges von Lufthansa infiziert haben“); doch dass die Airlines das Virus transportieren, bestreiten sie nicht einmal selbst. Das zeigen auch zwei interne Schreiben des Lufthansa-Managers Ola Hansson, die dem Checkpoint vorliegen:
Am 05.02.21 schreibt Emergency Director Hansson: „Unser Flugprogramm bleibt weiter auf niedrigstem Niveau. Wir halten quasi nur noch Strecken aufrecht, die als systemrelevant und absolut notwendig gelten. Aufgrund der Reiserestriktionen mussten die Verkehre nach Südafrika und Portugal reduziert werden. Anders UK und Brasilien: Trotz Mutationsgebiet bleibt die Nachfrage dort stabil.“
Und am 11.02.21 teilt Hanson als „Update aus dem Lufthansa Group Krisenstab“ den Kolleginnen und Kollegen über die Verbindung nach Shanghai überraschend mit: „Auf der Strecke FRA-PVG (LH 728) wurden uns die Verkehrsrechte für Passagierflüge entzogen, nachdem der Grenzwert positiv getesteter Gäste bei Einreise in China überschritten wurde (Anmerkung: die Passagiere waren bei Abflug in Frankfurt negativ).“ Die Strecke wird zwar noch beworben (515 Euro), zu buchen ist sie aber nicht mehr.
Auch unter FlugbegleiterInnen ist das Virus ein ständiges Thema. Nicht alle gehen damit so locker um wie ein Crewmitglied, das von einem „Kontakt zu einem Passagier, der mit der Mutation von Frankfurt nach München mitgeflogen ist“, berichtet – und nach der anschließenden Quarantäne in einem Post mit Smiley verkündet: „Weiter geht’s!“
Intensivpflegerin Melanie Baier arbeitet auf einer Corona-Station der Charité, und was sie dort seit Monaten erlebt, hat sie Ann-Kathrin Hipp für unseren Checkpoint-Podcast „Eine Runde Berlin“ erzählt. Ein Gespräch, das die Menschen hinter den Zahlen hervortreten lässt – es geht um unberechenbare Krankheitsverläufe, die psychische Belastung und den Pflegenotstand. Auszüge:
+ „Wenn wir in einer Schicht drei Todesfälle bei 15 Patienten haben, ist das schon heftig.“
„Die Leute, die jetzt bei uns liegen, sind im Durchschnitt um die 60, 70. Wir hatten aber auch schon welche Anfang 20.“
+ Über die Psychologin, die seit einigen Wochen die Pflegekräfte betreut, aber auch Patienten und Angehörige per Video zusammenbringt: „Das ist super. Das Wichtigste für die Leute ist der Halt aus der Familie und nicht irgendwelche fremden Leute, die voll vermummt zu ihnen kommen.“
+ „Alle sind in Habachtstellung wegen der Mutation.“
Zum Tagesspiegel-Podcast mit Melanie Baier geht es hier. (Auch für Spotify-Nutzer und via Apple Podcasts verfügbar.)
Telegramm
Die Geschichte des BER muss umgeschrieben werden: Jahrelang gingen wir davon aus, dass jeder Tag seit Nichteröffnung 2012 bis zum Oktober 2020 die Flughafengesellschaft ziemlich genau 1 Million Euro gekostet hat. Doch jetzt spricht FBB-Finanzgeschäftsführerin Aletta von Massenbach von mehr als 4,5 Milliarden Schulden, und: „Davon kommen mehr als vier Milliarden aus der Zeit vor Corona, von dem zu langen und zu teuren Bau des BER.“ (Q: „Morgenpost“) Na, da berufen wir doch gleich mal ein Sonderseminar „Mathe mit dem Checkpoint“ ein – und stellen fest: Jeder der 3073 Tage hat inzwischen mindestens 1,3 Mio gekostet (exakt: 1.301.659,61601). Mal sehen, wie viel es im kommenden Jahr sein werden.
Der CDU-Abgeordnete Stephan Standfuß (no name-jokes, please, schon gar nicht am heutigen „Ändere Deinen Namen“-Tag) bringt Bewegung in die Olympiadebatte – sein Vorschlag: Wenn Tokio dieses Jahr wieder ausfällt, soll Berlin eine Ersatzveranstaltung für die deutschen Sportler austragen. Höhepunkt dürfte der Corona-Staffellauf sein – jeder gibt’s schnell weiter, dabei sein ist alles (und das für alle).
Hubert Burda gilt als besonders kunstsinniger Verleger: Eine Million Euro stiftete er für nachgebildete Figuren am Humboldtforum (Glaube, Liebe, Hoffnung, Gebet) – auch sein inzwischen in Berlin beheimateter „Focus“ hatte darüber berichtet. Doch für das Kulturressort des Magazins waren Glaube und Liebe vergebens, Gebete haben nichts genutzt, die Hoffnung ist dahin – ein Fall fürs Medienmuseum: Nur die Ressortleitung darf bleiben, alle anderen müssen gehen. Es kommentiert Hermann Hesse: Allem Ende wohnt die Trauer inne.
Gestern früh schüttelte Stefan Jacobs hier im Checkpoint die besten Berlin-Meldungen noch locker aus seiner Hand – kurz darauf war sie gebrochen: Rodelunfall (und das ausgerechnet an einem der Hügel, die wir hier empfehlen). Stefans Humor ist allerdings ungebrochen: Die schlechte Nachricht übermittelte er einhändig im Slackkanal von Team Checkpoint unter dem Betreff „+++BREAKING+++“. Wir wünschen alles Gute für die OP und schnelle Heilung!
Gemeinsam mit Checkpoint-Producer Florian Schwabe, Twitterer Peter Jochum und dem Family-Background-Chor hatte Stefan Jacobs hier gestern in offenbar übler Vorhersehung ein paar zeitgenössische Downs gesammelt – wir erinnern uns… Bahn entgleist: Lokdown. Uhr kaputt: Clockdown. Keine Lust: Bockdown. Loch im Strumpf: Sockdown. Chinapfanne leer: Wokdown. Star Trek II: Spockdown. Gummizug kaputt: Rockdown. Schlechtes Wetter: Frogdown. Notfallpause für Mitfahrerinnen: Hockdown. Wirecard: Zockdown.
Am Nachmittag kamen noch ein paar dazu, und zwar von Checkpoint-Leser Matz Wietheger: „Gartenzaun umgestürzt: Pflockdown. Seelenwärmer aus der Hand gefallen: Grogdown. Der Hahn ist tot: Cockdown. Gini ist müde: Dogdown.“ Falls Ihnen dazu auch noch was einfällt: Bis zum 1. März (Öffnung der Friseursalons aka Locke down) sammeln wir weiter unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Übrigens: Wie hoch das Ansteckungsrisiko beim Friseur ist (und u.a. auch in Geschäften und Schulen, Theatern und Kinos, Fitness-Studios, Bussen und Büros) haben Forscher der TU untersucht. Julia Bernewasser kennt die Studie und stellt sie Ihnen hier vor.
Wichtiger Hinweis für alle Räuber, die sich an ihrem Erstwohnsitz (Wald) vor Verfolgung sicher wähnen: Berliner Förster dürfen mit ihren Flinten auch Verbrecher jagen – steht jedenfalls im neuen Amtsblatt (S. 377).
Das BA Friedrichshain-Kreuzberg will die Mehringplatz-Anwohner „empowern“ – wer sich das zutraut (Ausschreibung ist raus), bekommt bis Ende 2023 dafür 190.000 Euro inkl. Schmerzensgeld.
Wer „Amt, aber glücklich“ sein will in Berlin, muss früh aufstehen, wie Stephan Roch gerade festgestellt hat: „Heute 7:31 freien Termin gebucht, 8:07 noch vor Termin freundlich und coronakonform zum Platz gelotst. Personalausweis beantragt, 8:15 schon wieder draußen.“ Aber freuen Sie sich nicht zu früh: Normal ist das nicht (Stand heute morgen: keine Termine verfügbar, Betonung auf „keine“).
Falls Sie den „Fabrikbesitzer Herr Max Krüger“ kennen (müsste heute so ungefähr 150 Jahre alt sein): Sagen Sie ihm bitte Bescheid, das Amtsgericht Tempelhof Kreuzberg sucht ihn (AZ 70 II 01/21) – es geht um eine Hypothek in der Taborstraße 20 über 9875 Goldmark
(504,90 Euro).
Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller wird heute 70 – und hat einen Tipp: „Aufgefallen ist mir, dass die Friedhöfe jetzt übervölkert sind. Das illegale bis halb legale Leben hat sich dahin verlagert. Da werden Sixpacks Bier hingeschleppt, die Junkies haben sich dahin verkrümelt, auf Friedhöfen ist richtig was los! Mehr Lebende als Tote, die attraktivste Location im Moment.“ Na, dann nichts wie hin, bevor es zu spät ist. (Q: Interview mit Gerrit Bartels im Tagesspiegel).
Von Sonntag an nimmt die Jury des „Farbe-bekennen-Awards“ wieder Bewerbungen an – unter dem Motto „Weltklasse“ werden in diesem Jahr erstmals Kinder und Jugendliche ausgezeichnet, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, heute in Berlin leben und sich hier durch ihr freiwilliges Engagement hervortun. Alles Weitere dazu steht hier.
Nachtrag zu Meldung „Marathon-Wahl“ (CP von gestern) – der SCC teilte uns dazu gestern mit:
„Der Termin des BMW Berlin-Marathon 2021 wurde bereits Ende Juni 2020 festgelegt und veröffentlicht. Zudem hat der Geschäftsführer von SCC Events, Jürgen Lock, das Bundespräsidialamt und somit den Bundespräsidenten bereits Ende Oktober/Anfang November 2020 über den Termin in Kenntnis gesetzt. Wir haben aber bei der Festlegung unseres Termins die Möglichkeit einer parallel stattfindenden Wahl in unsere Planung mit einbezogen.“
Übrigens: Auch 2017 fanden die Bundestagswahl und der Marathon am selben Tag statt. Es gewann bei den Männern Eliud Kipchoge mit 2:03:32 Prozent, bei den Frauen Gladis Cherono (2:20:23 Prozent). In der Politikwertung siegte die Union mit 32,9 Kilometern vor der SPD (20,5 Kilometer). Von der Zuschauertribüne aus kommentierte Christian Lindner die Ereignisse so: „Es ist besser, nicht zu laufen, als falsch zu laufen.“
Wochniks Wochenende
Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.
48h Berlin
Samstagmorgen – Der diesjährige Karneval ist Ausnahmezustand im Ausnahmezustand – eine Doppelung, die sich mitnichten selbst wieder aufhebt. Darum kommt es auch nicht so sehr darauf an, ob die zu verspeisenden Berliner Berliner heißen, Krapfen oder Donuts. Wie bei Brammibal's Donuts, wo es dieses Wochenende einen Karnevals-Berliner namens „Valentines Donut“ (3,25 Euro) gibt, mit getrockneten Rosenblättern und Herzstreuseln. Offenkundig lassen sich mit ihm nicht nur karnevalistische Bräuche begehen, sondern auch der morgige Valentinstag. Wer den gerne mit einem besonderen Tropfen zelebriert, findet in der Neuköllner Okerstraße 35 eine neue Perle für die Trüffelschweine unter den Oenolog:innen: Treat, vermutlich vom englischen „treat yourself“, neuköllnisch „gönn dir“. Der kleine, auf Naturwein spezialisierte Weinladen pflegt enge Beziehungen zu einer Auswahl sehr interessanter Winzer. Naturwein heißt hier wild, möglichst ohne Zusätze, ungefiltert, so nah an der Traube wie eben möglich. Gemeiner Supermarktwein ist all das übrigens nicht, und den Unterschied schmeckt (und bezahlt) man. Geöffnet Sa 12 bis 19 Uhr, Mo, Do & Fr 15 bis19 Uhr.
Samstagmittag – Dem Schwindel, auch Vertigo, hat Alfred Hitchcock mit seinem gleichnamigen Film ein Denkmal gesetzt. Im Theater Thikwa wird der Stoff in die Gegenwart übertragen. Das Oben und Unten der Höhenangst werden dabei zum Innen und Außen, denn in der Adaption von Max Edgar Freitag und Frank Schulz geht es um Autismus. Nicht um das angeblich so Andersartige des Autismus, sondern genau andersrum, um den Schwindel, der dadurch entsteht, aus dem unendlich verästelten Innern auf die sonderbare Draußenwelt zu schauen. Die Vorstellung beginnt um 18 Uhr im Stream, Tickets kosten 5 bis 10 Euro, je nach persönlichem Solidaritätsempfinden. Wahlweise mit Audiotranskription für blinde und sehbehinderte Menschen.
Samstagabend – Die erste Premiere des Jahres in der Staatsoper gelangt über Livestream oder, etwas zeitversetzt, um 20.15 Uhr über 3sat.de in die Berliner Haushalte: Leoš Janáčeks „Jenůfa“ handelt von verschmähter Liebe, rigider Moral und der Tragik, die die beiden hervorzubringen im Stande sind. Perfekte Einstimmung auf den Valentins-Sonntag.
Sonntagmorgen – Klar, am besten schenkt man sich zum Valentinstag Zeit, Geborgenheit, unternimmt was Schönes, schreibt einen Brief, ein Lied oder Gedicht und trägt sich gegenseitig auf Händen. Oder man schenkt sich einfach was Teures. Zum Beispiel Kunst, die mit der Zeit auch noch im Wert steigen könnte. Die von Eugenio Recuenco hat gute Chancen (ohne Gewähr), denn von Ferne und bei flüchtigem Blick muten seine Märchenbilder geradezu klassisch und überdies gefällig an, Sujet, Farben und Licht könnten aus einer anderen Zeit stammen. Bei näherem Hinsehen aber bieten sie genau den richtigen Grad Verstörung im Detail, um interessant zu wirken.
Sonntagmittag – Die Welt steht bekanntlich schon kopf, was spricht also dagegen, am Sonntag auf Shopping-Tour zu gehen? Und zwar, weil doch so viel Romantik in der Luft hängt, in den Musikalienhandel, der „ein Ort voller Nostalgie und Erinnerungen an größenwahnsinnige Jugendträume, Tummelplatz schüchterner Spät-Anfängerinnen und nerdiger Profimusikerinnen“ ist. Wer Musikinstrumente kauft, kauft schon mal den Traum eines neuen Ichs, das im Rampenlicht aufgeht und Herzen erobert – vorzugsweise zum Sonderpreis. Des Stoffs, aus dem die Träume sind, hat sich Komponist* Neo Hülcker angenommen und ein Online-Musiktheater mit Teleshopping-Elementen geschaffen. „Das Musikgeschäft“ läuft um 14 Uhr im Stream aus dem Radialsystem, Tickets ab 10 Euro.
Sonntagabend – 53 Prozent aller Berliner Haushalte sind Single-Haushalte, so gesehen ist heute niemand allein. Außerdem ist die Gegenwart hustender, sich räuspernder, laut däumchendrehender anderer beim Musikhören erfahrungsgemäß nur störend. Daher empfiehlt sich zum Wochenendeende gerade für Singles der virtuelle Besuch des Zürcher Opernhauses (Stream über arte, Premiere am Samstagabend) bei ausgeschaltetem Licht oder Kerzenschein, in Sessel oder Badewanne gefläzt, ein Glas Naturwein (siehe oben) in der Hand. Schuberts Winterreise erzählt von einem*, der die Liebe zurücklässt, um in Begleitung des „Mondenschattens“ durch die schneebedeckten Lande zu ziehen. Dieser Gipfel romantischer Einsamkeitsverklärung wird als Ballett dargeboten, was gerade aus bequemer Fläzhaltung betrachtet die endspannendste Wirkung entfaltet.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. In diesen Zeiten bleibt er jedoch lieber im heimischen Bau und kocht, aus Gründen der Selbsterhaltung, feine vegetarische Gerichte.
„Als Weltbürger bin ich stets interessiert an mir fremden Kulturen, grunze mehrere Sprachen fließend und akzentfrei und darf durchaus von mir behaupten, dem Weltgeschehen zugewandt zu leben. In letzter Zeit nimmt mich allerdings ein Begriff Wunder: Allerorten spricht man ausgerechnet an den kältesten Tagen des Jahres von der Verpfirsichung, englisch ‚Impeachment‘. Dabei ist doch gar nicht Fallobst-Saison. Rätselhaft. Wie dem auch sei, um mich nicht von den Ereignissen überholen zu lassen, tische ich heute etwas mit Pfirsich auf. Und weil, wie ich schon anmerkte, nirgends Fallobst zu finden ist, gibt es eben Pfirsichmarmelade. Die kommt, da ja zugleich auch Karneval ist, in vegane Berliner aus dem Ofen, Breadmaker oder der Fritteuse, Rezepte finden Sie hier und hier. Nur die Marmelade müssen Sie verpfirsichen, wenn Sie nicht wie von gestern wirken wollen.“
Leseempfehlungen
Ins Homeoffice sind die meisten unversehens hineingestolpert, heraus gelangen wir allerdings nicht so schnell wieder. Daher Schluss mit dem Provisorium, sagt Felix Denk (Abo) und teilt einige Weisheiten zum sinnvoll eingerichteten Heim-Arbeitsplatz.
Wie geht es eigentlich unserer Fauna im Winter? Schnee und Kälte seien an sich kein Problem, die Tiere hätten Überlebensstrategien für den Winter entwickelt. Allerdings nicht gegen den Klimawandel. Roland Schulz hat Expert:innen (Abo) gesprochen.
Von der Kälte zum Kalten Krieg: Andreas Conrad (Abo) erzählt vom letzten Berliner Agententausch auf der Glienicker Brücke, voller Pannen und Schusseligkeiten.
Wochenrätsel
Aus welchem Grund musste die Abflughalle des BER-Terminal T1 diese Woche wieder geschlossen werden?
a) weil nicht genug Passagiere durch ihre bloße Anwesenheit die Halle beheizt haben
b) weil es durch ein undichtes Dach hineingeschneit hat
c) weil vereiste Stellen auf dem Hallenboden zu Rutsch-Unfällen geführt haben
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenEncore
Heute ist übrigens auch Welttag des Radios, und passend dazu wollte gestern der Deutschlandfunk wissen, wie denn so unsere Erfahrungen mit „Clubhouse“ sind und ob das nicht zu elitär ist. Also, Sie könne ja gerne mal reinhören am nächsten Mittwoch, wenn Team Checkpoint wieder ab 19 Uhr zum Kneipenabend empfängt. Oder Sie schalten sich am nächsten Dienstag um kurz nach 8 Uhr bei Radioeins ein, zum Dienstagskommentar von Ann-Kathrin Hipp. Tja, wir funken eben überall rein.
Für diesen Checkpoint hat Thomas Lippold mitrecherchiert, Kathrin Maurer war heute früh unsere Produktionschefin. Wir sehen uns hier alle hoffentlich gesund und ungebrochen am Montagmorgen wieder – bis dahin,