Am besten, Sie pumpen heute schon mal Ihr Fahrrad auf und checken die Beleuchtung; oder Sie berechnen Ihren Fußweg zur Arbeit; oder Sie klauen Ihrem Kind das Kickboard. Oder, noch besser: Sie verkriechen sich, denn in Berlin droht morgen der Weltuntergang – ach was, noch schlimmer: Die BVG streikt, und zwar am Freitag von Betriebsbeginn (der ja nicht stattfindet) bis High Noon. Erst dann bekommen wir es wieder mit den normalen Verspätungen und Ausfällen zu tun (auch bekannt als Regelstreik). Tja, vielleicht hätte sich der Senat doch lieber auf einen Flexi-Feiertag verständigen sollen statt auf den 8. März, morgen wäre so ein Joker sicher hilfreich gewesen. Denn die dringend erwarteten Flugtaxis sind erst in sechs Jahren verfügbar.
Übrigens: Das Bild von der Tram-Anzeigetafel am Bahnhof Schönhauser Allee mit der Digital-Ansage „Uns doch egal, wie ihr nach Hause kommt“ (lief gestern wieder gut bei Instagram; ist uralt - aber eben auch ein Evergreen).
Doch heute ist ja erst mal streikfreier Valentinstag (gestern protestierten u.a. Lehrerinnen, Erzieher, Polizistinnen, Feuerwehrleute, Förster), und den stellt die BVG wie immer unter das Motto „Weil wir Dich lieben“ (morgen dann „Weil wir Dich schieben“). Apropos Valentinstag: Die weltberühmte „Hafenbar“ will eine „Mauer der Liebe“ errichten und sucht dafür Fotos von Paaren, die sich in den vergangenen 52 Jahren eben dort kennen und lieben gelernt haben. Gerne mit der dazu gehörenden Geschichte an ahoi@hafenbar-berlin.de schicken.
Wir kommen zur Rubrik „Mathe lernen mit dem Checkpoint“ - gelöst hat die Aufgabe von gestern u.a. unser Leser Björn Lampe von „betterplace“: Die Feierwoche zum 30. Jahrestag des Mauerfalls lässt sich Berlin nicht 10.000.000.000 Euro kosten, sondern 10.000.000 Euro (Lösungsweg: einfach drei Nullen streichen; mehr dazu auch gleich in den „Berliner Schnuppen“ von Naomi Fearn). Durchgefallen ist dagegen der grenzwertige Lungenarzt Dieter Köhler (bekannt aus Rundfunk und TV wegen seiner dieselfreundlichen Stickoxid-Vergleiche) – die „taz“ wies ihm etliche Fehler nach, er selbst gibt zu: „Das ist bisher noch niemanden aufgefallen.“ Jetzt schon.
So, einmal tief einatmen – und raus in die Stickoxide. Denn nur davon, dass die Regierung gestern aus Brüssel grünes Licht für die gesetzmäßige Überschreitung des Grenzwerts von 40 Mikrogramm um 25 % bekam, wird die Luft ja nicht besser, im Gegenteil: Es könnten einige Fahrverbote abgeschafft werden, bevor sie eingeführt sind. Allerdings nicht auf der Leipziger Straße: Dort wurde zuletzt ein Mittelwert von 59 gemessen. Pech für die Nebenstraßenbewohner – legen Sie sich schon mal die Kissen aufs Fensterbrett, das wird interessant.
Gut rechnen muss jetzt auch die Berliner SPD: Sie zieht mit einem Mini-Etat von 236.000 Euro in den Europa-Wahlkampf (Q: Interner Kassenbericht des Landesvorstands). Zum Vergleich: Für die Abgeordnetenhauswahl 2016 wurden noch 1,6 Mio verballert, für die Bundestagswahl 400.000. Ebenfalls aus dem Kassenbricht: Der im vergangenen Jahr aufgeflogene SPD-Finanzleiter hat exakt 51.943,46 Euro veruntreut - er kaufte sich dafür u.a. Kaffeemaschinen, Kühlschränke und anderen Hausrat. Dazu kommt noch ein Arbeitgeber-Darlehen in Höhe von 4.050 Euro. Arme SPD: Stimmen, Stimmung, Scheine - alles weg.
CDU-Fraktionschef Burkard Dregger war nicht zufrieden mit der Darstellung in Tagesspiegel und „Morgenpost“ über den Verlauf der Vorstandssitzung zur Frage „U-Ausschuss Knabe“ (den FDP und AfD beantragen) – in einer internen Mail an die Unionsabgeordneten „übermittelt“ er die „gemeinsame Positionierung“: Forderung nach Akteneinsicht, U-Ausschuss nur als Ultima Ratio in einer „Angelegenheit von überragender Bedeutung“ (wie BER oder Amri). Schlusssatz: „Sollten Bedenken gegen dieses Wording bestehen, so wäre ich im Interesse einer vertrauensvollen Zusammenarbeit dankbar dafür, wenn diese mir und nicht Dritten mitgeteilt würden.“
Post aus dem Verkehrsministerium von Sprecher Wolfgang Ainetter zur Checkpoint-Meldung „Autominister bremst Radfahrer aus“ – er schreibt: „Andreas Scheuer hat nicht auf einem Fahrradstreifen gestoppt. Zudem hat er, wie er mir versichert hat, den kurbelnden Checkpoint-Leser freundlich gegrüßt.“ Und hier noch ein Warnhinweis, ebenfalls direkt aus dem BMVI: „Der ‚Autominister‘ ist in Berlin selbst oft mit dem Rad unterwegs und hat nicht zuletzt deshalb eine Stabsstelle Radverkehr eingerichtet.“ Aha! Und wir hatten uns schon gewundert… Achten Sie also bitte auf die aktuellen Verkehrshinweise im Radio.
Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass Polizist Peter G. nicht schon während seiner tödlichen Unfallfahrt in der Grunerstraße betrunken war (seine Kollegen verzichteten auf einen Alko-Test, weil sie entweder nichts bemerkten oder nichts bemerken wollten), sondern sich die 1,1 Promille erst danach, z.B. im Rettungswagen auf dem Weg in die Charité, jedenfalls aber zwischen Crash und Blutentnahme im Krankenhaus schnell reingeschüttet hat? Die diversen Promillerechner kommen (bei aller natürlichen Unschärfe) zum gleichen Ergebnis: Sehr unwahrscheinlich. Wenn wir davon ausgehen, dass dem Beamten eine Stunde Zeit blieb, hätte er unbemerkt mehr als 10 Schnäpse (0,2 cl) oder vier Flaschen Bier à 0,5 Liter schlucken müssen. Aber weil es wegen mangelnden Interesses der Polizei keine Kontrollprobe gab, wird ihm Trunkenheit beim Unfall kaum nachzuweisen sein.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Wohnen in Berlin I: Katrin Lompscher bittet Bezirke, Senatsverwaltungen und Wohnungsgesellschaften am Dienstag zu einer „Stadtbau-Konferenz“ – Motto: Immerhin haben wir mal drüber geredet.
Wohnen in Berlin II: „Diese Fuzzis kenne ich nicht, und ich lehne persönlich auch Gespräche mit denen ab“, sagt SPD-PGF Torsten Schneider (Q: Hauptausschuss) – es geht (Sie ahnen es sicher) um die „Deutsche Wohnen“, Firmenlogo: Tropfender Wasserhahn.
Wohnen in Berlin III: Wieviel zahlt das Land denn nun für die Schrottimmobilien im Kosmosviertel? Jacopo Mingazzini von der Firma Accentro sagt: „Uns wurden die Wohnungen im März 2016 für 130 Mio angeboten.“ Na das zahlt der Senat doch locker aus unserer Portokasse.
Wohnen in Berlin IV: Im Rahmen unserer Aktion „Wem gehört Berlin“ starten wir eine Umfrage zur Miethöhe – mitmachen können Sie hier. Und heute Nacht haben wir eine Karte aller Berliner Mieterinitiativen freigeschaltet, die hier zu sehen ist.
Immer neue Fußnoten zur legendären Schabowski-PK: Kollege Werner Kolhoff weist auf den weithin unbekannten Journalisten Ralph T. Niemeyer hin, der auch „Ab wann gilt das?“ gerufen haben will. Nette Pointe: Niemeyer heiratete 1997 Sahra Wagenknecht, sprach ihr gegenüber aber nie von seiner Rolle als Mitmaueröffner.
Gerade die Meldung „Belastung durch Pollen nimmt in Berlin wieder zu“ in der „Morgenpost“ gelesen - und schon geht’s los mit der Nieserei. Es kommentiert der Verlegerverband: „Print wirkt.“
Wir kommen zur Welt der Wissenschaft: „Hans, Klaus und Peter sind die häufigsten Professoren-Vornamen“, meldet „Zeit Campus“ – „Susanne“ kommt 212 Mal vor und landet damit als erster Frauenname auf Platz 62. Anfangen können Sie mit diesem Wissen aber nichts (außer auf einer langweiligen Uni-Party).
489 Einkommensmillionäre leben in Berlin, bei 51 von ihnen rückten die Steuerprüfer an, das Ergebnis: Nachforderungen von 23,5 Mio Euro, 21,4 Mio davon in Prenzlauer Berg. Es war einmal ein Arbeiterviertel… (Q: „Berliner Zeitung“, Anfrage MdA Zillich/Schlüsselburg).
Das „Kollektiv Dreimeterturm“ stört nach Auffassung der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten die „kontemplative Winterstarre“ im Park Sanssouci – die Künstler hatten die grauen Schutzverkleidung der Figuren bemalt. (MAZ).
Aufgabe für Journalistenschüler – bringen Sie die folgenden Wörter in einen Kontext für eine Berliner Polizeimeldung: „Schusswaffe, Bootssteg, Schlauchboot, Kajütmotorboot, Polizeihunde, Wasserschutzpolizei, Hubschrauber, SEK, Liebesinsel, Richter, Cannabis, Haftbefehl.“ Der Pressestelle ist das gelungen, wie Sie hier lesen können.
Für die Korrektur zur Meldung „Linas Schule fliegt nicht mehr“ (CP v. gestern) wurden wir zu einer Geografie-Strafarbeit verdonnert – also los: Lichterfelde ist nicht Lichtenrade, Lichterfelde ist nicht Lichtenrade, Lichterfelde ist nicht Lichtenrade… (die anderen 97 Einträge haben wir hier für Sie gekürzt).
Die Beuth-Hochschule möchte ihr Kompetenz-Cluster „Urbane Technologien“ mit den Fächern Bauplanung und Gebäudetechnik nach Schließung von TXL nach Tegel verlegen. Am BER wäre das allerdings besser aufgehoben.
Apropos Flughafen: „Wann wird der BER eröffnet“, fragen wir bei tagesspiegel.de unsere Leserinnen und Leser, mehr als 10.000 haben bereits geantwortet (via Opinary). Aktueller Zwischenstand: 2020 liegt weit abgeschlagen auf Platz 3, auf Platz 2 kommt das Jahr 2027 – und ganz vorne ist die Zeit nach 2035 ff.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Bitte keine Kinder und Hunde mitbringen.“
Aus der Einladung zur Launchparty der neuen Ausgabe unseres Magazins „Berliner“ (erscheint am Sonnabend im Tagesspiegel) – die Begründung: Es handelt sich „um eine Privatveranstaltung in einer Off-Location“. Termin: Freitag ab 19 Uhr. Wo, wird hier nicht verraten, nur so viel: Es handelt sich um einen leicht verölten Ort ganz in der Nähe vom Askanischen Platz. Team Checkpoint ist selbstverständlich dabei, und wir haben auch noch 2 Plätze auf der Gästeliste zum Verlosen reserviert – bitte per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Tweet des Tages
„Auf dem Bahnsteig der U8 am Alex riecht‘s nach Zahnarzt. Unklar, ob irgendwo Chemikalien ausgelaufen sind oder das zum neuen Quartiersmanagement gehört.“
Antwort d. Red.: Nicht nur interessant für all jene, die in der Nacht zu Mittwoch an der Rummelsburger Bucht von einem Hubschraubereinsatz um den Schlaf gebracht wurden.
Stadtleben
Liebe geht durch den Magen – die Floskel sparen wir uns an dieser Stelle mal, denn von Luft und Liebe ist noch niemand satt geworden. Von dem Frühstück im LuLa Deli & Grill allerdings schon. Zum Beispiel mit dem Bio-Rührei, der eigens hergestellten Lachscreme und dem Ziegenkäse mit geröstetem Sesam an einem kleinen Salatbouquet – dazu das noch warme selbst gebackene Brot. Ein liebevoll angerichtetes Menü – nicht nur in Sachen Augenschmaus kann das lichtdurchflutete Café in Friedenau punkten, das neben internationalen Snacks und Hauptgerichten auch jeden Monat neue Frühstückarrangements serviert. Süß klingen diesen Monat die „Verry berry – Pancakes mit Vanillecreme, Himbeer-Soße und frischen Heidelbeeren“ für knapp 8 Euro. Tägl. 9-24 Uhr, Lauterstraße 14, U-Bhf Friedrich-Wilhelm-Platz.
Fruchtig geht es hier gleich weiter mit süßen Cupcakes und Cake-Pops, die noch bis Sonntag ein Valentinskostüm in Herz- und Rosenoptik übergestülpt bekommen haben. Für die kleinen Küchlein mit Cremehaube lässt sich das Team vom Cupcakeladen immer was Neues einfallen, wie zuletzt die Freakshakes für rund 10 Euro. Das sind Milkshakes mit einer guten Portion Sahne, meist gekrönt mit Kuchen, Brownies und einer Handvoll Süßigkeiten. Quasi ein Dessert zum Trinken. Wer jetzt neugierig ist, wie sowas aussieht, kann hier ein Auge drauf werfen. Geöffnet ist Di-Sa 11-18 Uhr, So 13-18 Uhr. Frankenstraße 15, U-Bhf Eisenacher Straße.
Geschenk Manchmal möchte man sich etwas mehr Zeit für die Offlinewelt nehmen und seine Gedanken in ein paar Zeilen niederschreiben. Liebesbriefe zählen natürlich auch. Das R.S.V.P. macht seit knapp 18 Jahren mit seinem kleinen Lädchen in Mitte der haptischen Vielfalt von Papier alle Ehre. Zwischen Notizbüchern, Schönschreibstiften und hochwertigem Papier – verarbeitet als Karte, Kalender oder Dekoblickfang – finden sich hier nicht alltägliche Besonderheiten, ganz ordentlich aufgetürmt und einsortiert in die hell-hölzernen Regale. Die Abkürzung R.S.V.P. steht übrigens für „Répondez s'il vous plaît", also „um Antwort wird gebeten“. Dann mal ran an Stift und Zettel. Mo-Sa 11-19 Uhr, Mulackstraße 14, U-Bhf Weinmeisterstraße.