falls Sie den Eindruck haben, dass heute irgendwie alles drunter und drüber geht: Wundern Sie sich nicht, wir haben den „Tag des Purzelbaums“ – dementsprechend beginnen wir mit einer kleinen Rolle rückwärts und schauen uns mal an, was gestern die Landeswahlleiterin verkündete:
39 Parteien wollen bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus antreten – das sind sechs mehr als beim letzten Mal und zehn mehr, als es Biersorten in Deutschland, England und Belgien gibt. Wir haben sie hier mal alphabetisch sortiert (die Parteien – die Biersorten folgen im Anschluss) – bitte schön:
„Aktion Partei für Tierschutz hier!“, „Alternative für Deutschland“, „Basisdemokratische Partei Deutschland“, „Bergpartei – Die Überpartei (B*)“, „BerlinBrains“, „Bildet Berlin!“, „Bündnis 90/Die Grünen“, „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“, „Christlich Demokratische Union Deutschlands“, „Demokratische Linke“, „Deutsche Kommunistische Partei“, „Deutsche Konservative“, „Die Grauen“, „Die Linke“, „Die Neuen Berlin“, „Die neuen Demokraten“, „Die Republikaner“, „Die Urbane. Eine HipHop Partei“, „Die Pinken/Bündnis21“, „Feministische Partei – Die Frauen“, „Freie Demokratische Partei“, „Freie Wähler“, „Graue Panther“, „Klimaliste Berlin“, „Liberale Demokraten – Die Sozialliberalen“, „Liberal-Konservative Reformer“, „Menschliche Welt – für das Wohl und Glücklich-Sein aller“, „Mieterpartei“, „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“, „Ökologisch-Demokratische Partei“, „Partei der Humanisten“, „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“, „Partei für Gesundheitsforschung“, „Partei Mensch Umwelt Tierschutz“, „Piratenpartei Deutschland“, „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“, „Sozialistische Gleichheitspartei – Vierte Internationale“, „Team Todenhöfer“, „Volt Deutschland“.
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Ok, und jetzt zum Bier – welche Sorten (nicht Marken, da kommen Sie leicht auf 6000) würden Ihnen einfallen? Fangen wir mit denen aus Deutschland an: Altbier, Berliner Weiße, Bockbier, Export, Gose, Helles, Kölsch, Märzen, Oktoberfest-Bier, Pilsner, Rauchbier, Sauerbier, Schwarzbier, Weizenbier, Zwickl (Kellerbier). England: Barley Wine, India Pale Ale, Pale Ale, Porter, Stout. Belgien: Blondbier, Dubbel, Kriek, Lambic & Geuze, Quadrupel, Saison, Trappistenbier, Tripel, Witbier.
Hm, wie kamen wir denn jetzt darauf… ach ja, wegen der „Außengastronomie“, unserem neuen Lieblingswort – gestern nach einem Corona-Test im „KitKat“ bei mir um die Ecke (hier dazu eine schöne Reportage von Nina Breher) haben wir das mal kurz auf der Terrasse vor der „StäV“ getestet (der Anlass: ein Fußballspiel, aber reden wir lieber nicht darüber…). Auf dem Weg dorthin bin ich an mehreren riesigen Restaurantvorbauten aus geschlossenen Plastikplanen entlanggeradelt (Gendarmenmarkt), die ein paar Verordnungsfragen aufwerfen. Hier die Antworten:
Moritz Quiske, Gesundheitsverwaltung: „Gastronomie in geschlossenen Räumen ist untersagt. Das bedeutet, dass es zwar eine Überdachung, aber keine Umschließung geben darf. Geschlossene (Zelt-)Wände sind daher nicht zulässig.“
Matthias Wulff, Wirtschaftsverwaltung: „Inwieweit ein Zeltvorbau Teil der Außengastronomie ist oder nicht, entscheidet das zuständige Bezirksamt.“
Christian Zielke, Bezirksamt Mitte: „Die Bewirtung in einem vollkommen eingehausten Raum (Zelt) ist als de facto Innengastronomie derzeit noch unzulässig. Die Luft muss zirkulieren können. Den Einzelfall kann nur das Gesundheitsamt bewerten.“
Bis zur Bewertung durch das Gesundheitsamt gibt’s hoffentlich besseres Wetter – oder eine so niedrige Inzidenz, dass auch die Innengastronomie wieder erlaubt ist. Ob das „Seaside“ in der künftigen Anton-Wilhelm-Amo-Straße (formerly known as „Mohrenstraße“) seinen imposanten Zeltvorbau behalten darf, ist allerdings noch offen: Die Ausnahmegenehmigung, die blöderweise auf den Beginn des Lockdowns fiel und jetzt endlich gebraucht würde, lief kurz vor dem Ende des Lockdowns aus. Dazu nochmal Christian Zielke vom BA Mitte:
„Mittlerweile besteht kein Grund mehr, Einhausungen zu dulden. Der Winter ist – man mag es sehen, wie man will – vorbei. Abgelaufene Anträge müssen immer neu gestellt werden. Möglich ist z.B. die Erweiterung der Außengastronomie – natürlich ohne Einhausung – auf Parkplatzflächen. Auf Antrag kann das Bezirksamt den Schankvorgarten bis 31.10.21 verlängern. Die Einhaltung der Corona-Auflagen ist durch den Betreiber zu gewährleisten. Im konkreten Fall wären dazu die seitlichen Einhausungen zurückzubauen.“
Dabei wollten wir doch eigentlich nur ein oder zwei oder drei Bier trinken (Kölsch, genauer gesagt).
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Wir kommen zur Rubrik „Berlin Sternkunde“: Der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse wollte vom Senat wissen, ob Nicht-Gendern an Berliner Hochschulen zu Punktabzügen führt: „Gilt nicht mehr der Duden bei der Bewertung von Studien- und Prüfungsleistungen?“ Hier die Antwort:
„An der Freien Universität Berlin bestehen keine übergreifenden Vorgaben hinsichtlich der Verwendung des Gendersternchens. Es gibt Module, bei denen die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache Merkmal bewertungsrelevanter fachlicher Kriterien ist. Dabei ist nicht die Verwendung des Gendersternchens, sondern einer Sprache gefordert, welche die verschiedenen geschlechtlichen Identitäten gleichermaßen anspricht. Das Gendersternchen stellt eine Möglichkeit dar, dies zu tun.“
Fälle einer möglichen Benachteiligung aufgrund der Nichtanwendung
gendergerechter Sprache sind dem Senat übrigens nicht bekannt. Der FU-Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hatte sogar eine Belohnung von 100 Euro für den Nachweis eines Punktabzugs infolge des Nicht-Genderns ausgelobt – bisher konnte er sein Geld behalten.
Falls Sie nachher ein bisschen Zeit haben und sich mit dem Thema weiter beschäftigen möchten, hätte ich hier eine dreifache Leseempfehlung: In Teil 1 beschreibt Nele Pollatschek, warum für sie das Gendern die Diskriminierung nur noch schlimmer macht („Deutschland ist besessen von Genitalien“). In Teil 2 plädiert Anatol Stefanowitsch (ja, der mit der 100-Euro-Ausscheibung) für einen Sprachwandel („Überlassen wir es dem freien Spiel der Kräfte, welche Formen sich am Ende durchsetzen“). Und in Teil 3 ergründen Georg Ismar und Felix Hackenbruch, welche Bedeutung der Genderstern im Wahlkampf haben wird (Abo).
Im Wahlprogramm der Grünen findet sich der „*“ übrigens 348 Mal, in dem der SPD 157 Mal (exklusiv für Sie gezählt). Die CDU, in deren Reihen manche ein Verbot von Gendersprache in Ämtern, Schulen und Unis fordern, hat noch kein Wahlprogramm (das kommt wie immer im Sommer). Laut Umfragen wächst die Zahl der Gegner*innen, Gegner:innen, Gegner_innen und GegnerInnen der Verwendung von Sonderzeichen als Ausdruck geschlechtergerechter Sprache wieder. Und was meinen Sie?

Berliner Schnuppen
Telegramm
„Der Wedding kommt“ lautet einer der ältesten Witze Berlins. Hier können Sie mal sehen, was passiert, wenn Sie zu lange auf die Pointe warten.
Preisfrage des Tages: Was kostet ein defekter Fensterflügel im Herrenumkleideraum? Na klar, das kommt darauf an. Aber wenn es sich um einen defekten Fensterflügel im Herrenumkleideraum des Bode-Museums handelt, der drei Jahre lang nicht der Versicherung gemeldet wurde, und wenn durch diesen defekten Fensterflügel eine 100-Kilo-Goldmünze verschwindet, dann kostet das zwei Millionen Euro – um diesen Betrag kann jedenfalls laut einem Beschluss des Kammergerichts die Versicherungssumme gekürzt werden.
Apropos zwei Millionen – das ist offenbar die Zahl des Tages: In Berlin wurde jetzt die zweimillionste Impfung gemeldet (und 600.000 Leute haben hier inzwischen schon die zweite Dosis intus).
Und wir erhöhen die Dosis noch einmal: 2,5 Milliarden Euro steckt der Bund in einen Sonderfonds für Kultur – davon dürfte ein großer Teil nach Berlin fließen. Es kommentiert Karl Lauterbach: „Das wird ein super Sommer.“
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Der britische „Guardian“ versteht die Welt nicht mehr… na, ok, das ist ein bisschen übertrieben, es geht nur um Deutschland, genauer: um Berlin. Denn dass hier „falsche Fußnoten peinlicher sind als ein Sex-Skandal“, das ist ja wirklich kaum zu verstehen – bzw. nur durch das Fehlens eines Sex-Skandals zu erklären (oder können Sie sich an einen erinnern?).
Kleine Fußnote zur obigen Meldung: Franziska Giffey hält sich für „ein offenes Buch“ (Q: „Morgenpost“) – heute steht da drin, dass sie für die Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle ist, und zwar noch vor den Sommerferien (hoffentlich haben wir da jetzt richtig zitiert).
Und hier zwei Ausschreibungen der Berliner Polizei:
1. Gesucht werden Regenumhänge, und zwar (wer hätte das gedacht): „zum Schutz vor schlechtem Wetter“. Die Polizei hat exakte Vorstellungen davon, wie die Dinger aussehen sollen, u.a. sind sie „im Untertrittbereich mit Regenrinne zu verarbeiten“, und das linke Vorderteil soll „eine Flauschfläche“ erhalten. Vermutlich für den Fall, dass sich mal jemand an den breiten Schultern der Regenumhangträger anlehnen und ausweinen will (z.B. wegen des schlechten Wetters).
2. Dringend gesucht werden nach wie vor Lunchpakete (CP vom 20.05.), und zwar „rund um die Uhr“. Zur Erinnerung: Die Polizei hat exakte Vorstellungen davon, wie die Dinger aussehen sollen, u.a. sind 16 Varianten vorgegeben. Schauen wir doch mal in Nr. 9 rein, das ist das „Lunchpakt groß“: „3 belegte Brötchen mit verschiedenen Brötchensorten (1 mit Käse, 2 mit verschiedenen Wurstsorten), 2 Stück Obst, 1 verzehrfertige Fleischkomponente, 1 Ketchup & 1 Senf, 1 Schokoriegel und 1 Gummibärchen oder Müsliriegel.“ Hm, nur „1 Gummibärchen“? Oder ist hier vielleicht „1 Gummiknüppel“ gemeint?
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Die Wasserbetriebe haben offenbar Orientierungsschwierigkeiten: In einer Trinkbrunnen-Tabelle werden 2 der 180 Stück (Herrfurthplatz und Lohmühlenbrücke) einem „Stadtteil Kreuzberg“ im „Bezirk Neukölln“ zugeschlagen – oder hat es heimlich eine Gebietsreform gegeben? Wir haben mal nachgefragt – hier die offizielle Auskunft von Christian Berg, BA Neukölln: „Eine Annexion des Ortsteils Kreuzberg durch das Bezirksamt Neukölln ist derzeit nicht beabsichtigt.“ Betonung auf „derzeit“.
Die Zahl der SUV hat sich in Berlin von 2014 bis 2020 mehr als verdreifacht – tja, das klingt nach exponentiellem Wachstum, da hilft wohl nur noch ein Lockdown (sonst hat hier bald jeder einen, und dann springt die Werkstatt-Ampel auf Rot).
„Sie kamen mit Macheten und gingen in Handschellen“ (Q: „B.Z.“), das klingt wie eine Räuberpistole – beschreibt aber nur den alltäglichen Berliner Irrsinn (hier: der Versuch eines Tankstellenüberfalls – der Mann an der Kasse ignorierte einfach die Geldforderung).
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„Eine Runde Berlin“: Im Wahl-Jahr trifft „Tagesspiegel Checkpoint“-Redakteurin Ann-Kathrin Hipp Berlins Spitzenkandidat:innen zum Podcast-Interview in der Ringbahn. Den Auftakt macht Franziska Giffey (SPD), die den Senat benotet und über ihre Doktorarbeit, Verlässlichkeit, sowie ihre Pläne für Berlin spricht. Jetzt auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
Dazu passt dann wohl auch das Widder-Horoskop für heute: „Gut durchdachte Konzepte ermöglichen effektives Handeln“ – sogar in Berlin, wie die folgende Meldung zeigt:
„Im Rahmen eines Testversuchs werden fünf Berliner Schulen ans Glasfasernetz angeschlossen“, teilt die Bildungsverwaltung mit – vermutlich will Senatorin Scheeres erst mal sicherstellen, dass die Lehrkräfte sich nicht darin verfangen.
Wie sie mit einem Masterplan bis 2030 die Obdachlosigkeit beenden wollen, beschrieben Sozialsenatorin Elke Breitenbach und Staatssekretär Alexander Fischer Anfang des Jahres im Tagesspiegel. Heute gibt die Verwaltung bekannt, dass bei der Eröffnung der Berliner Strategiekonferenz zur Wohnungslosenhilfe am kommenden Montag EU-Sozialkommissar Nicolas Schmit sprechen wird – und ein ganz ähnliches Konzept verfolgt („Housing First“). Das gesamte Programm der hybriden Online-Veranstaltung finden Sie hier.

Aus unserer neuen Reihe „Berlins schlimmste Spielplätze“ heute ein Kinderparadies am Landwehrkanal, eingereicht von Checkpoint-Leser Prokop B. Bis Ende dieser Woche hat unsere Galerie mit täglich wechselnden Exponaten noch geöffnet, dann wollen wir etwas Schönes zeigen: Ab sofort suchen wir „Berlins schönste Spielplätze“. In der kommenden Woche stellen wir unsere Favoriten vor, und am 5. Juni prämieren wir hier die Gewinner. Ihre Vorschläge (gerne mit Foto) nehmen wir ab sofort unter checkoint@tagesspiegel.de entgegen. Aber Achtung: Spätestens dann ist Ihr Lieblingsspielplatz kein Geheimtipp mehr!
Zitat
„Ich glaube, es braucht beides: Kooperation und Konfrontation.“
Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel analysiert heute im Tagesspiegel das Verhältnis zwischen dem Senat und den großen Wohnungsgesellschaften.
Tweet des Tages
Ein Zyklop in Berlin-Mitte gilt als Einäugiger Unter den Linden.
Stadtleben
Essen to go – Zwischen Bars, Burger- und Burritoläden kommt das Schneeweiß beinah einer Insel gleich. In österreichischer Handwerk-Manier trifft hier solide Traditionsküche auf hauptstädtische Experimentierfreude. Heraus kommt eine Panade, die sich wohl zu den besten der Stadt zählen darf. Ob in Form eines Wiener Schnitzels mit lauwarmem Kartoffel-, Gurken und Krautsalat (21,50 Euro) für zuhause oder dem gelegentlich angebotenen Fried Chicken Sandwich auf die Hand – es wird definitiv knusprig. Auch ein Blick in die Weinkarte lohnt sich; denn dank hilfreicher Namensgebung klappt es auch mit dem Pairing... etwa mit dem Wiener „Classic“ Schnitzelwein. Simplonstraße 16, U-Bhf Samariterstraße, Mi-Fr 17-22 Uhr, Sa+So 12-15 und 16-22 Uhr
Hingehen – So mancher Wetterfrosch behauptet, nächste Woche solle es losgehen mit dem Sommer. Wie passend, dass dann auch das Sommerkino der Yorck Kinos startet! Ab 1. Juni stehen die orangefarbenen Liegestühle wieder auf dem bewährten Stammplatz am Kulturforum, der Vorverkauf für alle Vorstellungen bis zum 7. Juni geht heute los. Eine doppelte Freude in diesem Jahr: Erstmals gibt es auch ein Freiluftkino im Hof des Schloss Charlottenburg – und der Checkpoint ist offizieller Partner! Wir freuen uns auf den Oscar-prämierten Film „Der Rausch“ von Thomas Vinterberg, der die Saison dort am 8. Juni einläutet (VVK-Start am 31. Mai). Tickets gibt es nur online hier, Eintritt mit Negativtest, vollständiger Impfung oder Genesung.
Anhören – Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es im Inneren eines Kuriergepäcks wohl aussieht? Sind es Liebesbriefe, Blumen, vergessene Schlüssel oder gar ominöse Aktenkoffer, die da durch Berlin geradelt werden? In der neuen Folge des „Deine Welt“-Podcasts von „Viertausendhertz“ geht es um Jura Mak, Radkurier bei dem Berliner Kurierkollektiv „Fahrwerk“. CO2-neutral bringt er mit Fahrrad, Lastenrad oder Elektroauto Entitäten aller Größen von A nach B und gibt in dieser persönlichen Porträt-Dokumentation ein erhellendes Bild über die „schöne neue Lieferwelt“. „Fahrradkurier – 3000 Kilometer Berlin“ ist ab sofort hörbar – frei Haus, versteht sich.
Hingehen – Möglicherweise ist Humor gerade in Zeiten, in denen so viel über seine Grenzen diskutiert wird wie in diesen, am notwendigsten. Wer zumindest dieser Meinung ist, wer nichts gegen eine Ladung rheinischer Rebellion in Form eines Argyle-Pullunders hat und außerdem keine Probleme mit Unfrisuren und verbalem Übermut, sollte sich jetzt Tickets für den 6. Juni sichern. Denn die Kunstfigur Olaf Schubert, ein Alter Ego des Dresdner Kabarettisten, Hörspielproduzenten und Musikers Michael Haubold, tritt dann am Flughafen Schönefeld auf. Als Teil der Veranstaltungsreihe „Unter Freiem Himmel 2021“ gibt es ab jetzt Tickets (35 Euro) zu kaufen für die Premiere von Olaf Schubert & Freunde mit „Zeit für Rebellen“.
Grübelstoff – Folgt „guter Humor“ den Gesetzen einer objektiven Ordnung oder ist Humor einfach nur eine Geschmacksfrage?
Das Pandemie-Ding
Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Gegenstände zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: Gaby Andiel und das Stückwerk.
„Ich hatte mir immer vorgenommen – wenn ich nicht mehr arbeiten muss, lerne ich patchworken! Einen Kurs zu belegen war dank Corona nicht möglich. Also selber lernen! Dank diverser Bücher und Videos hat es geklappt: Mein Ziel war ein Jahresquilt – jeden Monat einen Block zu nähen. Aus 30 Blöcken entstand diese Decke!“
Was ist Ihr Pandemie-Ding? Wir freuen uns über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
Verkehr – Sandhauser Straße (Heiligensee): Die Straße ist von 7.30 bis 17 Uhr zwischen Elchdamm und Alt-Heiligensee für den Autoverkehr gesperrt.
Weißensee: Auf dem Antonplatz beginnt um 16.30 Uhr eine Demonstration. Bis ca. 20.30 Uhr ist entlang der Strecke Berliner Allee, Herbert-Baum-Straße, Bizetstraße, Smetana-Straße, Berliner Allee und Pistoriusstraße bis zur Roelckestraße mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen.
Demonstration – Unter dem Motto „Aufbruch für ein gerechtes Land!“ gehen etwa 20 Personen an drei verschiedenen Orten auf die Straße, die die Fraktion Die Linke angemeldet hat: von 9 bis 11 Uhr ist das der Alice-Salomon-Platz 20, von 14 bis 16 Uhr die Marzahner Promenade 1 sowie das Frankfurter Tor. Von 12 bis 13 Uhr findet in der Möllendorffstraße eine Mahnwache zum Thema „Omas gegen Rechts.berlin für Toleranz Vielfalt und Menschenrechte“ mit 6 angemeldeten Personen statt. Ein Aufzug „In Gedenken an die Opfer des Naziregimes“ zieht mit ca. 100 Demonstrierenden zwischen 16.30 und 20.30 Uhr durch Weißensee (s. Verkehr). Im Volkspark Friedrichshain versammeln sich von 19 bis 22 Uhr rund 50 Protestierende für die „Kundgebung zum Thema Bodyshaming (Diskriminierung aufgrund von Aussehen) Anlässlich des Finales von Germanys Next Topmodel“.
Gericht – Gegen eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin beginnt der Prozess. Sie soll Ende 2014 mit ihrer damals dreijährigen Tochter von Berlin aus nach Syrien gereist sein, um sich dort der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. In Syrien habe sie nacheinander mehrere IS-Kämpfer geheiratet und ihnen den Haushalt geführt. Die Tochter sei Zeugin von Gewalthandlungen mit Todesopfern geworden (9 Uhr, Kammergericht Berlin, Elßholzstraße 30 – 33, Saal 145a).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Luise Befort (25), Schauspielerin / Julia Böhm (48), Journalistin und Fernsehmoderatorin / Heiderose Fischer-Nagel (65), Schriftstellerin und Verlegerin / „Uli Oberdieck herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag, Liebling, von Deiner Ute“ / „Geliebter Schmuuuski, nachträglich eiserne und schwermetallische Geburtstagsgrüße von Süßke“ / „Meine Ehefrau Jutta Steinkamp ist am 27.5.1946 geboren, ehem. Schulleiterin an der Herbert Hoover Realschule in Mitte und außerdem ist sie die liebevollste Ehefrau und Lebensgefährtin“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Marc Arnold, * 27. Juni 1964 / Marina Billy, * 5. August 1974, Mitarbeiterin des Blindenhilfswerks Berlin e.V. / Hubertus Frucht, * 25. September 1944 / Gustel Hofmann, * 13. November 1934 / Ariane Kleinelsen, * 26. März 1960, langjährige Ärztin des Klinikums Neukölln / Thomas Nugel, * 16. Dezember 1965
Stolperstein – Kurt Neihoff (geb. 1875) wurde im im oberschlesischen Beuthen geboren. Der studierte Mediziner übersiedelte nach Berlin und arbeitete als Allgemeinarzt, bevor im Jahr 1933 den freiberuflich tätigen, niedergelassenen jüdischen Ärzten die Kassenzulassung entzogen wurde. Mit einer Sondergenehmigung als „Krankenbehandler“ durfte er den Arztberuf zwar noch zur Behandlung von Juden ausüben, das feite ihn und seine Frau aber nicht vor dem „3. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt im Jahr 1942. Dort wurde er heute vor 78 Jahren ermordet. In Erinnerung an ihn und seine Frau Edith Neihoff liegt in der Prenzlauer Allee 15 ein Stolperstein.
Encore
Heute in unserer Serie „Bäume, die Berlin bewegen“: Die mehr als 100 Jahre alte Ulme auf dem Kreuzberger Ratiborgelände. Im Zuge des geplanten Ankaufs der Fläche durch das Land Berlin und nach jahrelangem Ringen um gemeinsame Nutzungskonzepte sorgen sich die aktuellen Betreiber des Geländes (diverse Kleingewerbe, zwei Kitas und der Biergarten „Jockel“) nicht nur um die Zukunft des Standorts, sondern auch um die Erhaltung des alten Baumes, der dort wächst, wo der Neubau einer Flüchtlingsunterkunft geplant ist. Auf Checkpoint-Anfrage bekräftigt die Senatsverwaltung für Finanzen, die „vielseitigen Gespräche mit diversen Beteiligten“ seien noch nicht abgeschlossen, aber: „Die Ulme auf dem Grundstück bleibt erhalten.“ Die Nachbarschaftsinitiative Ratiborstraße bestätigt das – allerdings würde die Ulme nach aktuellem Planungsstand beschnitten und nicht mehr sichtbar sein. Aber immerhin, dem Baum es gut: Er fängt gerade an, zu grünen. Ulme gut, alles gut.
An den Verästelungen dieses Checkpoints haben mitgewirkt
Teresa Roelcke (Recherche), Juliane Reichert (Stadtleben) und Kathrin Maurer (Produktion). Morgen früh schaut hier Anke Myrrhe, welche Meldungen nachgewachsen sind. Bis dahin,