die Entscheidung ist gefallen, der Rummel um die Rummelsburger Bucht dürfte aber weitergehen. Am Abend stimmte die Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung in einer Sondersitzung für den „Bebauungsplan-Entwurf XVII-4“. Nur zwei Grünen-Verordnete, zwei Linke und eine Fraktionslose votierten dagegen. Zuvor hatte die Polizei eine Gegnerin, die die Versammlung durch mehrfache Zwischenrufe gestört hatte, aus dem Saal getragen. Sie war nicht die einzige, die ihren Protest lautstark zum Ausdruck brachte, wie Kollege Robert Klages berichtet. Viele Kritiker der angekündigten Entscheidung waren mit bunten Plakaten, Bässen und dem Ziel angereist, die Sitzung zu stören.
Was der Beschluss bedeutet: Dort, wo jetzt noch rund 50 Obdachlose in einem improvisierten Zeltlager leben, entsteht demnächst die „Coral World“, ein Aquarium mit exotischen Fischen und Korallen. Daneben Büroflächen, frei finanzierter Wohnraum und um die 110 mietpreisgebundene Wohnungen. Der linke Bürgermeister Michael Grunst hat auch eine Schule, Kitaplätze sowie freien Zugang zum Ufer und öffentliche Grünflächen versprochen. Trotzdem war der Widerstand groß: Mehr als 20.000 Unterschriften hat die Initiative „Rummelsburger Bucht retten“ gegen die Pläne gesammelt. Grunsts junge Parteifreunde nennen den Beschluss eine „Ohrfeige für alle, sich tagtäglich für ein anderes, demokratisches, alternatives, buntes und soziales Berlin einsetzen“.
Die Konfliktlinie verläuft nicht nur innerhalb der Linkspartei. Auch die Grünen sind stinksauer. Dabei haben sie – genau wie die Linken – die Grundstücksverkäufe an die Investoren einst mitgetragen. Doch weil das in der letzten Sitzung des alten Abgeordnetenhauses nur noch schnell durchgewunken worden sei, wollen sie ihre damalige Entscheidung jetzt revidieren. Besser schlecht bauen als wieder mindestens fünf Jahre Stillstand, sagen dagegen linke Befürworter des B-Plans, der schon seit 1992 diskutiert wird. Und die Verträge mit den Investoren, darunter auch die umstrittene Padovicz-Gruppe, seien ohnehin nicht rückabwickelbar. Lieber noch ein paar Jahre warten und dafür mehr günstige Wohnungen, kein Aquarium und mehr Grünfläche, finden dagegen die Gegner der Pläne. „Stadt wird nur 1 Mal gebaut und Beton vergossen für mehr als 100 Jahre“, schreibt Linken-Abgeordnete Katalin Gennburg. Für ihre Partei („Wir kaufen uns die Stadt zurück“) könnte der "Bebauungsplan-Entwurf XVII-4" zur echten Glaubwürdigkeits-Krise werden.
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Die Sparkasse an der Boxhagener Straße ist bereits verbarrikadiert (Q: „Berliner Zeitung“) und Berlins Polizei ist ebenfalls bereit. Innensenator Andreas Geisel freut sich sogar schon auf einen politischen 1. Mai. Und Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagt: „Ich will den Trend hin zu einem friedlichen 1. Mai ausbauen.“ Dafür soll die Polizei wie gehabt mit einer Doppelstrategie fahren: Reden mit denen, die reden wollen, und hart durchgreifen bei Straftaten. Deswegen sind mit 5500 Beamten noch 200 mehr als vergangenes Jahr im Einsatz, als es weitgehend friedlich blieb. Sicherheitsexperten fürchten allerdings, das Verdrängungs-Thema könne der linksextremistischen Szene helfen; die Stimmung kippen. Das wollen einzelne Elektroroller-Anbieter lieber nicht riskieren. In „rot markierten Bereichen“ rund um die Hot Spots in Kreuzberg und Friedrichshain können seit gestern Abend keine Roller mehr abgestellt werden. Kein Problem – wer dem Ausnahmezustand entkommen will, kann dafür auch ein „Mobike“ nutzen. Sogar kostenlos. Dafür illegal. Denn in Berlin wird nicht nur über die Enteignung von Wohnungsunternehmen diskutiert. Die Aktivisten von „Mobike & Co. enteignen!“ haben ein Video ins Netz gestellt, in dem sie zeigen, wie man die orangenen Räder aus China knackt.
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Einst sicherte die Tresortür die Bankfächer im Untergeschoss des Wertheim Kaufhauses. Nachdem das im Krieg beschädigte und im deutsch-deutschen Grenzgebiet gelegene Gebäude abgerissen wurde, blieb der Raum hinter der Tür jahrzehntelang ungenutzt. Nach der Wende entstand dort der legendäre Technoclub „Tresor“. Die Tresortür ist zukünftig im Humboldt Forum zu sehen. Mehr Infos hier.
Geknackt hat die Justiz nun auch das Rätsel, wie sie an die Mieteinnahmen der im Juli beschlagnahmten 77 Immobilien der bekannten deutsch-arabischen Großfamilie R. herankommt. Die waren bisher weiterhin in den Libanon geflossen. Doch am Montag vollstreckten Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt 62 richterliche Beschlüsse und zogen 350.000 Euro ein. Juristisches Neuland! Die Häuser sollen von dem Geld gekauft worden sein, das Mitglieder der Familie R. bei einem Sparkassen-Einbruch 2014 erbeuteten. Nicht alle vom Staat beschlagnahmten Häuser generieren allerdings Mieteinnahmen, weil nicht alle vermietet sind. Die Perleberger Straße 50 in Moabit zum Beispiel steht leer. Was das Bezirksamt Mitte tut, damit das Gebäude saniert und wiedervermietet wird, wollte Grünen-Verordneter Frank Bertermann wissen. Antwort: Seit der Beschlagnahmung der Immobilie „ruhen die Bemühungen des Bezirksamtes“.
Es war eine nette Idee, medienwirksam angekündigt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Doch sie funktioniert nicht richtig. Im September starteten die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften eine Online-Tauschbörse für Wohnungen. Das Interesse ist da: Bis Ende März haben sich 3058 Mieter angemeldet und 220 Wohnungen zum Tausch angeboten. Doch nur 26 Mal kam es auch tatsächlich zum Tausch. Das sagte David Eberhart, Pressesprecher der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen, dem Checkpoint auf Anfrage. Das Problem: Auf einen Verkleinerungswunsch kommen vier Vergrößerungswünsche. Berlin wächst mal wieder über sich hinaus – nur die Wohnungen wachsen leider nicht mit.
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Aber wie sind die Artikel des Grundgesetzes entstanden? Karl, der Stenograf, war 1949 dabei und erzählt es dir – täglich live auf deinem Smartphone.
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Am liebsten würde Raed Saleh ja ganz Berlin unter Milieuschutz stellen. Das hatte er im September gefordert und war dafür im nettesten Fall belächelt worden. Jetzt steckt sich der SPD-Fraktionschef kleinere Ziele. In seiner Funktion als SPD-Kreischef von Spandau will Saleh erreichen, dass der Bezirk, der als einer von drei noch keinen Milieuschutz hat, endlich auch solche Gebiete ausweist. Daran wird zwar derzeit schon gearbeitet – ein erstes Grobscreening wurde eben abgeschlossen – doch das geht ihm wohl nicht schnell genug. Mit einer Petition ans Bezirksamt will er dem zuständigen Baustadtrat Frank Bewig (CDU) Druck machen. „Man sollte nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist“, sagte Saleh dem Checkpoint. „Oder sollen erst Tausende Menschen Spandau verlassen?“. Als besonders unter Druck sieht er zum Beispiel die Gebiete Neustadt und Siemensstadt. Noch in der ersten Maiwoche wollen Saleh und seine Genossen mit der Unterschriftensammlung beginnen.
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Stempelschmerz, Münzenmanie, Taschentrauma und Warteschlangenschwäche? Die Liste der Beschwerden im Zusammenhang mit Papiertickets klingt furchteinflößend. Dabei müsste niemand leiden: Einfach die BVG-FahrInfo-App oder Ticket-App laden, mobil Tickets kaufen und losfahren.
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Wollen Sie Berlin bewegen? Dann ist das Ihre Chance: Die seit Jahren mehr oder weniger führungslose Verkehrslenkung – das ist die Behörde, die dafür verantwortlich ist, dass manche Radwege geradewegs in Baustellen münden – hat am Montag eine Ausschreibung für ihre eigene Abschaffung veröffentlicht. Die bisher eigenständige VLB, jahrelang der Inbegriff des Berliner Verwaltungsversagens, soll bekanntlich in die Verkehrsverwaltung eingegliedert werden. Gesucht wird nun jemand, der das umsetzt. Und zwar schnell, bis Ende des Jahres soll das Projekt – wie angekündigt – durch sein. Ein Ziel der Umstrukturierung: Die „bessere Außenwahrnehmung der VLB“. Ich sag mal so: Schlechter kann sie eh nicht werden.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Für mit der grünen Verkehrspolitik unzufriedene Bürger sind sie zum Hassobjekt geworden: die Parklets in der Bergmannstraße und auf der Schönhauser Allee. Nun sollen die als Saufboxen verschrienen Straßenmöbel auch noch die Oranienstraße schmücken (Q: „Berliner Zeitung“). Ich kann den Aufschrei schon hören.
Die „BZ“ hat die Lösung für die Wohnungskrise: „Wer umziehen muss, sollte lieber kaufen“. Darauf gekommen sind immobilien-Experten, die mit einer Formel die Selbstnutzerkosten von Wohnraum ermittelt haben. Das Ergebnis: Für die eigenen vier Wände zahlen Berliner derzeit umgerechnet rund 9 Euro/Quadratmeter im Monat (ohne Tilgung), für eine neu angemietete Wohnung gut 12. Daher raten sie zum Kauf – solange die Zinsen für Kredite noch niedrig sind.
Nach dem Einsturz eines Hallendachs in Luckenwalde hat die Polizei in der Nacht mit speziellen Suchhunden nach möglicherweise verschütteten Menschen gesucht. Anwohner hatten vor dem Knall Kinderstimmen gehört. Gefunden wurde aber niemand.
Was wollten Sie dem Regierenden Bürgermeister immer schon mal sagen? Am 29. Mai haben Sie die Gelegenheit dazu. Michael Müller lädt zur Bürgersprechstunde, weil es ihm wichtig sei, „zu erfahren, wo der Schuh drückt“. Anmelden kann man sich online – oder per Post.
Mit Sven Schröder hat nach Steffen Königer der zweite Brandenburger AfD-Abgeordnete die Partei verlassen. Beide gelten als gemäßigt. "Für Sachpolitiker ist in den Reihen der AfD unter Andreas Kalbitz kein Platz mehr", sagt Schröder.
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Lachen, leben, lieben und laufen beim AVON Frauenlauf am 18. Mai: Über 17.000 Frauen und Mädchen laufen oder walken eine 5- oder 10-km-Runde. Ein Teil des Teilnahmebetrages wird Brustkrebs-Erkrankten gespendet. Zum Dank erhält jede Teilnehmerin ein Event-Shirt und einen AVON Präsentbeutel. Die Anmeldung ist auf www.avon-frauenlauf.de möglich.
Einer der besten Marathonläufer Deutschlands kommt aus Marzahn. Dabei ist er am Sonntag erst seinen ersten Marathon überhaupt gelaufen und das gleich in 2:15:28 Stunden. Mehr über den Mann von Fortuna Marzahn können Sie heute im Marzahn-Newsletter meines Kollegen Ingo Salmen lesen. Hier geht’s zur kostenlosen Bestellung.
Ich laufe zwar nur ungern, dafür am 18. Mai aber für den guten Zweck. Und ich bin nicht alleine: Fürs Team Checkpoint gehen auch zahlreiche Leserinnen gemeinsam mit mir beim Avon-Frauenlauf an den Start. Die Veranstaltung ist Deutschlands größter Spendenlauf für Brustkrebs-Betroffene. Wer dafür spenden möchte, kann das hier tun.
Dem Bezirksamt Pankow ist ein Gummistempel mit dem Berliner Landeswappen verlorengegangen (Q: Amtsblatt). Durchmesser: 35 mm, Umschrift: Bezirksamt Pankow Berlin, Kennziffer: 36. „Das Siegel wird hiermit für ungültig erklärt.“ Der ehrliche Finder soll sich bitte trotzdem beim Bezirksamt melden.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Die Wasserbüffel sind eine Win-Win-Situation für Mensch und Natur.“
Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer (CDU) freut sich über die Rückkehr der Wasserbüffel im Tegeler Fließ. Denn das Beobachten der Tiere mache Umweltbildung anschaulich und Natur erlebbar. Und gleichzeitig blieben durch die Wasserbüffel die selten gewordenen Feuchtwiesen mit ihrer Artenvielfalt und das wunderschöne Landschaftsbild erhalten.
Tweet des Tages
Neukölln Wir sind hingezogen Als es noch Hässlich war Und es ist Hässlich Geblieben
Antwort d. Red.: Wer sich jetzt berufen fühlt – Kollegin Madlen Haarbach sammelt für ihren Bezirks-Newsletter weitere Neukölln-Haikus. Poesie per Mail an sie: madlen.haarbach@extern.tagesspiegel.de.
Stadtleben
Essen – Das Breakout Café ist eigentlich nur so etwas wie die sichtbare Spitze des dahinter stattfindenden Eisbergprojektes: Breakout ist eine Non-Profit-Initiative für interkulturelle Sozialarbeit, die sich speziell um Kinder, Jugendliche und Geflüchtete im Bergmannkiez kümmert. Näheres dazu hier. Das kleine Café mit großem, sonnigem Hinterhof bietet ein kleines aber feines Menü: Zu einer Reihe ausgezeichnet zubereiteter Kaffeevariationen (Filterkaffee ab 1,50 Euro, der Cortado 2,50, der große Cappucino 2,90) gibt es lecker belegte und getoastete Bagels für 4,40 Euro oder bagellastige Frühstücksteller mit ein oder zwei Bagels, Extras und Wahlkaffee zwischen 5,50 und 9,90 Euro. Bergmannstraße 22, U-Bhf Gneisenaustraße, Di-Fr 8-16 Uhr, Sa-So 8-20 Uhr
Neu in Neukölln, nämlich an der Ecke Weise-/ Allerstraße (wo zuvor das Aller-Eck war) haben zwei alte Schillerkiez-Nachbarn einen Laden eröffnet, der sich der Verbreitung von Croques verschrieben hat. Das aus Frankreich stammende und auch in Norddeutschland beliebte Sandwich, das schon in Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ auftaucht (hört hört!), ist in der Döner-Hauptstadt nämlich bislang unterrepräsentiert. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren: Ein ganzes Croques „Fader“ mit Salami, Feta, Tomate, saurer Gurke, Salat und hausgemachter Aioli kostet 7,50 Euro. Ein „F. Kahlo“ mit Putenbrust in Schwarzbier-Lemongras-Sauce, Salat, Koriander, Chili und Mangosauce kostet 8,50 Euro. Die Baguetten sind von fluffiger Konsistenz und werden knusprig angetoastet serviert. Daneben gibt es Crepes und Kaffevariationen sowie diverse Limos und Bier – an einer Online-Repräsentanz wird gearbeitet. Weisestraße 40, Mi-So 12-22 Uhr, Di 16-22 Uhr. U-Bhf Boddinstraße
Berlinbesuch – Ein wenig so, wie die Psychoanalyse als Küchenpsychologie Einzug in unbedarfte Haushalte genommen hat oder die Dekonstruktion eine zeitlang für alles, was seziert werden konnte, herhalten musste, kann man sich auch das Bauhaus denken: Irgendwie hat so gut wie jeder Mensch nicht nur eine Ahnung davon, sondern auch eine Meinung dazu. In allen drei Fällen hat der alltägliche Gebrauch der Begriffe allerdings nur wenig mit den ursprünglichen Ideen gemein (Glückssache). Wer sich selbst davon überzeugen möchte, schaue sich einmal das Programm im Haus der Kulturen der Welt an. Unter dem Stichwort „Bauhaus Imaginista“ werden Ahnungen und Meinungen zum Bauhaus revidiert, Konturen geschärft, Kontexte geweitet und eine Vorstellung von den unzähligen Verästelungen geliefert, in die sich die Bauhausidee bis heute fortpflanzt. John-Foster-Dulles-Allee 10. Tgl außer Di 11-19 Uhr für 7/5 Euro, Mo Eintritt frei
Geschenk – Pausemachen, Innehalten, zur Ruhe kommen – bloß was hat man von einer Auszeit, in der man nichts mit sich anzufangen weiß und frei nach Schopenhauer kurz vor dem Durchdrehen steht, weil man es mit sich selbst allein nicht aushält? Eine Möglichkeit bestünde darin, aus der Selbstbeobachtung Inspiration für eine profunde Kulturkritik zu ziehen. Eine andere: Statt sich selbst schutzlos sich selbst auszuliefern, begebe man sich in die fähigen Hände von Justine Böttger, rundum-Wellness-Meisterin und Gründerin des Petit Spa – eines clever zum Spa umfunktionierten Kellers unter ihrem Friseursalon. Der dreistündige Wohlfühl-Aufenthalt inklusive einer Kleinigkeit zum Essen und Tee schlägt mit 120 Euro zu buche, diverse Massagen und Wellnessbehandlungen können hinzu gebucht werden, siehe Preisliste. Eigenverantwortung und andere schwere Lasten des Lebens können im Eingangsbereich abgegeben werden. Mo-Fr 9-20 Uhr, Sa 10-16 Uhr, Czeminskistraße 4, S-Bhf Julius-Leber-Brücke
Last-Minute-Tickets – Lebensgefahr kann bekanntermaßen noch die im allerletzten Winkel des Selbst verborgenen Instinkte hervortreiben. Ein auf die Erde zurasender Komet dürfte als solche Gefahr durchgehen. Als aber nach Bekanntwerden der Bedrohung die drei Milliarden Schwestern ihre Stimmen erheben, um zu fordern, dass etwas geschehe, begegnet ihnen die altklug abgeklärte Gesellschaft mit Besserwisserei: Ihr habt doch keine Ahnung, es ist komplizierter als ihr denkt und außerdem... das versteht ihr eh nicht, weil ihr so jung, naiv und dumm seid. Das Stück von Bonn Park und Ben Roessler, frei nach Tschechows Drei Schwestern, erinnert sicher nicht zufällig an eine sich jeden Freitag allen altklugen Ratschlägen zum Trotz zeigende Generation, die jeder „haben wir immer schon so gemacht“-Logik abschwört und stattdessen Dringlichkeit und Leidenschaft in die Politik trägt. Das Jugendsinfonieorchester des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums und ein Gastauftritt von Dagobert runden die Sache ab. 19.30 Uhr in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Eintritt 14 Euro
Noch hingehen – So gleichzeitig, wie sie Anfang Februar die Saison eröffnet haben, enden sie nun auch: die drei Ausstellungen, mit denen sich das KW Institut dreien an HIV gestorbenen Kunstschaffenden widmet. Der Medienkünstler und Autor David Wojnarowicz, der iranische Theatermacher Reza Abdoh und der Berliner Kurator Frank Wagnerwerden mit je eigenen Retrospektiven gewürdigt. Der Eintritt beträgt 8/6 Euro. Nur noch bis 5. Mai im KW, Auguststraße 69, U-Bhf Rosenthaler Platz, Mi-Mo 11-19 Uhr, Do 11-21 Uhr
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Ihr Vorteil im April: 15% Rabatt auf Digitalradios von sonoro
Seit 2006 entwickelt sonoro hochwertige Audio-Systeme und erfreut damit Musikliebhaber auf der ganzen Welt. sonoros Mission: deutsche Ingenieurskunst und Designexpertise zu bündeln, um die Menschen glücklich zu machen und ihnen ein wunderbares Stück Lebensqualität zu bieten.
Verlosung I – Paco Léons Film „Kiki – el amor se hace“, auf Deutsch etwa „Quickie – die Liebe gibt es wirklich“, soll eine Ode an die sexuelle Freiheit sein, die seit 2016 immerhin schon über eine Million Zuschauer und Rezensentinnen beglücken konnte. Wem der Gedanke daran Lust macht, schreibe bis 12 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de und drücke sich die Daumen – wir verlosen nämlich 2x2 Karten für die Vorstellung am 3. Mai um 19.30 Uhrim Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
Verlosung II – Um Künstliche Intelligenz, Musik und Sprache geht es heute bei Babbel Perspectives: Sprecher sind CJ Carr, Programmierer von Algorithmen, die automatisch Punk Rock Songs erzeugen können, außerdem Oswald Berthold und Kate McCurdy. Mithilfe eines anderen, streng vertraulichen Algorithmus, den nur Leserinnen und Leser der allerhöchsten Sicherheitsfreigabe als nackten Quellcode betrachten dürfen, ermitteln wir heute 2x2 Gästelistenplätze unter allen, die bis 12 Uhr eine E-Mail an checkpoint@tagesspiegel.de schreiben. 17 bis 19 Uhr im Babbel, Max-Beer-Straße 2, U-Bhf Weinmeisterstraße
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen guten Tag.
Prominent verraten
Mit Heroin Kids – hier nur ein Fashionstatement – kennt sich unser gesuchter Berliner der Woche zumindest theoretisch aus. In einem Kinofilm von 2008 spielte er einen Drogendealer.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Erraten Sie, wer sich diesmal hinter den Bildern versteckt? Senden Sie uns bis Donnerstag eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de mit dem richtigen Namen und gewinnen Sie zwei "Checkpott"-Kaffeetassen. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie. Alle bisherigen Fotos und Hinweise finden Sie hier.
Berlin heute
Verkehr – Die A114 (Pankow-Zubringer) ist stadteinwärts hinter der AS Bucher Straße bis voraussichtlich Anfang Juli auf einen Fahrstreifen verengt. Wegen der Vorbereitungen zum 1. Mai sind die Straße des 17. Juni (Tiergarten) zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Brandenburger Tor sowie die Ebertstraße (Tiergarten) zwischen Behrenstraße und Scheidemannstraße voll gesperrt.
Demonstration – Etwa 500 Teilnehmer werden zum Aufzug „Unsere Häuser unsere Kieze“ von 17 bis 22 Uhr in der Weddinger Müllerstraße zwischen Leopoldplatz und Rehberge erwartet.
Gericht – Weil er bei einem Einbruch den 54-jährigen Wohnungsinhaber mit einem Messer in den Unterarm gestochen und keine Hilfe für den stark blutenden Mann geholt haben soll, kommt ein 43-Jähriger wegen Mordes auf die Anklagebank (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 704). Gegen einen mutmaßlichen Terror-Helfer beginnt der Prozess vor dem Kammergericht. Der 30-Jährige soll gesondert verfolgten Männern, die sich dem Islamischen Staat in Syrien anschließen wollten, geholfen haben (9.00 Uhr, Elßholzstraße 30-33, Saal 145a).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Tom (46), „Start the engine, the party's goin' on", wünscht Michaela / Rainer Bieling (69), Journalist und Medienentwickler / Weert Adalbert Canzler (59) Sozialwissenschaftler und Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin / Martin Gutzeit (67), ehem. Berliner Landesbeauftragter für die Unterlagen des MfS / Martin Hikel (33), SPD-Bezirksbürgermeister von Neukölln / Verena von Hugo (76), Künstlerin / Joschka Langenbrinck (32), für die SPD im AGH / Alexander Osang (57), Journalist und Schriftsteller
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Oli Kreisel, * 1972 / Doris Koschewski, * 30. April 1941 / Winfried Jahn, * 1. April 1944
Stolperstein – Fritz Kirsch wohnte in der Wassermannstraße 69 in Adlershof. Mit 17 trat er dem Kommunistischen Jugendverband bei. Der gelernte Maschinenschlosser engagierte sich im Betriebsrat des AEG-Werks Oberschöneweide und war Bezirksverordneter der KPD in Treptow. Ab 1933 beteiligte er sich an illegalen Aktionen, wofür er erstmals von der SA misshandelt wurde. Anschließend setzte er sich weiter für den kommunistischen Widerstand ein. Bei Kriegsausbruch nahmen ihn die Nazis letztmalig fest und ermordeten ihn heute vor 79 Jahren im KZ Sachsenhausen.
Im Tagesspiegel
Alle paar Wochen geht es wieder los. Dann prügeln sich die Polizisten und Aktivisten in dem kleinen nordfranzösischen Dorf Bure. Hier soll ein Atommüllendlager entstehen. Den 90 Bewohnern versprach man Geld und Jobs. Heute wollen sie nichts als ihre Ruhe zurück. Lesen Sie die Reportage von Fabian Federl auf Seite 3 im Tagesspiegel oder im E-Paper.
Encore
Brauchen Sie ein Auto? Vielleicht hat das Bezirksamt Lichtenberg ja eins für Sie. Das ist nämlich im Besitz von 317 Fahrzeugen, die von ihren früheren Besitzern ohne gültige amtliche Kennzeichen ausgesetzt wurden und derzeit auf Abstellplätzen in der Stadt ihr ungenutztes Dasein fristen. Am 24. Mai werden sie meistbietend versteigert – im BVV-Saal des Bezirksamts Pankow. Aber Obacht: Die Fahrzeuge „sind zum Teil nicht mehr fahrbereit. Fahrzeugschlüssel und Fahrzeugpapiere sind in der Regel ebenfalls nicht vorhanden“ (Q: Amtsblatt). Egal, Autofahren ist eh sowas von Nullerjahre.
Total up to date für Sie ist dagegen am Donnerstag wieder Lorenz Maroldt. Kommen Sie gut durch den 1. Mai! Bis bald,

