Weihnachten ist in diesem Corona-Jahr mit einer Bedeutung und damit auch Erwartung aufgeladen worden, die kaum zu erfüllen ist. Seit dem Frühherbst lockt die Politik mit der Aussicht auf die Familienzusammenführung zum Fest, als Belohnung fürs Wohlverhalten bei den Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben. „Wichtiger denn je“ sei diesmal Weihnachten, das „die Kraft der Hoffnung“ habe, sagt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Vom „härtesten Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben“, sprach pathetisch Ministerpräsident Armin Laschet. Und in Berlin, das wissen wir jetzt, wird es noch ein bisschen härter als anderswo: Nur fünf Personen dürfen hier privat zum Feiern an den Weihnachtstagen zusammenkommen, nicht zehn wie in anderen Bundesländern.
Die Verordnungen und Ausnahmeregeln sowie ihre offensichtlichen Widersprüche sind damit als Gesprächsthema am Gabentisch gesetzt. Fünf Partypeople aus fünf unterschiedlichen Haushalten mit mannigfachem Infektionsrisiko dürfen gemeinsam feiern, aber die vierköpfige, vorsichtige Familie mit zwei Kindern über 14 Jahren muss sich entscheiden, ob sie Oma oder Opa einlädt – beide zusammen sind verboten. Immerhin: Die siebenköpfige Familie, die in einem Haushalt lebt, ist nicht gezwungen, zwei ihrer Mitglieder zur Bescherung vor die Tür zu setzen. Sie darf nur niemanden sonst hereinlassen, nicht mal den Weihnachtsmann. Aber der Appell, auf Reisen und ein gemeinsames Fest zu verzichten, wird in Berlin konterkariert durch die Erlaubnis, für den Familienbesuch ein Hotel zu buchen. Und wer will, flüchtet ohnehin aus Berlin und trifft die Familie dort, wo die Zusammenkunft von zehn Personen erlaubt ist – zum Beispiel gleich nebenan in Brandenburg.
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Doch wie in den oft rätselhaften Geschichten der Bibel gilt es auch in der verwirrenden Geschichte der Verordnungen die Botschaft zu sehen, und die hat Michael Müller auf den Punkt gebracht: „Uns darf nicht die Luft ausgehen“ – und das ist wörtlich zu verstehen. Die freie Kapazität zur Behandlung Schwerkranker auf den Berliner Intensivstationen wird immer geringer, die seit November geltenden Beschränkungen haben keine Entlastung gebracht. Ganz Berlin ist ein „Hotspot“, und Corona kennt keinen Weihnachtsfrieden.
Die Berliner Verordnung macht deutlich, dass jetzt keine Zeit ist für eine „Atempause“ von den Anstrengungen des Corona-Lebens. Aber Weihnachten nur zu fünft statt zu zehnt wird das Problem allein nicht lösen. Die Menschen tendieren in den letzten Dezembertagen zur Großzügigkeit; auch auf einen Gast mehr oder weniger kommt es den meisten dann vermutlich nicht an, zumal sie ja wissen: Zum Zählappell unterm Weihnachtsbaum wird der Staat sie nicht rufen. Der Beschluss des Senats hat aber neben dem symbolischen Wert auch einen praktischen: Wer an diesen Heiligen Abend denkt, den plagen oft Gewissensnöte; in vielen Familien herrscht Unsicherheit, in anderen Streit darüber, wie das Fest zu begehen ist. Die strengere Berliner Verordnung gibt den Vorsichtigen gegenüber den Risikobereiten ein starkes Argument in Hand: Wir dürfen das nicht. Das beste Geschenk des Jahres ist diesmal ohnehin die Vorfreude – auf ein Wiedersehen in der Zeit nach Corona.
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Berlin-Debüt: Joana Mallwitz dirigiert das Konzerthausorchester Berlin am 28.11. mit Schuberts Großer C-Dur-Sinfonie. Ab 20.15 Uhr moderiert sie die Einführung auf konzerthaus.de, um 21 Uhr folgt der Konzertlivestream auf rbbKultur und konzerthaus.de
Übrigens: Die neue Corona-Verordnung sollte eigentlich bereits heute in Kraft treten, aber wegen redaktioneller Verzögerungen konnte sie nicht mehr rechtzeitig veröffentlich werden. Neuer Termin: Sonntag.
Dazu auch der Hinweis für Neuberliner: Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass Heiligabend hier wirklich schon am 24.12. stattfindet – die Ankunft des Weihnachtsmanns muss erst im Amtsblatt angezeigt werden.
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Nur 50 Minuten vom Ku'damm entfernt errichtet die Berliner Artprojekt-Gruppe nach den Plänen von Stararchitekt David Chipperfield in einer idyllischen Bucht am Scharmützelsee ein exklusives Wohn-Ensemble mit Privatpark, Spa und Seelage. Im Rahmen des Masterplans sind zudem ein Strandbad und eine Marina vorgesehen.
Hier erfahren Sie mehr…
„Das ist besser als die „Heute-show“, jubelte der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier über den digital-analogen Hybrid-Landesparteitag seiner Partei, und er resümierte: „Ernsthafte Demokratie und ein bisschen Parodie“. Und tatsächlich: Inmitten der Unterhaltungswüste, in die Corona Berlin verwandelt hat, stellte die SPD in einem beispiellosen Kraftakt ein respektables Programm mit Spurenelementen von videotechnischem Slapstick auf die Bühne.
Anders als sonst konnten sich die Redner nicht am Beifall berauschen – die Delegierten saßen zuhause mit einem Getränk in der Hand vor dem Rechner und kommentierten das Geschehen in privaten Chats und auf sozialen Netzwerken (einen Verlauf des Abend können Sie hier in unserem Blog nachlesen).
Michael Müller verabschiedete sich als Landesvorsitzender, blickte zurück auf seine größten Erfolge (… „und nebenbei haben wir auch 'nen Flughafen fertig gebaut“) – und bekam zum Abschied einen original Willy-Brandt-Warhol geschenkt.Unsere Kollegin Sabine Beikler beschreibt seinen Abgang so: „Michael Müller steht neben dem Bild, freut sich, hält einen Blumenstrauß in der Hand und verlässt das Podium, nachdem er sich eine schwarze Maske aufgesetzt hat.“ So endet eine Ära.
Andreas Geisel persiflierte aus Versehen Rudi Dutschke: „Michael, der Kampf geht weiter!“
Raed Saleh fand, dass es an Zeit war, sich bei den Migrantinnen und Migranten für Thilo Sarrazin zu entschuldigen.
Franziska Giffey tat, was sie am besten kann als gäbe es ein „Gute-Rede-Gesetz“, schien sie die ganze Welt zu umarmen: „Ich trete an, Ihr könnt Euch auf mich verlassen – egal, was passiert und was die Leute sagen!“
Ein Delegierter beschwerte sich in seinem Wortbeitrag darüber, dass alles, was hinter geschlossenen Türen vertraulich besprochen wird, „immer gleich im Checkpoint steht“. Und weiter: „Das kann doch nicht sein, dass der Checkpoint schreibt, was Kevin (Kühnert) im Landesvorstand sagt!“ Wir schauen gleich noch mal nach… doch, das kann sein.
Die Ergebnisse der Vorsitzendenwahl sollen heute Vormittag bekannt gegeben werden.
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So viel Pakete gab es noch nie. Deutsche Post DHL Group ist offizieller Partner des Weihnachtsmanns. Auch in Berlin und Brandenburg. Alle Informationen rund um den Versand Ihrer Weihnachtspakete und Ihrer Briefpost an die Lieben finden Sie hier. Bleiben Sie gesund!
Telegramm
Der Vertrag von Wasserbetriebe-Chef Jörg Simon läuft eigentlich noch bis Juli 2021 – aber jetzt ist der Job des Vorstandsvorsitzenden plötzlich im Stellenportal so ausgeschrieben: „Besetzbar ab sofort“.
Dazu heute auch unser Kurs „Mathe mit dem Checkpoint“: Angenommen, Ihr Wasserhahn würde seit dem Amtsantritt von Jörg Simon am 1. November 1999 ununterbrochen im Sekundentakt zu je 0,25 Milliliter tropfen, wie viele Badewannen (180 Liter) hätten sie damit bis heute füllen können? Antworten mit Lösungsweg bitte an checkpoint@tagesspiegel.de.
„Wohnen Sie in der richtigen Stadt?“, fragt die „Wirtschaftswoche“. Na logo! Aber um sicher zu gehen, investieren wir für Sie doch gleich mal 6,90 Euro aus der Checkpoint-Partykasse… und stellen fest: Die Düsseldorfer Redaktion hat komische Vorstellungen von „Stadt“. Arbeit, Wirtschaft und Immobilien sind die wichtigsten Kriterien, kein Wunder, dass München da vorne liegt – und der Vorsprung vor Ingolstadt (2) und Stuttgart (3) wäre mit einem Langweiligkeitsfaktor sicher noch größer ausgefallen (Beschwerdemails aus dem Süden der Republik und von der falschen Rheinseite bitte direkt an „Der-Regierende-Buergermeister@senatskanzlei.berlin.de“, die sind zuständig für die Berliner Medien).
Unser Städtchen landet übrigens auf Platz 38 (inkl. Kategorie 4, „Lebensqualität“) - „richtiger“ als Berlin sind angeblich nach München, Ingolstadt und Stuttgart (in dieser Reihenfolge): Erlangen, Frankfurt am Main, Wolfsburg, Ulm, Regensburg, Hamburg, Darmstadt, Würzburg, Heilbronn, Mainz, Düsseldorf, Karlsruhe, Freiburg, Wiesbaden, Nürnberg, Potsdam, Münster, Bonn, Heidelberg, Fürth, Mannheim, Augsburg, Braunschweig, Köln, Jena, Hannover, Pforzheim, Oldenburg, Dresden, Offenbach, Koblenz, Ludwigshafen, Leverkusen und Osnabrück.
Aber bevor Sie jetzt laut loslachen – warten Sie lieber noch einen Moment. Blättern wir mal im „Handelsblatt“, der großen „WiWo“-Schwester, nur ein paar Tage zurück… und was lesen wir da auf der Titelseite? „Traumstadt Berlin“ – na also, geht doch! „Die Bundeshauptstadt ist die Metropole mit der höchsten wirtschaftlichen und demografischen Dynamik in Deutschland“, und es wird noch besser, versprochen: „Das mag viele Berliner erstaunen“, steht da, wirklich – und wir fügen fröhlich hinzu: und viele Düsseldorfer ebenso.
Wichtiger Hinweis für Pegida-Anhänger: Die Amtsblatt-Mitteilung „Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten vermisst das Dienstsiegel (Holzstempel rund) mit der arabischen Kennzahl 273“ (S. 5655) ist kein Beleg für die Islamisierung des Abendlands – ohne arabische Ziffern könnte selbst Björn Höcke nicht bis 88 zählen.
Die Empörung von Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek über die Maskenpflicht für Grundschüler („Ich bin erschüttert“, CP von gestern) hat eine Vorgeschichte. Am 7. März meldete das RKI „eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation“ und warnte: „Eine weltweite Ausbreitung des Erregers ist zu erwarten. Mit weiteren Fällen, Infektionsketten und Ausbrüchen muss in Deutschland gerechnet werden.“ Am selben Tag postete Kapek ein fröhliches Selfie und schrieb dazu: „In der U-Bahn ohne Atemschutzmaske und Latexhandschuhe… living on the edge!“. Darunter ein Zwinkersmiley und ein Hashtag: „Coronahysterie“. Gestern meldete das RKI für Deutschland mehr als 1 Million Infizierte seit Beginn der Pandemie und 15.586 Todesfälle.
Achtung: Falls Sie ihren Mercedes 300 SEL, grau, Kennzeichen B-F1249H, Baujahr 1986 vermissen (Fahrzeugidentifikationsnummer WDB1260251A300443): Der kommt Ende des Jahres unter den Hammer. Es ist die Perle im Stall von 164 Fahrzeugen (meist ohne Kennzeichen, Schlüssel, Papiere), die das Ordnungsamt eingesammelt hat und jetzt versteigert. An der Spitze der schmählich verlassenen Autos stehen die Modelle Opel Astra und Ford Focus (je acht), bei den Marken ganz vorne ist VW – auch da hat die „Liebe zum Automobil“ (Werbespruch der Wolfsburger) nicht ewig gehalten.
Neues vom Grundstücksnummern-Gaga – das BA Marzahn Hellersdorf teilt mit: Aus der Adresse „Kastanienallee 118“ wird die Adresse „Kastanienallee 118“. Falls Sie also verwirrte Menschen auf der Suche nach der Adresse Kastanienallee 118 treffen: Empfehlen Sie ihnen zur Orientierung einen Blick ins Amtsblatt (S. 5661)
Moment mal: Mit 2790 kg Feingold soll ein verschwundener Hypothekenbrief in Pankow belastet sein, teilt das Amtsgericht Pankow mit (Blatt 627N, Abteilung III, Nummer I). Wow… das entspricht einem aktuellen Wert von 129.316.500 Euro. Falls das Ding auf Ihrem Schreibtisch liegen sollte – lassen Sie es bitte bis zum 31.3.21 vom Amtsgericht wiegen, sonst wird es für kraftlos erklärt.
Wochniks Wochenende
Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.
48h Berlin
Samstagmorgen – Wind und Regenwetter bei immer weiter dem Gefrierpunkt zustrebenden Temperaturen sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Freizeitgestaltung im Freien. Wer aus dem kommenden Winter hervorgehen wird, ohne den kleinen Prepper in sich entdeckt zu haben, wird vermutlich Winterschlaf gehalten haben. Nicht nur die Mode wird diesen Winter betont funktional, Archäolog:innen der Zukunft werden ihre Freude auch am verstärkten Aufkommen von To-Go-Geschirr und Outdoor-Küche, langen Unterhosen, Iso-Decken oder, persönliches Highlight, falt- und aufblasbaren Sitzkissen im Coronawinter haben. Aluhüte schützen durch die sehr hohe Wärmeleitfähigkeit übrigens nicht vor dem Auskühlen, man sollte schon wenigstens eine Mütze drüber ziehen. Oder einen Hut aus Titan tragen, wenn es unbedingt Metall sein soll – das leitet nämlich weitaus geringer.
Samstagmittag – Derart ausgerüstet steht dem ein oder anderen Spaziergang nichts mehr im Weg, womit auch klar wäre, dass es zurzeit nicht nur auf das Wo, sondern auch auf das Wie des Spazierens ankommt. Dieses Wie auf die Spitze treibt das Openmaps-Projekt des Moabiter ZK/U mit einer von Künstler:innen gestalteten Broschüre, die bereits seit Donnerstag in einigen glücklichen Moabiter Briefkästen auftaucht. Aber auch wer nicht in Moabit ansässig ist, kann sich das Kartenmaterial mit Anweisungen herunterladen, optional selbst ausdrucken und sich damit neue künstlerische Welten zwischen Wedding und Tiergarten erschließen.
Samstagabend – Nur weil man nicht in Bars hineingelassen wird, muss man nicht darauf verzichten, sie zu besuchen. Sa und So von 14 bis 22 Uhr bietet die Neuköllner Keith Bar deshalb ein Bar-Erlebnis zum Mitnehmen – zu trinken gibt es wahlweise den Hot Apple Fitzgerald's oder einen Hot Ginger Baker's, an deren genauen Rezepturen noch gefeilt wird. Jeglichem Hunger wird mit einer Ecke der heißbegehrten Heavy-Metal Pizza of Doom begegnet. Da die Bar besonders für den Musikgeschmack der Belegschaft bekannt ist und das Ohr bekanntlich mit isst, bietet der hauseigene Online-Radiosender Keith F'em das passende Ambiente zum gediegen vor-adventlichen Strobolight-Dinner.
Sonntagmorgen – Auch mit dem richtigen Käsefrühstück kann man sich wunderbar auf den Winter einstimmen. Eine runde Sache ist Dorena Nagel und Can Olcer mit ihrem Yeti No.1 gelungen, einem veganen und zugleich echten Käse. Veganer:innen dürften den Cashew-Camembert aus den Regalen der gemeinen Bio-Ketten längst kennen: Ein Käse, der statt auf Kuhmilch- eben auf Cashewmilch-Basis erzeugt wird, wobei der gesamte Reifungsprozess vergleichbar abläuft. So ist das auch beim schneeweißen Yeti, dessen Geschmack und Konsistenz aber etwas mehr Richtung Ricotta gehen. Das liegt daran, dass er, im Gegensatz zum Cashew-Käse, auf Basis von Sojabohnen bayerischer Biobauern erzeugt wird, was ihn nochmals umweltfreundlicher machen dürfte – Cashewnüsse kommen weit her. Bislang ausschließlich im Direktvertrieb zu beziehen, kosten 160g 5,60 Euro.
Sonntagmittag – Derart gestärkt empfiehlt sich eine verdauungsfördernde Bergwanderung. Wer es sich zutraut, kann zum Beispiel den Pfefferberg erklimmen. Auf dem Gipfel im Kink-Garten wird man von 15 bis 22 Uhr mit Glühwein, Kinderpunsch und Gebäck belohnt. Eine Feuerstelle soll warm, die Vernunft Besucher:innen auf Distanz zueinander halten. Wer es lieber nüchtern angeht, findet, ebenfalls auf dem Berg, im Architekturforum Aedes die Ausstellung Purgatory, auf Deutsch „Fegefeuer“, des Wahlberliners Ai Weiwei, die von 13 bis 17 Uhr geöffnet hat. U-Bhf Senefelderplatz
Sonntagabend – Wer Anfang dieses Jahres einen der großen Streaming-Dienste abonniert und zu dessen Rekordumsatz beigetragen hat – wer nicht? – könnte mittlerweile gelangweilt vom allgemein doch recht homogenen Angebot sein. So richtig skurril, trashig oder künstlerisch gewagt ist kaum ein Angebot der Großen. Ganz im Gegensatz zu dem der guten, alten Filmgalerie 451. Schon zu Zeiten des VHS- und DVD-Verleihs eine Ausnahmeerscheinung, hat die Videothek den Sprung ins Digitale bravourös geschafft. Wer sich in Bezug auf Regisseur:innen wie Roland Klick, Irene von Alberti, Hans-Jürgen Syberberg, Angela Schanelec, Michael Klier, Christoph Schlingensief, Heinz Emigholz, um nur eine Auswahl zu nennen, Bildungslücken eingesteht, der kann sie jetzt füllen.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Ich habe neulich meinen Stoßzahnschmuck verloren. Bei notwendigen Wühlarbeiten im Spandauer Forst, nahe der Bäckerfurt, um genau zu sein. Ich betätige mich, wie Sie sicher wissen, ehrenamtlich als Landschaftsarchitekt. Mir lag das Gestalterische schon immer. Im Spandauer Forst können Sie mein Werk vielerorts bewundern. Das tun auch die Hirschkäfer, Teichfrösche, Erdkröten, Ringelnattern, zahlreiche Wasserkäfer und Fische, Eisvögel, Zwergtaucher, Habichte, Bekassinen und die viel zu pingeligen Waldschnepfen, Mauswiesel, Iltisse, Waschbären, Füchse und Dachse, Fischotter und Biber, die hier leben. Manchmal gestatte ich es mir, die Expressionistensau rauszulassen. Dann plane ich nicht groß vor, sondern stürze mich direkt ans Werk. So auch neulich, eben in der Bäckerfurt. Mir erschien das Bäckereithema, das der Name nahelegt, allzu gekünstelt. Also erklärte ich spontan den Boden zum Teig und rührte alles einmal kräftig durch. Na ja, und dabei ist mein Stoßzahnschmuck abhanden gekommen. Er war ein Geschenk. Mein Name ist eingraviert, in feinziselierten Lettern, auf Schweinisch. Bitte im nächsten Fundbüro abgeben, wer ihn findet. Danke.“
Leseempfehlungen
Und was gibt es sonst noch zu essen? Eine feine Auswahl von Berliner Take-Away-Angeboten, Pop-Up-Märkten und anderen Optionen zum Unterwegsessen (das neue Essen) hat Kai Röger (Abo) zusammengestellt.
Einen Einblick in den Alltag in der Rigaer Straße zwischen 1400 Euro Miete für 95 Quadratmeter, brennenden Mülltonnen und Zivilpolizei gibt Robert Klages hier (Abo).
Galerien, die als Händler fungieren, haben geöffnet. Eine Auswahl stimulierender Eindrücke hat Birgit Rieger hier (Abo) zusammengetragen.
Wochenrätsel
In welchem Gegenstand wurde beim jüngsten Stopp eines Kokstaxis am Prenzlauer Berg Rauschgift gefunden?
a) Döner
b) Sterni
c) Socke
Encore
Kreuzberg früher: Im SO 36 saufen. Kreuzberg heute: Fürs SO 36 nippen (aber ohne mich): Die Kuhfladen-Esoteriker von Demeter verkaufen einen „SO 36 Soli-Wein“ („extrem süffig, toller Allrounder“) zu 9,97 Euro inkl. 2 Euro „Spende direkt“ – und damit ist die Gentrifizierung des Bezirks offiziell vollendet. (Q: Nicolas Šustr)
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Wenn die Kreuzberger das in den 80ern geahnt hätten... #SO36 pic.twitter.com/9Q38ZBPGrV
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Und auch dieser letzte Checkpoint der Woche ist damit… na ja, vielleicht nicht vollendet, aber jedenfalls beendet. Weiter geht’s hier am Montagmorgen, wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende. Bis dahin,