knirschend kommt das öffentliche Leben zum Stehen wie ein Rennauto im Kiesbett. Nach anfänglichem Zögern hat der Senat in der Nacht zum Sonnabend doch noch die Kurve bekommen und einschneidende Maßnahmen verfügt – hier ein Überblick:
+ Clubs und Kneipen bleiben zu.
+ Öffentliche und private Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind verboten.
+ Alle öffentlichen und privaten Sportanlagen sind geschlossen.
+ Museen und Bibliotheken haben ihren Betrieb eingestellt.
+ Für Krankenhäuser und Heime gilt ein Besuchsverbot mit wenigen Ausnahmen.
+ Restaurants dürfen unter Abstands-Auflagen geöffnet bleiben.
+ Oberstufenzentren und Berufsschulen sind von heute an dicht.
+ Alle weiteren Schulen und Kitas schließen morgen.
Noch am Freitag hatte der Senat gemeint, den Beginn des weitgehenden „Shutdown“ erst bei seiner nächsten regulären Sitzung am morgigen Dienstag rechtssicher in Kraft setzen zu können. Doch die Leiter der Gesundheitsämter und Stadträte aus Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg befürchteten gravierende Folgen eines letzten Party-Wochenendes und drängten auf sofortiges Handeln. So kam es, und auch der Virologe Christian Drosten stellte nach dem Hin und Her der vergangenen Tage schließlich fest: „Berlin hat nun wirklich gezeigt, wie man es macht. Meine Hochachtung vor so viel Handlungswillen und Engagement!“
Welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt die richtigen sind, wird auch unter Wissenschaftlern weiter kontrovers diskutiert – Einsichten sind dabei oft Momentaufnahmen, die je nach Verlauf korrigiert werden. Selbst Drosten, dem in der Krise die Rolle eines Weisen zugewachsen ist, stellt mitunter fest: „Habe zu kurz gedacht“. Solange nicht alle Geheimnisse von Sars-CoV-2 entschlüsselt sind, werden wir damit leben müssen – und können. Jetzt geht es nicht um Aufarbeitung für Lernprozesse, sondern darum, die Gegenwart zu bewältigen nach Regeln, für die es kein Muster gibt. Das stellt uns alle vor enorme Herausforderungen. Diejenigen, die dabei helfen, die Virus-Verbreitung zu verlangsamen und das öffentliche Leben soweit wie möglich aufrecht zu erhalten, brauchen und verdienen jetzt Unterstützung.
Dazu gehören alle, deren Berufe und Aufgaben der Senat im Zusammenhang mit der Notbetreuung für Kinder als systemrelevant deklariert hat – die Liste finden Sie hier.
Dazu gehören die heimlichen Heldinnen und Helden an den Kassen der Supermärkte, die wegen der vielen direkten Kontakte ungeschützt einem hohen Risiko ausgesetzt sind – und ohne die längst die Versorgung zusammengebrochen wäre.
Und dazu gehören auch die vielen, die jetzt ehrenamtlich ohne große Worte anderen helfen. Wie schwer das zuweilen unter völlig neuen Umständen ist, zeigt das Beispiel von Aline von Drateln – sieschrieb am Freitag bei Twitter:
„Ohne Publikum habe ich als Moderatorin keine Arbeit. Ich biete ab Mittwoch ehrenamtlich Kinderbetreuung an für Betroffene der Schulschließungen in Prenzlauer Berg/Mitte. Habe selbst 2 Kinder (8 & 13). Gerne DM. Eltern in Pflegeberufen bevorzugt.“
Die Resonanz war enorm (mehr als 1100 Retweets, 6500 „Gefällt mir“-Angaben), manche Reaktion aber auch erschütternd. Ich habe Aline gebeten, ihre Erfahrungen aufzuschreiben, den Text finden Sie hier – ihr Fazit: „Die Krankheit hatte einfach keine Zeit, sich auf die Medien einzustellen. In Virus veritas?“
Corona verändert die Welt, wie wir sie kennen – und konfrontiert uns mit scheinbaren Widersprüchen. Ärzte, Wissenschaftler und die Politik fordern uns auf, „soziale Kontakte weitgehend einzustellen“ (Merkel). Galt nicht eben noch das Gegenteil? Die Aufgabe klingt verrückt: Wir sollen Gemeinschaftssinn durch Vereinsamung zeigen – Gesundheit und Überleben von Freunden, Familie und Fremden sichern, indem wir auf Abstand gehen. Dabei brauchen gerade jetzt viele Menschen Hilfe: Kranke und Kontaktpersonen, die zuhause unter Quarantäne stehen – je mehr es werden, desto schwieriger ist deren Versorgung. Und wer auch sonst schon auf das Engagement anderer angewiesen ist, spürt Corona mittelbar – so schließen zum Beispiel immer mehr „Tafeln“. Die Stadtgesellschaft ist auf beispiellose Weise herausgefordert – und muss schnell neue Wege zu ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement finden.
Hilfe brauchen auch Selbstständige, Honorarkräfte, Gastonomen und Kulturveranstalter – der Senat hat schon mal angekündigt, den Hilfsfonds für die Berliner Wirtschaft aufzustocken und die Vorsteuer zu stunden. Doch das wird nicht reichen, die Einnahmeausfälle dürften schon bald gigantisch sein. Auch hier braucht es neue Ideen. Wie wäre es zum Beispiel damit, digitale Auftritte von Künstlern (Vorbild: die tollen Twitter-Hauskonzerte von Igor Levit) mit Spenden zu fördern?
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Die bisherigen Maßnahmen offenbaren eine weitere Tücke von Sars-CoV-2: Je erfolgreicher der Kampf gegen die Krankheit ist, desto länger wird er dauern. Stoppen lässt sich Corona nicht mehr. Das Ziel ist es, die Kurve flach zu halten, also die Zahl der behandlungsbedürftigen Patienten unter der Kapazitätsgrenze der Intensivmedizin zu halten – Betten und Beatmungsgeräte sind nicht unbegrenzt verfügbar. Die Virusverbreitung zu verlangsamen, bedeutet deshalb auch, sie zu verlängern. Welche Folgen das für das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben hat, lässt sich nur ahnen.
Für Berlin bedeutet das: Die bisherigen Befristungen markieren nicht das Ende der Einschränkungen, im Gegenteil: Es wird weitere geben. So sieht Xhain-Stadtrat Florian Schmidt, der auf eine schnelle Schließung von Clubs und Kneipen drängte, noch weitaus drastischere Maßnahmen voraus – in einem Tweet schreibt er: „China: Permanente Temperatur-Messungen und Adhoc-Isolation statt Familien-Quarantäne mit Ansteckungsgefahr. Nach Versammlungen aller Art zu untersagen und an Vernunft zu appellieren, müssen wir schnell da hin, inklusive Adhoc-Quarantäne-Räumen dezentral in der Stadt. Oder?“
Lebensgefährlich ist das Virus vor allem für Patienten mit Vorerkrankungen und ältere Menschen – die Publizistin und frühere „Piraten“-Politikerin Marina Weisband weist darauf in einem Tweet noch einmal nachdrücklich hin: „Freundin (Krankenschwester auf Intensiv) bereitet sich darauf vor, an die Front zu gehen. Ich frage: ‚Was können wir für dich tun?‘ Sie antwortet: ‚Haltet die Kurve flach. Sprecht mit euren Eltern und Großeltern. Die sollen sich isolieren. Die sind störrisch.‘“
In Krisenzeiten schlägt die Stunde der Scharlatane und Verschwörungstheoretiker – die sozialen Netzwerke sind voll davon. Ihre Gerüchte wirken wie ein ansteckender Virus, dessen Ursprung unergründlich ist: Sie machen Angst oder verführen zu Leichtsinn – und sie sind die besten Freunde von Corona. Das gesündeste in krankmachenden Zeiten ist deshalb der Zweifel an trüben Quellen. Im Tagesspiegel recherchieren täglich Dutzende Kolleginnen und Kollegen aus allen Ressorts nach verlässlichen Informationen in der Corona-Krise und ordnen sie für Sie ein.
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Unser Artikel „Coronavirus in Berlin – das müssen Sie wissen, hier bekommen Sie Hilfe“ ist jetzt auch in mehreren Übersetzungen verfügbar (Idee und Produktion: Julius Betschka und Sophie Krause):
+ Englisch (Übersetzung Jakob Schlandt)
+ Arabisch (Übersetzung Muhamed Abdi)
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Und auch im Checkpoint informieren wir Sie hier jeden Morgen kompakt über alles, was Sie wissen sollten.

Berliner Schnuppen
Telegramm
In Tegel wurde das Nachflugverbot aufgehoben – wegen der Corona-Krise soll Urlaubern so eine direkte Heimkehr ermöglicht werden.
Am BER wackelt die Evakuierungsübung mit mehreren hundert Komparsen (geplant für den 29. April) – zurzeit wird eine Verschiebung geprüft (der Übung, nicht der Eröffnung).
Der Flugverkehr in Berlin ist massiv zurückgegangen – viele Verbindungen wurden gestrichen, die Lufthansa parkt etliche Maschinen am BER, nur ein Drittel der FBB-Belegschaft arbeitet noch vor Ort.
Die Bahn dünnt wegen Fahrgastmangels ihren Nahverkehr aus – verzichtet werden soll aus Gesundheitsgründen auf Fahrscheinkontrollen.
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Hören Sie jetzt den Checkpoint-Podcast „Eine Runde Berlin“ bei Spotify, Apple Podcasts oder überall sonst, wo’s Podcasts gibt! Tagesspiegel Checkpoint-Autorin Ann-Kathrin Hipp nimmt sich einmal im Monat ein Thema vor, eine Berlinerin oder einen Berliner mit und fährt eine Runde Ringbahn. Los geht’s in der ersten Folge mit Autor Jens Bisky.
Viele Unternehmen haben auf „Home office“ umgestellt (auch der Tagesspiegel) – nur ausgerechnet beim Bund der Krankenkassen in Berlin herrscht weiter Normalbetrieb (trotz eines Corona-Falls): Die Vorgesetzten halten sich offenbar für immun.
Auch der Dom musste schließen – und übertrug den Gottesdienst mit Predigt, Orgelmusik und Chor am Sonntag kurzentschlossen per Facebook als Livestream. So soll es auch in den kommenden Wochen sein, kündigte Stephan Harmening, Vorsitzender des Domkirchenkollegiums, dem Checkpoint an: „Wir werden niemanden alleine lassen, der uns braucht.“ Weitere Infos gibt’s hier.
In der Charité ist es noch einigermaßen ruhig – aber unter den Ärzten wird befürchtet, dass hier von Mittwoch an „die Hütte brennt“.
Die Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW)will, anders als die staatlichen Unis, nicht schließen – in einer Mail an die lieben „Kolleginnen und Kollegen“ macht Kanzler Ronald Freytag Witze über Computerviren und Klopapier und kündigt an, „so viel Normalität wie möglich“ aufrecht erhalten zu wollen: „Lassen Sie uns die Balance finden aus hygienischen Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung der weiteren Ausbreitung der Viren auf der einen Seite, und der grundsätzlichen Aufrechterhaltung des Kernbereiches des Hochschulbetriebs auf der anderen.“ Sein Schlusswort: „Diese Krise ist – so verrückt das klingt – auch eine Chance für die HMKW.“
Der Küchenladen „Kochtail“ vermeldet einen „unglaublichen Run auf Backformen, Brotbacksteine, Ausstechformen und Fermentiergläser“ – das klingt vernünftiger als vieles, was aus anderen Läden zu hören ist.
Wer noch Popcorn braucht – die Kinos verschenken das Zeug gerade Säckeweise (gesehen vor den „Neukölln Arkaden“).
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich glaube, jeder, der es sein will und hier drei Winter überstanden hat, kann sich mit Fug und Recht Berliner nennen.“
Der Autor Jens Bisky („Berlin – Biographie einer großen Stadt“) im neuen Checkpoint-Podcast „Eine Runde Berlin“ mit Ann-Kathrin Hipp (kurz vor den ersten Corona-Fällen in Berlin aufgezeichnet). Eine tolle Gelegenheit für eine geistreiche Tour durch die Stadt, ohne das Haus verlassen zu müssen.
Tweet des Tages
Was wird eigentlich die neue Ausrede der DHL, wenn ganz Deutschland nachweislich zu Hause anzutreffen ist?
Antwort d. Red.:
Stadtleben
Mit Ordnung in die Woche starten –Warum nicht den Frühjahrsputz schon jetzt abhaken? Schränke ausmisten, Papierstapel sichten, die Fenster für den freien Blick auf die Frühlingssonne putzen! Das gibt in Zeiten von Corona bestimmt mal wieder ein richtig befreiendes Gefühl. Für wen das – verständlicherweise – gerade wenig verlockend klingt, gibt’s noch einen Vorschlag: Beim Aufräumen Podcasts hören. Da ist die Hausarbeit nur halb so öde! Eine große Empfehlung: „Neues vom Ballaballa-Balkan“. Berichterstattung über die Länder des Balkans kommt in Deutschland oft zu kurz. Die (Ex-)Journalisten Danijel Majić und Krsto Lazarević klären in ihrem Podcast mit dem Schwerpunkt Südosteuropa etwa über den Umgang mit Homosexualität in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens auf, kommentieren teils zynisch das Treiben kroatischer und serbischer Nationalisten, besprechen Wahlen oder gucken zusammen jugoslawische Partisanenfilme. Vor „Palaver und Polemik“ ist man mit den beiden nicht gefeit. Besonders lustig wird's, wenn sie sich gegenseitig auf die Schippe nehmen.
Selbstkochen statt Essengehen – und endlich all die aufwendigen Rezepte ausprobieren, für die normalerweise keine Zeit ist. Zum Beispiel Kimchi! Der eingelegte Chinakohl darf als hippe Vorspeise neben Edamame in keinem koreanischen Restaurant in Berlin mehr fehlen – und in Zeiten von Corona vielleicht das triftigere Argument: Er wirkt antiseptisch. Kimchi selbstzumachen ist dabei gar nicht so schwierig. Das meiste passiert beim Fermentieren nämlich von selbst, Mensch braucht nur Geduld. Also: Man mariniere den gesalzenen Chinakohl lediglich mit Rettich, Karotten und Lauch in einer Paste aus Chiliflocken, Ingwer und Knoblauch und packe ihn luftdicht in ein Glas. Damit das während der Milchsäuregärung nicht platzt, kommt obenauf ein Gärrohr mit einem Gummistopfen. Jetzt 48 Stunden warten und in der Zwischenzeit noch mehr Fermentier-Tipps von Tagesspiegel-Autorin Deike Diening lesen.
Tipps fürs Homeoffice – Für viele fällt die gewohnte Struktur im Alltag jetzt weg. Die Kinder zur Schule bringen wird ab morgen überflüssig, der Arbeitsweg führt an den häuslichen Schreibtisch und die Gelegenheit, unterwegs Besorgungen zu machen, ergibt sich auch nicht mehr. Der Expertentipp fürs Homeoffice aus dem Tagesspiegel deshalb: Rituale aus dem bisherigen Arbeitsalltag fortführen! „Auf die morgendliche Routine sollte man nicht verzichten – eben keine Mails im Schlafanzug beantworten, sondern duschen, frühstücken und sich so verhalten, als würde man ins Büro gehen. Auch am eigenen Schreibtisch telefoniert es sich dynamischer und professioneller, wenn die Haare gekämmt sind. Außerdem sollte man private Dinge vom Arbeitsplatz verbannen, die Konzentration fällt dann leichter.“
Frage an die Checkpoint-Community: Für viele bedeutet Homeoffice in den kommenden Wochen auch „Homeschooling“, denn noch ist unklar, wie die Schulen den Unterrichsausfall kompensieren werden (können). Den Anfang machen sicher herrlich analoge Aufgabenlisten. Aber Berliner Eltern sind findig und haben sicher ihre Favoriten für digitales Üben. Helfen Sie anderen, die noch keine Zeit hatten, Arbeitsblätter auszudrucken oder die besten Lern-Apps zu recherchieren – Hinweise bitte an checkpoint@tagesspiegel.de. #berlinerelterngegendenpisatrend
Regional versorgt dank Kiezläden – Was nutzen einem die besten Buchtipps, wenn man nicht in die Buchhandlungen gehen kann oder sollte? Und nur wegen Corona plötzlich bei Amazon bestellen, obwohl man das vorher auch nicht gemacht hat, ist auch keine dauerhafte Lösung. Zum Glück gibt es Kiezbuchhandlungen,wie den Prinz Eisenherz in der Motzstraße 23 in Schöneberg. Der Laden bietet jetzt kostenlose Lieferungen an, die online, telefonisch (030-3139936) oder per Mail bestellt werden können. Zum Beispiel Laura Spinneys „1918 – Die Welt im Fieber“ über die Spanische Grippe oder ein bisschen Quarantäne-Lektüre von Paul Bokowski („Hauptsache nichts mit Menschen“, „Alleine ist man weniger zusammen“, „Bitte nehmen Sie meine Hand da weg“). Kennen Sie noch andere Buchhandlungen, Feinkost- oder Schreibwarenläden etc. in Ihrem Kiez, die ihre Lieferungen epedimiebedingt kostenlos anbieten? Schreiben Sie sie uns gerne unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Meditation gegen den Isolation-Blues – Allein zu Hause, wenig Sozialkontakte – da rattern die Gedanken schnell mal in Dauerschleife durch den Kopf. Das kann auch psychisch gesunden Menschen zu schaffen machen. Ein wenig Meditation könnte da helfen. Und die muss gar nicht esoterisch aufgeladen sein. Letztendlich ist Meditation nicht mehr als eine Konzentrationsübung, bei der man sich auf den Atem oder Körper fokussiert. So zum Beispiel auch bei der Sparte „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR), bei der man mithilfe des sog. „Bodyscans“ die Aufmerksamkeit auf alle Körperteile nacheinander richtet. Das hilft, die Gedanken zu sortieren, bringt den Puls runter und beruhigt. Angeleitete Videos gibt's auf Youtube (z.B. hier und hier). Einen Versuch ist es wert!
Die Tipps für einen gelungenen Wochenstart in den eigenen vier Wänden von: Maria Kotsev
Berlin heute
Verkehr – Hermannstraße (Neukölln): Ab 6 Uhr im Bereich Siegfriedstraße Richtung Hermannplatz auf eine Spur verengt.
Oranienstraße (Kreuzberg): In Richtung Rudi-Dutschke-Straße zwischen Moritzplatz und Lobeckstraße gesperrt (bis Mitte Mai). Fuß- und Radverkehr sind nicht betroffen.
Lauenburger Straße / Friedrichsruher Straße (Steglitz): Die Friedrichsruher Straße zwischen Bismarckstraße und Lauenburger Straße sowie die Lauenburger Straße zwischen Friedrichsruher Straße und Südendstraße werden wegen Fernwärmearbeiten in beide Richtungen gesperrt. Auch der Radverkehr ist betroffen, eine Umleitung ausgeschildert.
Bernauer Straße (Tegel): In beide Richtungen Höhe Sterkrader Straße eingeengt (bis vsl. Anfang April).
Treskowallee (Karlshorst): In Richtung Oberschöneweide gibt’s in Höhe Gregoroviusweg bis Ende März nur eine Spur.
Alt-Friedrichsfelde (Friedrichsfelde): Ab ca. 6 Uhr sind stadtauswärts in Höhe Robert-Uhrig-Straße nur zwei Fahrstreifen frei (bis Ende März).
Salvador-Allende-Brücke (Köpenick): Von 22 bis 5 Uhr in beide Richtungen gesperrt. Eine Umleitung ist ausgeschildert, Fußgänger*innen und Radfahrende dürfen die Brücke passieren.
Rhinstraße (Alt-Hohenschönhausen): Ab 9 Uhr gibt’s für ca. 10 Tage in Richtung Gehrenseestraße zwischen Plauener Straße und Marzahner Straße nur eine Spur.
S-Bahn: Die Linie S2 fährt in den Nächten bis Freitag zwischen 22 und 1.30 Uhr nicht zwischen Lichtenrade und Marienfelde. Es gibt einen Ersatzverkehr mit Bussen. Für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste ohne Fahralternative wird ein Fahrdienst organisiert. Fahrwünsche können unter 030-86096410 angemeldet werden.
Und die Ringbahn ist zwischen 21.45 und 1.30 Uhr in beiden Richtungen zwischen Wedding und Schönhauser Allee unterbrochen. Es fahren auch hier Ersatzbusse.
Demonstration – Ob Demonstrationen und Kundgebungen auch unter das Verbot von öffentlichen und privaten Veranstaltungen ab 50 Personen fallen, wird noch diskutiert. Nach der neuen „Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus“ müssen für Veranstaltungen unter 50 Teilnehmenden Kontaktlisten für den Notfall erstellt werden. Im Grundgesetz steht unter Versammlungsfreiheit jedoch, dass alle Deutschen das Recht haben, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Viele Demonstrationen wurden bereits freiwillig von den Veranstaltern abgesagt. Folgende Versammlungen sind weiterhin angemeldet: Von 13-14 Uhr versammeln sich 500 Personen zur „Forderung der IG Metall“ auf dem Los-Angeles-Platz 1. Zum „Andenken an die Opfer des Massakers Halabja, Irak“ mit 100 Teilnehmenden ruft das Kurdische Zentrum e.V. am Breitscheidplatz auf (16-18 Uhr). Und rund 50 Menschen treffen sich mit Berlin Montagsdemo zwischen 18 und 20 Uhr am Alexanderplatz vor der Weltzeituhr im „Kampf gegen Hartz IV“.
Gericht – Sechs Monate nach einer Messerstecherei in einem Lokal muss sich ein 22-Jähriger wegen versuchten Mordes verantworten. Unvermittelt soll er einen vermeintlichen Nebenbuhler umarmt und ihm eine Schnittwunde am Hals zugefügt haben – aus Rache (12 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 701).
Universität – Seit Sonnabend sind alle Universitätsbibliotheken bis auf Weiteres geschlossen. Natürlich entstehen keine Gebühren für entliehene Bücher. Die HU verfügt über das Online-Portal Primus, über das HU-Studierenden mit einem VPN-Zugang auf das digitalisierte Bücherangebot der Uni zugreifen können. Das Portal der FU heißt ähnlich: Primo. Auch hier können Studierende der FU lizensierte elektronische Texte abrufen.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Pál Dárdai (44), ehem. Hertha-Trainer / Sylvia Gerasch (51), ehem. Schwimmerin / Robert Ide, Checkpointer und „King-of-Kalauer“, das Team grüßt und beglückwünscht Sie! / Simon Jäger (48), Synchronsprecher / Hannelore Konrad (77), „Journalistin, Allerherzlichste Glückwünsche zur 77. Umrundung der Sonne senden Ingrid und Felix aus Schmöckwitz.“ / Florian Lukas (47), Schauspieler / David Nathan (49), Synchronsprecher / Claus Offe (80), Sozialwissenschaftler / Sebastian Schwarz (36), Schauspieler / Ellen Tiedtke (90), Schaupielerin und Kabarettistin, bekannt aus der DDR-Kindersendung „Ellentie“ / nachträglich: Stefan (58), „der Berlin seit über zwanzig Jahren schöner macht: Nicht aufhören, da ist noch viel zu tun! Alles Gute!“ / Ralf Treptow (60), Leiter des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Pankow und Vorsitzender der Berliner Vereinigung der Oberstudiendirektoren – „Alle guten Wünsche von sve“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Elisabeth Baron, * 29. November 1920 / Lutz Berger, * 12. Juni 1945 / Brigitte Enseleit, * 23. Januar 1939 / Monika Messmer, * 1940
Stolperstein – Heute vor 75 Jahren wurde Werner Scharff (Jhg. 1912) nach Sachsenhausen deportiert und ermordet. Zuvor war er im KZ Theresienstadt interniert. Vor seiner Deportation dorthin am 4. August 1943 lebte er in der Gitschiner Straße 70 in Kreuzberg.
Encore
Das „Schlawinchen“ war vermutlich die seit 1979 am längsten ununterbrochen geöffnete Kneipeninstitution Berlins – auch hier ist jetzt der Zapfhahn zu, auf dem Aushang an der Tür heißt es: „Wir sehen uns wieder, wenn wir alle tot sind. Prost Nachbarn!“ Unser Reporter Sebastian Leber hat sich in der Berliner Nacht in Zeiten des Shutdown umgeschaut, seinen Bericht über eine Stadt zwischen Vernunft und Irrsinn finden Sie hier.
Wenn der Berliner Hedonismus jetzt mal eine Vernunftpause einlegt, wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen und ihre Molle oder was auch immer für ein paar Wochen zuhause zischen, überstehen wir auch Corona. Und dann wird Berlin quicklebendig so hart feiern, dass die Neunziger Jahre dagegen nur ein leichtes Vorglühen waren. Das Schlusswort hat deshalb für heute der freundliche Verkäufer in einem Berliner Supermarkt (dem Checkpoint bekannt): „Nicht das Virus bringt die Menschen um, sondern ihr Egoismus.“
In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund – und zwar zuhause! Morgen früh läuft hier mit Ihnen Felix Hackenbruch die neusten Nachrichten ab. Bis dahin,