wir beginnen mit dem Trailer zur neuen Staffel von „Die wunderbare Welt des Engelbert“ – Titel: „Tegel-Aus verzögert sich“. Die Story: Eine Stadt versucht, einen Flughafen zu eröffnen und einen Flughafen zu schließen, doch seit Jahren will weder das eine, noch das andere gelingen. Was zuletzt geschah: Weil wegen einer Pandemie kaum noch jemand flog, wollte der Flughafenchef TXL früher schließen, obwohl BER noch nicht eröffnet ist. Jetzt stellt sich heraus: Weil plötzlich alle wieder fliegen wollen, ist SXF allein mit Abstand zu klein. Die Rettung: Weil der Schließungs-Antrag zum 15. Juni für TXL sowieso zu spät… aber wir wollen hier nicht zu viel verraten – fest steht jedenfalls: Die Geschichte wird noch einige Loopings nehmen (mehr zu Tegel weiter unten in der Rubrik „Tschüssikowski“).
Auch der R-Faktor kurvt ziemlich herum: Bundeweit ist der Wert (Neuinfizierte durch einen Infizierten) leicht gesunken, in Berlin aber steigt er seit drei Tagen (Dienstagabend: R = 1,95) – die erste Corona-Ampel zeigt wieder rot. Und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sieht trotz zur Zeit niedriger Infektionszahlen „eine Trendwende“. Ob der Gummiboot-Rave im Urbanhafen (CP von gestern) den Trend verstärkt, werden wir erst in ein paar Wochen wissen – aber Jens Balzer kommentiert den Untergang des Anstands wegen zu wenig Abstands schon mal so: „Dass DJ‘s nicht immer die hellsten Kerzen am Baum sind, ist freilich eine Erkenntnis, die sich schon öfter einstellte. Die träumenden Vollhonks vom Landwehrkanal haben der Berliner Clubkultur einen absoluten Bärendienst erwiesen.“ Mindestens das. (Q: Radioeins)
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Webinar-Reihe #digitalvscorona
Jeden Donnerstag diskutieren grüne Bundestagsabgeordnete mit Expert*innen darüber, wie digitale Innovationen uns durch und aus der Corona-Krise hinaus helfen können … knackige 60 Minuten, live im Netz. Mit Renate Künast, Stefan Gelbhaar, Danyal Bayaz, Tabea Rößner u. v. a. Seien Sie dabei, immer donnerstags, 17-18 Uhr: gruene-bundestag.de
In Friedrichhain-Kreuzberg und Lichtenberg hat die Politik offenbar Angst davor, dass die Bundeswehr mit dem Panzer in den Krieg gegen Coronaviren zieht: Als einzige Bezirke lehnten sie ein Hilfsangebot der Truppe ab. Die Soldaten sollen die Gesundheitsämter dabei unterstützen, Kontaktpersonen von Corona-Infizierten ausfindig zu machen – per Computer und Telefon. In Xhain marschieren jetzt stattdessen studentische Hilfskräfte auf.
Gibt’s im „Borchardt“ die Spezialität „Promi-Bonus“ zum Nachtisch? Mehr als zwei Wochen nach der Schampus-Sause, die von der Polizei wegen überschäumender Fülle beendet wurde, hat jedenfalls noch immer niemand dem Wirt die Rechnung serviert – dabei stand auf der Speisekarte ein mehrfacher Verstoß gegen die Corona-Verordnung: zu voll, zu wenig Abstand, zu lange geöffnet. Der Zuckerguss bestand aus einem Bruderkuss: FDP-Chef Lindner umarmte den Honorarkonsul von Weißrussland (letzte lupenreine Diktatur in Europa) – Trauer trugen nur die Masken (sie waren auf Halbmast gesetzt).
Eigentlich ein klarer Bußgeldfall – aber warum passiert da nichts? Na, dann begeben wir uns doch mal auf die Schnitzeljagd… Am heißesten ist es in der Küche von Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel, sein Ordnungsamt müsste das Bußgeld kassieren. „Saftig“ sollte die Strafe sein, so wurde es am nächsten Tag von Koalitionsmitgliedern beim Bezirksamt bestellt – ihre Hoffnung: So lässt sich Lindner nochmal in die Pfanne hauen. Doch so, wie der Borchardt-Koch ein Kalb fürs Schnitzel braucht, braucht der Bürgermeister eine Anzeige der Polizei. Doch die fehlt bis heute – oder gibt’s vielleicht gar keine?
Wir bleiben beim Thema „Corona-Verstöße“ und schauen zwei Abgeordneten bei der Feindbildpflege zu. Stefan Förster (FDP) will wissen, warum alle Abstand halten müssen – „nur nicht die Chaoten am 1. Mai?“ Und Hanno Bachmann (AfD) interessiert sich besonders für Verstöße am 3. April rund um die Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee. In beiden Fällen hat Innenstaatssekretär Torsten Akmann genau nachgezählt. Auf der Borchardt-Sache kaut er seit mindestens einer Woche rum (immerhin – er hat sich’s notiert). Vielleicht checkt er aber auch noch auf der Gästeliste, wer da was genossen hat.
Kneipen, die wegen Corona pleite gehen oder auf der Kippe stehen: Giraffe, Zwiebelfisch, Kreuz+Kümmel, WAU, Schlawinchen, Lentz, Leonhardt… Berlin fällt trocken.
Weiter geht’s mit einer Runde Behördenpingong. Seit Jahren ist klar: Der neue Teil der Gedächtniskirche bröselt vor sich hin und braucht dringend eine Sanierung (v.a. der Betonwaben) – doch warum geht’s nicht voran? Die Kirche teilt mit, dass das Bundesamt für Bauwesen mitteilt, dass der Projektsteuerer erst beauftragt werden kann, wenn die Finanzierung steht. Der Senat teilt mit, dass erstens eine Überprüfung der Zahlen durch eine amtliche Baudienststelle fehlt (Bezirk), und dass zweitens zu keinem Zeitpunkt Mittel im Landeshaushalt eingestellt wurden (Parlament) – obwohl der Bund die Hälfte der Kosten (35 Mio. Euro) übernehmen will. Das Bundesgeld fließt allerdings nur, wenn der Senat, das Parlament, der Bezirk, das Amt, die Gemeinde…
Die Opposition hatte übrigens gefordert, den Berliner Anteil im Sonderfonds Siwana zu berücksichtigen. Die Koalition wollte das erst in den nächsten Fonds packen – nur wird es den nach Corona kaum noch geben. Es kommentiert der CDU-Abgeordnete Andreas Statzkowski: „Wir riskieren eine Bauruine – und das Geld vom Bund ist dann auch noch weg.“ Bleibt wohl nur der Versuch, die Millionen über eine Marketingkampagne zu sammeln. Der Checkpoint spendiert schon mal das Motto: „Gedächtniskirche – kannste vergessen.“
Nach der Lufthansa will die Bundesregierung auch Milliarden in die Automobilindustrie stecken – per Kaufprämie für Neuwagen. Carla Neuhaus sagt: Die Autoprämie hilft kaum – und wenn, dann vor allem Gutverdienern, die sie nicht brauchen. Alfons Frese kontert: Wer die Autohersteller von Corona-Hilfen ausschließt, riskiert Hundertausende Arbeitsplätze. Und was meinen Sie?

Harald Martenstein hat gestern Abend bei Jörg Thadeusz im „Talk aus Berlin“ unser gemeinsames Buch vorgestellt („Berlin in 100 Kapiteln, von denen leider nur 13 fertig wurden“) – falls Sie es verpasst haben und später nochmal reinschauen wollen: Hier ist der Link zur RBB-Mediathek. In den Amazon-Charts haben wir uns übrigens gleich am ersten Tag in den drei wichtigsten Kategorien an die Spitze gesetzt: „Kommunalpolitik“, „Public Affairs“ und „Öffentliche Ordnung“ (kein Witz!). Sie sehen, die Sache ist uns bierernst (steckt ja auch ein bisschen Checkpoint drin). Wenn Sie mal durchblättern wollen: Die 100 Kapitel, von denen leider nur 13 fertig wurden (aber das auf 288 Seiten), gibt’s in jedem Buchladen – und natürlich auch hier im Tagesspiegel-Shop. Und wenn Sie sich noch in dieser Woche für ein Checkpoint-Jahresabo anmelden, bekommen Sie unser Buch sogar als Geschenk dazu – und kostenlos zugeschickt.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Eine der besten Berliner Kampagnen hat Martell Beck aufgesetzt: die der BVG („Weil wir dich lieben“). Jetzt folgt er seiner früheren Chefin Sigrid Nikutta zur Deutschen Bahn, Abteilung Cargo. In einem bemerkenswert offenen Abschiedsinterview mit der Agentur Leap analysiert er den Erfolg so: „Das zeigt, dass es uns gelingt, unser Image zu verbessern, ohne unser Produkt wesentlich zu verändern.“ Mit anderen Worten: Die BVG ist Becks Meinung nach noch immer so, wie er sie einst vorgefunden hat: „Wir sind nicht so sauber, nicht immer pünktlich und haben teilweise sehr alte Fahrzeuge. 45 Prozent unserer Kunden mögen uns nicht.“ Aber die Kampagne: echt abgefahren.
Die Bahn-Sparte Personenverkehr wagt ein BVG-artiges Experiment: „Es gibt Neuigkeiten! Für eine dreimonatige Testphase werden wir euch auf unserem Twitter-Kanal duzen. Wir freuen uns darauf und sind gespannt auf euer Feedback.“ Ok, wie wäre es damit: „Sie sind zu spät.“ – „Nein, du!“ – „Nein, Sie!“
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In meine Lieblingsliste vom Online-Ordnungsamt gehört defintiv das Feuerwerk, das im vergangenen August gemeldet wurde und bis Silvester den Status „in Bearbeitung“ hatte. Auch der Hund mit dem Namen Atze aus Lichtenberg, als Steuerbetrüger ohne Auslauf vom Nachbarn denunziert, ist ein Klassiker. Als „erledigt“ gilt übrigens immer noch alles, was von einem Schreibtisch zum nächsten geschoben wird.
Hier die aktuellen Charts der Bürgerbeschwerden, abgefragt von MdA Danny Freymark, CDU (nach Kategorien) – ein schönes Kaleidoskop der Stadt und ihrer Bewohner (und es gibt Politiker, die daraus ein komplettes Wahlprogramm basteln können): Abfall (101.166), Park- und Halteverstöße (43.396), Straßenaufsicht (17.419), Lärm (10.028), Beschwerden über Strafzettel und Sonstiges (8.544), Verkehr und Sonstiges (8.235), Grünanlagen (7.213), Parkraumbewirtschaftung (6.792), Sondernutzung(6.573), Gewerberecht/Gaststättenrecht (6.016), Kfz ohne Kennzeichen (3.848), Gesundheitsschutz/Hygiene (3.499), Straßenverkehrsrechtliche Anordnungen (2.908), Anhänger (2.661), Baumschutz (2.311), Baustellen (1.905), Belästigung der Allgemeinheit (1.249), Hunde (1.198), Spielplätze (1.149), Veranstaltungen (1.080), KFZ-Umsetzung (1.052), Straßenverkehrsbehörde (916), Ladenöffnung (795), Bauaufsicht (662), Tierschutz (362), Jugendschutz (358), Drogenutensilien (251), Nichtraucherschutz (206), Feuerwerk (203), Lebensmittelaufsicht (198), Naturschutz (116), Filmaufnahmen (113), Winterdienst (46), Friedhofsordnung (18).
Wir lernen: In „Sex and the City“ sagt Sarah Jessica Parker, New York: „Wenn du jemanden brauchst, der den Müll runterträgt, heirate.“ In Berlin machen sie das Fenster auf – und raus damit.
Checkpoint-Prognose: Der nächste Görli heißt Gleisdreieckpark – am Pfingstwochenende fand die Generalprobe statt (einen Anwohnerbericht finden sie hier). Die Polizei vermeldete Ruhestörungen, Schlägereien, einen Angriff auf einen Streifenwagen und ein Feuer, in das ein E-Scooter, ein Kleinkraftrad, zwei Fahrräder und eine Bank geworfen wurden.
„Polizist mit Fahrrad beworfen“ ist auch mal wieder so eine typische Polizeimeldung aus Berlin (und hat mit der von eben nichts zu tun). So was kommt von sowas: Danke, R2G – mit Auto wär‘ das nicht passiert.
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Noch eine Polizeimeldung gefällig? Bitte sehr: „Brandstifter durch Käse-Klau aufgeflogen“ – tja, die Leute können sich hier eben einfach nicht entscheiden (und dann können sie nichts richtig gut).
Zur Frage für Berlinkenner: Wo sind wir, wenn die AfD-Fraktion eines ihrer Mitglieder selbst auffordern muss, mit dem Schreien aufzuhören und sich hinzusetzen? Ok, das war leicht: in der BVV Neukölln. Mehr dazu (und anderen Themen aus dem Bezirk) gibt’s heute im neuen „Leute“-Newsletter von Madlen Haarbach (kostenlose Anmeldung hier).
In unserem Gefahrenmelder hatten wir hier vor einiger Zeit Straßen gesammelt, die dringend entschärft werden müssen – und jetzt treffen immer mal wieder Vollzugsmeldungen wie diese hier ein: Auf Initiative von David Jahn (FDP) beschloss die BVV Reinickendorf, den Radweg an der Roedernallee zu entschärfen (u.a. Markierungen, freie Sichtachsen, Blinklichtanlage) – am 10.6. wird die Drucksache Nr. 1281/XX als erledigt erklärt.
Die Fraktion der Linken im AGH hat eine neue Führung – gewählt wurden Anne Helm und Carsten Schatz.
Zu unserer Serie „Tschüssikowski Tegel – ein Abschied in guten Google-Rezension“. Golgi Aparatti schreibt: „Ich mochte Tegel lange Zeit nicht. Keine gute Anbindung ohne S- oder U-Bahn. Einfahrten mit dem Auto waren auch unübersichtlich und stressig. Nachdem ich mich aber so oft verfahren habe, habe ich mittlerweile das System und Design des Flughafens verstanden und ich mag es nun. Und er tut, was er soll – und das schon seit langem.“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Kann ich?“
Frage eines Rentners an der Tür zum Bordell in der Lankwitzer Straße. Auflösung: Er kann nicht – der Laden bliebt wegen Corona geschlossen. (Q: „B.Z.“)
Tweet des Tages
Wenn man vom Gehweg aus Pop-up-Radwege fotografiert und auf dem Gehweg von einem Radfahrer angerempelt wird, weiß man, man ist in Berlin, Prenzlauer Berg.
Stadtleben

Neu in Mitte – Nicht erst seit dem letzten Wochenende lohnt ein Stopp in der Potsdamer Straße 91 in Tiergarten. Doch seit Neuestem ist der Hinterhof des Panama ein Biergarten bayrischer Provenienz. Provinzielle Maßkrugschlachten muss im ÖHA (Foto) dennoch niemand fürchten, denn die „freundliche Übernahme“ geschieht unter der Ägide von Johann Maier, der seine Expertise u. a. in der Cordobar, bei Mrs. Robinson’s und auf einer Weltreise gesammelt hat. Das passt zum Konzept, denn die servierten Klassiker kommen hier anders als gewohnt auf den Tisch: Zu Kas’nockerln gesellen sich Spargelkimchi und Bergkäse (13 Euro), zum Schweinkinn vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein Laugenstangen, Rettich und Holunder (10 Euro), den Maier im Plänterwald selber sammelt. Ganz so urbayrisch ist das kulinarische Sommer-Pop-Up also nicht, denn es soll vor allem lokales Publikum anziehen. Nach der Coronazwangspause kann es das Team des Panama und der dazugehörigen Tiger Bar kaum erwarten, das es jetzt wieder los geht und verspricht: „Jeder kann bei uns eine gute Zeit haben“. Geöffnet ist vorerst Fr-So von 12-23 Uhr, Reservierung unter hello@oh-panama.com oder telefonisch unter 030 983208435. (Foto: Joshua Lawrence)
Zur Einstimmung auf die bayrische Fusionküche empfehlen wir ein selbstgemachtes Weißbier Tiramisu aus der täglichen Rezeptkolumne unserer Genuss-Redaktion. Garantiert mit Schuss. Das ganze Stadtleben gibt's mit Checkpoint-Abo.
Wieder hingehen – Wie verbindet man sich mit höheren Mächten? Und was sagt die Kunst dazu? Die Berlinische Galerie begibt sich in einer heute beginnenden Ausstellung „Wide Open“ ins Feld der Spiritualität, in dem sie Arbeiten aus ihren Bestände holte, die sich mit dem Sein und der Seele beschäftigen. Die Spannbreite ist groß: Neben zwei älteren Positionen sind Bilder der Berliner Malerin Zora Mann dabei, deren Eltern früher Osho folgten, außerdem Leinwände des im vergangenen Sommer viel zu früh verstorbenen Malers Eberhard Havekost, der stets daran arbeitete, mit seinen Bildern die Grenzen des Sichtbaren zu erweitern (bis 12. Oktober). Ab morgen läuft im IBB-Videoraum außerdem ein Film der israelischen Künstlerin Yael Bartana, in dem sie verschiedenen spirituellen Praktiken nachgeht (bis 29. Juni). Eine gute Kombi, für die wir bis 12 Uhr 2x2 Freikarten verlosen. Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, Kreuzberg. Mi-Mo 10-18 Uhr, 8/5 Euro.
Lektüretipp – Das MuseumsJournal widmet sich in einer Sonderausgabe der „Corona Issue“, worin die Krise auch als Innovation thematisiert wird. Obwohl geschlossen, blühten und blühen Museen digital auf. 23 Direktorinnen und Direktoren äußern sich zu Gewinn und Verlust der virusbedingten (Kultur-)krise, Mitarbeitende schildern die Herausforderungen eines Museumsbetriebs, der ohne Publikum auskommen musste. Das Heft kann kostenfrei online gelesen oder für 6,90 Euro hier bestellt werden.
Geschenk – Da wir alle ja jetzt so viel draußen sind: Drücken Sie den Kindern einen Kompass in die Hand, um sich nach Hause oder zielsicher durch den Plätterwald im Plänterwald navigieren zu lassen. Für die DIYs unter Ihnen: Das Potsdamer Museum Extavium erklärt hier im Video, wie man selber einen baut. (Mehr Tipps aus Potsdam gibt es täglich im kostenlosen Newsletter der PNN).
Apropos draußen sein: Der Gutspark Neukladow wird in dieser und nächsten Woche (Mo-Fr) zum Freiluftatelier. Bildende KünstlerInnen wie Antonia Biesig und Christopher Lehmpfuhl zelebrieren zusammen mit Studierenden der UdK die Pleinairmalerei. Zugucken ausdrücklich erlaubt!
Last-Minute-Diskussion – „Entdeckt die Care-Krise in der Corona-Krise!“ fordert Soziologieprofessorin Paula Villa Braslavsky. Um die strukturellen Probleme mit dem Sich-Sorgen, Sich-Kümmern – ob professionell und schlecht bezahlt oder privat und unbezahlt – zu begreifen, informiert sie darüber, wie „Care“ mit ethischen und auch religiösen Vorstellungen verknüpft ist. Zusammen mit Levi Israel Ufferfilge, der sich als Judaist mit ethischen Prinzipien und Pflichten im Judentum auseinandersetzt, diskutiert Villa Braslavsky heute um 17 Uhr live via facebook darüber, ob es spezifisch jüdische Formen oder Aspekte von Care gibt. Das Gespräch eröffnet – digital und interaktiv - den neuen ELES-Salon „Machloket & Mischpoke“ des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES), das begabte jüdische Studierende und Promovierende fördert und zugleich als ein zentraler Ort freier innerjüdischer Reflexion gilt.
Last-Minute-Lullabies – Falls Sie Probleme haben sollten, in den Schlaf zu kommen: Der Rias Kammerchor bringt sie mit hohen und tiefen Tönen sanft und manchmal bedeutungsschwer ins Reich der Träume. Dienstags und freitags werden neue „Wiegenlieder – made in isolation" veröffentlicht, alle bisherigen finden Sie auf dem Instagram-Account des Rias. Dort ist außerdem der 36-stimmige Kanon „Deo gratia“ des Renaissancekomponisten Johannes Ockeghem zu sehen und hören – aufgenommen in der St. Elisabeth-Kirche in Mitte. Wer lieber etwas vorgelesen bekommt, um gut schlafen zu können, dem seien die Bedtime Stories den britischen Musikers Jarvis Cocker empfohlen. Sprachenlernen soll auch im Schlaf funktionieren.
Berlin heute
Verkehr – A10, Autobahndreieck Werder: Bis zum 16. Juni ist die Rampe von der A10 aus Richtung AD Havelland (Westlicher Berliner Ring) in Richtung AD Spreeau (Südlicher Berliner Ring) gesperrt. Der Verkehr wird über die A2 geführt und wendet an der AS Lehnin.
Bergstraße (Steglitz): Zwischen Lessingstraße und Bismarckstraße regelt eine Baustellenampel wegen Leitungsarbeiten den Verkehr.
Tunnel Alexanderplatz (Mitte): Nachts (22-5 Uhr) wegen Bauarbeiten gesperrt (jeweils bis 5./6. Juni)
Demonstration –„Weltkulturerbe Tango Argentino in Deutschland retten“ ist das Motto einer Demo, die die Tangoschule Nou Tango Berlin vor dem Bundeskanzleramt angemeldet hat (11.55-12.30 Uhr, acht Teilnehmende). „Gleichberechtigung für die Gastronomie“ fordern ca. 40 Demonstrierende auf dem Lichtenrader Damm 2 von 17 bis 19 Uhr. In Reinickendorf versammeln sich um 18 Uhr ca. 10 Anhänger von „Die Partei“ an der Schildower Straße Ecke Elsestraße unter dem Motto: „Die endgültige Trennung Deutschlands – unser Auftrag“. Eine pro-kurdrische Demo ist am Abend auf dem Alexanderplatz mit ca. 100 Teilnehmenden angemeldet (18-10 Uhr). Protestiert wird u. a. „gegen den türkischen Staat und seine Regierung, gegen die Ermordung der Kurden und Kurdinnen“ sowie „gegen die Inhaftierungen und Besetzungen kurdischer Rathäuser“.
Gericht – Nach Schüssen auf einen damals 57-Jährigen in einem Hofbereich wird einem 49-Jährigen der Prozess wegen versuchten Mordes gemacht. Einem Mitangeklagten (54) wird Beihilfe vorgeworfen. Ein Schuss habe das Opfer im Gesicht getroffen und schwer verletzt (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 704).
Universität – Die „Galerie und Transferstelle“ der Fakultät Gestaltung der UdK, designstransfer, sammelt bis zum Ende des Semesters (18. Juli) „Covid-19 Diaries“. Gemeint sind „Gedanken, Erfahrungen, Reflexionen und Perspektiven zu Covid-19 in visueller Form“, die auf Instagram veröffentlicht werden.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Margot Käßmann (62), Theologin und Pfarrerin, ehem. Ratsvorsitzende der EKD (2009-10) und ehem. Landesbischöfin von Hannover (1999-2010) / Monika Maron (79), Schriftstellerin / Sven Ottke (53), ehem. Boxer / Günther Rühle (96), Journalist und ehem. Theaterintendant, ehem. Feuilletonchef des Tagesspiegels
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Ingeborg Drendel-Maas, * 1. März 1932 / Dr. Sabine Fischer, * 13. Juni 1938 / Michael Maiß, * 10. April 1940, Architekt, Dipl.-Ingenieur / Georg Pfeffer, * 17. Januar 1943 / Gerd-Lucien Roussel, * 2. Dezember 1945, leitender Regierungsdirektor a.D. / Bernd Schade, Bikerpfarrer / Jörg Schütze, Blueslegende aus Prenzlauer Berg
Stolperstein – In der Almstadtstraße 19 in Mitte erinnert ein Stolperstein an Chaim Buchsbaum (Jg. 1886). Er war vom 13. September 1939 an im KZ Sachsenhausen inhaftiert, wo die Nazis ihn heute vor 70 Jahren – am 3. Juni 1940 – ermordeten.
Encore
Wie sehr sich Berlin verändert, lässt sich prima in der RBB-Serie „Schicksalsjahre einer Stadt“ verfolgen. Ich bin gerade mal wieder im Jahr 1996 steckengeblieben, bei der Lafayette-Eröffnung. Erst kamen die Leute, weil sie dachten, sie könnten eine Kunstausstellung sehen. Dann kam die Lebensmittelaufsicht des Bezirksamts Mitte und schloss die Gourmetabteilung mit der Begründung, der „Roquefort“ sei verschimmelt. Und ich bin mir sicher: Egal, wie lange Sie schon hier sind – wenn Sie mit offenen Augen durch die Stadt gehen, entdecken Sie sicher auch heute wieder etwas Neues im Alten.
Morgen früh bezieht hier für Sie Robert Ide den Checkpoint – bis dahin,