starten wir an diesem überwiegend bewölkten Samstagmorgen mit den Nachrichten aus Berlin und Brandenburg:
+++ Nach der Klebeaktion von Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ auf dem Rollfeld des Flughafens BER in Schönefeld am Freitag: Einer der sechs Aktivisten muss auf richterlichen Beschluss im Gewahrsam bleiben. Die Gruppe hat angekündigt, ihre Proteste in der kommenden Woche ruhen zu lassen.
+++ Verhandlungen gescheitert: Ende des Berliner Semestertickets droht. Verkehrsverbund und Studierendenvertretung konnten sich nicht rechtzeitig über den Preis des Semestertickets ab April einigen. Die Linke fordert, Studis ins Sozialticket aufzunehmen.
+++ Mehr als nur Glühwein im Pappbecher: Dieses Jahr gibt es in Brandenburg wieder zahlreiche Weihnachtsmärkte. Wir haben die Besten zusammengetragen und verraten, wo Adventsstimmung aufkommt.
Auf tagesspiegel.de halten wir Sie fortlaufend über alle Entwicklungen in und um Berlin auf dem Laufenden.
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Das Jahrhundert der Flucht –
Die Ausstellung im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung – Millionen Menschen müssen aufgrund von Kriegen und bewaffneten Konflikten ihre Heimat verlassen. Die Ausstellung informiert über Ursachen, Dimensionen und Folgen von Flucht, Vertreibung und Zwangsmigration in Geschichte und Gegenwart.
www.flucht-vertreibung-versoehnung.de
Advent, Advent, wir biegen ein in die Zielgerade zum Jahresende. Das Wetter bildet mit überwiegend freundlich trockenen Grautönen eine modernistische Leinwand für allen Weihnachtsmarktsflair und wer freut sich nicht schon auf die immer näher rückende Neuwahl? Aber mal halblang! Luft holen, erstmal Wochenende. Guten Morgen.
Samstagmorgen – Wer den Tag gerne mit einem guten Kaffee beginnt, bekommt den in Steglitz ab 10 Uhr im Café der Schwartzschen Villa (Grunewaldstraße 55), wo man auch gut Zeitung oder im Programmheft des um 11.30 Uhr beginnenden Steglitzer Literaturfests lesen kann. Bis etwa 18 Uhr gibt es Kinder- und Jugendliteraturprogramm, darunter etwa eine Lesung (14 Uhr) des Tagesspiegel-Kollegen Peter von Becker aus seinem Buch „Jonas Reise“. Die Geschichte wird vielen zunächst bekannt vorkommen: Ein gewisser Jona aus der mesopotamischen Stadt Ninive (das heutige Mossul im Irak) gerät vor 3000 Jahren durch eine Reihe widriger Umstände in den Magen eines Wals. In der Version von Beckers – und auch die dürfte vielen bekannt vorkommen – strandet der Neunjährige anschließend allerdings im heutigen Sizilien, von wo aus er sich nach Deutschland aufmacht.
Samstagmittag – Gestärkt und womöglich von Abenteuerlust gepackt, finden Outdoor- und Survivaljunkies keine fünf Fußminuten entfernt bei Globetrotter nicht nur Ausrüstung für jede erdenkliche Aktivität und Wetterlage, sondern heute um 16 Uhr auch einen Strickkurs „mit Omi“, bei dem sie sich bis 19 Uhr eine eigene Wollmütze nach finnischem Vorbild stricken können.
Samstagabend – Frisch bemützt und startklar nehmen Sie anschließend am besten gleich wieder Platz, und zwar im Kino. Denn, erstens, ist es schon lange dunkel, ergo: viel zu spät am Tag und zu kalt, um sich jetzt noch auf Grand Tour zu machen. Und, zweitens, sind Filme wie Triangle of Sadness vom „The Square“-Regisseur Ruben Östlund genau dazu da, uns auf Reisen mitzunehmen. Hier geht es mit, unter anderem, Iris Berben und Woody Harrelson, sowie, in Neben-Nebenrollen, H&M und Balenciaga, auf Kreuzfahrt mit idyllischer Kulisse und, soviel sei vorweggenommen, allerbestem Service. Warnung: Der heftige Seegang ist nichts für Gemüter mit empfindlichem Magen. Heute Abend unter anderem im Bundesplatz-Kino, Capitol Dahlem, Filmtheater Friedrichshain, Kant-Kino. Ahoi und bon appetit, es gibt Austern und Salzstangen.
Sonntagmorgen – Nach dem popkulturellen Revival der Achtzigerjahre kam jenes der Neunziger und nun kommt das der Nullerjahre. Was alle derartigen Revivals gemein haben: Die naive Verklärung und Idealisierung der Vergangenheit, den Sehnsuchtstreibstoff aller früher-war-alles-besser-Nostalgie. Wie gut, dass Hendrik Bolz, a.k.a. Testo von „Zugezogen Maskulin“, dem zuvorkommt und schon jetzt den Blick für die Dissonanzen der Nullerjahre schärft, in denen der deutsche Osten, trotz formaler Einheit, ganz andere Wirklichkeiten lebt als der Westen. Um 11 Uhr liest er im Kino International aus seinem Buch.
Sonntagmittag – Ebenda, im ehemaligen deutschen Osten, am Motzener See bei Zossen, liegt das Dorf Kallinchen. Das können Sie heute ab 15 Uhr von seiner künstlerischen Seite kennenlernen: Das Kaleidoskop-Fest des Kallinchener Kulturhofs eröffnet nämlich eine Ausstellung mit Sandstein-Skulpturen von Thomas Lucker mit Schattentheater von Anna Fabuli, Klangkunst von Lucio Capece, Fotografien von Annika Hippler und einer Uraufführung der Komposition „Shimmer“ der New Yorkerin Lucie Vítková. Sowie mit „gemütlichem Beisammensein bei warmem Essen und Getränken“. Die Ausstellung bleibt an den Wochenenden bis 11. Dezember von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Sonntagabend – Auch im alten DDR-Funkhaus in der Nalepastraße gibt es Klangkunst, aber ganz anderer Art: Das Herz des Raumklang-Labors Monom ist ein sogenanntes 4D-Sound-System, das mit 48 Lautsprechern und ziemlich komplexer Steuersoftware ein begehbares Instrument sein möchte, in dem Klänge punktgenau im Raum platziert werden können. Für das dreitägige Festival Spatial haben die Monomisti Kompositionsaufträge an international bekannte Künstler:innen wie Robert Henke, Suzanne Ciani oder das Soundwalk-Collective, das unter anderem für seine Kooperationen mit Patty Smith und Willem Dafoe bekannt ist, vergeben.
Verlosung – Manche der Vorführungen und Konzerte im Monom sind bereits ausverkauft, aber nicht verzagen: Für die ebenfalls ausverkaufte Session 5, bestehend aus der Installation „Wind Down“ von James Blake & Endel, sowie der Performance „Dream Suit“ von Sam Potter am Sonntag um 16.10 Uhr verlosen wir zwei Gästelistenplätze unter allen, die uns bis Sonnabend, 11.30 Uhr, schreiben.
Auch am Wochenende wird es wieder verdammt kalt in Berlin. Am besten wissen das diejenigen, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben und auf staatliche Unterkünfte angewiesen sind. Bis zu 10.000 Obdachlose leben aktuellen Schätzungen zufolge in Berlin, bis zu 50.000 Menschen haben keine Wohnung. Sie alle will der Senat bis 2030 in eigene vier Wände bringen. Das große Ziel: „unfreiwillige“ Obdach- und Wohnungslosigkeit soll beendet werden. Gibt es überhaupt so etwas wie freiwillige Obdachlosigkeit? Was sagen Betroffene zu dem Plan? Und wie steht es um die Umsetzung ? Darüber sprechen Ann-Kathrin Hipp und Lorenz Maroldt in der neuen Folge „Berliner & Pfannkuchen”. Mit dabei: vor allem die Menschen, um die es geht, aber auch Dieter Puhl von der Berliner Stadtmission und Sozialsenatorin Katja Kipping. Jetzt hier und überall, wo es Podcasts gibt.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Da flaniere ich entspannt durch eine meiner Lieblingsparkanlagen, setze einen Huf vor den anderen und, schwupps, steht die Welt plötzlich Kopf, unten die Baumwipfel, oben die Erde, mit einer seltsamen, glitschigen, neongrünen Glibbersubstanz überzogen. Eben darin bin ich ausgerutscht. Vorsicht, höre ich eine innere Stimme schon rufen, dekontaminiere dich! Sicher ist schließlich sicherer als unsicher. Nun gut, nach einer umfangreichen Laboranalyse unter der Aufsicht von Hobbychemikerin Chantal, der universalgelehrten Sau von Nebenan, ist klar: Da waren Kinder am Werk. Denn Kinder lieben Glibber! Zumindest unseren Recherchen zufolge. Warum sonst sollten sie auch dermaßen viel Brei vertilgen? Eben. Jedenfalls, das möchte ich an dieser Stelle einmal sagen, gehört dieser unkontrollierte Glibberhype meiner Meinung nach in verantwortungsvolle Hände (und nicht auf den Waldboden!), weshalb ich hier auf einen Experimentierkurs Glibberschleim am Potsdamer Kinderforschungsinstitut Extavium hinweisen möchte. Und, da wir schon dabei sind, bessere Wesen zu werden: Gleich nebenan ist der Platz der Einheit mit einem antifaschistischen Denkmal zum Mal Denken und in Fußdistanz die Freundschaftsinsel zum Freundschaften schließen (zum Beispiel mit dem Waldboden) mit einer eigenen Fußgängerbrücke. Hoffentlich glibberfrei. Ich empfehle mich, mit glitschigen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Man hört ja allerhand über die tollen Sammlungen unserer Museen. Was die nicht alles haben! Was die wirklich alles haben, bekommt die Ausstellungsbesucherin allerdings gar nicht zu Gesicht: Das allermeiste liegt im Depot. Auf die Suche nach Berlins verborgenen Schätzen machen sich Katja Demirci, Nicola Kuhn und Christiane Peitz.
Kennen Sie Paul Würdig? Wahrscheinlich schon, und zwar als Berliner Vorzeige-Aggro-Rapper Sido. In Zukunft möchte der nun wieder lieber Paul sein als Sido. Kai Müller (T+) hat ihn gesprochen.
Wer zwischen Homeoffice, Homeschooling und Home-Alles nicht wirklich klarkommt, traut sich kaum, das zuzugeben. Der Grund: Allerorten scheint die Pandemie Vorzeige-Alleskönner-Arbeiter-Eltern hervorgebracht zu haben, die lautstark verkünden, wie wunderbar sie zurechtkommen. Allen, die drunter leiden, spricht Lars Spannagel (T+) Mut zu: Sie sind nicht allein.
Vier Berliner Jüdin:nen erzählen, weshalb Zuhause etwas anderes ist. Pegah Meggendorfer und Büşra Delikaya (T+) haben es aufgeschrieben.
Wochenrätsel
Gewonnen! Bahnfahren statt Fliegen lautet die Devise, ist ja klar. Das findet offenbar auch die S-Bahn Berlin, die neulich, wie um ihrer Fernverkehrsschwester mehr Fahrgäste zuzuspielen, kurzerhand den Zug zum Flughafen BER versteckte. Und zwar hinter…
a) …einer Großbaustelle.
b) …einem original Kreuzberger Hinkelstein.
c) …einer dicken Schicht Tarnfarbe.
Tipp: Wer den Checkpoint letzte Woche aufmerksam las, ist im Vorteil!
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenLionel Kreglinger (Produktion) hat heute früh allen Widrigkeiten der Raumzeit getrotzt und ihnen diesen Checkpoint auf den Bildschirm gezaubert. Am Montag schreibt an dieser Stelle Nina Breher ein neues Kapitel der Erzählung „Was vom Wochenende übrig blieb“.
