die SPD giert nach Elbwasser wie die Gallier nach dem Zaubertrank – 39 Prozent bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg lassen die Muskeln der Genossen überall im Land anschwellen. Allerdings mischen die Sozialdemokraten in der Hansestadt ihre Politik aus Zutaten zusammen, die in der Partei nicht jedem schmecken: In Gefahr und größter Not war hier der Mittelweg die Rettung, nicht der Tod. Zusammen mit pragmatischen Grünen kann Bürgermeister Tschentscher weiterregieren – radikal ist in Hamburg nur die Sehnsucht nach unaufgeregten Verhältnissen.
Die Ergebnisse im Einzelnen (Stand 6:20 Uhr, die Berichterstattung geht hier im Newsblog weiter):
SPD 39 (-6-6)
Grüne 24,2 (+11,9)
CDU 11,2 (-4,7)
Linke 9,1 (+0,6)
AfD 5,3 (-0,8)
FDP 5 (-2,4)
In die „Musterrede“ des SPD-Parteivorstands für Aschermittwoch hat es das Hamburger Ergebnis nicht mehr geschafft – anders als FDP-Chef Lindner, mit rekordverdächtigen 11 Erwähnungen Lieblingsfeind der Genossen (Merkel kommt nur 1 x vor). Das 22-Seiten-Manuskript wurde zur wohlgefälligen Bierzeltnutzung an SPD-Amts- und Mandatsträger verschickt. Falls Sie vorhaben, zu einer SPD-Aschermittwochsveranstaltung zu gehen: Hier schon mal exklusiv im Checkpoint die Stellen, an denen von Ihnen der stärkste Beifall erwartet wird (abgesehen vom Satz „Kein Fußbreit den Faschisten!“) – merken Sie sich die Schlüsselwörter, damit sie Ihren Einsatz nicht verpassen:
„Die Grundrente hat Hubertus vor wenigen Tagen ins Kabinett gebracht. Das war mächtig viel Arbeit, denn Ihr habt es doch alle mitbekommen: Die anderen haben gebremst ohne Ende! Wären wir ihr Tempo mitgegangen, wäre zum Start der Grundrente Paul Ziemiak wahrscheinlich Chef der Senioren-Union.“ Tätä.
„Und die CSU? In der AfD-Frage und Thüringen war sie ja erfreulich klar. Zumindest Markus Söder. In den Wochen vorher muss er sich aber wohl etwas gelangweilt haben. So richtig gute Ideen wollten ihm nicht kommen. Darum hat er das Klassentreffen in Seeon ein wenig aufgepeppt mit dem Vorschlag, das Kabinett zu verjüngen. Und das von Söder, der mit 53 Lenzen auch nicht mehr die jüngste Blüte in bayerischen Biergärten ist.“ Tätä.
„Liebe FDP, unser Land sieht anders aus, als es gelegentlich durch die neoliberale Hipster-Brille erscheint. Darum sage ich ja immer: Lieber nicht regieren, Herr Lindner!“ Tätä.
„Und egal, ob am Ende Merz, Laschet, Spahn oder Röttgen CDU-Chef sein wird. Keiner von ihnen sollte glauben, dass wir ihn ins Kanzleramt bringen. Mit dem Abgang von Merkel wird auch die Große Koalition beendet. Das ist klar!“ Tätä, tätä, tätä.
Seit gestern ist der Deckel drauf – das „Gesetz zur Neuregelung gesetzlicher Vorschriften zur Mietenbegrenzung“ ist am Tag nach der Veröffentlichung im Gesetz- und Verordnungsblatt in Kraft getreten. Ob es „Germany’s next Topfmodel“ auch überregional in die Amtsblätter schafft, oder ob Gerichte den Inhalt noch weichkochen: Sie erfahren es im Checkpoint. Die wichtigsten Punkte gibt’s hier nochmal im Überblick.
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Berlin sucht schlaue Leute!
Berlin sucht die besten Fachkräfte (m/w/d) für Schulen, Kitas, Jugendämter. Berlin-Tag, 29. Februar 2020, 9-16 Uhr, Flughafen Tempelhof (Hangar 6). Erfahren Sie auf Deutschlands größter Berufs- und Informationsmesse im Bildungsbereich mehr über Ihre Einstiegschancen bei Vorträgen, in Beratungen und auf der Jobbörse.
www.berlin-tag.berlin
Seit gestern ist der Mietendeckel drauf – und Berlins Immobilienmarkt ist schon nicht mehr das, was er mal war. Das „Design-Juwel mit atemberaubenden Blick über Kreuzberg“ für knapp 7 Mio. verstaubt seit Monaten beim Makler, obwohl der 6 Meter lange Kronleuchter „Silver Shadow Crystal rain mit 4600 Swarovski Spectra X-Prims“ im Preis mit drin ist. Oder vielleicht deswegen?
Auf dem Weg zum „Big City Club“ (Investor Lars Windhorst) hat sich Hertha 05 beim Spiel gegen den Effzeh aus Köln gleich doppelt blamiert – im Stadion und davor: Hunderte Gästefans verpassten wegen einer unangekündigten Zweitkontrolle des Ordnungsdienstes am einzigen Eingang zur Kurve die ersten Tore. Die Polizei erklärte später süffisant: „Am Ende kam jede/r ins Stadion.“ Betonung auf „am Ende der 1. Halbzeit“.
Die Organisation bei Hertha ist derzeit so dermaßen daneben, dass der Parole des neuen Miteigentümers eigentlich nur ein Hör- oder Übersetzungsfehler zugrunde liegen kann – gemeint war wohl „Big Shitty Club“. (Anmerkung in eigener Sache: Ich konnte gerade noch rechtzeitig vor dem 0:1 auf den Oberrang flüchten).
Lehrer wie Carsten Herkelmann gelten im Pädagogenmangel-Land Berlin als „Goldstaub“: Er unterrichtet Elektrotechnik, die Schulleiter reißen sich um ihn. Aber angestellt wird der verbeamtete Diplomingenieur aus NRW trotz seiner 17 Jahre Berufserfahrung hier trotzdem nicht – es fehlt ihm das zweite Staatsexamen (was in NRW kein Problem ist). Checkpoint-Vorschlag: Berliner Schüler, die das verstehen, bekommen ihr Abi direkt ausgehändigt.
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…für eine rauschendes Fest!
Der Ball der Wirtschaft des VBKI machte auch in seiner 70. Auflage seinem Ruf alle Ehre – als inoffizielles Gipfeltreffen des Berliner Who’s Who und als eine der besten Partys der Stadt! Wir danken unseren Gästen, Partnern und Sponsoren für einen unvergesslichen Abend – Bilder und Berichte finden Sie hier
Im Kampf um den größten Brachiosaurus der Welt rüstet das Naturkundemuseum auf: Gesucht wird ein/e Projektleiter/in zur „eigenverantwortlichen Entwicklung von Formaten zur Beteiligung tansanischer Stakeholder“ (das afrikanische Land erhebt Rückgabeforderungen). Wichtigste Aufgaben: „Krisenmanagement“ sowie die „Entwicklung von Kommunikationsstrategien“, und zwar Vollzeit: „Das entspricht 39 Stunden und 24 Minuten wöchentlich“, heißt es in der Ausschreibung – Stoppuhr bitte selbst mitbringen. Knochenarbeit stirbt in Berlin offenbar nicht so schnell aus.
Auch das ist die Berlinale: Drinnen werden sozialkritische Filme gefeiert – und draußen Obdachlose verdrängt. Zum Beispiel Darius: Während der Filmfestspiele kommt er nicht in die Cafés, in denen er sich sonst aufwärmt: „Jetzt ist da überall Security.“ Und weil’s nicht nur den Gästen am Potsdamer Platz stinkt, hat die „Task Force Geruch und Korrosion“ der Wasserbetriebe über den Gullys Geruchsverschlüsse montiert. Wenn das nicht hilft, werden „Kanal-Deos“ eingebaut, Geruchsrichtung: Zitrus-Orange. Fehlt nur noch eine Palme, dann wähnen wir uns in Cannes. Als Film wäre das alles allerdings sehr unglaubwürdig.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Corona wird zur Pandemie: Die italienische Regierung erklärte ganze Gebiete zu Sperrzonen, in Venedig fällt der Karneval aus, am Brenner unterbrachen österreichische Grenzer am Abend vorübergehend den Zugverkehr. Vorsichtshalber lernen wir schon mal: Die Krankheit heißt „COVID-19“ (offizielle Benennung durch die WHO), das Virus „SARS-CoV-2“ (Benennung durch Virologen). Demnächst auch in Ihrem Theater.
Tierisch genervt waren gestern in Tegel die Easyjet-Passagiere des Flugs EJU5875 nach Zürich: Kurz vor dem Start wurde in der Maschine
ein Gekko gesichtet – aber nicht gefangen. Das Flugzeug blieb am Boden, die Reisenden gingen in die Luft (und eine Stunde später mit einem anderen Flugzeug dann auch noch mal richtig).
Was der Gekko in Berlin wollte, ist nicht ganz klar – vielleicht war er auf dem Weg zu einer Soli-Demo mit den Fledermäusen, die sich auf zwei Bäumen im Tesla-Wald von Grünheide verschanzt hatten.
Operation am Kopf der Charité – das landeseigene Unternehmen bekommt drei neue Aufsichtsräte: Bayer-Vorstand Stefan Oelrich, die Kardiologin Denise Hilfiker-Kleiner von der Hochschulmedizin Hannover und der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums Michael Baumann sollen dem Forschungsstandort Berlin neue Impulse geben – Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller will die Personalien am Dienstag im Senat vorstellen.
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Jetzt wird’s wild, denn das CHAMÄLEON lädt ein zu einer zirzenischen Fight-Night: Die neue Show LE COUP ist eine Hommage an alte Jahrmarktzeiten, als die Schausteller und Akrobaten noch mit vollem Körpereinsatz um die Gunst des Publikums buhlten. Skurril, witzig und fulminant musikalisch untermalt von einer Live Bluegrass-Band. Ring frei!
Die Zahl der Verkehrsunfälle ist 2019 zum ersten Mal seit zwölf Jahren gesunken (-5 % auf 137.053) – die Zahl der Verkehrstoten könnte in diesem Jahr allerdings dramatisch steigen: 12 Menschen sind seit Januar nach Unfällen gestorben, im gesamten Vorjahr waren es 40.
Besonders gefährdet sind Fußgänger und Radfahrer – warum, zeigt folgende Beobachtung aus einem 309er-Bus Richtung Charlottenburg. Die Fahrerin, noch in der Ausbildung, biegt extrem langsam ab, bremst für einen Radfahrer, der sie überholt. Der Ausbilder neben ihr ruft: „Wieso bremst du? Da musst du draufhalten! Dann hält der schon an.“ Oder eben auch nicht.
Zur heutigen Frage für Neuberliner: Wenn nachts um 3 Uhr eine 38-jährige BMW-Fahrerin ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer einen Poller sowie ein Halteverbostschild rammt und bei der Atemalkoholkontrolle 1,8 Promille festgestellt werden, was gibt die Polizei dann ganz nüchtern als Unfallursache an? Richtig: „aus unbekannten Gründen“. Es ist ja auch nicht auszuschließen, dass sich die Frau von einem Chemtrail blenden ließ.
Der gemeine Elektroroller-Fahrer ist harmloser, als viele meinen – die Versicherer senken jetzt sogar die Prämien um fast 50 % (Q: Tagesspiegel). Die Innenstadt-Hysterie wegen falsch geparkter Scooter wird dennoch mit neuen Restriktionen gedämpft – hier die aktuelle Liste der Sperrzonen (Q: „Mopo“):
Brandenburger Tor
Holocaust-Mahnmal
Mittelstreifen Unter den Linden
Potsdamer Platz
Leipziger Platz
Museumsinsel
Gendarmenmarkt
Nikolaiviertel
Hackescher Markt
Leopoldplatz
Mit einer „Bodenwertzuwachssteuer“ will die SPD-Spitze Spekulations- und Zufallsgewinne abschöpfen – Berlins Regierender Bürgermeister hängt jetzt ein Preisschild dran: „Dreiviertel des leistungslosen Wertzuwachses“ sollen es sein, schreibt Michael Müller in einem gemeinsamen Beitrag mit Staatssekretär Frank Nägele im Tagesspiegel. Das Ziel: Die Steuer soll „zu einer klaren Marktberuhigung beitragen und den Investitionsfokus wieder stärker auf die Bautätigkeit richten.“
Noch 10 Monate bis Weihnachten – nur für den Fall, dass Sie noch keine Geschenke haben. Nordmann-Tannen liegen übrigens genug auf den Straßen rum, einen Baum müssen sie dieses Jahr wohl nicht extra kaufen.
Das BA Steglitz-Zehlendorf sucht Urnenträger (m/w/d), und zwar ab sofort – offenbar rechnen sie dort mit baldigen Neuwahlen.
Das Leben ist kein „Little-Pony“-Hof mehr: Der Verein „Bronies Berlin-Brandenburg“ hat sich aufgelöst – aber Freundschaft bleibt Magie.
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Gestern Abend war Franziska Giffey bei Anne Will im Fernsehen, heute Abend kommt die Ministerin und SPD-Berlin-Chefin in spe zum Checkpoint-Event ins „Tipi“ – falls Sie Fragen haben, die wir ihr unbedingt stellen sollten: Bitte bis 15 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de mailen.
Unsere Checkpoint-Laufgruppe ist super ins Jahr gestartet – mit mehr als 40 Teilnehmern auf dem Tempelhofer Feld. Und am Sonnabend geht’s gleich weiter, diesmal um 11 Uhr vor dem Schloss Charlottenburg. Die Teilnahme ist kostenlos, wir bringen Getränke und den Tagesspiegel-Twingo für Wechselklamotten mit. Über Neuanmeldungen oder Fragen freuen wir uns unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Nachtrag zur Meldung „Kein Termin bei der Ausländerbehörde vor 2031“ (CP vom 17.2.) – auf der Website heißt es inzwischen: „Die Online-Terminvereinbarung der Berliner Ausländerbehörde ist zurzeit gestört. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt wieder.“ Checkpoint-Empfehlung: Am besten kurz vor Silvester 2030.
Korrektur zum Interview mit Andreas Geisel (CP v. 22.2.). „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei“, stellte George Orwell seinerzeit fest – am vergangenen Sonnabendmorgen war es aber schlicht noch zu düster: Mit einem kleinen Vertipper haben wir den Innensenator zehn Jahre älter gemacht (63), als er eigentlich ist (53). Pardon.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir haben festgelegt, dass die Personen, die gewählt werden wollen, auch die Mehrzahl der Stimmen bekommen müssen.“
Silke Gebel, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen, hat alle Lektionen des Kurses „Mathe mit dem Checkpoint“ absolviert und erklärt bei der Jahreshauptversammlung der Grünen in Mitte nochmal, wie das so funktioniert mit der Demokratie.
Tweet des Tages
Wenn noch ein einziger Student schreibt, dass die Customer Journey die Fahrt des Kunden in den Laden ist und dass deshalb Parkplätze wichtig sind, beiße ich in die Auslegeware. Und es handelt sich um Eichenparkett.
Stadtleben
Essen – Übermorgen ist Aschermittwoch, also vorher noch ordentlich zugreifen beim Karnevalsgebäck! Schön frittierter Hefe- oder Quarkteig, am besten mit viel Puderzucker. In Berlin sind es die Pfannkuchen, die Portugiesen nennen sie „Berlim“, also Berliner Kugeln, in Polen gibt’s „Paczki“ mit Hagebuttenmarmelade und Slowenen mampfen „Trojane“. „Chiacchere“ und „Fritelle“ gibt’s in Italien – und Natalia Giordano ist so begeistert von dem Gebäck aus ihrem Heimatland, dass sie es ganzjährig in der Kreuzberger Graefestraße 11 (U-Bhf Schönleinstraße) im Latodolce anbietet, wie „Mehr Genuss“-Autorin Susanne Leimstoll weiß. Mehr kulinarische Völkerverständigung, weniger Fastenzeit! Geöffnet tägl. 8-19 Uhr.
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Liebe Checkpoint-Leser:
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Zum Angebot
Trinken – Aufmerksame Checkpoint-LeserInnen wissen: In Berlin kostet die Tasse Kaffee durchschnittlich 1,87 Euro. „Wo soll das denn sein?“, fragte daraufhin die Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg-Friedrichshain, Monika Herrmann, auf Twitter. Und obwohl man in ihrem Bezirk für einen Kaffee alias „Flat White“ oder „Americano“ vielerorts durchaus ein paar mehr Münzen auf den Tresen legen kann, gibt es sie noch, die guten, günstigen Cafés. So etwa das Café Tasso, wo der schwarze Wachmacher 1,90 Euro kostet. Bio und fair gehandelt aus den peruanischen Anden ist er obendrein. Und für Bücherfans gibt's ein riesiges antiquarisches Angebot. Einer der vielen Tees in der Frankfurter Allee 11 ist genauso bezahlbar (U-Bhf Frankfurter Tor). Da ist vielleicht auch eine selbstgemachte Gemüse-Quiche (6,90 Euro) im Budget drin. Mo-Sa 9.30-20 Uhr, So 9.30-17 Uhr.
Und wo gibt's sonst noch Kaffee zum Berliner Durchschnittspreis? Ob Schöneberg, Steglitz oder Lichtenberg, verraten Sie uns, wo es noch günstigen und guten Kaffee gibt! Schreiben Sie uns gerne unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlinbesuch – Ludwig van Beethoven wäre dieses Jahr 250 Jahre alt geworden. Er wurde 1770 in Bonn geboren, von dort zog es ihn für seine Musikkarriere nach Wien. Zwischendurch landete er aber auch in Berlin: Er gab Konzerte im Hotel „Paris“ in der Brüderstraße in Mitte, die Feuilletons erfuhren schnell von seiner Ankunft. Seine „Ode an die Freude“ wurde im damals noch neuen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt zum ersten Mal in Berlin aufgeführt. Heute ist dort eine der Pausenhallen nach Beethoven benannt, wie Tagesspiegel-Autor Frederik Hanssen schreibt. Fünfmal taucht Beethoven auf Berliner Straßenschildern auf, in Lankwitz (leider nicht im Komponistenviertel) steht das Beethoven-Gymnasium, wo u.a. Kevin Kühnert sein Abi machte. Und in der Hasenheide kann man im 3-Sterne-Hotel „Ludwig van Beethoven“ absteigen – kein Wunder, der Betreiber Per Reul kommt aus Beethovens Geburtsstadt Bonn. Vom 12. bis 18. März gibt’s Beethoven dann auch auf die Ohren, beim „Labor Beethoven“ der Akademie der Künste (Karten kosten 10 Euro).
Geschenk – Langsam wird es an der Zeit, den nächsten Urlaub zu planen! Das hilft schließlich gegen den Winterblues. Dafür muss man nicht allzu weit weg, wie besonders die Berliner wissen: Die Ostsee ist bekanntlich ihre Badewanne. Inspiration gibt’s dafür im neuen Tagesspiegel Ostsee-Magazin, wo wir die schönsten Ecken entlang der Küste Mecklenburg-Vorpommerns vorstellen: Vom Besuch im Künstlerdorf Ahrenshoop über die Entdeckungsreise zur Insel Vilm bis hin zur Fahrradtour am Stettiner Haff ist für jeden eine Destination dabei. Unter allen, die das Fernweh jetzt packt, verlosen wir 5 Ostsee-Hefte mit Empfehlungen für Ziele und Aktivitäten im gesamten Kalenderjahr (bis 12 Uhr).
Last-Minute-Film – Das Jüdische Museum zeigt bei seinem queer-jüdischen Montagskino den Dokumentarfilm „Who’s gonna love me now?“ aus Großbritannien, der bei der Berlinale 2016 den Publikumspreis erhielt. Der Streifen portraitiert einen schwulen, HIV-positiven Israeli, der nach seinem Coming-out von seiner streng religiösen Familie verstoßen wird. Im Anschluss an den Film findet ein Gespräch mit dem Regisseur Tomer Heymann statt, der auch im Klaus Mangold Auditorium der W.M. Blumenthal Akademie (Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, U-Bhf Hallesches Tor, gegenüber dem Museum) zu Gast sein wird. Ab 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
Noch hingehen ins Maxim Gorki, wo das Revuetheater wiederbelebt wird: Queer, bunt und modern war das Genre, das die Zwanziger Jahre in Berlin prägte wie kein anderes. Doch genau deshalb war die Mischung aus politischem Kabarett, neuer Musik und laszivem Tanz den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Viele Künstler*innen gingen ins Exil und mit ihnen verschwand auch das Genre. Am Maxim Gorki wird das Revuetheaterstück „Alles Schwindel“ 87 Jahre nach der Uraufführung wiederentdeckt: Es beginnt mit einer klassischen Girl-meets-Boy-Story und entwickelt sich im Laufe des Stücks immer mehr zur Grotesken. Mit Musik vom 1933 nach London emigrierten Komponisten Mischa Spoliansky. Für die Aufführung am Donnerstag (19.30 Uhr) gibt es noch Restkarten an der Abendkasse, für den letzten Termin am 14. März (19.30 Uhr) finden Sie Tickets ab 10 Euro. Am Festungsgraben 2, S/U-Bhf Friedrichstraße
Das Stadtleben zum Wochenstart von: Maria Kotsev
Berlin heute
Verkehr – Südlicher Berliner Ring (A10): Wegen des Ausbaus der A10 zwischen den Autobahndreiecken Potsdam und Nuthetal kommt es zwischen 10 und 17 Uhr zu Einschränkungen auf dem Abschnitt. Außerdem gibt’s in Richtung AD Nuthetal zwischen Michendorf und dem AD Nuthetal nur zwei von drei Spuren.
Spandauer Damm (Mitte): Um 4 Uhr beginnt hier eine neue Baustelle, weswegen vor der Karl-Liebknecht-Straße in Richtung Molkenmarkt nur eine Spur frei ist (bis Mittwochmorgen).
Mauerstraße (Mitte): Ab 6 Uhr in beiden Richtungen zwischen Krausenstraße und Schützenstraße gesperrt, Radfahrende müssen absteigen, Fußgänger*innen sind nicht betroffen (bis Donnerstagabend).
Brunnenstraße (Mitte): In Richtung Rosenthaler Straße zwischen Invalidenstraße und Rosenthaler Platz ist die Fahrbahn bis Mitte April auf eine Spur verengt.
Müller-Breslau-Straße (Charlottenburg): Bis Ende August ist die Straße in beiden Richtungen zwischen Straße des 17. Juni und Fasanenstraße gesperrt, ausgenommen sind der Fuß- und Radverkehr.
Hindenburgdamm (Steglitz): Bis Mitte September in beiden Richtungen zwischen Schloßstraße und Resedenstraße gesperrt. Der Fußverkehr ist nicht betroffen, Radfahrende müssen jedoch absteigen.
Koenigsallee (Grunewald): Hier leitet ab 8.30 Uhr eine Baustellenampel den Verkehr rund um die Erdener Straße (bis Mitte März).
Fritz-Erler-Allee (Britz): An der Kreuzung Lipschitzallee sind wegen Sanierungsarbeiten bis Anfang März die Fahrbahnen auf jeweils eine Spur verengt. Die bisherige Sperrung an der Kreuzungszufahrt Lipschitzallee ist aufgehoben.
Bitterfelder Brücke (Marzahn): Ab 8 Uhr starten Reparaturarbeiten an der Fahrbahn, weshalb sie in Richtung Märkische Allee auf eine Spur reduziert wird (bis ca. 16 Uhr).
Zimmermannstraße (Biesdorf): In beiden Richtungen regelt bis Mitte März eine Baustellenampel zwischen Köpenicker Straße und Schwabenallee den Verkehr.
Tschaikowskistraße (Niederschönhausen): In Richtung der Straße vor Schönholz zwischen Grabbeallee und Hermann-Hesse-Straße gesperrt (bis ca. Ende April), auch der Radverkehr ist betroffen.
Tiergartentunnel (Tiergarten): Wegen Wartungsarbeiten in den Nächten bis Samstag (je zwischen 21 und 5 Uhr) in Richtung Kreuzberg gesperrt.
Tram: Ab 5 Uhr ist die Linie M4 zwischen Prerower Platz und Zingster Straße / Ribnitzer Straße unterbrochen. Bis Freitagnacht fahren dort Ersatzbusse.
Die Linie M5 ist zwischen Zingster Straße / Ribnitzer Straße und Freienwalder Straße unterbrochen. Hier fahren bis Dienstag, ca. 00.05 Uhr Ersatzbusse, danach gibt’s bis Freitag Ersatzverkehr zwischen Zingster Straße / Ribnitzer Straße und Gehrenseestraße.
Demonstration – Am Pariser Platz treffen sich von 18 bis 19 Uhr rund 100 Menschen mit der Piratenpartei Deutschland Berlin und fordern: „Free Assange – Global Protest“.
Gericht – Einem mutmaßlichen Serieneinbrecher wird der Prozess gemacht. Der 38-Jährige soll Fenster oder Terrassentüren eingeworfen und in sechs Wohnungen eingestiegen sein. Er habe Schmuck, Münzen, Handys und auch eine Kinderspardose erbeutet (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 220). Und ein Vater (50) und sein 19-jähriger Sohn kommen wegen Drogenhandels auf die Anklagebank. Sie sollen fast zwei Kilo Cannabis in einer Wohnung gebunkert und auf einem Friedhof vier eingetopfte Cannabispflanzen deponiert haben (9.15 Uhr, Saal 806).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Lis Appenzeller (67), „Kuss von Nina und Gerd“ / Klaus Viktor Darga (86), Großmeister im Schach und ehem. Bundestrainer des Deutschen Schachbundes / Juana-Maria von Jascheroff (59), Schauspielerin, Synchronsprecherin und Reinkarnationstherapeutin / Paul Alfred Kleinert (60), Schriftsteller / Wolfgang Schatton, „Liebster Wolfgang, alle guten Wünsche zu Deinem 70. Geburtstag und ein wunderbares neues Lebensjahr wünscht Dir Lea.“ / Christopher Trimmel (33), Fußballer bei Union / Gerhard Wagner (58), Rechtswissenschaftler, Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Ökonomik an der Juristischen Fakultät der HU/ Nora Weise, „allet Jute und starke Nerven wünscht Stefan“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Michael Michel, Mitarbeiter bei den Berliner Wasserbetrieben / Helga Müller, ehem. Für die SPD im AGH (1979-91) / Dietrich Niethammer, * 24. Oktober 1939, ehem. Mitglied im Aufsichtsrat der Charité / Andrew Walde, * 28. November 1960, Mitarbeiter beim Deutschen Gewerkschaftsbund, Vorstandsmitglied bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. / SPD-Mitglied und beim „SJD – Die Falken Neukölln"
Stolperstein – Heinrich Uetzfeld (Jhg. 1906) war seit 1925 SPD-Mitglied und seit der Gründung im Oktober 1931 auch im Umfeld der SAPD, der linkssozialistischen Abspaltung der SPD, aktiv. Er lebte in der Parchimer Allee 7 in Britz bevor er im Dezember 1933 wegen eines chiffrierten Briefes verhaftet wurde. Bis zum 29. November 1935 war er im Untersuchungsgefängnis Moabit inhaftiert. Anschließend wurde er ins Zuchthaus Brandenburg-Görden gebracht, wo er bis Januar 1937 einsaß. Nach seiner Freilassung wurde Uetzfeld im März 1940 erneut verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort folterten die Nazis ihn zu Tode. Er starb heute vor 79 Jahren.
Encore
Und was hält das Berlinale-Programm heute für uns bereit? „The Nutty Professor“: Ein schüchterner Chemieprofessor findet ein Serum, das ihn in den angehimmelten Swinger ‚Buddy Love‘ verwandelt. Mit dieser modernisierten ‚Dr. Jekyll und Mr. Hyde‘-Variante in schillerndem Technicolor begann Jerry Lewis' Laufbahn als ‚Total Filmmaker‘“.
Ich wünsche Ihnen einen Tag in Hochglanzfarben – morgen begrüßt Sie hier Stefan Jacobs, natürlich in Technicolor. Bis bald,