Es sind abstinente Zeiten. Und der November des Verzichts schlägt jetzt auch politische Volten: Franziska Giffey will ihren Doktortitel "ab sofort und auch zukünftig" nicht mehr führen. Ein Verzicht, aber als Befreiung. Titel-Fasten aus Notwehr. "Ich bin nicht gewillt, meine Dissertation (...) weiter zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zu machen”, schrieb der "Plan A und B" (...und C, D, E) der Berliner SPD gestern. Fehler in der Arbeit, das ist wichtig, hat Giffey nicht eingestanden. Sie verzichte auf das Führen des Titels, "um Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden". Die 42-Jährige will ihre Zukunft nicht länger an die akademischen Vergangenheit ketten, die, das gehört zur Ironie des Schicksals, erst vom undurchsichtigen Gebahren der Freien Universität wieder in die politische Gegenwart gebeamt wurde. Es ist ein cleverer politischer Schritt. Er dürfte rechtzeitig genug kommen, um die künftige Bürgermeisterinnenkandidatin selbst bei Aberkennung des Doktorgrades nicht unmöglich zu machen: Die Berliner hätten weiterhin die Wahl, nicht eine Uni-Behörde im zweiten Versuch.
Bei den Sozialdemokraten fielen am Freitag parteiprogrammschwere Wackersteine von den Herzen. Das ging so weit, dass Partei-Vize und Innensenator Andreas Geisel verkündete, die Partei habe Franziska Giffey ihre "Solidarität" versichert. Gegen was? Ihre eigenen Fehler? Selbst in der giffeykritischen Parteilinken wurde aber betont: Bei ihrer Wahl zur Landesvorsitzenden Ende November werde nichts mehr schiefgehen. Ähnlich geschlossen präsentierte sich die SPD gefühlt zum letzten Mal, als der „Spiegel“ einen sozialdemokratischen Buchhändler als „Sankt Martin“ auf sein Cover druckte. Januar 2017 war das. Da staunten selbst die Grünen.
Weil so ein Doktortitel aber nur von der Universität aberkannt und nicht freihändig abgelegt werden kann, ist Giffeys Entscheidung rechtlich kaum relevant. Die Uni wird die Arbeit noch einmal prüfen. Ausgestanden ist die Sache für sie also nicht. Sie hat mindestens unsauber gearbeitet. Wer das auf Druck der Studierendenschaft veröffentlichte Prüfgutachten liest (hier), ahnt aber: Giffey ist keine zweite zu Guttenberg. Die gravierendsten Mängel finden sich laut Kommission im Kapitel 2 ("Begriffserklärungen"), ihre wissenschaftliche Leistung wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Läuft es schlecht, wird ihr der Titel trotzdem kurz vor der Wahl im kommenden Herbst aberkannt. „Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel“, schreibt sie. Ein klug gewählter Satz. Entscheidet sich die Freie Universität am Ende, es bei der Rüge zu belassen, könnte Franziska Giffey eine der ersten Volksvertreterinnen werden, die einen Doktortitel aus politischen Gründen nicht trägt.
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Kurz und knapp: Sieben Berliner Corona-Meldungen, die über das Wochenende hinaus wichtig bleiben:
1. Maskenpflicht in Schulen: Berlin verschärft die Corona-Regeln für alle weiterführenden Schulen. Ab dem kommenden Mittwoch, 18. November, gilt an allen weiterführenden und beruflichen Schulen eine vollständige Maskenpflicht. So soll der Regelunterricht aufrecht erhalten werden.
2. Staffelunterricht: Um die Schülerströme auf dem Weg zu entzerren, müssen alle weiterführenden Schulen den Unterrichtsbeginn über einen Zeitraum von zwei Stunden strecken. Auch Bus und Bahn sollen so leerer werden.
3. Maskenpflicht in Polizeiwagen: Wegen steigender Corona-Zahlen müssen nach Checkpoint-Informationen Polizisten auch in den Autos ab jetzt Masken tragen. Das gilt ab einer Besetzung von zwei Personen, wie aus einem internen Papier des Krisenstabs der Polizei hervorgeht.
4. 150 Ärzte wegen Corona-Vorfällen im Visier: Auch Ärzte leugnen das Virus, fordern zum Maskenverzicht auf oder verschreiben illegal Atteste. Mehr als Hundert Vorfälle sind der Berliner Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung bekannt. Die Staatsanwaltschaft prüft eine Strafbarkeit.
5. Impfen in Hallen: Laut einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ sollen unter anderem im Flughafen Tempelhof, dem Velodrom und der Messe in leerstehenden Hallen drei von insgesamt sechs geplanten Impfzentren entstehen.
6. Teure Buße für Konzerte: Nach Checkpoint-Informationen will der Senat ein Bußgeld extra für das Durchführen von Konzerten, Theater‑, und Tanzveranstaltungen einführen. Es soll zwischen 1000 und 15.000 Euro liegen.
7. Schützt die Alten! Nach zahlreichen Coronafällen soll eine Pflegeeinrichtung in Lichtenberg evakuiert werden. In der privaten Einrichtung wurden am Freitag 50 Menschen positiv getestet, 27 davon sind Bewohner.
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Nur 50 Minuten vom Ku'damm entfernt errichtet die Berliner Artprojekt-Gruppe nach den Plänen von Stararchitekt David Chipperfield in einer idyllischen Bucht am Scharmützelsee ein exklusives Wohn-Ensemble mit Privatpark, Spa und Seelage. Im Rahmen des Masterplans sind zudem ein Strandbad und eine Marina vorgesehen.
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Die Mühlen der Berliner Bürokratie mahlen langsam. Eine besondere Freude ist es oftmals, auch für uns, sich mit Fragen an Bezirksämter zu wenden. Oft kommen Antworten erst nach Tagen, manchmal gar nicht. Auch Bezirkspolitiker warten oft lange auf Antworten der Ämter. Wir wollten mal gucken, wie lange die Bezirksverordneten schlimmstenfalls warten müssen. Das Ergebnis ist: futuristisch. Hier unsere Late-3 laut der offiziellen Websites der Bezirke, im Futur II:
3. Bis zur Beantwortung der Anfrage "Mehr Service des Bürgeramtes" werden 361.625 Tage vergangen sein. Die Anfrage ging am 15.11.2006 beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ein. Eine Antwort wird erwartet: 19.12.2996.
2. Bis zur Beantwortung der Anfrage "Zum Außendienst des Ordnungsamtes" werden 365.262 Tage vergangen sein. Die Anfrage ging am 10.07.2007 ein, eine Antwort des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf wird am 30.07.3007 erwartet
1. Ganz vorn liegt die Anfrage "Spielplatz Undine-Park". Geht alles, nunja, glatt, soll die Antwort des Bezirksamtes Treptow-Köpenick am 13.03.3201 kommen. Dann würden 433.194 Tage nach Eingang der Anfrage am 25.02.2015 vergangen sein.
Mich würde besonders interessieren, was am 19.12.2996 zum "Service in den Bürgerämtern" geantwortet wird. Vielleicht spritzt Bill Gates der 16. uns unsere Personalausweise unter die Haut und vielleicht sind aus 12.500 sicheren Home-Office-Arbeitsplätzen im Land Berlin dann schon 13.000 geworden. Hoffentlich bleibt das entsprechende Fax nicht hängen.
Telegramm
Nach den Todesdrohungen durch muslimische Schüler gegen Berliner Lehrer wollten wir wissen, ob es dazu und zu weiteren Gewaltandrohungen in Schulen Zahlen gibt, wie groß dieses Problem ist oder ob es sich um Einzelfälle handelt. Die Bildungsverwaltung antwortete knapp, das „Gewaltvorfallmeldesystem“ sei gerade in der „finalen Überarbeitung“, Zahlen liegen nicht vor. Wir erinnern uns: Seit 2017 werden Gewaltvorfälle nicht mehr aufbereitet, weil die Zahlen als nicht belastbar galten. Im September 2019 hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres angekündigt, sie wolle „in Kürze“ bekannt geben wie die Statistik überarbeitet würde. Wir wollten jetzt, ein Jahr später, wissen: Wann wird sie denn fertig? Antwort: „Voraussichtlich in 2021“. Und was wird neu sein? „Es werden verlässliche Daten sein, die nach einheitlichen Kriterien gemeldet werden und insofern verlässlich sind.“ Achja, ja, alles klar. Na, wir verlassen uns...mal nicht drauf.
Viel los bei der SPD: Der Landesvorstand kam am Freitag für volle vier Stunden zu einer digitalen Sondersitzung zusammen. Allerdings ging es nicht um Giffeys Titel, sondern - etwas bodenständiger - um die Bezirksliste in Reinickendorf. Die SPD hat sich für ihre Listen eine Quote im Reißverschlussverfahren verordnet, auf der im Nordwesten stehen aber nur 20 Frauen und 35 Männer (CP vom 09.11). Schon 2016 war die Liste nicht satzungskonform, damals fiel das aber erst verspätet auf. Zwar focht Angelika Syring die Wahl diesmal an, der Landesvorstand konnte sich aber nur zu einer Rüge für die Reinickendorfer Männlichkeit durchringen. Beste politische Argumente im Sozi-Kampf für ein Berliner Parité-Gesetz. Nicht.
Nochmal SPD (dann ist auch gut): Kollegin Susanne Vieth-Entus hat beobachtet, wie SPD-Fraktionsgeschäftsführer Torsten Schneider sich den Präsidenten des RKI, Lothar Wieler, und einige andere hochkarätige Gäste in seinen Hauptausschuss bestellte, um über mögliche Schulschließungen zu debattieren. Schneider hörte sich ein paar Statements an, griff die eigene Bildungssenatorin scharf an und rauschte dann ab, ohne Antworten abzuwarten. "Stillos", "fremdgeschämt", "nicht im Griff" waren die Schlagworte nach der Sitzung. Die Lunte scheint auch bei gestandenen Politikern kurz im Lockdown.
Protest ohne Rechts: 300 Menschen demonstrierten am Freitag in Neukölln gegen den dänischen Rechtsextremisten Rasmus Paludan. Er wollte dort am Abend mit einigen Mitstreitern demonstrieren, Muslime provozieren, Menschenverachtendes reden, kam aber nicht. Paludan war schon am Mittwoch in Paris vor einer Aktion festgenommen und abgeschoben worden. Wo er sich zurzeit aufhält, ist unklar. Eine weitere Aktion ist für heute im Weddinger Schillerpark geplant. Ist er wieder (nicht) da?
In unserer allseits beliebten Kategorie „Amt, aber glücklich“ freut Christian Mutter heute über Berliner Ämter: „Termin 7:30 Uhr, Ankunft 7:25 Uhr, Nummer aufgerufen um 7:28 Uhr, mit neuem Perso wieder raus um 7:30 Uhr.“ Frage fürs Philosphie-Abi: War Herr Mutter überhaupt beim Amt?
Kätzchen, aber unglücklich: Gestern Mittag, 13.40 Uhr, hat Daniel Fiene ein Plüschkätzchen in der S5 am Savignyplatz gefunden. Eingeklemmt zwischen Sitz und Verschalung fuhr das Kuscheltier Richtung Hoppegarten. Kennen Sie eine kleine Kätzchenbesitzerin oder einen großen Besitzer, der was zum Schmusen vermisst? Hier entlang!
Wenn Sie hingegen einen Hund zum Schmusen vermissen, können Sie sich hier an Checkpoint-Wachhund Beverly satt sehen. Sie ist leider schon an Lorenz Maroldt vergeben (und in echt NOCH niedlicher).
Themenwechsel: Umgestürzte Bauwagen und brennende Barrikaden liegen auf der Straße, von Dächern fliegen Molotowcocktails, Gehwegplatten, Toilettenbecken, Gullydeckel. Die Polizei schießt Tränengasgranaten, behelmte Sondereinsatzkommandos stürmen in Häuser, es gibt verletzte Beamte und auch Misshandlungen an Festgenommenen. Heute vor 30 Jahren, am 14. November 1990, wurden die besetzten Häuser der Mainzer Straße geräumt. Die brutalen Konflikte sind ein Wendepunkt nach der Einheit, schreibt Robert Ide.
Auch wenn wir heute nicht – wie gestern – auf 13 gute Meldungen kommen, machen wir weiter mit einer mutmachenden Nachricht: Im Bezirksamt Mitte wurden 5785 laufende Meter Akten von Schimmel bereinigt und stehen wieder zur Einsicht zur Verfügung, erfuhr die SPD-Verordnete Sonja Kreitmair. Der Zeitplan konnte leider nicht ganz eingehalten werden, aber Hauptsache: Durchblick.
Zum Schluss: Guuuuten Morgen, Kreuzberg....wenn der Wecker um halb sechs klingelt! In der Neuenburger Straße wurde eine 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Der Blindgänger soll heute Morgen entschärft werden, Sperrkreis 300 Meter. Der Fundort liegt zwischen den U-Bahnhöfen Prinzenstraße und Hallesches Tor. Die Polizei will ab acht Uhr räumen. Eine Räumung mit so wenigen Beamten hat Xhain lange nich' gesehen. Wir drücken die Daumen!
Wochniks Wochenende
Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.
48h Berlin
Samstagmorgen – Was ich in den letzten Tagen öfter gesehen habe: Picknick im Auto. Bei laufendem Motor, klar, wegen der Kälte. So verständlich der Drang sein mag, etwas „draußen“ zu unternehmen – das wirkt schon ziemlich verzweifelt. Für alle, denen das bloße Wohnen unerträglich wird, gibt es durchaus noch Lockdown-konforme Draußenangebote. Der Kulturbetrieb mag weitestgehend heruntergefahren sein. Galerien, die dem Verkauf von Kunst dienen, zählen allerdings zum Einzelhandel und haben häufig geöffnet. Schon aus Eigeninteresse sorgen sie für die Einhaltung der Auflagen, sind wärmer als Frischluft und besser durchlüftet, als ein Diesel rotzendes Standfahrzeug. Sicherheitshalber empfiehlt es sich, sich vor einem Besuch telefonisch anzumelden – zum Beispiel bei Soy Capitàn, wo der Brite Ryan Siegan-Smith herbstliches Laub, Geröll und Schrott von der Straße in eine durchaus humorvolle postapokalyptische Landschaft verwandelt hat. Mi–Sa, 12–18 Uhr, Prinzessinnenstr. 29
Samstagmittag – Selbiges gilt natürlich auch für den Buchhandel – und insbesondere für den Kunstbuchhandel. Kunstbücher haben es an sich, dass sie nicht nur zum Lesen und Betrachten da sind, sondern voller Ideen zur künstlerischen Gestaltung des eigenen Alltags stecken. Erwin Wurms „One Minute Sculptures“, die Aktionspartituren Alvin Luciers, Aktionen Francis Alÿs, die Spaziergänge Janett Cardiffs und Richard Longs oder Zugänge zum Alltag der „Situationistischen Internationale“ sind nur einige der Klassiker, die beim Ausbruch aus den allzu engen Lockdown-Routinen helfen, ohne auf institutionelle Angebote angewiesen zu sein. Schließlich ist jeder Mensch ein Künstler, wie Beuys feststellte – wann, wenn nicht jetzt, wäre eine bessere Zeit, diese Seite des eigenen Selbst zu entdecken? Selbsttransformation ist das größte aller Kunstprojekte, wenn man Susan Sontag glaubt.
Samstagabend – Selbstredend gehört auch die Arbeit Marcel Duchamps in den Kanon geeigneter Inspirationen. Wussten Sie, dass er zwischenzeitlich die Kunst an den Nagel gehängt hat, um sich als professioneller Schachspieler zu versuchen? Auch Online- und Fernschach boomen im Lockdown und wer schon ein bisschen was kann, aber im Spiel der Königinnen (die Könige stehen eigentlich nur nutzlos im Weg) weiterkommen möchte, findet in der Online-Schachschule Chessence des Berliner Großmeisters Niclas Huschenbeth einen ziemlich guten Einstieg. Grundkurse dauern sechs Monate und kosten ab 27 Euro/ Monat.
Sonntagmorgen – Auf den Schachgeschmack kommt man übrigens bestens über die Netflix-Serie Das Damengambit, die nicht nur hervorragenden Schach bietet – kein Wunder, waren doch auch ehemalige Weltmeister wie Garry Kasparov für die Auswahl der Partien verantwortlich. Sie erzählt außerdem die fiktionale Aufstiegsgeschichte einer Frau an die Weltspitze einer völligen Männerdomäne, die längst reif ist, im besten Sinne effeminiert zu werden.
Sonntagmittag – Nachdem wir im ersten Lockdown alle schon fleißig das Briefschreiben geübt haben, heben wir es jetzt auf die nächsthöhere Ebene. Und zwar mit den 1961 erschienenen Stilübungen von Raymond Queneau. Im Bus begegnet einer einem, der sich, erbost über einen dritten, setzt. Später begegnet er ihm an der Cour de Rome, wo ihn wiederum ein dritter auf einen fehlenden Knopf am Mantel hinweist. Mehr braucht Queneau nicht, um in der deutschen Übersetzung 160 Seiten zu füllen, auf denen dieselbe Szene genau 101 Mal in immer anderer Weise erzählt wird. Ohne zu langweilen. 101 Formen, die den besten Gegenbeweis für alle liefern, die immerzu darauf bestehen, dass es bei allem nur auf den Inhalt ankommt. Den braucht dieses Buch einfach nicht. Es ist außerdem das einzige mir bekannte, dessen Klappentext auf Seite 38 steht.
Am Sonntagabend, zum Wochenendeende, Live-Radiokonzert. Der Satz ist ein schlechtes Haiku. Dem Einfluss Queneaus geschuldet, hat es rein gar nichts damit zu tun, dass das Rundfunk-Symphonieorchester Berlin (RSB) Stravinskys „Apollon musagète“ unter der Leitung von Antonello Manacorda aufführt, was wiederum im Deutschlandfunk um 20 Uhr live übertragen wird. Es handelt sich dabei um ein Ballett, das, da es eine Radioübertragung ist, in den Köpfen der Hörerschaft getanzt werden muss.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Es ist zum Borstenraufen! Die ganze Woche über habe ich verschlafen. Zum Termin beim Hauerarzt, zu spät. Den Volkshochschulkurs in Winterfellpflege, verpennt. Und so weiter. Schuld ist die Schließung von TXL. Wer soll mich denn jetzt um sechs Uhr morgens aus dem geruhsamen Schlaf drönen? Vielleicht hätte ich letzte Woche nicht so oft im Volkspark Jungfernheide nächtigen sollen, mit ihrer unzeitgemäß klösterlichen Ruhe. Immerhin – ich stamme, wie Sie wissen, aus dem gehobenen Bildungshufertum – weiß ich den historischen Dreh zu schätzen. Die Jungfernheide hat ihren Namen nämlich von den Jungfern des mittelalterlichen Benediktinerinnenklosters Spandau. Die haben ihrerzeit auch den Nonnendamm, zunächst wohl als Feldweg, angelegt, der dank ordentlich dichten Verkehrs mittlerweile wirklich nicht mehr zum Niederknien einlädt. Wenigstens wird man da noch früh genug wach."
Leseempfehlungen
Apropos Picknick im Auto (siehe Samstagmorgen): Wer meint, damit einen verantwortungsvollen Beitrag zur Covid-Lage zu leisten, erkläre das doch einmal den Max-Planck-Forscher:innen, die zum Zusammenhang zwischen Luftqualität und Krankheitsverlauf forschen. (Abo)
Mit besserer Luft ist dagegen im Grünen zu rechnen. Einige persönliche Favoriten aus der Tagesspiegel-Redaktion finden Sie hier (Abo)
Gegen dicke Luft zu Hause weiß Schenkexpertin Susanne Kippenberger Rat: Gute-Laune-Geschenke für den Adventskalender (Abo)
Wie es ist, wenn die dicke Luft im Familienhaushalt einmal da ist, darüber sprach Felix Denk mit den Bloggerinnen Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim(Abo)
Nur 75 Kilometer östlich vom Askanischen Platz: Eine Gesetzesnovelle verhängt in Polen ein fast vollständiges Abtreibungsverbot (Abo) und bringt Zigtausende Frauen auf die Straße.
Wochenrätsel
Die Repräsentanten welcher Gruppierung setzen sich heute im Berliner Zoo für die Vermittlung schwarzer Tiere ein?
a) CDU-Politiker
b) Antifa
c) Schornsteinfeger
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Jetzt mitmachenEncore
Spazieren mochte ich nie so sehr. Aber jetzt wirds manchmal fad in Berlin. Vieles zu, vieles dicht. Am Sonntag soll es immerhin sonnig werden, bis zu 16 Grad warm, bestes Wetter für einen anständigen Spaziergang mit Abstand. Das muss selbst ich einsehen. Genug gestreamt, runter vom Sofa – und auf zu einer Entdeckertour rund um die Schleuse Kleinmachnow. Auch etlang des Teltowkanals gibt es schöne Flecken: zum Beispiel die Reste der Brücke der Friedhofsbahn nach Stahnsdorf. Spazieren Sie am Westufer von Großer Krampe und Seddinsee oder lauschen der Stille in der Jungfernheide und starren in den flugzeugleeren Himmel. Alternativ können Sie in Kreuzberg mit großen Augen durch kleine Fenster Kunst gucken. Versprochen: Frischer Wind hilft gegen dicke Luft zu Hause. (Weitere Tipps für Abonnenten finden Sie hier)
Für diesen Checkpoint hat Thomas Lippold recherchiert, Caspar Schwietering hat ihn serviert. Spazieren Sie schön, bleiben Sie sonnig. Am Montag strahlt Ihnen hier wieder das Gesicht von Lorenz Maroldt entgegen. Bis bald,