Noch immer führt Russland in der Ukraine einen Angriffskrieg. Die Ereignisse der Nacht:
+++ Der ukrainische Leutnant Ilja Samojlenko, der im Asowstal-Stahlwerk kämpft, fordert „mehr Aktion“ von seiner Regierung, um die Situation in Mariupol zu lösen. Das sagte er im Videogespräch mit den Tagesthemen. Iryna Wereschtschuk sagte am frühen Morgen dem TV-Sender „1+1“, man verhandele weiter über eine Evakuierung des Stahlwerks. Die Türkei habe angeboten, als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine zu agieren.
+++ Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk erwartet vom Bund größeren Einsatz für den EU-Beitritt der Ukraine als bisher. „Neben Waffenlieferungen und der Verschärfung von Sanktionen ist unser Hauptziel, Unterstützung zu bekommen für einen Beitritt zur EU“, sagt Melnyk dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
+++ Die USA gehen davon aus, dass Russland seit Beginn seines Angriffskriegs zehntausende Ukrainerinnen und Ukrainer gewaltsam verschleppt hat.
Alle aktuellen Entwicklungen können Sie in unserem Live-Blog verfolgen, eine aktuelle Karte zur Invasion Russlands in der Ukraine finden Sie hier. Für die Opfer spenden können Sie hier.
Anzeige
VANPEY Möbeldesign Manufaktur
Wir entwerfen und fertigen unsere Regal- und Möbelsysteme, sowie Kleinmöbel in der Jablonskistraße 3a in Berlin-Prenzlauer Berg. Konfigurieren Sie Ihr Vanpey-Möbel nach Ihren eigenen Vorstellungen.
Erfahren Sie hier mehr…
Während die rot-grün-rote Koalition sich zu streiten beginnt, wie sie ihr Wohnungsbau-Ziel von 20.000 neuen Wohnungen pro Jahr erreichen will (hier nachzulesen), sickern aus dem „Bündnis für Wohnungsneubau und bezahlbares Wohnen“ erste Ideen, auf die sich die Teilnehmer (Vertreter der Bauindustrie, Senat, Bezirke, Mieter, Gewerkschaften) einigen könnten, berichtet Robert Kiesel:
++ Höchstens 30 Prozent des Einkommens eines Haushalts sollen nach einer Mieterhöhung für die Miete draufgehen. Mieterhöhungen, „die zu Haushaltsbelastungen von mehr als 30 Prozent des jährlichen Haushaltseinkommens führen“, sollen „wenn möglich“ nicht durchgeführt werden, heißt es. Checkpoint-Prognose: Der Teufel könnte mal wieder im Detail liegen. In diesem Fall wären das wohl die Worte „wenn möglich“.
++ Große Wohnungsunternehmen könnten verpflichtet werden, jede vierte freiwerdende Wohnung an Menschen mit WBS-Anspruch zu vermieten. Die Vermieter hätten sich zumindest „aufgeschlossen“ gezeigt.
++ Große private Wohnungsunternehmen sollen Mieten zudem nicht um mehr als ein Prozent jährlich erhöhen. Das soll aber nur bis Ende 2024 gelten.
Das Bündnis soll bis zum 20. Juni ausarbeiten, wie Berliner*innen weiterhin hier wohnen und den Wohnraum auch bezahlen können sollen, dann soll eine Vereinbarung unterzeichnet werden. Mal schauen, was bis dahin noch passiert – und wer sich dann mit wem streitet.
Noch mehr Unstimmigkeiten im rot-grün-roten Senat: Offenbar hat Grün (in diesem Fall Finanzsenator Daniel Wesener) Rot nicht in die Entscheidung einbezogen, ob die Pensionsgrenze für Landesbeamte (sprich: Polizei, Feuerwehr und Co.) angehoben werden soll. „War nicht mit mir und meinem Haus abgestimmt“, sagt Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Sie will die Anhebung verhindern. Sie stellt sich damit an die Seite der Polizeigewerkschaften. Mehr dazu lesen Sie hier.
Anzeige
Die Veranstaltungsreihe „Marx, Wagner und ...!“ begleitet die aktuellen Ausstellungen im Deutschen Historischen Museum. Das Ausrufezeichen im Veranstaltungstitel steht für die dritte Persönlichkeit, deren historisches Wirken mit Blick auf Karl Marx' und Richard Wagners Werk untersucht wird: Victoria Kaiserin Friedrich, Mahatma Gandhi und Rosa Luxemburg.
Mittwoch, 18.5., 1.6., 8.6., 18.30 Uhr
Anmeldung und Infos www.dhm.de
Einig ist sich Spranger hingegen endlich mit Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) geworden: Parken wird teurer. Zumindest erst einmal das Kurzzeitparken in bewirtschafteten Parkzonen (hier eine Übersicht, Achtung: PDF-Format). Schon ab Mitte des Jahres könnte das Parken einen Euro mehr pro Stunde kosten (und damit je nach Gegend zwei bis vier Euro). Nur für Landesmitarbeiter, die im Schichtdienst arbeiten, gilt das nicht. Die werden ihr Auto künftig umsonst abstellen dürfen (etwa Polizisten, Ordnungsamts-Mitarbeiter, Feuerwehrleute, Angestellte von Charité und Vivantes). Der Innensenat hatte die Gebühren-Erhöhung bisher mit Verweis auf Nachteile für Landesmitarbeiter verwiesen. Zuerst hatte die „B.Z.“ über die Einigung berichtet. Kleine Erinnerung: 2023 sollen auch die Anwohner-Parkgebühren von zehn auf 120 Euro pro Jahr steigen.

Anzeige
Die deutschen Hockey-Nationalteams spielen am 21./22. Mai in einem extra dafür errichteten Stadion auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld (Zehlendorf) in der FIH Pro League gegen Argentinien. Samstag: Damen 13.30h, Herren 16.30h. Sonntag: Damen 11.30h, Herren 14.30h. Tages- und Dauerkarten gibt es im Vorverkauf über die Website:
www.hockeyticket.de
Kennen Sie Ali Bumaye? Der Rapper ist nicht nur ein Ex-Kumpel von Bushido und Cousin von Clanchef Arafat Abou-Chaker, sondern war letztens auch kurzzeitig auf dem Instagram-Kanal des Gesundheitsamtes Neukölln zu sehen (Screenshot via Axel Lier). Das Video wurde dann schnell wieder gelöscht, mittlerweile ist der ganze Gesundheitsamt-Insta-Account deaktiviert. Wie kam es dazu? Die Neuköllner CDU hatte sofort die linke Cancel Culture im Verdacht und forderte, Gesundheitsstadträtin Mirjam Blumenthal (SPD) müsse sich zu angeblich „im Raum stehenden Vorwürfen der Sippenhaft“ äußern, unter die Blumenthal Bumaye wegen seiner Verwandtschaft zu Abou-Chaker stelle.
Blumenthal bestätigte in der Neuköllner BVV, das Löschen des Videos veranlasst zu haben. Als Grund nennt Blumenthal fehlende Absprache bei Herstellung und Veröffentlichung, es habe eine „Doppelstruktur“ innerhalb des Bezirksamts gegeben. „Um Schaden vom Bezirksamt abzuwenden, habe ich eine Löschung dieses Accounts veranlasst“, heißt es in der Antwort auf die BVV-Anfrage. Blumenthal wirft Bumaye aber auch seine frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Texte vor. Dem Checkpoint sagte sie: Es möge ja sein, dass frauenverachtende und beleidigende Textzeilen „die Neuköllner CDU-Fraktion nicht stören. Für mich ist Herr Bumaye kein Vorbild für Jugendliche in Neukölln.“
Anzeige
Sebastian Knauer mit seinem Projekt The Mozart Nyman Concert: Der Komponist Michael Nyman komponierte für ihn sechs von Mozart inspirierte Klavierstücke, die im Wechsel mit dessen Sonaten erklingen. Am 15. Mai um 20 Uhr auf Schloss Neuhardenberg. 2 x 2 Tickets zu gewinnen: E-Mail mit Betreff „Nyman“ an verlosung@schlossneuhardenberg.de. Informationen hier.
Wir bleiben in Neukölln. Der Berliner Landesschulbeirat fordert eine Stellungnahme von Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD). Der Beirat sei „irritiert“ von früheren Aussagen der Senatorin, in denen sie pauschalisierend über migrantische Familien in Neukölln spricht. Das berichtet die „Morgenpost“ (Freitagsausgabe). Hintergrund ist ein Zitat von 2009. Busse war damals Schulleiterin in Neukölln und sagte der „SZ“: „Sie bleiben einfach untereinander. Man muss sich hier ja auch gar nicht mehr integrieren. Man nimmt das Viertel in Besitz, und man lässt sich pampern.“ Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin hatte Busse in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ zitiert, kürzlich war eine Debatte um die Aussage entfacht (CP vom 29.4. und 5.5.).
Der Landesschulbeirat verlangt nun eine schriftliche Stellungnahme von Busse. Denn die wies zwar den Rassismus-Vorwurf zurück, mehr als eine kurze Stellungnahme gab es aber bisher nicht. Der Landeselternbeirat verlangt mehr: „Wir wüssten zum Beispiel gern, ob ihre Einstellung heute eine andere ist als damals“, zitiert die „Morgenpost“ aus dem Schreiben.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Crime I: Wegen mutmaßlichem Betrug mit Corona-Hilfen in Millionenhöhe hat die Berliner Polizei am Donnerstag 10 Wohnungen und Büros in Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Brandenburg durchsucht. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die fünf Verdächtigen sollen Corona-Finanzhilfen im Wert von 9,5 Millionen erschlichen – und einen Teil davon in betrügerische Umsatzsteuer-Karussellgeschäfte investiert haben.
Crime II: Zeit für das dringlichste Thema der Stadt. Weil neuerdings immer wieder in öffentliche Toiletten eingebrochen wird, gründete die Polizei im Februar eine eigene Fahndungskommission – wie jetzt bekannt wurde, trägt sie den passenden Namen „Soko Achteck“ (via „B.Z.“). Die Einbrecher machen sich bestimmt in die … Ach, lassen wir das.
Wissen Sie noch, damals, Corona? Während die Testpositivrate bei Schulkindern in Deutschland wieder steigt, prüft das Berliner Verwaltungsgericht zwei Eilanträge gegen die Testpflicht in Schulen. Eine Anti-Coronamaßnahmen-Elterninitiative unterstützt die Anträge, denn: Die Tests (2x wöchentlich mit einem Stäbchen in der Nase popeln) „schaden unseren Kindern“. Der Antragsteller selbst äußert sich kohärenter, ihm gehe es vor allem um „rechtsstaatliche Prinzipien“, konkret darum, dass Erwachsene sich ja auch nirgendwo mehr testen müssen. Die Eilanträge kommentiert ein Sprecher der Bildungsverwaltung mit einer Replik auf Ex-Regierenden Klaus Wowereit: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Rechtsstaat. Und das ist auch gut so.“ Mehr dazu im Text meiner Kollegin Margarethe Gallersdörfer.
Das Abgeordnetenhaus wurde besonders rüde daran erinnert, dass das Coronavirus noch existiert: Ein Haushaltspolitiker hat Corona, deshalb muss nun die nächste Haushaltsberatungsrunde am Freitag abgesetzt werden, erfuhr Julius Betschka. Außerdem ist möglich, dass er weitere Haushaltspolitiker angesteckt hat. Die hängen offenbar gern zusammen rum – trotz der aktuellen Unstimmigkeiten.
Anzeige
Exklusive Verlosung: Testen Sie den Tagesspiegel 4 Wochen gratis und sichern Sie sich die Chance auf 1 von 20 Jahreskarten für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Wert von 60 €. Lesen Sie täglich die digitale Zeitung inklusive Tagesspiegel Plus und den preisgekrönten Checkpoint und genießen Sie auf Wunsch am Wochenende zusätzlich die gedruckte Zeitung. Teilnahmeschluss ist der 31. Mai. Zum Angebot
Die Grünen schauen in die Röhre – nicht wegen der abgesagten Haushaltsberatungsrunde, aber während eines Ausflugs nach Mecklenburg-Vorpommern posiert Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel knallgelb gekleidet vor einem Rohr. Rohre, Meck-Pom … Da war doch irgendwas … Nein, nein, „das ist keine Pipeline“, stellt Gebel klar, „sondern ein Monopillar, um Offshore-Windanlagen zu installieren“.
Wer in Marzahn-Hellersdorf derzeit auf einen Kita-Gutschein wartet, kann das lange tun. „Sehr geehrte Eltern“, schreibt das Bezirksamt, „aufgrund technischer Probleme (…) ist es dem Fachbereich Kita/eFöB derzeit nicht möglich, Anträge auf Erteilung von Kitagutscheinen oder (…) auf ergänzende Förderung und Betreuung zu bearbeiten.“ Die Bezirksämtler „hoffen auf eine schnelle Behebung“ des Problems. Na, immerhin.
Spannend ist auch, dass Tchibo einen Rucksack mit gar nicht so subtilen Ähnlichkeiten zu dem Modell eines Berliner Modelabels verkauft. Das Label „Wayks“ machte darauf aufmerksam (inklusive Vergleichs-Fotos), laut Tchibo aber alles nur Zufall. „Tchibo bietet im Jahr über 5000 Produkte an“, schreibt es unter den Twitter-Post der Autorin Samira El Ouassil zu dem Thema. „Dabei kann es – je nach Trend – zu Ähnlichkeiten kommen.“ 5000 Produkte also. Verständlich, dass man da schon mal den Überblick verlieren kann. Da kann es schon mal passieren, dass zwei Taschen mit aufwändigen Design-Elementen beinahe identisch aussehen. Dennoch sei man bereits „mit Wayks im Gespräch“, schreibt Tchibo.
Anzeige
46 Berliner Leben
Seit über 20 Jahren erzählt die Nachrufe-Kolumne jeden Sonntag im Tagesspiegel die Lebensgeschichten verstorbener Berlinerinnen und Berliner. Sie gehen ans Herz, erheitern aber auch mit Anekdoten und geben spannende Einblicke in viele bewegte Leben. „46 Berliner Leben“ vereint Nachrufe aus den Jahren 2010 bis 2021. Jetzt im Tagesspiegel-Shop erhältlich!
Verblüffende Ähnlichkeit hatten auch die letzten Tage, und zwar mit dem Sommer. Ist der jetzt schon da? Oder sogar schon wieder vorbei? Die Stadt scheint, wie bei so vielem, auch was Jahreszeiten angeht, einem eigenen (und recht eigenen) Rhythmus zu folgen. Ein Meme, das seit einer Weile im Internet kursiert, sorgt nun endlich für Orientierung. Berlin hat nämlich elf Jahreszeiten, und zwar diese:
1) Winter
2) „Fool’s Spring“, der Frühling der Naiven. (Nur Naive lassen sich von den ersten wärmeren Tagen dazu verleiten, den Winter voreilig für beendet zu erklären – kann aber auch Alteingesessenen passieren.)
3) Der zweite Winter
4) „Spring of deception“, der Frühling der Täuschung. (Hält bis zum nächsten Hagel oder Schnee.)
5) Der dritte Winter
6) Die Regensaison (wird klimawandelbedingt neuerdings gern übersprungen)
7) „Tatsächlicher Frühling“ – hier sind wir gerade.
Es ist also Frühling, lassen Sie sich nichts anderes einreden, schon gar nicht vom Wetter! Bald folgen: 8) Sommer-Open-Airs, 9) der unwahre Herbst, 10) der zweite Sommer und dann ist wirklich 11) Herbst.
Berliner Autobahn-Wetteranzeigen lassen sich vom Wetter offenbar nicht beeindrucken. Zumindest die auf der A 100 nahe der Rudolf-Wissell-Brücke: Vor Nebel wurde hier Leser Christian Büttner gewarnt, allerdings „bei leicht bedecktem Himmel“. Reflexhaft beschwerten wir uns bei der Stadt – wenn hier was schiefgeht, muss sie schließlich schuld sein –, genauer gesagt bei der Berliner Verkehrsinformationszentrale, obwohl natürlich der Bund zuständig ist, der aber den Nebel um die Schilder-Panne bisher nicht lichten konnte oder wollte. Vielleicht hat man dort ja einfach ganz Berlin zum undurchsichtigen Gebiet erklärt.
Nicht ganz durchgeblickt habe offenbar auch ich gestern, als ich an dieser Stelle den Tarifbereich AB „Innenstadt“ nannte und damit eigenmächtig das gesamte Stadtgebiet zu ihr erklärte. Natürlich umfasst Tarifbereich AB das gesamte Berliner Stadtgebiet. Dass es mindestens kontrovers wäre, die Innenstadt bis nach Rudow, Spandau und Spindlersfeld auszuweiten, ist selbst der Autorin dieser Zeilen bewusst. Sorry!
Und noch ein Nachtrag: Vorgestern hingen eigenwillige Plakate der Pozilei (sic!) in Berlin, Aufschrift zum Beispiel: „Wir sind Nazi-Netzwerk, nur größer“. Dabei handelte sich um eine Protestaktion gegen die Polizei Berlin, Anlass war der Europäische Polizeikongress – gibt’s jedes Jahr und ist auch schon wieder vorbei: Die Polizei hat die Plakate schnurstracks entfernt.
Zitat
„Ich wollte sie nicht kaputt machen, denn ich brauche sie als Bühnenrequisit.“
„Pussy-Riot“-Frontfrau Maria Aljochina über ihre Fußfessel, die sie seit Januar tragen musste. Hier können Sie das ganze Interview lesen.
Tweet des Tages
Es ist mir wirklich peinlich, aber als gebürtige Berlinerin verhalte ich mich in JEDER deutschen Klein- bis Großstadt als wäre es die Pampa. Hab mich grad beim Gedanken ertappt „oh in Köln gibt es auch Alnatura? Ach!“ what is dis, einfach kein Horizont Yasmin
Stadtleben
Essen & Trinken – Wer braucht angesichts der hiesigen Trockenzeiten und Hitzewellen eigentlich noch einen warmen Süden? Nun, wenn schon nicht wegen des Klimas, so doch wegen der Küche. Denn: Wo kann man in Berlin schon Lammkarree in Bärlauch-Kruste, mit Beelitzer Spargel, Kartoffeln, Sauce Hollandaise zu 32 Euro speisen? Oder Wolfsbarsch, ebenfalls mit Beelitzer und grünem Spargel, Kartoffeln und Sauce Hollandaise zu 27 Euro? Natürlich beim erst im April eröffneten Jasper’s in Charlottenburg. Aber Moment mal, war da nicht von Süden die Rede? Nun, Beelitz liegt doch im Süden. Außerdem sind die eigentliche Spezialität des Hauses diverse Schnitzel- und Spätzlevariationen zwischen Trüffeln, Gruyère und Gorgonzola. Schloßstraße 61 (Charlottenburg), Mi – Fr 17 – 23 Uhr, Sa & So 12 – 23 Uhr.
Karten sichern – A heavy weight indeed: Wenn der unlängst zum Ritter dritten Ranges (CBE) geschlagene Komponist und Dirigent George Benjamin nach Berlin kommt, um mit dem DSO unter seiner Leitung und dem für solche Auszeichnungen vielleicht noch etwas jungen, aber mit so gut wie allen Wassern des Konzertbetriebs gewaschenen Pianisten Cédric Tiberghien Werke für Klavier und Orchester aufzuführen, dann ist das schon eine kleine Sensation, deren Ausverkauf vermutlich nicht allzu lange wird auf sich warten lassen. Wenn die beiden dann auch noch den ganzen Abend lang nur Moderne aufführen, statt sie als Rausschmeißer in der Zugabe unterzubringen, erst recht. Zu hören ist Ligetis „Lontano“, Dukas „Der Zauberlehrling“, Messiaens „Oiseaux Exotiques“, Benjamins „Duet“, Janaceks „Sinfonietta“. Und zwar am 22. Mai um 20 Uhr in der Philharmonie.
Geschenk – So viel Angebot wird natürlich schnell zum Problem! Und was brauchen Probleme? Na Lösmich Kaffee! Das junge Berliner Kaffee-Startup hilft auch allen, die zum umständlichen Aufbrühen, Bedampfen, wie auch immer man seinen Morgenkaffee am liebsten herstellt, keine Zeit haben. Lösmich ist nämlich löslich. Und damit transportabel. Löst bei Bedarf auch vermeintlich unlösbare Spannungen. Und die ewige Frage, was man zum Abendessen bei Freunden mitbringt, das man nicht bloß wieder selbst vor deren Augen austrinkt. Lösmich eben.
Berlinbesuch – Als Singer-Songwriterin, Band-Frontfrau und Theatermacherin ist Bernadette La Hengst in Berlin schon lange keine Unbekannte mehr. Was viele ihrer Hörer:innen naturgemäß nicht so genau kennen dürften, ist allerdings ihre Familiengeschichte, genauer: die Geschichte ihrer Mutter. Und die ist nicht nur für Fans interessant: Als Kind war sie zweimal auf der Flucht, von Schlesien über die DDR bis nach NRW. In den 60ern lebte sie eine Zeit lang im Libanon und in Syrien. In der, wie sie es nennt, Revue Passé „Mutter**land“ begibt sich Bernadette La Hengst gemeinsam mit ihrer 16-jährigen Tochter auf die Spuren der Mutter und schlägt den Bogen zum aktuellen Umgang mit Flucht und Vertreibung. Freilichtbühne Weißensee, Große Seestraße 10, Tickets kosten 15,48 / 10,31 Euro
Grübelstoff – Es ist Freitag der 13. numerologisch veranlagte Gemüter dürften heute genug zu grübeln haben. Wem sowas wumpe ist, könnte sich vielleicht für etwas Geschichte erwärmen? Heute vor 87 Jahren, 1935, beantragt der US-Amerikaner Carl Magee ein Patent für die erste Parkuhr und sorgt in der Folge für eine neue Beziehung zur Zeit im öffentlichen Raum: Der traurige Spruch „Zeit ist Geld“ verdrängt alle Vergänglichkeitsromantik auf einen Schlag. Wie als Gegenbewegung, wird heute vor 45 Jahren, 1977, die Oper „Neither“ von Morton Feldman uraufgeführt – ein Komponist, von dem schon einige behauptet haben, er habe die Zeit in der Musik aufzuheben versucht. Das Libretto stammt von keinem geringeren als Samuel Beckett, der zuvor mit Warten auf Godot bereits ein eigenes Zeitmaß oder eher -Unmaß vorgelegt hatte. Welche Beziehung zur Zeit finden Sie wichtiger?
Berlin heute
Verkehr – Friedrichshain: Verkehrsbeeinträchtigungen wegen eines Demonstrationsumzugs, der um 18 Uhr an der Kreuzung Weidenweg/Karl-Marx-Allee beginnt und bis ca. 20.30 Uhr über Richard-Sorge-Straße, Weidenweg, Rosengarten, Hildegard-Jadamowitz-Straße, Marchlewskistraße, Fredersdorfer Straße, Rüdersdorfer Straße, Franz-Mehring-Platz, Singerstraße, Andreasstraße und Lange Straße zur Koppenstraße (Ostbahnhof) führt.
Bereich Schönhauser Allee, Gleimstraße und Eberswalder Straße (Prenzlauer Berg):
Wegen einer Veranstaltung in der Max-Schmeling-Halle (Beginn 20:00 Uhr) kann es zu Verkehrseinschränkungen kommen.
Niederschönhausen: Verkehrseinschränkungen wegen eines Fahrradkorsos von 17.30 Uhr bis 19 Uhr ab Hermann-Hesse-Straße über Grabbeallee, Schönholzer Straße, Mühlenstraße, Samländische Straße, Berliner Straße, Breite Straße, Heinrich-Mann-Straße, Hermann-Hesse-Straße, Germanenstraße, Angerweg, Kastanienallee, Schönhauser Straße und Dietzgenstraße zurück zur Hermann-Hesse-Straße.
Westend – Steglitz: Verkehrseinschränkungen von 17 bis 23 Uhr wegen eines Fahrzeugkorsos ab Olympischer Platz über Trakehner Allee, Olympische Straße, Reichsstraße, Theodor-Heuss-Platz, Masurenallee, Neue Kantstraße, Kantstraße, Wielandstraße, Mommsenstraße, Knesebeckstraße, Kurfürstendamm, Tauentzienstraße, Wittenbergplatz, Kleiststraße, Nollendorfplatz, Bülowstraße, Potsdamer Straße, Hauptstraße und Rheinstraße zur Schloßstraße.
S-Bahn: Die S2 verkehrt nicht zwischen Blankenburg und Bernau. S41/S42 und S46 verkehren nicht zwischen Halensee und Beusselstraße. Auf allen Strecken ist ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
Regionalverkehr: Ab 21.45 Uhr verkehrt der RE6 nicht zwischen Hennigsdorf (b Berlin) und Berlin-Gesundbrunnen, verkehrt der RB10 nicht zwischen Falkensee und Berlin-Spandau, verkehrt der RB14 nicht zwischen Falkensee und Berlin-Spandau/Berlin-Charlottenburg.
Demonstration – Die Interesengemeinschaft Gestohlene Kinder der DDR erwartet von 12 bis 15 Uhr 60 Teilnehmende zur Kundgebung unter dem Motto „Aufarbeitung von DDR-Unrecht / Wir leben noch“ auf dem Platz der Republik. Von 16 bis 19 Uhr rechnet die Anwohnerinitiative Steinmethkiez mit 50 Teilnehmenden unter dem Motto „Umweltgerechtigkeit, Verkehrsberuhigung der Steinmetzstraße, Nachbarschaft statt Durchgangsverkehr“ in der Steinmetzstraße. Ebenfalls 50 Teilnehmende erwartet die „Initiative Gegen Rechts Friedrichshain“ zum „Historischen Spaziergang: Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime“ von 18 bis 20.30 Uhr ab Rosengarten bis Hermann-Stöhr-Platz; der genaue Verlauf hier.
Sonnabend – Zum Fahrradkorso „KidicalMass“ ab Schmollerplatz durch Alt-Treptow erwartet die KungerKiezInitiative von 11 bis 13 Uhr 300 Teilnehmende. 5000 Teilnehmende werden zum Umzug ab Potsdamer Platz nach Unter den Linden/ Wilhelmstraße von 11 bis 17.30 Uhr erwartet; das Motto: „Gegen Angriffe der Türkische Staat in Kurdistan… Gegen Besetzung in Südkurdistan und Rojava und Shengal“. 200 Teilnehmende wollen von 12 bis 14 Uhr in der Yorckstraße unter dem Motto „Kieze sicher verbinden Gemeinsame Veranstaltung verschiedener Kiezblocks in Kreuzberg-West, Möckernkiez und Changing Cities“ demonstrieren. Von 14 bis 16 Uhr erwartet Democrats Abroad etwa 200 Teilnehmende am Pariser Platz zum Protest gegen den Plan des US-Supreme Courts, das verfassungsmäßige Recht auf Abtreibung de facto abzuschaffen. 150 Teilnehmende erwartet das Netzwerk Fahrrad Charlottenburg / Wilmersdorf zur „Kinder-Fahrrad-Demo für mehr und sicheren Raum für eigenständige Mobilität – kurz: mehr Bewegungsfreiheit für Kinder auf Berlins Straßen“ von 14.45 bis 17.30 Uhr ab S-Bhf Charlottenburg. Das Netzwerk Fahrradfreundliches Ma-He erwartet 200 Teilnehmende zur „KidicalMass“ Kinder Fahrraddemo von 15 bis 18 Uhr ab Freizeitforum Marzahn.
Sonntag – Unter dem Motto „Fossil Free for Peace“ will Greenpeace e.V. von 10 bis 14 Uhr mit 600 Teilnehmenden am Platz der Republik demonstrieren. 200 Teilnehmende werden von 12 bis 18 Uhr zum Aufzug vom Karl-Marx-Platz zum Hermannplatz unter dem Motto „Autofreier Kiez - jetzt! Für eine ökologische Verkehrswende“ erwartet. Von 14 bis 17 Uhr will der Verein Vitsche Berlin mit 1.000 Teilnehmenden unter dem Motto „Stand with Ukraine“ auf dem Pariser Platz demonstrieren. Von 15 bis 22.30 Uhr wollen die Zen-Studios zur Kundgebung „Strazen 4: Freedom for Music“ mit 200 Teilnehmenden am S-Bhf. Treptower Park für eine freie Musik- und Kulturprotestkultur demonstireren. Von 16 bis 17.45 Uhr erwartet das Junge Forum der DIG etwa 100 Teilnehmende zur Kundgebung „Gegen JEDEN Antisemitismus!“ am Potsdamer Platz.
Gericht – Der Prozess um den gewaltsamen Tod der 34-jährigen Afghanin Maryam H. geht weiter. Wegen Mordes angeklagt sind zwei ihrer Brüder. Die 23- und 27-Jährigen sollen ihre Schwester getötet haben, weil sie sich nicht Moralvorstellungen der Familie unterworfen habe (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 500).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Hartmut Ebbing (66), kulturpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion / Georg Gafron (68), Journalist, ehem. Chefredakteur der B.Z. / Manuel Heide (67), ehem. für die CDU im AGH (1985-2016) / Walter Rasch (80), ehem. FDP-Schulsenator (1975-1981) / Benjamin Völz (62), Schauspieler und Synchron-Sprecher / „Der besten Sandra-Mama gratulieren von ganzem Herzen Philomé, Milonja und Gundolf. Wir wünschen Dir viel Sonnenschein, schöne Erlebnisse und wunderbare Konzerte auf dem Weg zum nächsten Meilenstein in einem Jahr!“
Sonnabend – Klaus Jürgen Bade (78), Historiker, Migrationsforscher und Publizist / Malte Fehr (44), „alles Liebe zum Geburtstag, gutes Wetter für den E5 und gelingende Bootprüfungen wünscht Dir Mama“ / Vera „Veruschka“ Anna Gottliebe Gräfin von Lehndorff (83), Schauspielerin und Model / Gerhard Haase-Hindenberg (69), Schauspieler, Regisseur, Publizist und Buchautor / Max Kaase (87), Politikwissenschaftler / Oliver Polak (46), Comedian und Autor / Jens Sparschuh (67), Schriftsteller / Jörg-Otto Spiller (80), SPD-Politiker (1999-2008 finanzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion) / „Liebe Liane Tr., alles Gute für das neue Lebensjahr wünschen Dir Heidi und Wolfgang. Bleib weiterhin so eine liebe ‚Kümmerin‘ “ ‘
Sonntag – Judith Hermann (52), Journalistin und Schriftstellerin / Michael Lentz (58), Schriftsteller / Ronald Pofalla (63), Infrastruktur-Vorstand der Deutschen Bahn / Claudia Roth (67), Staatsministerin beim Bundeskanzler sowie Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, 2013 – 2021 Vizepräsidentin des deutschen Bundestages, ehem. Vorsitzende von Die Grünen, / Martin Sonneborn (57), Bundesvorsitzender von Die Partei, Mitglied im Europäischen Parlament, Satiriker / Peter Strieder (70), ehem. SPD-Senator für Stadtentwicklung / Margaretha Sudhof (63), SPD-Staatssekretärin in im Bundesjustizministerium / Ulrike Claudia Tscharre (50), Schauspielerin
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Herbert König alias Heinz Kersten, * 1926, Autor, Journalist, Kritiker / Joachim Scheel, * 6. Oktober 1948 / Gerd Teicher, * 4. Januar 1945
Stolperstein – Karl Behrens (Jg. 1902) wächst in Kreuzberg auf, wird 1929 Mitglied von NSDAP und SA. In Folge der Stennes-Revolte tritt er aus beiden aus und nähert sich im Dunstkreis von Arvid Harnack dem Widerstand an. 1938 wird Behrens wegen des Verteilens von Flugblättern angeklagt, 1939 wird er kurzzeitig wegen der Fälschung eines Taufscheins für seinen jüdischen Schwager inhaftiert. Dem Widerstand hilft er weiter nachrichtendienstlich. Mit seiner Frau Clara Sonnenschmidt und drei Kindern lebt er in der Huttenstraße 12 in Moabit, wo ein Stolperstein an ihn erinnert. Im Mai 1942 wird Behrens eingezogen, im September an der Ostfront vor Leningrad verhaftet und am 20. Januar 1943 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt. Ermordet wird er heute vor 79 Jahren in Berlin-Plötzensee.
Encore
Zum Schluss ein Aufruf: Dringend gesucht wird der Doppelgänger von Bundeskanzler Olaf Scholz. Nein, nicht Angela Merkel, auch wenn sich Ähnlichkeiten im Kommunikationsstil nicht leugnen lassen. Gemeint ist ein physisches Double für Film und TV; irgendjemand, der dem Kanzler zum Verwechseln ähnlich sieht: Glatze, mittlere bis schmächtige Statur, keine Regung im Gesicht, das volle Programm. Die „Doppelgänger“-Agentur aus Mülheim an der Ruhr hat trotz intensiver Suche einfach noch niemanden gefunden, der aussieht wie der Kanzler (Q: dpa/Spiegel) und den sie für Filmdrehs ausborgen könnte. Der letzte vielversprechende Bewerber sah Scholz zwar auf dem Passfoto ähnlich, brachte aber etwas mehr auf die Waage als er. Vielleicht ist der Kanzler ja einfach … einzigartig. Oder nicht? Sehen Sie ihm ähnlich? Melden Sie sich!
Als Recherche- und Stadtleben-Doppelgänger hat sich heute Thomas Lippold verdient gemacht, Cristina Marina hat diesen Newsletter morgens aufpoliert (Produktion). Morgen ist Wochenende – nur echt mit Thomas Wochnik.
