Drei Termine lassen diese Woche aufhorchen: 1. die Sommerferien in Berlin-Brandenburg sind zur Hälfte rum (mit verstärktem Auftreten verpeilter Ex-Urlauber ist zu rechnen), 2. Angela Merkel wird 65 (übermorgen) und 3. die Mondlandung ist 50 Jahre her (am Sonntag). Während die beiden ersten Ereignisse noch recht unstrittig sein dürften, so hegen immerhin 23 Prozent in einer aktuellen Live-Umfrage von Yougov gewisse lunare Zweifel. So viele glauben nämlich nicht, dass die Amis die ersten Menschen auf dem Mond waren. Die Frage, ob die Zweifler stattdessen annehmen, dass vielleicht ein Russe, Chinese oder Sigmund Jähn (für Westdeutsche: Ulf Merbold) als erster oben war, ließ das Institut leider unbeantwortet.
Ach, und überhaupt, der glückliche Mond. Auch wenn er bisweilen als Trabant bezeichnet wird, so parken auf ihm – nach überschlägiger Zählung – bislang nur drei Autos (Hinweis für Tesla-Chef Elon Musk: Beschwerden über bräsige Kfz-Zulassungsstellen werden dort nicht an den Mann im Mond durchgestellt – anders als im Fall des Manns im Roten Rathaus). Dagegen dürfte die Zahl der Elektrotretroller in Berlin bald um das gut 2700fache höher sein als die der Autos auf dem Mond. Der Senat rechnet damit, dass bald acht Unternehmen mit jeweils 1000 Fahrzeugen den hauptstädtischen Markt auf- und überrollen möchten (Quelle: Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg/Linke). Bislang gibt es etwa 4800 dieser E-Scooter. Interessanterweise tragen deren Vermieter gern Namen, die dem Tierreich entlehnt sind: „Bird“, „Hive“, „Tier Mobility“. Und einer benutzt gar das englische Wort für „muhen“: „Moo Scooters“. Womit dann wieder der Bogen zum Erdtrabanten geschlagen wäre: Nicht wenige Tretrollerfahrer verhalten sich ja wie Mondkälber.
Ein Roller-PS noch. Aus der Berliner Politik, die sich sehenden Auges der Rollerflut ergeben hat, ist nun Zeter und Mordio zu hören. Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) denkt beispielsweise darüber nach, Gebühren fürs Abstellen der Fahrzeuge zu verlangen, weil die seinen schönen Bezirk verhunzen. Laut „Morgenpost“ hält aber schon mal Friedrichshain-Kreuzberg nichts von einem Alleingang der Bezirke. Vielmehr müsse eine generelle Regelung auf Landesebene gefunden werden – wobei „generell“ in Berlin ja meistens „nicht so schnell“ bedeutet. Oje, vielleicht sollte mal einer Elon Musk anrufen lassen.
Und damit zu den CP-Sommerrubriken
In Berlin um die Welt - Brasilien: Am Ende der Stunde stellen sich alle Teilnehmer im Kreis auf und bilden die „Roda“. Wer mutig und - wortwörtlich - schlagfertig ist, bewegt sich in den Kreis, mit einem Radschlag. Haben sich zwei Gegner gefunden, beginnen sie zu „spielen“. So nennt man im Capoeira den Kampf zwischen zwei Athleten, bei dem sie Tritte mit Drehungen und Saltos verbinden – die Zuschauer geben klatschend den Takt vor. Diese Kombination aus Kampfsporttechnik und Tanzelementen macht den Nationalsport Brasiliens (neben dem Fußball) aus. Beliebt ist er mittlerweile weltweit, und erlernen kann man ihn auch am Hermannplatz. Dort befindet sich die Capoeira Akademie Berlin, wo Sie heute um 19.15 Uhr bei einem Einsteigerkurs alles auf Schritt und Tritt lernen können (Hasenheide 9, U-Bahnhof Hermannplatz).
Sommerspaß - Der Traum der Hochzeit: Im Privatfernsehen füllen Sendungen über die Wahl des richtigen Brautkleids oder die Hochzeitsplanung ganze Nachmittage – das Museum Europäischer Kulturen geht dafür „Hochzeitsträumen“ in einer ganzen Ausstellung auf den Grund. Diese zeigt, woher der Brauch stammt und wie er sich über die Geschichte hinweg geändert hat. Zu sehen ist das Ganze aber nur noch bis zum 28. Juli. Das Museum befindet sich an der Dahlemer Arnimallee 25, hat dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, die Museumskarte kostet 8, ermäßigt 4 Euro. Sehenswert auch für Heiratsmuffel.
Sommersport - Axtwerfen: Wer ein Fan der US-Anwaltsserie „The Good Fight“ ist, wird sich noch genau erinnern: Hauptfigur Diane Lockhart, eine Upper-Class-Juristin, greift in einer Folge plötzlich zur Axt – und wirft auf eine Zielscheibe. Ja, Axtwerfen ist der neue archaische Trendsport der Hipster. Mit handlichen Geräten muss dabei die etwa sechs Meter entfernte Scheibe getroffen werden; in der TV-Serie gab es dafür eine Art Wurfstand. In Berlin bietet der „Schmiedehof“ im Pankower Ortsteil Blankenburg eine Einführung an. Aber nicht nur das: Er stellt auch sicher, dass die Axt schön scharf ist. Für jeden geeignet, nicht nur für Zimmermänner.
Jottwede - Kahnfahrt im Spreewald: Wem beim Wort „Spreewald“ nur eingelegte Gürkchen einfallen, sollte sich schleunigst in den Zug (RE2/RB24 ab Hauptbahnhof) oder ins Auto (ca. 1,5 Stunden via A13) setzen. Denn in Lübbenau kommt Urlaubslaune auf – beim Kahnfahren (oder noch besser: beim Paddeln) über die weitverzweigte, lagunenartige Spree. Die Preise variieren je nach Anbieter, beginnen bei etwa 3,50 Euro pro Person und Stunde. Zurück im Lübbenauer Hafen, genannt „Gurkenmeile“, darf die würzige Abrundung des Ausflugs natürlich nicht fehlen. Gelegenheit zum Naschen gibt‘s genug. Fürs Herumgurken zur Sicherheit etwas gegen Mücken einpacken.
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Berlin, aber Sommerloch. Aus dem sind jetzt mal wieder Ratten gekrochen, dieses Mal bei Zalando, wo bestimmt keiner vor Freude geschrien hat. Die Nager sollen im Postbahnhof am Ostbahnhof, in dem ein Unternehmensteil es Modeversenders sitzt, zum Problem geworden sein – laut „Business Insider“. „Don’t attract the rats“ stehe über Aushängen, mit denen die Mitarbeiter aufgefordert werden, benutztes Geschirr in die Küche zurückzutragen. Reaktion der Unternehmensführung: „In einer Großstadt wie Berlin, nicht zuletzt in Gegenden, in denen es viele Baustellen gibt, wie derzeit in der Umgebung des Postbahnhofs der Fall, können Ratten auftauchen.“ Man habe des deswegen Kammerjäger beauftragt, „erweiterte Maßnahmen“ durchzuführen. Und weil Ratten auch nur dicke Mäuse sind, gibt’s weiter unten mehr zum Thema.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Ihr Pseudonym Rose Ladson steht zumindest auf Wikipedia. Aber dass Ursula von der Leyen, die unter diesem Namen Ende der 1970er Jahre in London lebte, dort lieber auf Punkkonzerte als zur School of Economics and Political Science ging, dürfte weitgehend unbekannt sein. So haben es zumindest damalige Zeitgenossen, darunter ein guter Freund ihrer Familie, gerade der „Times“ erzählt. Die Frau mit der blonden Mähne sei lebhaft, freundlich und gesellig gewesen und gern zu Konzerten der Band Buzzcocks gegangen. Das Ausgehen habe sie mehr interessiert als Wirtschaft. Und überhaupt: ein bisschen schlampig sei ja das Mädel gewesen.
Eigentlich sind ja noch Ferien, aber die folgenden Zahlen sind doch ganz interessant – vor allem, weil Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sie vermutlich gern für sich behalten würde. Denn die Angaben belegen, dass Eltern nach wie vor aufs grundständige Gymnasium (ab Klasse 5) stehen. Besonders in kinderreichen, bildungsbürgerlich geprägten Bezirken ist die Nachfrage hoch (Spitzenreiter ist Pankow, weitere Zahlen gibt es hier). Regulär beginnen Oberschulen in Berlin erst ab Klasse 7. Die Bildungsverwaltung will aber nicht mehr grundständige Klassen, damit leistungsstärkere Schüler nicht schon nach der vierten Klasse von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln.
Eine 365-Euro-Jahreskarte für die Öffis? Tolle Idee vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) – sollte man denken. Doch nach Angaben kommunaler Verkehrsunternehmen aus dem Umland Berlins enthält dieser Vorschlag jede Menge Sprengstoff: für den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), zu dem sie wie die BVG und S-Bahn gehören. Es drohten Millionenverluste und das Ende des VBB. Kommentar eines Chefs aus Oberhavel: „Herr Müller ist offenbar ein Mikrofon hingehalten worden, und er hat ohne Vorbereitung reingesprochen.“ Laut „Berliner Zeitung“ kostet Müllers Idee mindestens 270 Millionen Euro.
Erst Späti, dann Tanke: Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) will das Sonntagsverkaufsverbot auch an Tankstellen durchsetzen. Denn die bieten meist weit mehr als den erlaubten „touristischen Bedarf“ an. Zuerst hatte die „Morgenpost“ davon berichtet. Und überhaupt: „Der Späti ist kein Lebensgefühl“, sagt die Senatorin. Moment, in welcher Stadt regiert sie nochmal?
Vor dem Mietendeckel war ja der Kampf gegen illegale Ferienapartments ein Lieblingsprojekt von Rot-Rot-Grün. Lange nichts mehr davon gehört? Kein Wunder. Denn die Bilanz ist zwiespältig: Gegen 250 Vermieter wurden zwar Bußgelder in Höhe von 1,5 Millionen Euro verhängt. Doch von einst etwa 20.000 Unterkünften (laut Senat) sind die allerwenigsten legalisiert. Allein in Tempelhof-Schöneberg, wo 242 Wohnungen genehmigt sind, geht das Bezirksamt von 1.200 illegalen aus.
Dazu passt die folgende Meldung aus der „Morgenpost“: „Der Mietendeckel ist jetzt die Ultima Ratio, nachdem alle anderen Maßnahmen nicht den notwendige Effekt erzielt haben.“ Das sagt Udo Wolf, der Vorsitzende der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus. Angst, dass kleinere Wohnungsunternehmer wegen des Mietenstopps in finanzielle Notlage geraten können, habe er nicht.
Noch immer ist ein Sexualstraftäter auf der Flucht, doch die Polizei sieht weiter keine Gefahr für die Frauen, die er vergewaltigt hat. Zuvor hat die Rechtsanwältin eines der Opfer kritisiert, dass es keinerlei Warnung gegeben habe. Der Mann war Montag vor einer Woche von einem Ausgang nicht in die Sicherungsverwahrung zurückgekehrt.
Die Polizei hat am Wochenende einen 27-Jährigen festgenommen, der in der Nacht zum vorigen Mittwoch einen Spätkauf-Besitzer angeschossen und lebensgefährlich verletzt haben soll. Hieß es anfänglich noch, dass ein politischer oder religiöser Hintergrund möglich sei (CP vom Freitag), ermittelt die Polizei nun wegen versuchten Raubmords an dem 35-jährigen Syrer kurdischer Herkunft. Nach einem weiteren Verdächtigen wird noch gesucht.
Die 10.000 Quadratmeter Grunewald, die Anfang Juni in Brand geraten waren, werden nicht wieder aufgeforstet. Laut Senat sei das auch unnötig - der alte Baumbestand habe kaum gelitten. 10.000 Quadratmeter neuer Wald kosten übrigens 10.000 Euro. Und Jahrzehnte Geduld.
Schrecksekunde nach Lektüre des Polizeiberichts: Beamte ermitteln in Friedrichshain-Kreuzberg wegen Farbkreisen auf der Fahrbahn – gibt’s jetzt Ärger wegen der Verkehrsberuhigung in der Bergmannstraße? Der Tatort war aber dann doch ein anderer, und zwar die Rigaer-/Ecke Proskauer Straße in Friedrichshain. Verkehrsberuhigung und Friedrichshainer Farbattacke haben aber was gemeinsam - einen politischen Hintergrund.
Ein Diplomat ist in der Nacht zu Sonntag mit seinem Auto auf das Gelände des Maßregelvollzugs in Reinickendorf gerast. Laut „BZ“ durchbrach der offenbar betrunkene Mitarbeiter der saudischen Botschaft einen Schlagbaum, bevor er an einem Poller zum Stehen kam. Die Polizei musste den Crashfahrer gehen lassen – wegen Immunität.
Fast 140.000 Mäuse gibt es in Berlin – in Behörden, Schulen, Wohnungsbaugesellschaften und Landesbetrieben wie der BVG. Nachgezählt hat sie die Senatsverwaltung für Wirtschaft für die Abgeordneten Georg Kössler und Stefan Ziller (beide Grüne), die sich allerdings nicht für Nager, sondern für PC-Mäuse interessierten. Denn diese Geräte kommen meist aus Billiglohnländern, und Rohstoffe für die Geräte stammen mitunter aus Kinderarbeit. „In den meisten Fällen werden die billigeren Computermäuse aus nicht fairem Handel aus Gründen der Sparsamkeit und des finanziellen Spielraums gewählt“, gibt die Verwaltung zu. Eine „normale“ Maus koste 12, eine „faire“ 34 Euro. Bestellbar seien aber beide.
Eigentlich sollte man die Aktion des selbsternannten „Volkslehrers“ auf dem Breitscheidplatz nicht an die die große Glocke hängen. Doch der Protest gegen die Demo des Fans von rechtsextremen Verschwörungstheorien war Sonntagabend dann doch weithin hörbar: minutenlang läuteten die Glocken der Gedächtniskirche.
Und jetzt mal stillgestanden: Amazon sucht „Fachkräfte mit militärischem Hintergrund“ – laut Stellenanzeige im Online-Netzwerk Xing. Wofür? Als Teamleiter Logistik – quasi für die schnelle Einsacktruppe im Verteilzentrum Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin.
Seinen Barbier-Laden hat er nach der Figur benannt, die er in der Serie „4 Blocks“ spielt: Tony Hamady. Jetzt hat Schauspieler Kida Ramadan ein weiteres Geschäft in Kreuzberg eröffnet: Den libanesischen Imbiss „Momo“ (benannt nach seinem Sohn). Nachzulesen ist das im „Leute“-Bezirksnewsletter – zum kostenfreien Abo bitte hier entlang.
In Berlin könnte es bis 2050 sechs Grad wärmer sein als heute (womit der Durchschnitt gemeint ist und nicht der Vergleich zur derzeitigen Sommerpause). Was der Klimawandel mit der Stadt macht und wie darauf zu reagieren ist, haben Tagesspiegel-Kollegen zusammengefasst. Beispiele: Regenwasser sammeln, Dächer begrünen - und Straßenbeläge aufhellen.
Der BER soll bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein. Das hat Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup angekündigt. Moment, das ist das BER doch schon immer, oder?
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Ich lebe seit vier Jahren in Berlin. Ich hätte gedacht, dass irgendein Unterbezirksvorsitzender mal anruft oder schreibt."
(Komiker Ingo Appelt im Gespräch mit dem "Focus" über den Zustand der SPD, deren Mitglied er seit 35 Jahren ist.)
Tweet des Tages
Ab morgen muss jeder Tourist, der länger als 24h in Berlin verweilt, einen Elektrotretroller seiner Wahl mit nach Hause nehmen.
Stadtleben
Essen – „Vermutlich das einzige Gericht, das es an Popularität mit Wiener Schnitzel und Spaghetti Bolognese aufnehmen kann“, schreibt unser Restaurant-Kritiker Bernd Matthies über die Peking-Ente und attestiert ihr, gleich ein kulinarisches Universum zu eröffnen. Also war er dem chinesischen Geflügel in Berlin auf der Spur. Dabei hat es ihn unter anderem in die Voßstraße 1 in Mitte (U-Bhf Mohrenstraße) verschlagen: Das 1999 eröffnete Restaurant trägt ganz schlicht den Namen Peking Ente und wird seit 2007 von der Gründertochter Mengling Tang geführt. Sie setzt bei der Zubereitung ihres Erkennungsgerichts auf Tradition, dabei werden die knusprige Haut und das Fleisch zusammen in dünne Pfannkuchen eingewickelt, garniert wird das Ganze mit Hoisin-Sauce, Gurken- und Lauchstiften. Die ganze Ente kostet 46,90 Euro, eignet sich dafür aber super zum Teilen! Mo-Fr 11.30-23 Uhr, Sa-So 12-23.30 Uhr
Trinken – Mit Einbruch des Abends werden die weitläufigen Räume der Minimal Bar mit rotem Licht geflutet. In Kombination mit den teils grotesken Graffiti an den Wänden gibt das der Location eine leicht surreale Wirkung. Perfekt also, dass in der Rigaer Straße 31 (U-Bhf Samariterstraße) heute Manic Monday ist. Das heißt, dröhnende Bässe (heute mit DJ Mario Lauriano am Mischpult), Cocktails und eine Tischtennisplatte neben der Tanzfläche. Tägl. ab 19 Uhr
Berlinbesuch – Auf zum Spargelhof Klaistow: Dort gibt’s nämlich auch nach der Spargelsaison ordentlich was zu ernten. Aktuell hängen dort inmitten eines Kiefernwaldes reife Heidelbeeren von den Sträuchern, die gerne gepflügt und genascht werden können. Der Ausflug taugt übrigens für Jung und Alt: Zum einen sind die Sträucher bis zu zwei Meter hoch und können so ganz ohne Bücken geerntet werden. Das ausschlaggebende Argument für Kinder: Auf dem Weg zur Heidelbeeranlage kommt man an einem Streichelgehege vorbei, das von Ziegen bewohnt wird. Der Eintritt kostet für Erwachsene 16,90 Euro, für Kinder 5 bis 8,50 Euro. Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa-So 8-18 Uhr, Glindower Straße 28, Beelitz
Geschenk – Vorfreude ist die schönste Freude, heißt es. Eine ganze Menge davon gibt’s automatisch obendrauf, wenn man Karten für die nächsten Auftritte von Udo Lindenberg oder Seeed verschenkt. Alle drei Acts treten nämlich nächstes Jahr im Sommer in Berlin auf und für alle drei Konzerte kann man schon Karten kaufen! Lindenberg zieht es am 29. Mai 2020 und Seeed am 14. August 2020 in die Waldbühne.
Last-Minute-Tickets – Antonio Negri ist Politikwissenschaftler und setzt sich mit Herrschaft und Macht auseinander. Somit steht er in der Tradition von Marx und, später, Foucault. Und nicht zuletzt um Macht geht es auch in dem neu erschienen Sammelband „Affekt Macht Netz“, einer Art Sozialphilosophie des Internets. Antworten darauf, wie man in der digitalen Gesellschaft die Begriffe Kapital, Arbeit und Protest neu denken kann, versucht Antonio Negri darin zu geben. Natürlich geht es auch um Hate Speech und Shitstorms, also all die hasserfüllten Affekte, von denen wir uns im Internet leiten lassen. Aber was passiert, wenn klicken und liken Lust bereitet? Vorgestellt wird das Buch um 20 Uhr im Antiquariat Kalligramm in der Oranienstraße 28 (U-Bhf Kottbusser Tor). Der Eintritt ist frei. Download hier.
Noch hingehen – In der Berlinischen Galerie sind bis zum 29. Juli „Gesichter der Zwanziger Jahre“ ausgestellt. Die meisten sind von Künstlerin Lotte Laserstein portraitiert worden, die mit ihrem Schaffen die „moderne Gesellschaft der Weimarer Republik“ abbildete. Das Besondere: Die meisten Portraits sind keine Auftragsmalereien, sondern entstanden im privaten Kontext. Somit ist es eigentlich unumgänglich, dass in der Alten Jakobstraße 124-128 auch das Verhältnis zwischen Künstler*in und Modell thematisiert wird. Der Eintritt kostet 10 Euro. Mo & Mi-So 10-18 Uhr, U-Bhf Moritzplatz
Das Stadtleben zum Wochenstart von: Maria Kotsev
Prominent verraten
Zu dieser Aussicht sagt unser Berliner der Woche: „Guten Morgen Berlin! Mein Blick über die Stadt“. Er wurde 1974 in Berlin geboren und wuchs in Kreuzberg auf. Er hat noch zwei weitere Wohnsitze, beruflich reist er oft.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags – mit einem Selfie.
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Berlin heute
Verkehr – Die U5 fährt zwischen U-Bahnhof Cottbusser Platz und Wuhletal wieder durch. Dafür müssen sich Fahrgäste der BVG bis Mittwoch mit einem Schienenersatzverkehr auf der U9 zwischen Zoo und Güntzelstraße abfinden. Auf dem Südlichen Berliner Ring (A10) ist im Bereich des AD Potsdam ab 8 Uhr ein Fahrstreifen in Richtung Magdeburg gesperrt (bis 23. Juli). Der Schiffbauerdamm in Mitte ist ebenfalls ab 8 Uhr zwischen Bertolt-Brecht-Platz und Albrechtstraße voll gesperrt – bis Frühjahr 2020. Auch der Radverkehr ist betroffen. Bis Ende August ist die Boxhagener Straße (Friedrichshain) zwischen Warschauer und Holteistraße in Richtung Marktstraße gesperrt, auch hier für den Auto- und Radverkehr. Nur eine Spur pro Fahrtrichtung gibt es ab 9 Uhr auf der Behrenstraße (Mitte) in Höhe Wilhelmstraße. Selbes gilt für die Kreuzung Landsberger Allee / Petersburger Straße / Danziger Straße (Friedrichshain). Das Linksabbiegen ist dann nur von der Danziger Straße aus auf die Landsberger Alle möglich – trotzdem gilt: lieber umfahren! Auf der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg gibt’s in Richtung Spandauer Damm zwischen Ernst-Reuter-Platz und Leibnizstraße sowie zwischen Wintersteinstraße und Eosanderstraße bis Mitte August nur eine Spur. Weitere Infos finden Sie auf der VIZ.
Demonstration – Vor der US-Botschaft am Pariser Platz versammeln sich von 17-20 Uhr rund 200 Menschen mit dem Hacivat Kunst- und Kulturverein anlässlich des „Gedenktag[s] zum Putschversuch am 15. Juli in der Türkei“.
Gericht – Wegen häuslicher Gewalt kommt ein 26-Jähriger auf die Anklagebank. Er soll seine Frau mehrfach misshandelt haben. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war er nicht schuldfähig. Seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wird angestrebt (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 704).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Sebastian Andersson (28), Fußballer bei Union / Manfred Füger (72), „unermüdlicher Impressario des Gofenberg-Chors sowie ständig Reisender von Irmi und Otto“ / Frank Glaubrecht (76), Schauspieler und Synchronsprecher / Dieter Herzog (73), ehem. Fußballprofi / nachträglich: „Dem besten Jojo Gabandi alles Liebe“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Barbara Erdmann, * 25. Juli 1929, ehem. Professorin an der UdK / David Alexander Groenewold, * 26. März 1973 / Bernhard Jentze, * 5. Juli 1935 / Hagen Mueller-Stahl, Regisseur an der Schaubühne
Stolperstein – Fritz Frey (Jhg. 1920) lebte in der Pestalozzistraße 15 in Charlottenburg, bevor er am 2. Juli 1943 im Polizeigefängnis Innsbruck inhaftiert wurde. Am nächsten Tag wurde er ins „Arbeitserziehungslager“ Innsbruck-Reichenau deportiert, knapp zwei Wochen später – heute vor 76 Jahren – deportierten die Nazis ihn weiter nach Auschwitz. Bei der Auflösung des Lagers im Januar 1945 wurde er nach Mauthausen auf den Todesmarsch geschickt, später in einem Güterzug weitertransportiert. Als auch dieses Lager am 2. April 1945 aufgelöst werden sollte, wurde Frey erneut auf den Todesmarsch geschickt, diesmal in das Mauthausen-Nebenlager Stayr-Münichholz. Höchstwahrscheinlich wurde Fritz Frey währenddessen von den Nazis erschossen.
Im Tagesspiegel
Er hat einfach genug. Sein Leben lang trug Mike Delberg nur selten Kippa. Doch jetzt, findet er, muss er. Weil in Deutschland wieder gefährlich ist, was normal sein sollte. Lesen Sie die Reportage von Sebastian Leber heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Von wegen Ferien – auch am kommenden Freitag demonstrieren Berliner Schüler fürs Klima. Mit dabei beim „Fridays for Future“-Protest: Greta Thunberg. Ein bisschen heikel könnte die Mission der Generation Youtube vielleicht werden. Denn gerade veröffentlichte Zahlen eines französischen Think Tanks sollen belegen, dass Videostreaming jedes Jahr 305 Millionen Tonnen Kohlendioxid verursacht – was fast ein Prozent des weltweiten Ausstoßes sei (laut „The New Scientist“). Online-Abruf-Videos machen mittlerweile 60 Prozent des Datenverkehrs aus, und für den muss ja Strom erzeugt werden. Aufs Konto von Diensten wie Netflix und Amazon Prime gehen davon wiederum 34 Prozent (gleich 102 Millionen Tonnen CO2), auf Youtube und Vergleichbares entfallen 21 Prozent (65 Millionen) sowie auf soziale Netzwerke wie Facebook 18 Prozent, macht 56 Millionen. (Pssst: Online-Pornografie kommt auf 27 Prozent – die 82 Millionen Tonnen entsprechen der Emission ganz Rumäniens.) Vorschlag des Think Tanks, um CO2 einzusparen: die Datenmenge durch geringere Auflösung der Videos verkleinern. Gilt natürlich nicht nur für die ganz scharfen.
Hoffentlich stimmt bei Ihnen heute das Klima. Morgen geht‘s an dieser Stelle heiter weiter. Bis dahin
