wir beginnen auch die neue Woche mit einem Blick auf den Krieg Russlands in der Ukraine – die Ereignisse der vergangenen Stunden:
+++ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will verstärkt in Afrika und Asien um Hilfe im russischen Angriffskrieg gegen sein Land bitten. Er wolle dafür vor Parlamenten in weiteren Ländern sprechen, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache in der Nacht zum Montag.
+++ Die Ukraine hat nach eigenen Angaben eine neue Offensive Russlands im Osten des überfallenen Landes zurückgedrängt; aus Lwiw werden Raketenangriffe gemeldet.
+++ Russland soll das Stahlwerk in Mariupol mit Phosphorbomben beschossen haben – das behauptet jedenfalls der Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko.
+++ Außenministerin Baerbock stellt Schweden und Finnland eine rasche Nato-Aufnahme in Aussicht.
Anzeige
Gesetzlich unfallversichert in der Kita
Kinder sind in der Kita sowie auf dem Hin- und Rückweg über die Unfallkasse Berlin gesetzlich unfallversichert. Eltern müssen dafür nichts tun, der Schutz erfolgt automatisch und ist kostenfrei.
Mehr Infos www.unfallkasse-berlin.de
Anstelle von weiterem schwerem Kriegsgerät wollen die Berliner Grünen den Kampf der Ukraine jetzt mit einem zusätzlichen Feiertag befeuern – am 24. August, dem dortigen Unabhängigkeitstag, sollen die Berlinerinnen und Berliner zusätzliche Zeit für einen schönen Ausflug in den Biergarten bekommen – auch die Spätis müssten dann ja geschlossen bleiben. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (finanziert von der Wirtschaft) kostet das Land Berlin ein zusätzlicher Feiertag 300 Millionen Euro – in Panzern umgerechnet (Modell Gepard) wären das 50 Stück.
Und damit gleich weiter zum Wahlergebnis im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW – hier das vorläufige amtliche Endergebnis:
CDU 35,7% (+ 2,7%)
SPD 26,7% (- 4,5%)
Grüne 18,2% (+ 11,8%)
FDP 5,9% (- 6,7%)
AfD 5,4% (- 2%)
Linke 2% (- 2,9%)
Eine erste kurze Analyse aus Berliner Sicht: Dass Kevin Kühnert aus einem um 7,2 Prozentpunkte gewachsenen Abstand zur CDU (jetzt insg. 9) einen Regierungsanspruch ableitet, zeigt 1), dass er im Sprechautomatenjob des Generalsekretärs angekommen ist, 2), dass er den Schmerzensgeldanteil seines Gehalts für Häme akzeptiert, und 3), dass er erfolgreich den Schnellkurs „Mathe mit dem Checkpoint“ absolviert hat: Für Schwarz-Gelb reicht‘s nicht mehr, eine Ampel unter SPD-Führung ist möglich – aber politisch stünde darin „Rot“ nur für die schamhafte Farbe der Ohren des SPD-Kandidaten. Und damit zur FDP – die kann jetzt ankreuzen, was ihr mehr schadet: a) eine Koalition mit der CDU wie in NRW oder b) eine Koalition mit SPD und Grünen wie im Bund. CP-Tipp: Das läuft auf c) hinaus (Opposition wie in Berlin) – und die Grünen probieren ihren politischen Pragmatismus an der Seite der CDU.
Anzeige
We grow trees – hilfst du uns beim Ziel, 20.000 Bäume bis zum 5. Juni wachsen zu lassen?
Endspurt in der Treedom-Aktion zum Weltumwelttag: Pflanze virtuell einen Baum und Treedom schenkt dir die Patenschaft für einen 2. Nutzbaum. Alle Setzlinge werden von Kleinbauern auf ihrem Land gepflanzt, großgezogen, geerntet & gepflegt.
LET’S GREEN THE PLANET
Bleibt die Linke – oder eben auch nicht: Sie stürzt jedenfalls ungebremst Richtung Abgrund. Bereits kurz vor der Wahl hatte Pankows Bürgermeister Sören Benn eine „Nestbeschmutzung“ geschrieben, „zum Zwecke der Ermutigung“: Er fordert einen kompletten personellen Neuanfang der Jüngeren (unter 45) und in der Bundestagsfraktion eine „Palastrevolte“ – alles andere diene „nur als Sterbebegleitung“. Nach der Wahl sagte Benn am Sonntagabend dem Checkpoint:
„In Zeiten wie diesen wollen die Menschen Politikangebote, die gebrauchsfertig erscheinen, die klar identifizierbar sind und anschlussfähig an den Alltagsverstand. Bei der Linkspartei weiß gegenwärtig niemand, was genau sie meint und will und mit wem sie das will. Das braucht dann offenbar niemand.“
Anzeige
"Sie machen die Hauptstadtregion zu dem, was sie ist: Ein starker Innovationsstandort. Die Ideen, die hier entstehen, können nachhaltig etwas bewirken. Den richtigen Push dafür samt öffentlicher Wahrnehmung geben wir mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg. Bewerben Sie sich und zeigen Sie uns Ihre Ideen.
Mehr auf: innovationspreis.de/bewerbung."
Ihr Stephan Schwarz
Erschreckend niedrig war mit 55,7 Prozent die Wahlbeteiligung in NRW – das lässt sich auch als generelles Missbilligungsvotum werten. Die Basis der Demokratie erodiert, und das schreckt auch die Berliner Parteien auf: Sollte es wegen der Pannen vom 26. September 2021 zu Neuwahlen kommen, was inzwischen auch in der Koalition für möglich gehalten wird (die CDU bereitet sich schon seit Wochen darauf vor), dürfte die Beteiligung hier kaum höher ausfallen.
Beim Verfassungsgericht sind inzwischen die Niederschriften aller 2257 Wahllokale eingegangen – mehr als 20.000 Seiten, verteilt auf 67 Aktenordner. Der Checkpoint konnte schon mal reinschauen, erster Eindruck: Das Chaos der Wahl findet hier seine Entsprechung. Ein Teil der Berichte wurde kaum lesbar mit dem Kuli auf ausgerissenes Papier gekrakelt, manche Beiblätter tragen keine Unterschriften, andere sind nicht zu entziffern. Die Dramatik des Tages wird dagegen überall deutlich – hier ein paar Beispiele:
„11.39 Uhr Meldung über baldiges Ende der Wahlzettel.“
„Bis 13.03 Uhr dringender Versuch, das Wahlamt weiter zu erreichen.“
„13.10 Uhr Stimmzettel leer – Leute aufgebracht, laut, beschweren sich über Manipulation.“
„13.37 Polizei angerufen, sie sollen jemanden schicken, kommt aber keiner.“
Anzeige
Lesung und Gespräch mit
Taqi Akhlaqi
Mit der Literatur- und Filmkritikerin Verena Lueken spricht der afghanische Autor am 18.05. über das Schreiben im Exil und über seine Begegnung mit Deutschland. Eine Veranstaltung des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.
daadgalerie, 1. OG, Oranienstr. 161, 10969 Berlin; Eintritt frei
Mehr
Seite um Seite sammeln sich die Mängel in den Niederschriften der Wahllokale. Aber die Verantwortlichen wiegeln ab – dabei wissen sie oft selbst nicht, was los war. Hier vier einfache Fragen an Stadtrat Oliver Nöll aus Friedrichshain-Kreuzberg (Dokument SA/094/VI, Anfrage Sascha Heyl, FDP):
+ „Wie viele Stimmzettel wurden von den einzelnen Wahllokalen nachgefordert?“
+ „Von welchen Wahllokalen wurden Stimmzettel nachgefordert, wann wurden die Nachforderungen gemeldet, wann wurde die nachgeforderten Stimmzettel ausgegeben und wann kamen die Stimmzettel in den Wahllokalen an?“
+ „Wie vielen Nachforderungen konnte nicht nachgekommen werden?“
+ „Wie viele Bürger:innen konnten auf Grund fehlender Stimmzettel nicht an den einzelnen Wahlen teilnehmen?“
Aus der Antwort von Oliver Nöll: „Diese Fragen lassen sich nicht im Einzelnen beantworten.“ Auch gerne verwendet: „Nähere Angaben sind hierzu nicht möglich.“ Zur Frage nach kopierten „Ersatzstimmzettel“: „Eine Erfassung der Anzahl der hergestellten, der ausgelieferten oder der abgegebenen Ersatzstimmzettel konnte in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht erfolgen.“ Nur so viel: Sie war „erheblich“, denn „die Vorräte an DIN-A3-Papier im Rathaus Friedrichshain wurden weitgehend aufgebraucht.“
Zu Unterbrechungen des Wahlvorgangs: Wegen „unterschiedlicher Vorgehensweisen“ der Wahlvorstände „lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen, ob und ggf. wieviel Personen von Ihrer Wahlabsicht infolge von Schließungen / Unterbrechungen Abstand genommen haben und ob dies nur die Zweitstimme zum AGH betroffen hat oder alle Wahlvorgänge, wie Bundestagswahl, AGH-Erststimme, BVV oder Volksentscheid.“ Für Nöll steht dennoch fest: „Der Wählendenwille wurde verwirklicht und beachtet.“
Na, mal sehen, ob der Wahlprüfungsausschuss des Bundestags und der Berliner Verfassungsgerichtshof das genauso sehen und das Durcheinander bis zur nächsten regulären Wahl auflösen können – oder ob sich die Wahlsieger aller Parteien das alte Punk-Motto „Cash from Chaos“ ins Pult ritzen dürfen.
Eine kaum zu glaubende und doch typische Berlingeschichte erzählte mir vor einiger Zeit Michael Wolffsohn. Sein Großvater hatte in den 1920er-Jahren ein Grundstück am Stölpchensee in Zehlendorf gekauft und eine Villa darauf gebaut, die Nazis raubten das Eigentum, nach dem Krieg klagten die Wolffsohns es erfolgreich zurück – und verkauften das Gelände in den sechziger Jahren zwangsweise dem Bezirk, der dort eine öffentlich zugängliche Grünanlage schaffen wollte. Seitdem geschah, Sie ahnen es vielleicht schon: nichts. Jetzt hat Wolffsohn seinen Ärger aufgeschrieben – der Politik wirft er einen Betrug an seiner Familie und der Öffentlichkeit vor. Die ganze Geschichte aus seiner Sicht können Sie hier unter diesem Link lesen.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Gewonnen! Am Samstag fragten wir nach einem Tier, das an der Lichtenrader Kreuzung Hilbertstraße / Wolziger Zeile derzeit vollkommen unsichtbar rumliegt. Es handelt sich natürlich um das Zebra (Antwort c), dessen Streifen sich die Anwohner:innen auf die Straße zurückwünschen. Stattdessen bekommen sie ein Match Behörden-Pingpong geboten.
„Wolfsrudel vor Berlin größer als gedacht“, meldet die dpa – aber bevor Sie sich jetzt geschockt in Ihrem Mitte-Penthouse verschanzen: Es geht um acht Tiere (bisher gezählt wurden sechs).
100 „Parklets“ sollten die Bezirke mithilfe von Fördermitteln des Landes auf die Straße stellen, mehr als 63 werden es wohl nicht: Eine Fortsetzung des „Parkletprogramms“ ist im Entwurf des
Doppelhaushalts 2022/23 nicht enthalten – und das ist ja wohl mal eine Antwort, die sitzt (DS 19/11687).
Unsere „Hallo wach!“-Aufgabe für heute – bitte lernen Sie folgende Ankündigung aus dem Magazin der Theatergemeinde Berlin auswendig (Ausgabe 6/22, S. 43, Veranstaltung in den Sophiensälen):
„Die improvisatorische und interdisziplinäre Arbeit der ‚Crank Bodies a/company‘ widmet sich den kritischen Praxen künstlerischer Interventionen und Protestformen in Osteuropa und verbindet diese mit dem gemeinsamen Nachdenken über die Re-Evaluierung regenerativer und nachhaltiger Mikropolitiken und deren Choreografien.“ (Mit einem Dank an Erich Bürck).
Anzeige
Berlins Naturfestival am 11./12. Juni 2022
„Eisvögel am Westhafen, Biber an der Spree“ – Naturkundliche Schiffstouren mit dem Wildtierexperten Derk Ehlert
und weitere 500 Veranstaltungen – in 28 Stunden – in der ganzen Stadt.
Näher dran geht nicht!
Jetzt Tickets sichern:
www.langertagderstadtnatur.de
Schule I: Ein großes Bündnis von Eltern protestiert gegen Bildungskürzungen – ab Donnerstag, 17 Uhr, soll es eine 24-stündige Mahnwache vor dem Abgeordnetenhaus geben.
Schule II: Der Bezirk Mitte protestiert gegen die mangelnde Unterstützung des Senats bei der Einrichtung von Schulplätzen für geflüchtete Kinder – Stadträtin Stefanie Remlinger (Grüne) sagt über die Arbeit von Astrid-Sabine Busse: „Wenn es keine Senatorin gäbe, würde ich den Unterschied nicht merken.“ (Hintergründe dazu gibt‘s hier).
Schule III: Die schönsten Ferien bietet mal wieder das Französische Gymnasium: Laut Amtsblatt beginnt hier Weihnachten schon eine Woche früher – und der Sommer dauert mehr als eine Woche länger. Vive la France!
Schule IV: Es geht voran mit der Planung für die lange angekündigte Schule an der Landsberger Allee, meldet der Senat – sogar die „faunistische und floristische Potenzialanalyse“ für den Holzbau ist schon fertig… Moment mal: Das wird doch wohl nicht etwa eine Baumschule?
Lockdown in Reinickendorf: Wegen der „Amerikanischen Faulbrut“ dürfen die Bienen hier nicht mehr raus. Es kommentiert Marie Antoinette: „Dann soll das Volk eben Marmelade essen.“
Anzeige
Wir schenken Ihnen das iPad 2021
mit dem schnellen A13 Bionic Chip in Ihrer Wunschfarbe.
Lesen Sie Berlins Nr. 1 – den Tagesspiegel als digitale Zeitung für nur 34,99 € mtl. inkl. Tagesspiegel Plus und Checkpoint.
Als Geschenk erhalten Sie das iPad 2021 und sparen über 375 €.
Zum Angebot
Franziska Giffey war sich sicher (oder hat jedenfalls so getan): „Wir stemmen hier gerade für die gesamte Bundesrepublik mehr als die gesamten anderen Bundesländer zusammen“, sagte sie zur Erstaufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine im April. Jetzt widerspricht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann: „Bayern weist eine größere Übererfüllung seines Anteils an Kriegsflüchtlingen auf als Berlin.“
Wir kommen zum Sport – und gratulieren erstmal unserem Ex- Kollegen Lars Spannagel zum Gewinn der deutschen Basketball-Vizemeisterschaft in der Altersklasse Ü40 mit der BG Zehlendorf: Erst im Finale verloren die Berliner gestern in der Halle der J.F.-Kennedy-Oberschule mit 34:51 gegen den SV Hagen-Haspe.
„Wenn ich mich zwischen den möglichen Relegationsgegnern Bremen, Hamburg und Darmstadt hätte entscheiden dürfen – ich hätt’ Sandhausen genommen“, schreibt der Hertha-Fan und Kabarettist Frank Lüdecke, Leiter der „Stachelschweine“, heute im Tagesspiegel. Tja, aber so kann sich am Donnerstag beim Hinspiel gegen den HSV wenigstens der Schatzmeister über ein volles Olympiastadion freuen.
Anzeige
Kinder, Kinder - Geschichten zum Vorlesen
Diese liebevoll gestaltete Edition enthält sechs illustrierte Vorlesegeschichten aus der DDR. Sie erzählen von Freundschaft, Familie und Zusammenhalt, von Sehnsüchten, Mut und der Entdeckung der Welt. Ein zauberhaftes Geschenk!
Ab sofort im Tagesspiegel-Shop erhältlich.
Warum Hertha den Klassenerhalt trotz dieser verkorksten Saison verdient hat, erklärt Ihnen heute um 17 Uhr in unserem Checkpoint-Podcast „Berliner & Pfannkuchen“ Kay Bernstein – der Mitgründer der Ultra-Gruppierung „Harlekins Berlin“ will Präsident seines Lieblingsvereins werden (und hat mindestens so gute Chancen wie Hertha gegen den HSV).
Außerdem heute bei „Berliner & Pfannkuchen“: ESC-Moderatorin Barbara Schöneberger erzählt uns von ihren Erfahrungen mit Berliner Kitas, von denen eine heute unter den Finalisten für den Deutschen Kitapreis ist. Ab 17 Uhr überall dort, wo es Podcasts gibt – und natürlich auch bei tagesspiegel.de.
Und hier noch ein Hinweis: Morgen ist offizieller Kneipp-Tag – nicht zu verwechseln mit und deshalb sehr zu empfehlen nach einem Kneipen-Tag.
Zitat
„Im Unterschied zu rechter Musik, bei der politische Meinungen und Einstellungen direkt durch den Text verbreitet werden, eignet sich Kampfsport nur bedingt für den direkten Transport von politischen Botschaften…“
… sagt Innenstaatssekretär Torsten Akmann und weist ansonsten darauf hin, dass der Senat „nach sorgfältiger Abwägung“ nichts weiß von Trainingsaktivitäten rechtsextremer Gruppen in der Sportanlage Rennbahnstraße. Falls Sie also demnächst von einem Nazi verprügelt werden, denken Sie nach sorgfältiger Abwägung bitte daran: Er hat Ihnen nichts zu sagen.
Tweet des Tages
Das Bundeszentralamt für Steuern hat meinem Sohn eine Identifikationsnummer zugeteilt. Mit offiziellem Anschreiben und der Bitte, den Brief aufzubewahren. Ich wette, das verschludert er. In den 5 Wochen seit seiner Geburt hat er noch kein einziges Schreiben ordentlich abgeheftet.
Stadtleben
Essen & Trinken – Eskapismus? Her damit! Für die schnelle Alltagsflucht schicken wir Sie nach Charlottenburg – zum Katzen Streicheln. Kein Scherz: Ordentlich Serotonin verpasst das Katzencafé „Zur Mieze“ seinen Gästen, die aus ganz Berlin in die Wilmersdorfer Straße 158 (U-Bhf Richard-Wagner-Platz) pilgern. Gleich fünf adoptierte Katzen streunen unter den zusammengewürfelten Möbeln entlang, während leise Klaviertöne dahinplänkeln. Auf der kleinen Speisekarte stehen Kuchen, Sandwiches und überraschend bezahlbares Katerfrühstück (ha!), dazu kommen heiße Karamell-Schokolade und Salep in die Tassen. Weil die wenigen Tische des Cafés chronisch besetzt sind, empfehlen wir eine Reservierung unter der 030/209 507 20 – möglichst vor dem Nachmittag, an dem sich die Attraktionen des Hauses zum Power-Nap begeben. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonntag von 12.30-19 Uhr, für FAQs und Tiercontent bitte hier entlang.
Neu in Mitte sind über tausend Rüstungen, Holzdrucke und Schwerter: Vor einer Woche hat in der Auguststraße 68 das Berliner Samurai-Museum seine Pforten aufgestoßen. Nach ihrem nomadischen Dasein in kleinen Häusern ist die beachtliche Sammlung nun dauerhaft in den ehemaligen „me Collectors Room“ gezogen. Neben unzähligen Artefakt-Vitrinen bestaunen Gäste durchdesignte Projektionen und Virtual-Reality-Räume – angegliedert an das Museum arbeitet zudem ein Forschungszentrum daran, die Ausstellungsstücke dauerhaft zu konservieren. Zeitfenster für die Sammlung erstehen Sie für zwölf Euro online, für erste Einblicke hier geklickt.
Noch Hingehen – Eine geklebt bekommt dieser Tage der Napoleon-Komplex in der Friedrichshainer Modersohnstraße 35: Noch bis zum Samstag sind hier die raumgreifenden Kunstwerke der Berliner Tape Art-Convention zu begutachten, die beinah psychedelisch anmaßen: In erkletterbaren Skulpturen, grellen Tunneln und wandhohen Klebeband-Experimenten hält die Schau Muster und Porträts von 30 Künstler:innen fest. Wer selbst einmal wüst kleben mag, kommt pünktlich zu einem der Workshops (letzter Termin: morgen, 16-21 Uhr) und lässt sich für die eigenen Wände inspirieren. Tickets sind für zehn Euro unter diesem Link zu haben – oder beim Checkpoint: Wir vergeben 2x2 Tagespässe für den Mittwoch.
Grübelstoff – Auf welcher Berliner Freifläche würden Sie gern eine spontane Bühne errichten – und wer sollte sie bespielen?
Berlin heute
Verkehr – Britzer Straße (Niederschöneweide): Sperrung zwischen Köllnische Straße und Fennstraße, Fuß- und Radverkehr frei (bis morgen, 20 Uhr).
Wilhelminenhofstraße (Oberschöneweide): Sperrung zwischen Firlstraße und Rathenaustraße, Fuß- und Radverkehr darf passieren (bis Anfang Juli).
A10 (Südlicher Berliner Ring): Zwischen AS Ludwigsfelde-Ost und AD Nuthetal sind in beiden Richtungen nur je zwei Fahrstreifen verfügbar (bis 9. Juli).
Adlergestell (Adlershof): Hinter der Rädickestraße sind nur zwei Spuren befahrbar (bis Ende Mai).
Hallesches Ufer (Kreuzberg): Zwischen Mehringplatz und Wilhelmstraße steht nur ein Fahrstreifen zur Verfügung (bis Anfang August).
Demonstration – „Frieden, Freiheit, Demokratie“: 150 Personen, Schloss Charlottenburg (18-20 Uhr)
„Mobilitätswende“: 100 Teilnehmende, Bundestag (11.30-15 Uhr)
„Einigkeit und Recht und Freiheit“: 80 Personen, Altstadt Spandau (17.30-21 Uhr)
„Kein Zurück beim BerlHG“, 50 Protestierende, Verdi Berlin-Brandenburg, Abgeordnetenhaus (8.30-10 Uhr)
„Internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie“, 45 Personen, Projekt Maneo, Neuköllner Straße (17-17.45 Uhr)
„Opferschutzrechte für Opfer von Straftaten“, 20 Teilnehmende, Bundesministerium für Arbeit und Soziales (11-16 Uhr)
Gericht – Ein 37-Jähriger, der eine Frau stundenlang festgehalten haben soll, kommt auf die Anklagebank. Er soll sich durch eine Überrumpelungspraxis Zugang zu ihrer Wohnung verschafft, sie gewürgt und geschlagen haben (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 504).
Universität – Vor Ort und per Livestream erfahren Neugierige am Nachmittag, was die Klimakrise für unsere Wasserversorgung bedeutet – und, wie Dürren der Kampf angesagt werden kann. Ab 16.15 Uhr lädt die Offene Vorlesungsreihe „Stockholm+50: Fünf Jahrzehnte globaler Umweltpolitik“ in den Hörsaal A im Henry-Ford-Bau der FU. Den heutigen Input „Sustainable development and water“ gibt der Schweizer Politikprof Dr. Manuel Fischer, alle Termine der Reihe finden Sie hier.
Zu Gast im Bundeskanzleramt ist am Nachmittag der bulgarische Staatspräsident Rumen Radev.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Sermet Agartan (32), Musikproduzent und Komponist / „Liebe Helga, nun bin ich ja auch nicht mehr die Jüngste und vom Vorsatz zur Umsetzung dauert es immer länger! Daher nachträglich, dafür umso herzlicher, alles Liebe für das neue Lebensjahr, Gesundheit und Glück und bis hoffentlich ganz bald im Lesecafe. S.“ / Klaus Mindrup (58), ehem. für die SPD im BT (2013-2021) / Volker Perthes (64), Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für Sudan
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Karin Berg, Deutsche Telekom Technik GmbH / Wolfgang Dallmeier, * 7. April 1941 / Bianka Hagemann, * 19. August 1953 / Dr. med. Hans Schaeper, * 31. Mai 1933
Stolperstein – Manfred Rawicz wurde am 8. Dezember 1924 in Berlin geboren. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Günther und seinen Eltern Albert und Pauline Rawicz lebte er in der Friedenauer Saarstraße 16. Im Frühjahr 1943, sechs Wochen nach seiner Familie, wurde Günther nach Auschwitz deportiert – heute vor 79 Jahren wurde der achtzehnjährige Schüler dort ermordet. Auch seine Eltern und sein Bruder überlebten das Konzentrationslager nicht.
Encore
Im steten Bemühen, unserem Vorbild Eric Idle von Monty Python zu folgen („Always Look on the Bright Side of Berlin“), haben wir für unseren Podcast „Berliner & Pfannkuchen“ das Unmögliche gewagt: Ausgerechnet am Freitag den 13. wollten wir in Berlin 13 Sprachnachrichten darüber sammeln, was in Berlin funktioniert. Und tatsächlich – es hat funktioniert! Hier die Antworten:
1. Clara Herrmann, Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg: „Die Menschen engagieren sich auf vielfältige Art für ihre Kieze, für unsere Stadt und ihre Mitmenschen.“
2. Lea Streisand, Autorin: „Am 4. November 1989 bei der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz hat die Polizei nicht eingegriffen.“
3. Jörg Thadeusz, Journalist und Moderator: „Ich bin total begeistert von der automatischen Kennzeichenerkennung am Berliner Flughafen. Sogar mit Kreditkarte, total modern.“
4. Nicole Diekmann, Journalistin: „Ich habe lange in Berlin in einer Spielstraße gewohnt. Und da war immer die Müllabfuhr das Highlight für alle Kinder. Auch, weil die Männer vom BSR immer Bonbons in der Tasche hatten.“
5. Jekonja Gräfe, Busfahrer bei der BVG: „Was wirklich gut in Berlin läuft, ist, dass zum großen Teil unsere Fahrgäste noch FFP-2-Maske tragen und trotz diesen schweren Zeiten ihre gute Laune nicht verloren haben.“
6. Alf Frommer, Executive Creative Director: „Wir ließen unser Demonstrationsschild vor der russischen Botschaft stehen. Und da stand es dann noch, unbehelligt von Berliner Behörden, mehrere Wochen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.“
7. Franziska Giffey, Regierende Bürgermeisterin: „Mit einem digitalen Antragsverfahren konnten wir unbürokratisch und schnell bereits über 54.000 Menschen in Berlin registrieren und ihnen damit ermöglichen, Arbeit aufzunehmen, soziale Unterstützung und Gesundheitsversorgung zu erhalten und auch europaweit zu reisen.“
8. Micky Beisenherz, Moderator: „Die Taxifahrer in Berlin sind ausnahmslos alle freundlich.“
9. Peter Wittkamp, Autor: „Was am Flughafen BER so richtig gut klappt, ist, mit dem Taxi hinzukommen.“
10. Bernd Oertwig, Checkpoint-Leser: „Bei der Geschwindigkeit im Bürgeramt Hohenzollerndamm wird einem schwindelig.“
11. Pamela Kaiser, Checkpoint-Leserin: „An der Baustelle an der Chausseestraße wurden die Radfahrenden mitgedacht.“
12. Juli Maelle, Checkpoint-Leserin: „Was in Berlin richtig gut funktioniert, ist Frühstücken bis 16 Uhr.“
13. Emma, Schülerin: „Das Einzige, was in Berlin funktioniert, ist das Jugendamt, das Jugendliche beim Rauchen ärgert.“
Wunderbar funktioniert hat heute außerdem mal wieder die Zusammenarbeit mit Lotte Buschenhagen (Stadtleben) und Kathrin Maurer (Produktion). Morgen früh begrüßt Sie hier Stefan Jacobs – bis dahin,
