nach den Bombenschlägen in Kabul kündigte US-Präsident Biden vergangene Nacht in einer emotionalen Rede Vergeltung an: „We will not forgive. We will not forget. We will hunt you down and make you pay.“ Zugleich versprach er, auch nach dem 31. August bedrohte und verfolgte Menschen auszufliegen – darunter sind viele, die für die afghanische Regierung gearbeitet haben und jetzt gesucht werden von den Taliban. Kaum jemand von ihnen steht bis jetzt auf einer Ausflugsliste – aber auch sie dürfen nicht vergessen und zurückgelassen werden.
Zu den Meldungen aus Berlin:
In der vergangenen Nacht hat mich nicht nur der Wahl-O-Mat (33 Parteien, 38 Fragen! mehr dazu gleich) und eine fiese Erkältung (Herbst!) wachgehalten, sondern vor allem die Baustellenakte der BVG (liegt unter meinem Kopfkissen). Der Inhalt: das Grand Finale Unter den Linden. Auf Berlins Boulevard No.1 rücken nämlich jetzt die letzten Bauarbeiter an – mit Asphalt und Farbeimer.
Vom 28. September an wird die Straße Unter den Linden neu aufgebaut – der Schlussakt nach zehn Jahren U-Bahnbaustelle mitten im Zentrum der Stadt. An die Touri-Meile ohne Bauzäune erinnern sich ja nur noch Stadtälteste (und Fans von Google Street View, gucken Sie mal), denn gefällt, gebuddelt und gebaut wird hier seit dem Frühjahr 2012. Im April 2022 soll dann endlich der letzte Pinselstrich gezogen sein (jedenfalls steht’s so in der Ausschreibung für die Restarbeiten).
So, und jetzt mal konkret: Wie wird denn Berlins Boulevard der Zukunft aussehen? Ideen gab’s ja viele… Na, dann schauen wir doch mal auf den letzten Stand (Trigger-Warnung: Autofahrer müssen jetzt ganz tapfer sein – Fußgänger übrigens auch):
+ Es wird nur noch eine Pkw-Fahrspur geben (statt wie früher zwei).
+ Die BVG-Flotte bekommt eine Fahrspur in der Mitte.
+ In beiden Richtungen gibt’s eine eigene Fahrradspur (außer auf der Liebknechtbrücke, die ist zu eng).
+ Und eine 4. Spur am rechten Rand dient der „multimodalen Nutzung“ (zwischen Wilhelmstraße und Universitätsstraße).
Hm, der was? Was soll das sein, eine „multimodale Nutzung“?Platz für fliegende Händler und rasende Reporter? Nein, es ist die Resterampe: „Eine Spur für Parklets, Fahrradabstellanlagen, Carsharing, Stadtrundfahrten...“. Dabei wurde doch 2016, nach der letzten Wahl, noch leidenschaftlich über eine Fußgängerzone Unter den Linden diskutiert. Tja, schöne Träumerei, nix passiert. Aber hey, dafür gibt’s ja ab 2022 einen „multimodalen Fahrstreifen“. Schade. (Q: Baupläne der BVG, Stand August – die Skizzen kann ich Ihnen hier mal zeigen).
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Im Sommer wird der Schlüterhof im neu eröffneten Humboldt Forum zur Bühne. Beiträge von Berliner Künstler*innen treffen auf Aktionen für die ganze Familie. Dazu gibt es eine bunte Pop-Up-Architektur, Installationen und kulinarische Angebote. Der Eintritt ist frei. Kommen Sie spontan vorbei! Freitags und samstags bis 11.09.21.
www.humboldtforum.org/durchlueften
Wahl I: Punkt 11 Uhr wurde gestern auf den Knopf gedrückt und der Berlin-O-Mat der Landeszentrale für politische Bildung war freigeschaltet – CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner kommt dabei laut rbb nur auf eine Übereinstimmung mit seiner Partei von 78% (hier der Tagesspiegel-Link zum Berliner Wahl-o-Mat). Ist allerdings nix für Morgenmuffel: Es werden 38 Querbeet-Fragen gestellt und es gibt 33 Parteien zur Auswahl – starker Kaffee kann also nicht schaden. Für den Terminkalender: Der „große“ Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl wird am nächsten Donnerstag, 2. September, freigeschaltet. Ganz neu ist übrigens der Wahl-O-Mat für die 12 Berliner Bezirke (entwickelt von der Humboldt-Universität in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel). Am Wochenende geht’s los – also immer mal wieder auf www.tagesspiegel.de nachschauen (und nicht vergessen, die Kaffeevorräte zu checken).
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Zur Eröffnung des Musikfest Berlin 2021 am 30.8.2021 treffen die innovative Kraft des Ensemble Modern Orchestra und die genreübergreifende Kompositionsweise von Heiner Goebbels erneut aufeinander. Das neue Werk „A House of Call. My Imaginary Notebook“ ist ein außergewöhnlicher Zyklus für Orchester und akusmatische Stimmen, die in einen Dialog miteinander treten.
Informationen & Tickets
Wahl II: Die Volt-Partei ist not amused und will heute Verfassungsklage gegen die Nichtzulassung zur BVV-Wahl in Pankow einreichen. Himmel, was ist denn passiert? Matt Bristow, 36, ist Londoner und lebt immer mal wieder in Prenzlauer Berg. Jetzt kandidiert er zum ersten Mal für ein politisches Amt – wurde aber abgelehnt. „Der Landeswahlausschuss hat seine Entscheidung damit begründet, dass der britische Volt-Kandidat Matt Bristow nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats der Europäischen Union besitzt“, schreiben die Volt-Leute an den Checkpoint. Diese Begründung halten die Anwälte aber für falsch, weil: „Nach geltendem Europarecht muss man für die Zulassung zur Wahl lediglich Unionsbürger sein. Laut Europarecht ist die Unionsbürgerschaft ein selbständiger Status: Sie tritt zur nationalen Staatsbürgerschaft hinzu, ersetzt diese aber nicht. Dementsprechend verliert man sie auch nicht mit dem Austritt des Ursprungslandes aus der Union.“ Hier der Link zum kleinen 1x1 des Wahlamtes. Wie das Gericht wohl entscheidet? God save the BVV!
Wahl III: Wer die Wahlunterlagen per Post anfordert, sollte vorher seinen Briefkasten entrümpeln – da wird ein mächtiger Umschlag in den Schlund gewuchtet. Checkpoint-Kollege Thomas Lippold hat gleich mal den Zollstock aus dem Werkzeugkasten gefummelt: „In Charlottenburg-Wilmersdorf sind alle Stimmzettel zusammen knapp 215 Zentimeter lang.“ Seine Frage: „Welcher Bezirk bietet mehr?“ Ihre Mail mit Ihrer Kiez-Messung an checkpoint@tagesspiegel.de. P.S.: Die Briefunterlagen wiegen übrigens 40 Gramm. Ein Snickers ist damit immer noch schwerer.
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Unsere Hauptstadtvision zeigt, was möglich ist: Gutes Leben trotz viel Verkehr auf der Danziger Straße.
An zentralen Tangenten sollen saubere Luft, klimaneutrale Mobilität und eine gesunde Lebensqualität gefördert werden. Durchgehende, sichere Radwege sollen entstehen und Stadtbäume wachsen.
Mehr dazu: gruenehauptstadt.vision
Wahl IV: Ärger um CDU-Post, die derzeit in vielen Briefkästen landet - mit Name, Straße, Etagenzahl, Seitenflügel.„Woher hat die CDU meinen vollen Namen plus Adresse?“, fragen sich Leserinnen und Leser von Spandau bis Schöneberg und wittern dubiose Geschäfte („Adressdaten gekauft?“). Doch so werben auch andere Parteien, und die CDU erklärt uns das noch mal so: „Im Vorfeld von Wahlen sind u.a. Parteien berechtigt, für Werbung Auszüge aus dem Melderegister zu beantragen. Der Weitergabe der Meldedaten kann man aber widersprechen.” Infos hier bei der Datenschutzbeauftragten.
Und dann war da noch dieser Aufreger: Weiße Menschen sollen sich nicht auf eine Antidiskriminierungsstelle bei der HU bewerben. Wörtlich heißt es in einer Ausschreibung für die studentische Antidiskriminierungsberatung des Referent_innenrats der HU Berlin: „Die Beratungen finden aus parteilicher Perspektive statt.” Und weiter: „In der Beratungsarbeit hat sich gezeigt, dass dies am besten gelingt, wenn der_die Berater_in Schwarz oder als Person of Color positioniert ist. Wir bitten daher weiße Menschen, von einer Bewerbung für diese Beratungsstelle abzusehen.“ Eine Anti-Diskriminierungsstelle schließt vorab Leute aufgrund ihrer Hautfarbe aus? Dazu CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner: „Die Sortierung nach Hautfarbe passt nicht in unsere Stadt und schon gar nicht an unsere Hochschulen. Wer Menschen im Namen des Antirassismus selbst rassistisch diskriminiert, sollte seine Position überdenken."
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Nur 50 Minuten vom Ku'damm entfernt errichtet die Berliner Artprojekt-Gruppe nach den Plänen von Stararchitekt David Chipperfield in einer idyllischen Bucht am Scharmützelsee ein exklusives Wohn-Ensemble mit Privatpark, Spa und Seelage. Im Rahmen des Masterplans sind zudem ein Strandbad und eine Marina vorgesehen.
Hier erfahren Sie mehr…
Hier der sportliche Frühcheck mit dem Checkpoint: Wird das Olympiastadion heute wieder blau? Gestern Abend hatte ja Union die Hertha-Heimat (seit 1963) für sein Europapokal-Spiel gemietet (das 0:0 gegen Kuopion PS reichte nach dem 4:0-Hinspielsieg für die Gruppenphase in der Conference League). Die Hertha-Fans fanden es nur so lala, dass die blaue Laufbahn mit einem roten Riesenteppich verhüllt war und Unioner scherzhaft vom „Olympiastadunion“ sprachen. Dort drängten sie sich trotz viel Platz (22.159 Zuschauer bei einer Kapazität von 74.475) eng aneinander – es kommentiert Tagesspiegel-Sportreporter Stefan Herrmanns (mit Bild): „Das Hygienekonzept im Olympiastadion wird heute exklusiv präsentiert vom Gesundheitsamt Treptow-Köpenick.“
Aber die blau-weißen Gemüter können jetzt wieder runterkühlen. „Ab 10 Uhr dürfen die Touristen wieder rein, mittags übergibt uns Union das Stadion zurück, so wie es vorher aussah”, verkündet Christoph Meyer am Checkpoint-Telefon. Meyer ist der Mann mit dem Zentralschlüssel und im Olympiastadion der Veranstaltungsdirektor (und schon seit 2005 im Stadion dabei). „Wer als Hertha-Fan die blaue Laufbahn vermisst hat, kann gerne am Freitag in unsere Live-Cam schauen: Wir machen alle 10 Minuten neue Bilder.” (Hier zu sehen). Bis Hertha wieder spielt, dauert’s allerdings noch drei Wochen. Am 12. September ist erst mal Istaf – selbstverständlich auf der blauen Laufbahn (und mehr zu Union gibt’s weiter unten).
P.S.: Wer noch mehr aus der City West erfahren will: Heute Nachmittag kommt der aktuelle Tagesspiegel-„Leute“-Newsletter für Charlottenburg-Wilmersdorf raus (weit mehr als 30.000 Abos). Köpenicker dürfen übrigens auch gern mitlesen (zur kostenlosen Anmeldung geht’s hier).
Berliner Schnuppen
Telegramm
Sensationelle Nachricht für die 2800 Jung-Polizistinnen und Polizisten: Die Polizeiakademie soll bereits im kommenden Jahr mit W-Lan ausgestattet werden – bis vor kurzem waren am Waldrand noch Ersatzbatterien fürs Walkie-Talkie sinnvoll. Die Polizeiführung um Barbara Slowik sucht deshalb ganz aktuell ein IT-Unternehmen, das im Oktober 2021 loslegt („fachgerechte Planung, Bereitstellung der Technik, Wartung für mindestens 3 Jahre, W-Lan campusweit auf dem Dienstgelände in der Charlottenburger Chaussee“). Geschätzte Investitionskosten: 230.000 Euro plus Märchensteuer. Heißer Tipp: Das W-Lan-Passwort „110“ ist schon vergeben (und nur so semi-sicher).
Pi Mal Daumen 31. Die „Querdenker“ planen wieder ein aufgeregtes Demo-Wochenende. Für Sonnabend sind 17, für Sonntag 14 Demos angemeldet. Die Polizei hat aber bereits sieben Veranstaltungen verboten. Den Überblick haben nur noch der Lagedienst – und Tagesspiegel-Kollege Alexander Fröhlich.
Aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen rufen Impfgegner und „Querdenker“ bei „Telegram“ übrigens gerade zu einer Art persönlichem, 14-tägigem Lockdown ab 7. September auf: Nicht einkaufen, keine Veranstaltungen, Fitnessstudios, Friseure und Restaurants besuchen, nicht arbeiten gehen, keine Öffis benutzen, die Kinder nicht in die Kita und die Schule schicken… mindestens 150.000 Menschen haben das bereits gelesen. Vielleicht kann die 4. Welle ja doch noch gebrochen werden. (via Josef Holnburger)
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Manchmal überrascht es mich auch was im verschwörungsideologischen Milieu so passiert:
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Derzeit will man gegen 3G- und 2G-Maßnahmen protestieren mit einem… Lockdown.
Ein Aufruf ab 7. September sich für zwei Wochen gänzlich abzuschotten wurde 150k mal auf Telegram gesehen. pic.twitter.com/nVmCCbqyKb
Unterdessen hat der Datenforscher Josef Holnburger eine weitere Einordnung zu der Vorstellung vom „Selbst-Lockdown“ in der „Querdenker“-Szene gegeben:
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Weil das auch gerade öfter aufgegriffen wird, hier noch mal ein paar Einordnungen zu dem #Querdenken "#Lockdown"-Aufruf.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
150k Views auf eine Nachricht sind nicht 150k Menschen: Wenn ein User diese Nachricht auf zwei abonnierten Kanälen sieht, gilt das als zwei Views. 1/12 https://t.co/r835WdBHqO
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PIGOR & EICHHORN – VOLUMEN X
Sie sind zurück! Live und mit Publikum, mit Hirn, Charme und Salon-Hip-Hop. Nach neun erfolgreichen Programmen wäre es nun an der Zeit für die Jubiläumsauflage – doch statt zurückzuschauen, präsentieren die beiden Experten des eleganten Sprechgesangs wieder ihre scharfsinnigen Analysen. Zu sehen vom 31.08. bis 12.09. in der BAR JEDER VERNUNFT.
Franziska Giffey versucht im Wahlkampf Punkte zu sammeln bei kranken Karnivoren (nicht zu verwechseln mit kranken Kannibalen) – bei einer Diskussion zur Gesundheitspolitik versprach sie für den Fall ihrer Regentschaft den Speiseplan der Krankenhauskantinen vor den Grünen zu retten: „Patienten, die Fleisch essen, sollten es kriegen können.“
Was hat eine große Klappe und bekommt den Bauch nicht voll? Keine Witze bitte über den Teenager-Nachwuchs! Es geht um gelbe Mülltonnen. Die ersetzen ab Oktober 2023 endlich die gelben Säcke, die oft reißen (dank Vögel, Wind und Wildschweinen). Betrifft Hunderttausende außerhalb des S-Bahnrings – ob Buckow oder Kladow, Biesdorf oder Hermsdorf: Vorstadt-Experte Gerd Appenzeller erklärt’s hier im Reinickendorf-Newsletter.
Die Machtspielchen in der CDU Reinickendorf sind so verworren wie einst das Drehbuch von „Verbotene Liebe“. CDU-Größe Frank Steffel wurde rausgedrängt, sein Bruder Dirk Steffel war sauer und wechselte zu den Freien Wählern – und nahm eine echte CDU-Institution jetzt mit: Die „Tegeler Gespräche“ mit viel Polit-Prominenz sind nun eine Veranstaltung der Freien Wähler. Am 6. September kommt Hubertus Knabe.
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Seit über 20 Jahren erzählt die Nachrufe-Kolumne jeden Sonntag im Tagesspiegel die Lebensgeschichten verstorbener Berlinerinnen und Berliner. Sie gehen ans Herz, erheitern aber auch mit Anekdoten und geben spannende Einblicke in viele bewegte Leben. „46 Berliner Leben“ vereint Nachrufe aus den Jahren 2010 bis 2021. Jetzt im Tagesspiegel-Shop erhältlich!
Sorry, hier geht es gerade nicht weiter.... schon wieder steht so ein Falschparker mitten im Weg („absolutes Halteverbot ab 6 Uhr“). Der Clou im Bayerischen Viertel: Das Auto ist weiß und blau und trägt den Titel „Ordnungsamt Tempelhof Schöneberg“. Keine Pointe – hier das Foto aus dem Halteverbot.
Aus der Rubrik „Unnützes Kiez-Wissen (das Sie nie mehr vergessen werden)“, entdeckt beim Stöbern in den Rathaus-Akten: „Wie viele Eisdielen gibt es in Marzahn-Hellersdorf?“, wollte die SPD-Verordnete Jennifer Hübner wissen. Antwort: „13.“ Das sind immerhin 13 mehr, als der Bezirk Freibäder hat. Und damit zurück zum Berliner Sommer, der offiziell ja noch läuft (brrr…).
Vor dem Stadion des 1. FC Union gibt's eine hässliche Brücke mit hübschem Namen – die „Pyramidenbrücke“. Doch das Ding ist morsch: „Das Bauwerk hat seine rechnerische Nutzungsdauer von 70 Jahren erreicht“, teilt die Verkehrsverwaltung mit – und bereitet einen Neubau von 2022 an vor. Bauzeit nach bisherigem Planungsstand: Sechs Jahre. In der Zeit hätten die alten Ägypter eine echte Pyramide errichtet. Aber warum heißt die Brücke eigentlich so? Wir tappen im Dunkeln – und geben ab an Thomas Loy, der sich am Montag in seinem „Leute“-Newletter damit beschäftigt. Aber vielleicht hilft uns ja auch schon Ihr Kiez-Wissen weiter – sachdienliche Hinweise bitte an checkpoint@tagesspiegel.de.
Zitat
„Als Kind habe ich die erste richtige Ritterrüstung auf der Zitadelle bestaunt, als Jugendlicher war ich oft Kart-Fahren am Juliusturm und mein Lieblingseis kommt auch aus Spandau.“
Florian Kunz, 39, zuletzt Pfarrer imBayerischen Viertel, tastet sich im Tagesspiegel an seinen neuen Arbeitsplatz heran. Dort ist er ab nächster Woche der erste Superintendent seit 50 Jahrenund damit Spandaus oberster Kirchenchef über 24 Kirchen und fast 50.000 Mitglieder. Das ganze Interview können Sie nächste Woche im Spandau-„Leute“-Newsletter lesen.
Tweet des Tages
Sehr viele fragen mich, wie ich bei den Reaktionen auf die Kommentare unter meinen Pro-Impf-Posts so ruhig bleiben kann. Wir haben vierjährige Zwillinge - ich bin sinnlose Scheinargumente und trotzige Eskalation gewohnt.
Stadtleben
Essen & Trinken – Kalt wird es und immer kälter – wer aus Schlechtwettertrotz emotional noch nicht bereit ist, die Suppenzeit einzuläuten, versuche es doch zunächst mit Knödeln. Güldene, wie hoffentlich der kommende Herbst, gibt es etwa in der Dieffenbachstraße 40 bei Goldene Knödel. Eröffnet unter erschwerten Lockdown-Bedingungen, sollte man meinen, dass die Betreiber:innen die Werbetrommel ordentlich rühren würden, um die Welt in Knödellaune zu versetzen. Tun sie aber nicht – nicht einmal eine richtige Homepage gibt es. Kräftig gerührt werden hier stattdessen diverse Kuchenteige und die Schnitzelpanade, sodass die Mundwasserpropaganda den Rest erledigt. Di-So, 11-18 Uhr
Raus und hoch hinaus fahren – Wer hat noch nie was vom Beruf des Türmers gehört? Mittelalterliche Türmer:innen waren keineswegs Türmende oder Getürmte, wie man meinen könnte. Das Verb „türmen“ stammt wahrscheinlich von der Flucht von Burgbewohner:innen in den stabilsten Turm, den sogenannten Bergfried, wenn Gefahr in Verzug war. Türmen mussten Türmer:innen dagegen nie – sie waren nämlich schon im Turm. Sie wohnten sogar darin, in der Türmerstube, und beobachteten die Burgumgebung. Gäbe es heute keine Türmerinnen mehr, wäre dies vielleicht unnützes Wissen. Zumindest die Stadt Lübben hat aber eine. Vera Städter heißt sie und gibt sogar Führungen durch ihren Turm – den Kirchturm am Markt, dessen 115 Stufen nicht nur in die Türmerstube führen, sondern auch in den Glockenturm darüber. Und das heute um 16.30 Uhr. 8/4 Euro kostet eine Stunde Zeitreise.
Karten sichern – Wer angesichts des Wetters schon langsam in vorweihnachtliche Stimmung driftet, findet im Gorki Theater ab heute Abend eine Entsprechung: Bei Krampus: Pelz und Puderzucker verarbeitet Regisseurin Isabella Sedlak die alljährliche Wiederkunft des alpinistischen Krampus-Kults, der mittlerweile in weiten Teilen gedanklich kaum über ein Massenbesäufnis mit Lizenz zu Gewalt und Sexismus hinausgeht. Eigentlich sollte es beim Dezemberritual ja gerade um die Vertreibung böser, sprich gewalttätiger oder sexistischer Geister und Dämonen gehen. Was sagen solche Umkehrungen der Werte und Aushöhlung von Traditionen über die Welt aus? Das wird heute und Samstagabend auf der Bühne verhandelt – die Premiere ist ausverkauft, für Samstag, sowie den 13. und 16. September gibt es noch Tickets.
Entrückte Botanik – Will man sich anschließend noch etwas Kälte – oder wehmütig sommerliche Restwärme geben, bietet sich der nächtliche Besuch des Botanischen Gartens an. Anlass ist die Botanische Nacht, bei der die vielfältige Flora mit Lichtinstallationen in künstlich-künstlerisches Licht gerückt wird – und von der akademisch-botanischen Sicht entrückt. Beim Streifen im Streiflicht begegnet man zudem kuriosen Pfauenwesen und einer Schmetterlingsfee. 17 bis 2 Uhr, der Eintritt beträgt 35,20 Euro.
Grübelstoff liefert heute das Literaturforum im Brechthaus schon mit dem Titel der Veranstaltungsreihe: Katastrophismus, Kapitalozän und Kollapsologie. Wer sich angesichts der Dystopien beschwörenden Begriffe alarmiert fühlt: zurecht! Die durchweg hochkarätig besetzte Reihe läuft nämlich bereits seit Anfang der Woche und endet heute mit einem Gespräch zwischen Felix Maschewski, Anna-Verena Nosthoff und Joseph Vogl. Thema ist die Frage nach Anpassungsstrategien der Menschheit an die Auswirkungen der Klimakatastrophe. Wenn wir sie schon nicht verhindern, wie werden wir mit ihren Konsequenzen leben? Der Eintritt beträgt 5/3 Euro, der Einlass beginnt um 18.30 Uhr
Berlins Spitzenkandidat:innen-Check
5 x 1: Bis zur Abgeordnetenhauswahl stellen wir den Spitzenkandidat:innen von CDU, FDP, Grüne, Linke und SPD jede Woche eine Frage, die sie mit nur einem Foto beantworten dürfen. Diesmal: Was darf in keinem Klassenzimmer fehlen? Das Bild zum Wochenabschluss von: Kai Wegner (CDU).
Foto: Pexels
Berlin heute
Verkehr – Alt-Hohenschönhausen: Verkehrsbehinderungen von 18 bis 20 Uhr zwischen Weißenseer Weg, Indira-Gandhi-Straße, Berliner Allee und Greifswalder Straße.
Siegfriedstraße (Lichtenberg): Vollsperrung bis vsl. Ende Oktober
Mitte-Kreuzberg: Ab 15 Uhr ist wegen eines Fahrradkorsos von der Köpenicker Straße bis Mariannenplatz mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Moabit: Zwischen Mathilde-Jacob-Platz und Friedrich-Krause-Ufer ist wegen einer Demonstration von 12 bis 13.30 Uhr mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Niederschönhausen: Ab 18.30 Uhr beeinträchtigt ein Fahrradkorso den Verkehr.
Westend-Tempelhof: Ab 18 Uhr behindert ein Fahrzeugkorso den Verkehr zwischen Olympischer Platz und Tempelhofer Damm.
Demonstration – Fridays for Future Berlin erwarten etwa 200 Teilnehmende von 12 bis 13.30 Uhr zur Laufdemo, los geht's am Mathilde-Jacob-Platz/Bürgeramt Tiergarten, Schlusspunkt ist vor dem Kraftwerk Moabit am Friedrich-Krause-Ufer. Am Bebelplatz erwartet die SPD Berlin etwa 800 Teilnehmende von 15 bis 18 Uhr zur politischen Kundgebung zur Wahl. Zwischen 18 und 20 Uhr wollen 200 Teilnehmende unter dem Motto „Stilllstand muss nicht sein“ ab Fritz Lesch Straße/Weißenseer Weg über Landsberger Allee, Danziger Straße, Greifswalder Straße, Am Friedrichshain zur Abschlusskundgebung am Märchenbrunnen ziehen. 300 Teilnehmende wollen beim Autokorso „Für die Abschaffung der 2 Klassengesellschaft (sic!) durch Merkels Impferpressung“ quer durch die Stadt fahren – den genauen Streckenverlauf finden Sie hier. Samstag: 1500 Teilnehmende erwartet der Biker Union e.V. von 11 bis 16.30 Uhr zu „Gemeinsam fahren, gemeinsam kämpfen für unsere Rechte“ – Streckenverlauf hier. Zwischen 13 und 21 Uhr erwartet der Zug der Liebe e.V. 10.000 Teilnehmende zum „Zug der Liebe“ ab Bernauer Straße über Strausberger Platz, Otto-Braun-Straße, nochmals Strausberger Platz zur Oranienstraße. 1000 Teilnehmende erwartet die Kampagne „Schule muss anders“ zur Kundgebung „Bildung, Lern- und Arbeitsbedingungen an Berliner Schulen, Inklusion, Fachkräftemangel, Bildungsgerechtigkeit“ in der Rathausstraße von 13.30 Uhr bis 16 Uhr. 500 Personen werden von 14 bis 18 Uhr zum Umzug „Global Movement for Piece in Afghanistan ab Neptunbrunnen zum Pariser Platz erwartet. Am Platz des 18. März kommen 500 Teilnehmende von 16 bis 20 Uhr zu „Deutschland vor der Wahl… Bürger fragen – Kandidaten antworten“ zusammen. Ebenfalls 500 Teilnehmende werden zum Autokorso „Freie Fahrt für ein freies Leben! Hände weg von unseren Grundrechten!“, erwartet. Die Strecke finden Sie hier. Zum „Karneval der Masken“, von 17 bis 19.30 Uhr, erwartet der Anmelder genau 189 340 Teilnehmende auf allen Straßen und Plätzen Berlins. Sonntag: Circa 300 Teilnehmende finden sich von 9 bis 20 Uhr zur „Kundgebung für Erinnerungskultur – Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen (Primo Levi)“ in der Ebertstraße/ Behrenstraße ein. 600 Teilnehmende werden von 11 bis 18 Uhr am Potsdamer Platz „Zum Gedenken an die 6 402 von der kolumbianischen Armee verschwundenen Menschen (sic!)“ erwartet. 2000 Teilnehmende will das Geradedenken Kollektiv von 13 bis 21 Uhr zum „Demorave gegen Querdenken und andere Verschwörungsideologien“ am Großen Stern versammeln. 500 Teilnehmende werden an der Schnellerstraße 132 von 14 bis 20 Uhr zur Kundgebung „Gegen Trans- und Queerfeindlichekeit, Rassismus und Gewalt in der Clubkultur“ erwartet. In der Leipziger Straße feiert Changing Cities Central mit ca. 350 Teilnehmende den „Tag der freien Straße – für autofreie Sonntage von 15 bis 17 Uhr.
Gericht – Der Prozess um den Diebstahl von 242 Tablets im Wert von insgesamt rund 100 000 Euro aus einer Schule geht weiter. Angeklagt ist ein 27-Jähriger, der als Mitarbeiter einer Reinigungsfirma in dem Gebäude tätig war. Die Geräte waren während des pandemiebedingten Lockdowns für Schüler aus sozial benachteiligten Familien als eine Hilfe im Homeschooling angeschafft worden (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 101).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Alles Gute zum Geburtstag, liebe Annemarie! Gesundheit, Glück und jede Menge Konfetti im neuen Lebensjahr wünschen dir Judith & Nickel“ / „Christin Beiert wird 40! Unserer famosen Schwiegertochter senden wir Freudengirlanden aus Ascheberg (Westfalen)“ / Laura Buchmann (30) / „Für die liebste, schlauste, herzenswärmste, lustigste und freundlichste Frau der Welt: herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Elisa. Wie wärs: lass uns doch endlich einander heiraten“ / Birgit Freyer, „weiterhin viel Erfolg und alles Liebe“ / Maria Hilmes, „Gratulation, von Herzen. Und wir feiern nach, mit cremant!!! MJ“ / Eva Quistorp (76), Aktivistin der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung, Gründungsmitglied der Grünen und Mitglied der Vereinigung ehemaliger EU-Abgeordneter / Roselyne (runder Geburtstag), „alles Liebe, weiter so als enthusiastische Verfechterin der deutsch-französischen Freundschaft, Achse Saumur-Berlin, wir unterstützen Dich - Peter, Julien und Teresa“ / Matthias Steuckardt (42) Bezirksstadtrat für Bildung, Kultur und Soziales in Tempelhof-Schöneberg / Sarah Wiener (59), Fernsehköchin, Gastronomin und EU-Politikerin / Nachträglich: Ursula Hartmann, „Meinem Schwesterherz alles erdenklich Gute zum Geburtstag. Wie schön, daß Du geboren bist. Mögen wir uns einander noch viele Jahre begegnen!“
Sonnabend – Ai Weiwei (64), Künstler / „Liebste Emilia, sowas von alles Gute zum Geburtstag, Deine Eltern, hdsl“ / Mia Esche-Dolfus-Mindak, „Sie ist meine Liebste und möge gesund, lebendig und schön, wie wir sie kennen, durch das Jahr gehen!“ / Marianne Groß (79), Schauspielerin und Synchronsprecherin / Monika Helbig (68), ehem. für die SPD im AGH, ehem. Staatssekretärin / Udo Lauer, „Hauptstadtfotograf, alles Gute zum Geburtstag und viel Erfolg für die Ausstellungseröffnung am 5.9. wünscht Beate“ / Uwe Lehmann-Brauns (83), Politiker (CDU), ehem. Vizepräsident des AGH / Robert Maróthy (51), „erst Vormieter, dann Nachbar und längst: guter Freund“ / Petra Schmidt-Schaller (41), Schauspielerin / Ulli Stock, Dipl. Vermessungsingenieur,„Glückwunsch zum 80.!“ / „Zum 35. Geburtstag die besten Wünsche an Martin Temme von Mutter und Vater aus Mücheln“
Sonntag – Eva Cancik-Kirschbaum (56), Altorientalistin / Felix von Jascheroff (39), Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher / Rainer Pottel (68), ehem. Leichtathlet in der DDR und ehem. Trainer / Rotraud Schindler (81), Schauspielerin und Komödiantin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Jürgen R. Draxler, * 6. August 1945 / Karl-Heinz Dropmann, * 14. Mai 1957, ehem. Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Berliner Polizei / Joachim Garrecht, * 24. April 1963, Ministerialrat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie / Marielise Göpel, * 20. Mai 1922 / Günter-Georg Wittke, * 11. April 1942
Stolperstein – Emma Koch, geboren 1857 im schlesischen Gliwice, wurde am 17. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Zehn Tage später, heute vor 79 Jahren, wurde sie von den Nazis ermordet. An sie erinnert ein Stolperstein in der Düsseldorfer Straße 49/50 in Wilmersdorf.
Encore
Die Meldung des Tages kommt zum Schluss. Ringbahn-Saufen ist ja quasi was für uns Oldies neu ist jetzt das hier: Ringbahn-Impfen („für alle ab 18“). Los geht es am Montag am S-Bahnhof Treptower Park. Termine braucht man nicht, aber den Fahrplan sollte man kennen: Der Zug rollt los um 10.38 Uhr, dreht seine Runden und endet dann in Neukölln um 13.33 Uhr. „Zustieg an allen Ring-Stationen möglich“, teilt die S-Bahn mit. Es kommt „Johnson & Johnson“ in die 100 Ampullen, und Fahrkarten sind auch nicht nötig. Die Daumen sind gedrückt, dass der Zug nicht gerade über eine fiese Weiche rumpelt, wenn... Pieks.... AUA!
Heute mit dem Checkpoint-Sammelticket unterwegs: Thomas Lippold (Recherche) und Florian Schwabe (Frühproduktion). Morgen früh dreht hier Lorenz Maroldt noch eine wilde Runde mit Ihnen und kürt die Berlinerinnen und Berliner der Woche. Türen schließen, bleiben Sie gesund!
