Im letzten Checkpoint vor Karfreitag geht’s heute noch mal richtig zur Sache (mehr dazu unter den Stichworten „Bettgeflüster“ und „Honecker“), morgen dürften wir sowas ja nicht mehr bringen (der Checkpoint hat wegen zu viel Schmuddel nur „FSK 18“ bekommen).
Beginnen wir also schnell mit einer Meldung aus dem Roten Rathaus:
Bei Michael Müller geht jetzt der Punk ab – der Regierende Bürgermeister hat eine neue persönliche Referentin, ihr Name: Marion Pinkpank… – halt: So geht das nicht, no name jokes im Checkpoint. Werfen wir lieber mal einen Blick auf die Website ihrer Agentur „Stimmgerecht“, und was lesen wir da? „Marion Pinkpank zu attraktiven Konditionen buchen“ – in einem früheren Leben war Miss P. nämlich u.a. Synchronsprecherin (wer weiß, wozu das im neuen Job gut ist) und Moderatorin (auch sehr praktisch, wenn der Rathauschef in Rage gerät). Ach, und dann ist sie wie der Regierende in der Tempelhofer SPD, genauer: Vize-Vorsitzende des SPD-Ortsverbands Lichtenrade-Mariendorf, gemeinsam mit Juso-Chef Kevin Kühnert.
Apropos Kevin Kühnert: Der Anti-Groko-Aktivist tritt am 17.4. zusammen mit dem neuen Partei-Arbeiteranführer Michael Müller bei einer Veranstaltung des Landesverbandes in der Verdi-Bundesverwaltung auf, das Thema: „Die SPD in der großen Koalition: Wie gelingt die Neuausrichtung?“ Dazu eine alte Seefahrerweisheit, auch für Leichtmatrosen auf schweren Tankern geeignet: „Ein Kompass, der bei jedem vorbeifahrenden Schiff die Nadel nach diesem ausrichtet, führt selten zum Ziel.“
Wir bleiben gleich mal in der Heimat des Regierenden Bürgermeisters und schauen uns einen Auszug aus einem Schreiben des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg zu einem Einbürgerungsantrag an (EU-Bürgerin, seit Jahrzehnten in Berlin, Lehrerin, verheiratet mit einem Deutschen):
„Ich weise vorsorglich darauf hin, dass es Ihnen nach § 82 Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) obliegt, Ihre Belange und für Sie günstige Umstände unverzüglich geltend zu machen und die erforderlichen Nachweise über Ihre persönlichen Verhältnisse, sonstige erforderliche Bescheinigungen und Erlaubnisse sowie sonstige erforderliche Nachweise, die Sie erbringen können, unverzüglich einzubringen.“
Alles klar? Der Deutschtest wäre damit schon mal bestanden.
Es gibt aus dem BA Tempelhof-Schöneberg aber auch eine neue Rekordzeit in der Disziplin „Bescheid über die ergänzende Förderung und Betreuung an allgemeinbildenden Schulen“ zu vermelden: Das Jugendamt schaffte jetzt die Strecke von einem Antrag bis zum Abschluss innerhalb von 3 Tagen. Da wird einem ja ganz schwindelig. Dagegen hat dasselbe Jugendamt einen Antrag auf Unterhaltsvorschuss auch nach 7 Monaten noch nicht über die Ziellinie gebracht (gestellt am 10. August 2017, Bearbeitung offen, Kommunikation geschlossen). Vielleicht hilft ja ein bisschen Gemeinschaftstraining im Rathaus-nahen Franckepark.
So, und was ist in Mitte so los? Schauen wir mal: „Herzlich Willkommen auf der Internetseite der Bau- und Wohnungsaufsicht des Bezirks Mitte“, lesen wir da, „das Bauaktenarchiv Mitte muss aufgrund einer erhöhten Belastung des Gebäudes mit Schimmelsporen bis auf weiteres geschlossen bleiben. Eine Einsichtnahme in die dort verwahrten Bauakten ist daher auf unabsehbare Zeit nicht mehr möglich!“ Oha. Hinweis für Neuberliner: „Auf unabsehbare Zeit“ heißt auf Deutsch: Vergessen Sie’s – Ihre Enkel können ja irgendwann mal nachfragen.
Und da wir gerade dabei sind, gleich noch eine Vokabel: „Dauerhaft-temporäre Umgestaltung“ bedeutet in Berlin: Halbherzige Umsetzung einer fragwürdigen Idee mittels billiger Baustellenabsperrungen (hier am Beispiel der Schönhauser Allee).
Wir kommen zu unserem Wettbewerb „Ausdauerwahlkämpfer des Jahres“: Der gleich mit mehreren Langzeitplakaten ins Rennen gegangene SPD-MdB Klaus Mindrup versucht seine Konkurrenten durch Täuschungsmanöver zu irritieren: Nach dem Checkpoint-Startschuss Anfang der Woche holte er am Dienstag zunächst sein Plakat von einer Laterne in Karow (Erklärung dazu hier), gestern nahm er das Plakat in Buch ab. Doch nach Meldung unseres Streckenpostens versucht er sich derzeit mit einem dritten Wettbewerbsplakatin der Metzer Straße / Ecke Prenzlauer durchzumogeln.
Etwas halbherzig mischt dagegen die CDU mit: Am Pastor-Niemöller-Platz (Pankow) hängt noch ein Teilplakat mit der Aufschrift „Für ein Deutschland, in dem wir“ – ja, was eigentlich gleich noch mal? „… auch mal halbe Sachen machen können“? Durchaus Außenseiterchancen hat dagegen Fritz Felgentreu (SPD), der die vergangenen sechs Monate in Höhe der Hermannstraße 25 Wetter, Wind und Winter trotzte. Ebenfalls noch im Rennen: Gottfried Ludewig von der CDU (inzwischen Abteilungsleiter bei Jens Spahn im Gesundheitsministerium), der in der Scharnweberstraße rumhängt, sowie Ordnungsfan Georg Pazderski (AfD) - der Oberst a.D. hält tapfer seine letzte Stellung in der Pistoriusstraße (sein Ebenbild gleich daneben, lange ein treuer Kamerad, ist gerade gefallen).
Disqualifizieren mussten wir leider Sebastian Czaja, dessen Plakat am Eichborndamm nachweislich für die Abgeordnetenhauswahl 2016 produziert wurde (hier geht es um die BTW 17) und außerdem so neu aussieht, dass es kaum zwei Winter an derselben Laterne überlebt haben kann. Ein offenkundiger Manipulationsversuch also (von wem auch immer). Es ist hier wie beim Berlin-Marathon: Wer erst am Ernst-Reuter-Platz aus der U-Bahn springt, kann sich nicht schon am Brandenburger Tor für seine Ausdauer feiern lassen.
In einer Mail an den Checkpoint begründet Czaja die lange Haltbarkeit seines Plakats politisch: „Der Slogan ‚Die Sicherheit muss besser organisiert sein als das Verbrechen‘ ist so aktuell wie eh und je. Jedenfalls hat sich seit der Abgeordnetenhauswahl 2016 in Sachen Sicherheit nicht viel getan.“ Übrigens: Einen Kandidaten der Partei „Freie Wähler“ hat das BA Treptow-Köpenick vorzeitig aus dem Rennen genommen: Robert Soyka musste bereits im vergangenen November eine Geldbuße inkl. Gebühren in Höhe von 133,50für ein hängen gebliebenes Plakat zahlen (AZ TiefGrün Ord 45-04.08-133/17). Er hatte sich wohl offenbar nicht so gut versteckt wie die Kollegen von der Konkurrenz.
Telegramm
Nur wer zu Giftmüllkippen „Entsorgungspark“ sagt, nennt auch die Firma Wisag einen „Dienstleister“ – gestern hat sie auf dem Flughafen Schönefeld mal wieder ganze Arbeit geleistet, nämlich keine: Die Passagiere mussten hier teils stundenlang auf den Abflug oder ihr Gepäck warten.
„Ab jetzt werden wir alle zwei Monate verkünden können, dass wieder ein Verwaltungsvorgang digitalisiert wurde“, verkündet IT-Staatssekretärin Sabine Smentek – und wann sind wir dann fertig? Hierzu die berühmten Futurologen Zager & Evans: „In the year 2525…“ (Video-Aufzeichnung der Original-Weissagung hier).
Neues von unserer Lieblingsstehtreppe am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof (Kennzeichen: fast immer kaputt) - bisher war die Wiedereröffnung unten für 31.3.2018 angekündigt und oben für 31.3.2019. Jetzt steht dort: „Die Instandsetzung wird für alle ein wenig mühsam“ – neuer Termin: 4.4.2018. Wir sind gespannt, was nächste Woche gewürfelt wird.
Die Rubrik „Berlin, aber Schnauze“ kommt heute aus dem Schienenersatzverkehr (das sind die Busse, die woanders halten als die Bahn). Eine Frau bemerkt hinter der Attilastraße, dass der Bus nicht so fährt wie üblich und bittet darum, auf halber Strecke aussteigen zu dürfen. Der Fahrer: „Dit jeht aba nich! Im Flugzeug müssen Se och uffpassen wo‘s hinjeht“. Er hält trotzdem für sie an.
Wie sieht eigentlich die „Smart City Berlin“ aus? Im Auftrag der Wirtschaftsverwaltung suchen die Berliner Energieagentur und die Agentur Ressourcenmangel spannende Orte der Stadt für einen digitalen Erlebnispfad. Vorschläge können noch bis zum 10. Mai eingereicht werden.
Frisch aus der Druckerei: Unser Magazin „Radfahren in Berlin und Brandenburg“ ist da – jetzt fehlt nur noch das dazugehörige Wetter.
Zusammen mit Radioeins haben wir die besten Berlin-Konzerte der vergangenen Jahrzehnte gesucht – am Wochenende gibt’s richtig was auf Augen und Ohren (kleiner Vorgeschmack hier).
Checkpointer Robert Ide hat diese Woche den „Leute“-Newsletter Pankow geschrieben, darin u.a. ein Interview mit Marcel Küster (26) vom BSR-Recyclinghof in der Behmstraße. Er weiß, was für ein kurioses Zeug die Leute aus Kiezhausen so alles wegwerfen – und erzählt es auch (zur kostenlosen Anmeldung geht’s hier).
Berlin ist irgendwie aus der Zeit gefallen, wie folgendes Beispiel zeigt. Bahnhof Wedding, gestern Nachmittag, 17.15. Vier Uhren zeigen vier verschiedene Zeiten an, keine davon die richtige – aber sehen Sie selbst (F.: Eva Zeeb).
Was denken Sie, wann der BER eröffnet wird? Diese Frage haben die Meinungsforscher von Civey gerade wieder gestellt, die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage: 13,2 % glauben an 2020 (derzeitiger offizieller E-Termin), 9,9 % tippen auf 2021, 28,9 % sagen nach 2021 – und 39 % meinen: Nie (Rest „Weiß nicht“ oder früher). Es kommentiert der Flughafenexperte Oscar Wilde: „Ich bin durchaus nicht zynisch, ich habe nur meine Erfahrungen gemacht, was allerdings ungefähr auf dasselbe hinauskommt.“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Worauf wartest du? Auf nen Job beim BER?“
Plakatwerbung von Lidl – der Discounter bietet 1000 neue Stellen in Berlin und Brandenburg an und lockt: „Lande lieber bei uns.“
Tweet des Tages
„Angela war gestern mit Sigmar laut @LorenzMaroldt hier direkt in meinem Kiez essen und ich bekommen nichts mit?!?! Na wenigstens weiß ich jetzt, dass hier ein gutes französisches Lokal ist.“
Stadtleben
Die Feiertage werden im mondänen Brasserie-Restaurant Spindler am Paul-Lincke-Ufer 43 mit einem "Brunch-Marathon" zelebriert: Von Freitag bis Sonntag (je 10-16 Uhr) tischt Küchenchef Nicolas Gemin diverse Egg Benedict's Varianten auf, Pancakes, Kuchen, Croissants und üppige Wurst- und Käseplatten muss man auch nicht missen. Wem es nach einer vollwertigen Mahlzeit steht, kann auf Shakshouka (9,90 Euro) oder Kabeljau und Safran-Kartoffeln (16 Euro) zurückgreifen. Ab 18 Uhr geht's mit dem Oster-Dinner weiter, zu wählen ist dabei aus der Frühlings- und Steak-Karte. Bis Open End, U-Bhf Schönleinstraße, zur Reservierung hier.