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Was sich nach der Obdachlosenzählung ändern mussWie die Parteien nach dem Wahleklat in Thüringen um Haltung ringenNach rassistischen Vorfällen „auf Schalke“ stellt Hertha-Verteidiger Torunarigha Strafanzeige

kommen Sie gut nach Hause! Das hat ein offenbar obdachloser Mann den Berliner Fahrgästen am gestrigen Abend in der S 25 gewünscht. Einer von mindestens 1.976.

Das Ergebnis der Obdachlosenzählung ist da und die Zahl deutlich niedriger, als erwartet. Schätzungen waren von 6.000 bis 10.000 Menschen ausgegangen. Weniger als einem Drittel davon begegneten die rund 2.700 Freiwilligen in der „Nacht der Solidarität“. Die meisten Wohnungslosen waren in Einrichtungen der Kältehilfe (942) und auf der Straße (807) anzutreffen. Der Rest in Rettungsstellen, im Öffentlichen Nahverkehr, in Polizeigewahrsam und im Wärmeraum in der Gitschiner Straße. Fast die Hälfte der (bisher 288 ausgewerteten) Befragten hat seit mehr als drei Jahren keinen festen Wohnsitz. Mehr als die Hälfte ist zwischen 30 und 49 Jahre alt. Der Jüngste 14, der Älteste über 65. Nur 39 waren Frauen. Für die Armut der Stadt gibt es jetzt also Zahlen, die von Senat und Bezirken ausgewertet werden. Danach sollen Hilfsangebote vor Ort verbessert werden. Strategiekonferenz Ende April und im Herbst. Neue Zählung im Frühjahr oder Sommer 2021. Soweit die Fakten.

„Fürchterlich“, findet Nicole Lindner, Vertreterin des „Wohnungslosenparlament in Gründung“. Sie war eine derjenigen, die die Zählaktion von Beginn an kritisiert und in der Nacht selbst eine Mahnwache für Obdachlose abgehalten hat. „Das wirkt jetzt, als wäre alles nicht so schlimm“, sagte sie dem Checkpoint am Freitagabend. „Aber die Realität sieht doch anders aus. Das sind viel, viel mehr.“ Einige hätten sich versteckt, Frauen seien aus Angst vor Gewalt nachts sowieso kaum draußen und suchten Schutz auf Dachböden oder in Hausfluren. Ihr Vorschlag: Die nächste Aktion nicht in nur einer Nacht, sondern über einen längeren Zeitraum durchführen – und dafür sorgen, dass die Menschen dem Senat Vertrauen. Durch mehr Sozialarbeiter, durch mehr gemeinsame Aktionen. „Das Vertrauen muss sich rumsprechen“, sagt sie. Noch sei es nicht da.

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Ihre Ann-Kathrin Hipp

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